West-Nil-Fieber

Das West-Nil-Virus wurde im Jahr 1999 erstmals in Nordamerika nachgewiesen. Seitdem breitet sich das West-Nil-Fieber weltweit aus
von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 13.04.2017

Das West-Nil-Virus unter dem Elektronenmikroskop

Your Photo Today/Phanie

Der Nachweis des West-Nil-Virus gelang erstmals im Jahre 1937 bei einer alten Frau mit unklarem Fieber in der Provinz West-Nile von Uganda, wonach die Krankheit benannt wurde. Als 1999 erstmals Fälle in Nordamerika auftraten, erhielt die Krankheit internationale Aufmerksamkeit.

West-Nil-Virus in den USA: Tote Vögel im Central Park

Eine Ärztin, die viel in den Tropen gearbeitet hatte, erkannte den Zusammenhang zwischen den Tod von Vögeln im Central Park von New York und Erkrankungen von Menschen im umliegenden Stadtgebiet.

Sie informierte die Ärzte des Militärs über ihren Verdacht, dass ein Ausbruch des West-Nil-Fiebers vorliegen könnte. Das ließ sich bestätigen. Als Überträger wurde eine mit dem Virus infizierte Mücke identifiziert, die mit einem Flugzeug von Tel Aviv nach New York gelangt war.

In kurzer Zeit hatte sich die Erkrankung über die gesamten vereinigten Staaten ausgebreitet und gilt als Paradebeispiel für "emerging infections" – also Krankheiten, die sich unaufhaltsam immer weiter verbreiten und nicht eingedämmt werden können. Da die Erkrankung vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, wird sie zu den sogenannten Zoonosen gezählt. Eine Infektion von Pferd oder Vogel ist als Tierseuche meldepflichtig, beim Menschen hingegen besteht keine Meldepflicht.

Ursachen: Wie wird Westnil-Fieber übertragen?

Ursache des West-Nil-Fiebers ist das West-Nil-Virus. Es zählt zur Gattung der Flavi-Viren, zu denen auch das Gelbfieber und die Japanische-Enzephalitis gehören.

Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen. Bisher wurde das Virus bei über 43 verschiedenen Stechmückenarten nachgewiesen, vor allem bei solchen der "Culex"-Gattung. Zumeist sind infizierte Vögel die Wirte und dienen dem Virus als Reservoir. Sie übertragen die Erreger auf Stechmücken, die als Verbreiter (sogenannte Vektoren) dienen und durch den Stich den End-Wirt, also Mensch oder Pferd, infizieren.

Für Menschen kommen noch weitere Übertragungswege infrage. So kann die Krankheit nach einer Bluttransfusion mit Blut eines akut erkrankten Patienten oder in Einzelfällen auch nach Organtransplantationen auftreten. Infizierte Mütter können das Virus auf das ungeborene Kind oder später beim Stillen durch die Muttermilch übertragen.

Verbreitung: Wo und wie häufig gibt es West-Nil-Fieber?

Kein anderes durch Mücken übertragenes Virus ist geografisch weiter verbreitet als das West-Nil-Virus, das auf allen fünf Kontinenten nachgewiesen werden konnte. Die Dunkelziffer infizierter Personen ist sehr hoch, da die Symptome der Erkrankung unspezifisch sind und oft mit Grippe oder andern Krankheiten verwechselt werden.

In Afrika häufen sich die Fälle besonders in Uganda und Mosambik. Aber auch in Ägypten, Indien, Südost-Asien, Israel und dem Mittleren Osten ist West-Nil-Fieber weit verbreitet.

Seit das Virus im Jahr 1999 erstmals in Amerika nachgewiesen werden konnte, hat es sich schnell über ganz USA und Kanada verbreitet. Im Jahr 2002 gab es dort über 4000 registrierte Fälle und 263 Todesfälle. Alle Versuche, das Virus durch konsequenten Einsatz von Pestiziden zur Mückenbekämpfung einzudämmen, schlugen fehl.

Auch in Europa breitet sich das Virus zunehmend aus. Im Jahr 2010 kam es in vielen Staaten Süd- und Osteuropas zu Einzelfällen oder größeren Ausbrüchen. Am schlimmsten betroffen waren Südrussland und Griechenland. Auch in Rumänien, der Türkei, Ungarn und Italien wurden Fälle beschrieben.

In Deutschland tritt das West-Nil-Fieber nur sehr selten auf, wobei es sich bisher immer um aus dem Ausland eingeschleppte Fälle handelte. Vermutlich ist aufgrund der klimatischen Bedingungen ein Überleben des Virus in heimischen Mücken nicht möglich, da es zur Vermehrung eine höhere durchschnittliche Tagestemperatur benötigt. Bei entsprechenden klimatischen Veränderungen ist jedoch das Auftreten des West-Nil-Virus auch in Deutschland denkbar.

