West-Nil-Fieber

Das West-Nil-Virus wurde im Jahr 1999 erstmals in Nordamerika nachgewiesen. Seitdem breitet sich das West-Nil-Fieber weltweit aus

von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 03.04.2018

Das West-Nil-Virus unter dem Elektronenmikroskop


West-Nil-Fieber: Die Geschichte der Entdeckung

Der Nachweis des West-Nil-Virus gelang erstmals im Jahre 1937 bei einer Frau mit unklarem Fieber in der Provinz West-Nile von Uganda, wonach die Krankheit benannt wurde. Als 1999 erstmals Fälle in Nordamerika auftraten, erhielt die Krankheit internationale Aufmerksamkeit.

West-Nil-Virus in den USA: Tote Vögel im Central Park

Eine Ärztin, die viel in den Tropen gearbeitet hatte, erkannte den Zusammenhang zwischen den Tod von Vögeln im Central Park von New York und Erkrankungen von Menschen im umliegenden Stadtgebiet.

Sie informierte die Ärzte des Militärs über ihren Verdacht, dass ein Ausbruch des West-Nil-Fiebers vorliegen könnte. Das ließ sich bestätigen. Als Überträger wurde eine mit dem Virus infizierte Mücke identifiziert, die mit einem Flugzeug von Tel Aviv nach New York gelangt war.

In kurzer Zeit hatte sich die Erkrankung über die gesamten vereinigten Staaten ausgebreitet und gilt als Paradebeispiel für "emerging infections" – also Krankheiten, die sich unaufhaltsam immer weiter verbreiten und nicht eingedämmt werden können. Da die Erkrankung vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, wird sie zu den sogenannten Zoonosen gezählt. Eine Infektion von Pferd oder Vogel ist als Tierseuche meldepflichtig, beim Menschen hingegen besteht keine Meldepflicht.

Ursachen: Wie wird das West-Nil-Fieber übertragen?

Ursache des West-Nil-Fiebers ist das West-Nil-Virus. Es zählt zur Gattung der Flavi-Viren, zu denen auch das Gelbfieber und die Japanische-Enzephalitis gehören.

Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen. Bisher wurde das Virus bei über 43 verschiedenen Stechmückenarten nachgewiesen, vor allem bei solchen der "Culex"-Gattung. Zumeist sind infizierte Vögel die Wirte und dienen dem Virus als Reservoir. Sie übertragen die Erreger auf Stechmücken, die als Verbreiter (sogenannte Vektoren) dienen und durch den Stich den End-Wirt, also Mensch oder Pferd, infizieren. Auch durch direkten Blutkontakt zu infizierten Tieren kann zu einer Übertragung des Viruses führen.

Auch von Mensch zu Mensch kommt der direkte Übertragungsweg über Blut infrage. So kann die Krankheit nach einer Bluttransfusion mit Blut eines akut erkrankten Patienten übertragen werden. Daher werden Blutspender nach ihrer Rückkehr aus Risikogebieten für vier Wochen nicht als Speder zugelassen. Auch nach Organtransplantationen können Infektionen mit dem West-Nil-Virus auftreten und infizierte Mütter können das Virus auf das ungeborene Kind oder später beim Stillen durch die Muttermilch weiter geben.

Verbreitung: Wo und wie häufig gibt es das West-Nil-Fieber?

Kein anderes durch Mücken übertragenes Virus ist geografisch weiter verbreitet als das West-Nil-Virus, das auf allen fünf Kontinenten nachgewiesen werden konnte. Die Dunkelziffer infizierter Personen ist sehr hoch, da die Symptome der Erkrankung unspezifisch sind und oft mit Grippe oder andern Krankheiten verwechselt werden.

In Afrika häufen sich die Fälle besonders in Uganda und Mosambik. Aber auch in Ägypten, Indien, Südost-Asien, Israel und dem Mittleren Osten ist West-Nil-Fieber weit verbreitet.

