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Notfallverhütung: Pille danach

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen können Mittel wie die Pille danach oder die Spirale danach eine ungewollte Schwangerschaft verhindern

aktualisiert am 13.02.2019
Sprechstunde

Befürchtet eine Frau, ungewollt schwanger zu sein, ist der Frauenarzt der bewährte Ansprechpartner


Die Pille mehr als einmal oder zu lange vergessen? Das Kondom abgerutscht? Oder ein Magen-Darm-Infekt kam Ihnen in die Quere und Sie befürchten, dass die Pille deshalb nicht mehr wirkt? Verhütungspannen und -notfälle sind schnell passiert. Einen Ausweg bieten zwei verschiedene Methoden: Pille danach, (auch) rezeptfrei in Apotheken erhältlich, oder Spirale danach.

Pille danach

In Deutschland gibt es zwei "Danach-Pillen". Die eine enthält ein Gestagen (Levonorgestrel, LNG) in relativ hoher Dosierung, die andere den Wirkstoff Ulipristal (Ulipristalacetet, UPA). Beide Präparate haben übrigens nichts mit der "Abbruchpille" (Wirkstoff: Mifepriston (RU 486)) zu tun. UPA ist aber eine Weiterentwicklung von Mifepriston.

So wirkt die Pille danach

Wenige Tage vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs selbst ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten. Spermien sind im Allgemeinen fünf bis sieben Tage überlebens- und befruchtungsfähig. Beide Präparate hemmen beziehungsweise verschieben den Eisprung.

Daraus folgt: In der "gewonnenen" Zeit sterben die Spermien vor Ort in aller Regel ab und können dann die Eizelle nicht mehr befruchten. Nach dem Eisprung, also bei zu später Einnahme, wirken die Medikamente nicht mehr. Auch eine schon bestehende Schwangerschaft wird von der Pille danach nicht beeinflusst.

Zahlen und Fakten

Unter der Pille danach tritt bei einer bis drei von hundert Frauen pro Zyklus eine Schwangerschaft ein. Zum Vergleich: Ohne Notfallverhütung sind es etwa acht von hundert Frauen pro Zyklus, die schwanger werden. Junge Mädchen und jüngere Frauen haben deutlich häufiger als ältere schon einmal notfallverhütet.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und des Berufsverbands der Frauenärzte ist Ulipristal inzwischen als Standard bei der Pille danach anzusehen. Denn der Wirkstoff kann den Eisprung (die Ovulation) noch etwas später als Levonorgestrel aufhalten.

Das bedeutet: UPA kann innerhalb von fünf Tagen (120 Stunden) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen angewendet werden. Bei LNG sind es nur drei Tage (72 Stunden), denn es wirkt nicht mehr, wenn bestimmte Steuerhormone ansteigen, um dann den Eisprung auszulösen.

LNG sollte daher möglichst innerhalb von zwölf Stunden und nicht später als drei Tage nach der (mutmaßlichen) Verhütungspanne eingenommen werden. UPA wirkt dagegen in dieser Phase noch. Notfallverhütung ist und bleibt aber in jedem Fall ein Wettlauf mit der Zeit: Je früher die Behandlung erfolgt, umso effektiver ist sie.

Beratung in der Apotheke

Wer kann die Pille danach erhalten?

Apotheken können die Pille danach ohne Rezept an Frauen im gebährfähigen Alter abgeben. Mädchen unter 14 Jahren sollten eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten vorlegen. Das Medikament soll an die betroffene Frau persönlich ausgehändigt werden.

Für Frauen bis zum 20. Geburtstag übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Pille danach, falls ein Arzt oder eine Ärztin ein entsprechendes Rezept ausgestellt hat. Für 18- und 19-Jährige Frauen fällt im Allgemeinen eine Rezeptgebühr in der Apotheke an.

Gegenanzeigen, mögliche Nebenwirkungen, Probleme

So einfach die Anwendung ist: Die Pille danach ist ein Medikament, das ins Hormonsystem und andere Körpervorgänge eingreift. Mit Nebenwirkungen muss also immer gerechnet werden. Das sind, kurz gesagt, vor allem Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Brechreiz und Erbrechen, Brustspannen, Menstruationsschmerzen und -unregelmäßigkeiten. Betroffene Frauen berichten beispielsweise über Schmierblutungen, stärkere oder schwächere Blutungen bis zur nächsten Menstruation, die zudem verspätet auftreten kann. Allerdings kann sich auch eine Schwangerschaft teilweise mit solchen Beschwerden äußern (siehe unten).

Ungeeignet ist die Pille danach bei Allergien auf enthaltene Stoffe und bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen. Alternativ bietet sich dann die Spirale danach an (mehr dazu weiter unten). Das gilt eventuell auch für stark übergewichtige Frauen, denn bei deutlich erhöhtem Körpergewicht lässt die Wirkung sowohl von Levonorgestrel (etwa ab über 70 Kilogramm Körpergewicht) als auch von Ulipristal (etwa ab 95 Kilogramm Körpergewicht) nach – möglicherweise. Die Datenlage ist hier nicht ganz klar, laut der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für eine Einschränkung bei der Anwendung aber auch nicht ausreichend.

Stillt eine Frau, muss sie nach Anwendung von UPA eine einwöchige Stillpause mit Abpumpen und Entsorgen der Milch einlegen. Nach LNG genügt eine Unterbrechung von acht Stunden: Einnahme gleich nach dem Stillen, dann Pause.

Bei mehrfach ungeschütztem Geschlechtsverkehr in einem Monatszyklus ist die Pille danach nicht mehr die richtige Wahl. Bei LNG wäre die Hormonbelastung zu hoch und könnte zu Zyklusstörungen führen, auch lässt die Wirkung nach. Mit UPA sind die Erfahrungen noch begrenzt. Von einem Wechsel vom einen zum anderen Präparat wird ebenfalls abgeraten. Die Pille danach schützt auch nicht vor einer Empfängnis im weiteren Verlauf des Zyklus.

Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme sollte unbedingt eine weitere Tablette eingenommen werden.

Bei Verdacht auf eine bestehende Schwangerschaft darf UPA nicht eingenommen werden. Befürchtet eine Frau nach dem Gang der Dinge von vornherein, schwanger zu sein, auch weil etwa die nächste Regelblutung nicht innerhalb einer Woche nach dem erwarteten Zeitpunkt einsetzt, zudem vielleicht Brustspannen und morgendliche Übelkeit auftreten, ist vor der Einnahme der Pille danach, insbesondere UPA, ein Schwangerschaftstest angebracht.

Dies gilt auch, wenn es zu einer Blutung mit Bauchschmerzen kommt. Hier ist in jedem Fall (auch nach Einnahme von UPA) eine Untersuchung beim Frauenarzt notwendig, um zum Beispiel eine Bauchhöhlenschwangerschaft auszuschließen.

Für beide Pillen zur Notfallverhütung besteht bei bestätigter Schwangerschaft keine Indikation mehr. Zudem ist über eine fruchtschädigende Wirkung der Pille danach wie UPA ist derzeit noch wenig bekannt. Es lässt sich nicht ausschließen, aus den bisherigen wenigen Daten aber auch nicht ableiten. Für die Pille danach mit LNG sind keine embryotoxischen Wirkungen beschrieben.

Manche Medikamente können die Wirkung von LNG und UPA beeinträchtigen. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke informieren.

Spirale danach

Die Spirale danach verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle bis spätestens zum fünften Tag nach der Empfängnis sehr wirksam. Der Arzt legt die Spirale in die Gebärmutter ein. Dafür eignen sich verschiedene, auch zur Notfallverhütung zugelassene Kupferspiralen, darunter die Kupferkette (siehe Beitrag "Kupferspirale"). Die Spirale dient dann auch zur weiteren Verhütung.

Je nach Art und Verträglichkeit kann sie drei bis fünf Jahre oder länger (aktiv) in der Gebärmutter bleiben. Da der Muttermund nicht wie bei der Menstruation, dem üblichen Zeitpunkt zum Einlegen einer Spirale, leicht geöffnet ist, kann die Prozedur etwas schmerzhafter sein als normal.

Gegenanzeigen der Spirale danach

Nicht geeignet ist die Spirale danach bei einer schon bestehenden Schwangerschaft, einer Unterleibsentzündung, