Baby und Familie

Welchen Sonnenschutz brauchen Säuglinge?

"Erwachsene haben einen körpereigenen Hautschutzfaktor, Babys nicht. Deren Haut ist also superempfindlich. Deshalb hat ein Baby in der Sonne nichts verloren und ist am besten durch Kleidung geschützt – und zwar an allen Körperteilen. Der Sonnenhut ist dabei das Wichtigste. Wenn es wirklich nicht möglich ist, das Kleine durch Textilien zu schützen oder im Schatten zu halten, empfehle ich mineralische Sonnenschutzcreme mit Faktor 50. Bei Hauterkrankungen bitte die Verwendung von Sonnenschutzcreme vorher in der kinderärztlichen Praxis oder in der Apotheke abgeklären."                                                    Franziska Schwichtenberg, Hebamme aus Hamburg

Elterntipp

"Wir wollten mit unserem Xaver sieben Wochen lang mit dem Camper um die Iberische Halbinsel reisen. Klar wussten wir, dass das heiß und vor allem sonnig wird. Bei den Sonnenhüten, die wir in Geschäften fanden, waren die Krempen aber nicht groß genug. Xaver sollte ja richtig gut geschützt sein beim Buddeln. Also nähte uns seine Oma einen hübschen blauen Sonnenhut mit extragroßer Krempe in zwei Größen. Damit kam Xaver super durch den Urlaub."
Kathi aus München, Mutter von Xaver, 1

Wie sind Babys im Sommer richtig gekleidet?

"Bei Hitze genügt luftige Kleidung. Ich empfehle Naturmate­rialien wie Baumwolle, bei Polyester schwitzen nicht nur Erwachsene schnell. Ein Wolle-Seide-Mix ist am besten, weil er die Körpertemperatur gut reguliert und sogar herunterkühlt. Bitte achten Sie darauf, dass alle Körperteile Ihres Babys bedeckt sind, damit die empfindliche Haut keine Sonnenstrahlen abbekommt. Söckchen und Mützchen mit Nackenschutz nicht vergessen! Natürlich gibt es auch Kleidung mit UV-Schutz. Aber Babys gehören ohnehin nicht in die Sonne, sondern sind im Schatten viel besser aufgehoben."                                                   Franziska Schwichtenberg, Hebamme aus Hamburg

Elterntipp

"Im Südtirol-Urlaub waren es fast 40 Grad Celsius. Wir ließen unseren vier Monate alten Sohn oft im Schatten auf seiner ­Decke spielen. Das Bärchen-Schmusetuch, das wir dabeihatten, entpuppte sich als kühlender Retter: Wir haben es immer wieder feucht gemacht und auf seinen Kopf gelegt, egal ob er auf dem Rücken lag, in der Wippe saß oder sich auf dem Bauch nach oben stemmte. Jonathan hat es da auch gelassen, weil er es selbst so genial fand."
Susanne aus München, Mutter von Paul, 4, und Jonathan, 2

Wann bieten sich Spaziergänge an?

"Am Vormittag und dann wieder gegen Nachmittag oder Abend. Die ­hohe UV-Belastung in der Mittagszeit sollte vermieden werden – und natürlich die Hitze. Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius würde ich mir über­legen, ob ich mit einem kleinen Säugling überhaupt rausgehe. Es gibt Apps, die anzeigen, wie hoch der UV-Faktor um welche Uhrzeit ist."
Steffen Büchner, Kin­der- und Jugendarzt aus Güstrow

Was gibt es beim Stillen zu beachten?

"Muttermilch ist das Nonplusultra fürs Baby. Sie passt sich je nach Alter, Trinkbedürfnis und Jahreszeit dem Kind an. Im Sommer ist sie demnach flüssiger. Weil die Kleinen bei Hitze mehr Durst haben, rate ich dazu, zwischendurch immer wieder die Brust anzubieten. Das Baby ist durstig, wenn es mit der Zunge schleckt, an den Fäustchen nuckelt oder unzufrieden wirkt."
Franziska Schwichtenberg, Hebamme aus Hamburg

Elterntipp

"Als ich nach der Geburt meiner Tochter aus dem Krankenhaus kam, war es über 35 Grad Celsius heiß. Ich ­schickte meinen Mann mit unserem Sohn erst einmal an den Badesee, um zu Hause zur Ruhe zu kommen – und mich auf meinen Milcheinschuss zu konzentrieren. Weil ich nichts an mir haben konnte – keinen BH und keine Stilleinlagen –, lief ich den ganzen Tag oben ohne herum und duschte mich immer mal wieder ab, wenn die Milch herauslief. Für mich fühlte es sich in dem Moment richtig an, nackt zu sein und es laufen zu lassen."
Lisa aus Hamburg, Mutter von Lasse, 4, und Marta, 8 Monate

Was schützt vor Insekten?

"Bei Kindern unter zwei Jahren können Abwehrmittel wie Sprays die ­Augen und Schleimhäute reizen. Besser: ein Moskitonetz am Kinder­wagen und an den Fenstern. Die ­Größe und Maschenbreite der Netze sollte 1,5 Millimeter oder 25 Maschen pro Quadratzentimeter nicht unterschreiten.