Seit das Virus im Jahr 1999 erstmals in Amerika nachgewiesen werden konnte, hat es sich schnell über ganz USA und Kanada verbreitet. Im Jahr 2002 gab es in den USA über 4000 registrierte Fälle und 263 Todesfälle. In den letzten 5 Jahren waren es zwischen 5674 und 2149 Erkrankungen pro Jahr. Zwischen 1999 und 2016 erkrankten mehr als 46 000 Menschen in den USA von denen über 2000 starben. Alle Versuche, das Virus durch konsequenten Einsatz von Pestiziden zur Mückenbekämpfung einzudämmen, schlugen fehl.

Auch in Europa breitet sich das Virus zunehmend aus. Aktuelles Kartenmaterial kann man online über den ecdc (European Centre for Disease Prevention and Control) abrufen. Im Jahr 2017 gabe es innerhalb Europas 204 bestätigte Fälle von West-Nil-Virus Übertragungen auf den Menschen, die meisten davon in Rumänien, gefolgt von Italien und Griechenland. In Deutschland wurde kein Fall berichtet.

In Deutschland tritt das West-Nil-Fieber nur sehr selten auf, wobei es sich bisher immer um aus dem Ausland eingeschleppte Fälle handelte. Vermutlich ist aufgrund der klimatischen Bedingungen ein Überleben des Virus in heimischen Mücken nicht möglich, da es zur Vermehrung eine höhere durchschnittliche Tagestemperatur benötigt. Bei entsprechenden klimatischen Veränderungen ist jedoch das Auftreten des West-Nil-Virus auch in Deutschland denkbar.

Symptome: Wie verläuft die Erkrankung an West-Nil-Fieber?

In knapp 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt und es treten keine Symptome auf. Bei den übrigen 20 Prozent beträgt die Zeit zwischen der Virusübertragung und dem Auftreten der ersten Symptome (die sogenannte Inkubationszeit) 2 bis 14 Tage.

Die Patienten leiden an grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellung, Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Nach dem ersten Fieberschub kann es zunächst zu einer Besserung der Erkrankung kommen. Dann steigt das Fieber jedoch erneut an (biphasischer Verlauf). Bei knapp der Hälfte der Patienten tritt gegen Ende der Fieberphase ein Hautausschlag auf, der etwa eine Woche anhält. Insgesamt dauert die Erkrankung meist etwa eine Woche und heilt ohne Therapie ab.

In manchen Fällen (zirka einer von 150 Patienten) kann es zu schwerwiegenden Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) und der Gehirnhäute (Meningitis) sowie zu akuten Lähmungserscheinungen (Paralyse) kommen, die sich nur teilweise oder gar nicht mehr zurückbilden. Diese schwerwiegenden Komplikationen können zum Tod führen.

Sypmtome der Hirn- und Hirnhautentzündung beginnen ähnlich wie bei anderen viralen neurologischen Erkrankungen mit Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Lichtscheuheit (Photophobie). Auch Verwirrtheit und Koma können hierbei auftreten.

Betroffen sind insbesondere alte Menschen, Kinder und Abwehrgeschwächte wie Krebs- oder HIV-Patienten. Je älter der Patient ist, umso höher ist die Gefahr für die Ausbreitung der Krankheit auf Gehirn und Nervensystem. Schwere Verläufe werden besonders ab dem 50. Lebensjahr beobachtet. Die Sterblichkeit nach Gehirnentzündungen liegt bei fünf bis zehn Prozent. Außerdem kann das Virus auch andere Organe wie Bauchspeicheldrüse, Herz oder Augen befallen.

Nach einer West-Nil-Virus-Infektion können auch Spätfolgen Monate nach dem Abklingen der Symptome auftreten. Diese äußern sich in Müdigkeit, Mulskelschmerzen oder Konzentrationsstörungen.

Diagnose: Wie lässt sich das West-Nil-Fieber diagnostizieren?

In den ersten Tagen kann die Erkrankung nur durch den direkten Nachweis des Virus im Blut diagnostiziert werden. Dies kann über eine kulturelle Anzucht oder durch den Virusgenomnachweis (PCR) im Blut erfolgen. Die Immunabwehr braucht Zeit um auf das Virus zu reagieren; sie beginnt erst etwa eine Woche nach der Infektion mit der Bildung von speziellen Abwehrstoffen (Antikörpern). Daher ist ein Nachweis dieser Antikörper in Blut oder Hirnwasser (Liquor) erst nach einigen Tagen möglich.

Falsche Test-Ergebnisse können auftreten, weil das West-Nil-Virus andern Viren der gleichen Gattung ähnelt (zum Beispiel Dengue- oder Gelbfieber-Virus).

Therapie: Wie kann man West-Nil-Fieber behandeln?

Die Krankheit endet normalerweise nach etwa sieben Tagen von selbst. Es gibt keine spezielle Therapie zur Behandlung des West-Nil-Fiebers. Alle Therapieversuche mit gängigen antiviralen Medikamenten verliefen bisher erfolglos. Daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen. Eine Isolation ist nicht nötig.

Verläuft die Krankheit schwer, ist eine Überwachung im Krankenhaus sinnvoll, um beim Auftreten von Komplikationen rasch reagieren zu können.

Amerikanischen Forschern gelang es, einen Antikörper gegen das Virus aus Mäusen zu isolieren. Diesen Antikörper so zu verändern, dass er auch bei Menschen wirksam und sicher eingesetzt werden kann, ist Ziel aktueller Studien.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor West-Nil-Fieber schützen?

Impfstoffe gegen das West-Nil-Fieber sind in der Entwicklung, aktuell aber noch nicht verfügbar. Die einzige Prophylaxe ist daher der konsequente Schutz vor Mückenstichen durch entsprechende Kleidung und Insektenschutzmittel. In Gebieten mit großen Stechmücken-Populationen muss dieser Schutz ganztägig gewährleistet sein, da die übertragende Culex-Mücke auch tagsüber aktiv ist.

In der europäischen Reisemedizin hat das West-Nil-Fieber gegenwärtig nur eine geringe Bedeutung. Es gibt nur wenig Berichte über durch Fernreisen erworbene Fälle. Allerdings dürfte es aufgrund der unspezifischen Symptome, die leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden können, eine hohe Dunkelziffer geben.

Leiden Patienten nach Fernreisen an neurologischen Symptomen, sollte das West-Nil-Fieber als Ursache in Betracht gezogen werden.

Beratender Experte:

Unser Autor Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

  • European Centre for Disease Prevention and Control, Disease data from ECDC Surveillance Atlas - West Nile fever; Online: https://ecdc.europa.eu/en/west-nile-fever/surveillance-and-disease-data/disease-data-ecdc (abgerufen am 22. März 2018)
  • European Centre for Disease Prevention and Control, West Nile fever in Europe in 2017; Online: https://ecdc.europa.eu/en/publications-data/west-nile-fever-europe-2017-and-previous-transmission-seasons-21 (abgerufen am 22. März 2018)
  • Paul-Ehrlich-Institut, Anordnung des Ausschlusses von Blutspendern zur Verhinderung einer möglichen Übertragung des West-Nil-Virus durch nicht Pathogen-inaktivierte Blutkomponenten; Online: https://www.pei.de/DE/infos/pu/zulassung-humanarzneimittel/verfahren/blut-blutkomponenten/wnv-spenderrueckstellung/wnv-spenderrueckstellung-inhalt.html?nn=3582702#Anker-wnv-dokumente (abgerufen am 22. März 2018)
  • Robert-Koch-Institut, West-Nil-Virus, Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit; Online: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/AK_Blut/Stellungnahmen/download/stWNV.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 22. März 2018)
  • Robert-Koch-Institut, West-Nil-Fieber; Online: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/W/WestNilFieber/West-Nil-Fieber.html (abgerufen am 22. März 2018)