Symptome: Wie verläuft die Erkrankung an West-Nil-Fieber?

In knapp 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt und es treten keine Symptome auf. Bei den übrigen 20 Prozent beträgt die Zeit zwischen der Virusübertragung und dem Auftreten der ersten Symptome (die sogenannte Inkubationszeit) 2 bis 14 Tage.

Die Patienten leiden an grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Bindehautentzündung, Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Nach dem ersten Fieberschub kann es zunächst zu einer Besserung der Erkrankung kommen. Dann steigt das Fieber jedoch erneut an (biphasischer Verlauf). Bei knapp der Hälfte der Patienten tritt gegen Ende der Fieberphase ein Hautausschlag auf, der etwa eine Woche anhält. Insgesamt dauert die Erkrankung meist etwa eine Woche und heilt ohne Therapie ab.

In manchen Fällen (zirka einer von 150 Patienten) kann es zu schwerwiegenden Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) und der Gehirnhäute (Meningitis) sowie zu akuten Lähmungserscheinungen (Paralyse) kommen, die sich nur teilweise oder gar nicht mehr zurückbilden. Diese schwerwiegenden Komplikationen können zum Tod führen.

Betroffen sind insbesondere alte Menschen, Kinder und Abwehrgeschwächte wie Krebs- oder HIV-Patienten. Je älter der Patient ist, umso höher ist die Gefahr für die Ausbreitung der Krankheit auf Gehirn und Nervensystem. Schwere Verläufe werden besonders ab dem 50. Lebensjahr beobachtet. Die Sterblichkeit nach Gehirnentzündungen liegt bei fünf bis zehn Prozent Außerdem kann das Virus auch andere Organe wie Bauchspeicheldrüse, Herz oder Augen befallen.

Dr. med. Markus N. Frühwein

W&B/Privat

Diagnose: Wie lässt sich das West-Nil-Fieber diagnostizieren?

In den ersten Tagen kann die Erkrankung nur durch den direkten Nachweis des Virus im Blut diagnostiziert werden. Die Immunabwehr braucht Zeit, auf das Virus zu reagieren; sie beginnt erst etwa eine Woche nach der Infektion mit der Bildung von speziellen Abwehrstoffen (Antikörpern). Daher ist ein Nachweis dieser Antikörper in Blut oder Hirnwasser (Liquor) erst nach einigen Tagen möglich.

Falsche Test-Ergebnisse können auftreten, weil das West-Nil-Virus andern Viren der gleichen Gattung ähnelt (zum Beispiel Dengue- oder Gelbfieber-Virus).

Therapie: Wie kann man West-Nil-Fieber behandeln?

Die Krankheit endet normalerweise nach etwa sieben Tagen von selbst. Es gibt keine spezielle Therapie zur Behandlung des West-Nil-Fiebers. Alle Therapieversuche mit gängigen antiviralen Medikamenten verliefen bisher erfolglos. Daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen. Eine Isolation ist nicht nötig.

Verläuft die Krankheit schwer, ist eine Überwachung im Krankenhaus sinnvoll, um beim Auftreten von Komplikationen rasch reagieren zu können.

Amerikanischen Forschern gelang es, einen Antikörper gegen das Virus aus Mäusen zu isolieren. Diesen Antikörper so zu verändern, dass er auch bei Menschen wirksam und sicher eingesetzt werden kann, ist Ziel aktueller Studien.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor West-Nil-Fieber schützen?

Impfstoffe gegen das West-Nil-Fieber sind in der Entwicklung, aktuell aber noch nicht verfügbar. Die einzige Prophylaxe ist daher der konsequente Schutz vor Mückenstichen durch entsprechende Kleidung und Insektenschutzmittel. In Gebieten mit großen Stechmücken-Populationen muss dieser Schutz ganztägig gewährleistet sein, da die übertragende Culex-Mücke auch tagsüber aktiv ist.

In der europäischen Reisemedizin hat das West-Nil-Fieber gegenwärtig nur eine geringe Bedeutung. Es gibt nur wenig Berichte über durch Fernreisen erworbene Fälle. Allerdings dürfte es aufgrund der unspezifischen Symptome, die leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden können, eine hohe Dunkelziffer geben.

Leiden Patienten nach Fernreisen an unklaren Gehirnentzündungen, sollte das West-Nil-Fieber als Ursache in Betracht gezogen werden.

Autor: Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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