Übrigens: Stechmücken lieben stehende Gewässer. Eimer, Gießkannen und Sandspielzeug abends immer ausleeren, damit Insekten erst gar nicht anschwirren. Angst vor Zecken muss man bei den Kleinen nicht haben, in einen Kinderwagen fallen Zecken nicht hinein. Sobald das Kind laufen kann, genügt es, das Kind abends einmal nach Zecken abzusuchen, vor allem Hautfalten, Achselhöhlen und Kopfhaut."                                                                                                                                  Antje Wendorff, Apothekerin aus Ludwigsfelde

Und wenn nachts die Hitze steht?

"Die ideale Schlaftemperatur für Babys liegt zwischen 16 und 18 Grad Celsius. In heißen Sommern kann es schwierig werden, die Schlafzimmer so kühl zu halten. Hängen Sie feuchte Hand­tücher im Zimmer auf. Lüften Sie morgens intensiv, wenn die Luft noch frisch ist, achten Sie aber darauf, dass das Kleine keine Zugluft bekommt. Lassen Sie tagsüber die Jalousien unten. Ich würde das Baby für die Nacht so anziehen, wie ich mich selbst auch kleide. Wenn es also so heiß ist, dass ich nur ein T-Shirt trage, dann genügt dem Kleinen auch ein dünner Body. Wichtig ist auch, immer wieder die Körpertemperatur zu kontrollieren. Am besten im Nacken. Dort darf es warm, sollte aber nicht feucht sein."
Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

Soll ich bei Hitze auch Wasser geben?

"Bei Neugeborenen sollte auf zusätzliches Wasser verzichtet werden, weil das zu Störungen im Elektro­lythaushalt führen kann. Bitte weiter stillen oder Pre-Nahrung geben – eben genauso, wie das Kleine ohne­hin ernährt wird. Bei einem fast einjährigen ­Baby sieht das natürlich anders aus, das darf den Durst auch mit stillem Wasser löschen. Babys haben einen hohen Flüssigkeitsbedarf, sie schwitzen nicht so wie wir und können sich dadurch nicht so gut abkühlen. Ob ihr Baby genug trinkt, erkennen Eltern an sechs nassen und schweren Windeln pro Tag. Die ­Lippen und Schleimhäute sollten zudem nicht trocken sein."
Franziska Schwichtenberg, Hebamme aus Hamburg

Kann man mit Baby wandern gehen?

"Wer geübt ist, kann sich auch mit dem Nachwuchs in der Trage oder später in der Kraxe sportlich betätigen. Zu beachten ist aber, dass die UV-Strahlung oben auf dem Berg deutlich höher ist. Auch da gilt es, die pralle Sonne zu meiden. Das Baby schützt man mit Sonnenschutzkleidung. Klettern mit Kind ist übrigens zu gefährlich. Suchen Sie sich besser eine familienfreundliche Route für die Bergtour aus, am besten gut bewaldet."
Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

Wie heiß es im Sommer im geschlossenen Auto werden kann, zeigt diese Grafik

Wie heiß es im Sommer im geschlossenen Auto werden kann, zeigt diese Grafik

Wie steht es um die Vitamin-D-Versorgung im Sommer?

"Im ersten Lebensjahr bekommen Babys jeden Tag ihre Vitamin-D-Dosis. Im zweiten Lebensjahr kann man von April bis September pausieren, weil die Kinder in den hellen Monaten draußen genügend Vitamin D produzieren."                                                       Justus Schollmeier, Apotheker aus Fulda                                                                                   

Wie helfe ich bei Sonnenbrand und Sonnenstich?

"Ich rate dringend, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Und die Kraft der Sonne unterschätzt man leicht. Eltern sollten sich immer wieder vor Augen führen, dass Babys Haut keine natürliche Schutzschicht hat. Sind die Kleinen der Sonnenstrahlung ausgesetzt, passiert es schnell, dass Ärmchen oder Beinchen rot werden.

Handelt es sich um einen Sonnenbrand ersten Grades, kann dieser zu Hause lokal therapiert werden. Dafür gibt es Dexpanthenol-Präparate, zum Beispiel ein Spray, das auch gleichzeitig kühlt. Die Pflege der Haut ist jetzt wichtig, etwa mit einer Wund- und Heilsalbe. Zudem darauf achten, dass das Kind nun ausreichend trinkt.

Ein Sonnenbrand zweiten Grades gehört dem Arzt oder der Ärztin vorgestellt, weil im Zweifelsfall die Bläschen unter sterilen Bedingungen entdeckelt werden müssen. Zudem wird auf syste­mische Neben­wirkungen geachtet, etwa ob auch der Kreislauf betroffen ist. Bei Verdacht auf einen Sonnenstich – das Kind ist überhitzt, es treten Symptome wie Übelkeit und Kopfschmerzen auf – das Kind sofort aus der Sonne bringen.

Den Kopf hochlagern und eventuell mit einem Cool-Pack kühlen. Gegen Kopfschmerzen helfen Schmerz-Zäpfchen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Paracetamol. Bessern sich die Symptome nicht oder werden sie stärker und kommen Zeichen für eine Bewusstseinseintrübung hinzu, rufen Sie sofort den Notarzt."                                            Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

Worin ist ein Baby besser unterwegs: Trage oder Kinderwagen?

"Vor allem wenn die Eltern an heißen Tagen selbst ins Schwitzen kommen, kann es beim Baby in der Trage zum Wärmestau kommen. Es gibt also ein paar Regeln zu beachten: Kein dicht gewebtes Tuch nehmen, die Trage sollte eine helle Farbe haben, und das Baby nicht zu warm anziehen.

Also einen leichten Langarmbody, eine lange Hose, Söckchen und einen Sonnenhut mit Nackenschutz, falls die Trage keinen Sonnenschutz für den Kopf bietet. Und dann die Temperatur des Babys immer wieder am Nacken kontrollieren. Wer lieber schiebt, stellt den Kinderwagen bei Pausen immer im Schatten ab. Bitte niemals zuhängen, da sonst ein Wärme­stau droht. Sonnenschirme am Kinderwagen sind perfekt, weil sie sich zurechtbiegen lassen.

Ein Sonnen­segel sollte nicht dunkel sein, weil dunkle Textilien stärker aufheizen als helle. Und auch hier gilt: Kontrollieren Sie die Temperatur des Babys am Nacken oder an der Nasenspitze. Wenn die Händchen mal kalt sind, ist das kein Warnsignal."
Franziska Schwichtenberg, Hebamme aus Hamburg

Darf man in See, Pool oder Meer baden gehen?

"Die Badetemperatur ist entscheidend. So schnell, wie sich ­Babys im Sonnenschein aufheizen, so schnell kühlen sie im Wasser auch ab. Die Temperaturregulation ist bei den Kleinen einfach sehr anfällig für Umweltreize. Wenn die Lippen blau werden, ist es fast schon zu spät. Dann muss man das Wasser sofort verlassen. Die ideale Badetemperatur für Babys beträgt übrigens 37 Grad Celsius. Im Pool wegen des Chlors besser vorsichtig sein; ein hoher Chlorgehalt kann zu Hautausschlägen führen. Eine Dusche danach und eine nachfettende ­Pflege helfen meist gut."                                                                            Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

Elterntipp

"Bei uns war ein kleines rotes Gummi-Flugzeug der Hit. ­Eigentlich hatte ich es für meinen älteren Sohn Paul gekauft, damit er damit auf dem See schippern kann. Für Baby Jakob befüllten wir es dann mit ein bisschen Wasser, damit er im Warmen planschen konnte. Wegen der breiten Ränder ­konnte er prima sitzen und kippte nicht um."
Angelika aus Donauwörth, Mutter von Paul, 4, und Jakob, 1

Was ist beim Auto­fahren zu beachten?

"Für Babys und Kinder kann es lebensgefährlich sein, unbeaufsichtigt im Auto zu sitzen. Deshalb: Auch nicht eben mal kurz allein lassen, wenn man schnell zum Bäcker muss und das Kleine so friedlich in der Babyschale schläft. Die Wärmeentwicklung im Wagen ist schon bei 23 Grad Celsius Außen­temperatur ­rapide.

Nach zehn Minuten Standzeit beträgt die Temperatur im Auto 30 Grad Celsius. Die Innentemperatur des Fahrzeugs sollte etwa 22 Grad betragen, Lüften und Vorkühlen vor dem Einsteigen ins Auto empfiehlt sich. Vermeiden Sie Zugluft sowie direkte Sonneneinstrahlung – hilfreich sind Sonnenblenden oder spezielle Sonnenschutzfolien. Überhitzt ein Baby, bekommt es rote Wangen, schwitzt, wird unruhig und fühlt sich im Nacken sehr warm an. Spätsymptome sind Erbrechen, Apathie sowie Bewusstlosigkeit."
Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

Elterntipp

"Theo schwitzte als Baby wie verrückt. Als er zehn Monate alt war, gönnten wir uns eine Auszeit und fuhren mit dem Wohnmobil durch Kalifornien. In San Francisco hatten wir 40 Grad Celsius, das war hart. Damit es Theo in seiner Babyschale nicht zu heiß ­wurde, besorgten wir eine Luftmatte, die extra für Autokindersitze zugelassen ist. Zwischen dem Kindersitz und dem Kind ist dann ein Zwischenraum aus Luftpolstern, damit die Luft zirkuliert."
Benjamin aus München, Vater von Theo, 5, Johann, 3, und Henriette, 8 Monate

Dürfen Säuglinge eine Sonnenbrille tragen?

"Erst einmal ist eine Sonnenbrille ein Fremdkörper im Gesicht. Da kommt die Frage auf, ob die Kleinen das tolerieren. Auf der anderen Seite hat eine Sonnenbrille einen guten Schutzeffekt für die Netzhaut, die durch die UV-Strahlung Verbrennungen erleiden kann. Vor dem Urlaub in einem sonnen­reichen Land kann es also schon sinnvoll sein, zum Optiker zu gehen. Es muss sich aber um ein Modell mit UV-Filter handeln, das wirklich gut passt."
Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt aus Güstrow

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