So lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben – diesen Wunsch haben viele Menschen. Doch wer im Alter nicht mehr so viel Kraft hat, kann leichter stürzen. Auch Depressionen, Demenz oder Parkinson bedeuten für viele Senior:innen oft das Ende in den eigenen vier Wänden und einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung. Könnte der Einsatz von Bewegungssensoren diesen Schritt künftig hinauszögern? Forschende der Universität Bern, des Inselspitals Bern und des ARTORG Center for Biomedical Engineering Research glauben, ja. Denn die Bewegungen von Menschen verändern sich oft in typischer Weise, wenn gesundheitliche Probleme auftreten.

Ihre Idee: kontaktlose Bewegungsmelder als Frühwarnsystem in den eigenen vier Wänden. Der Vorteil: Schon mit ersten Anzeichen könnte eine Krankheit erkannt und frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden. Zum Beispiel Demenz oder Parkinson aber auch auch Schlafprobleme, Atemprobleme oder etwa eine Herzmuskelschwäche.

Sensoren an Kühlschrank, Türen oder im Bett

Um in einer Studie mehr über das Potenzial der Sensoren herauszufinden, wurden die Wohnungen von Senior:innen damit bestückt. Pro Raum gab es mindestens einen Sensor, hinzu kamen Sensoren unter der Matratze, am Kühlschrank oder an Türen. Mit der Zeit entstanden so komplexe Bewegungsbilder. „Wir haben mit kontaktlosen Sensoren zu Hause eine umfassende Sammlung an digitalen Messwerten erstellt, welche weite Teile des täglichen Lebens, Verhaltens und der Physiologie erfassen, um gesundheitliche Risiken älterer Menschen frühzeitig zu identifizieren“, erklärt Studienautor Dr. Narayan Schütz.

Neben Krankheiten gaben die kontaktlosen Bewegungsmelder auch Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für einen Sturz oder zunehmende Gebrechlichkeit. Nicht selten entscheiden gerade diese Faktoren über den Verbleib im eigenen Zuhause oder den Umzug in eine Pflegeeinrichtung.

Weniger Kosten und eine bessere Gesundheit

„Wir gehen davon aus, dass es wesentlich dazu beitragen kann, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause leben können, indem Spitaleintritte und Übertritte in Pflegeinstitutionen hinausgezögert oder im besten Fall sogar vermieden werden“, sagt Prof. Hugo Saner. In Zukunft könnte das gleich mehrere Vorteile bringen: eine bessere Gesundheit älterer Menschen und reduzierte Kosten für das Gesundheitssystem.

Bevor derartige Systeme marktreif sind, müssen noch viele offene Fragen geklärt werden. Unter anderem, wie die persönlichen Bewegungsprofile vor unbefugtem Zugriff geschützt sind.

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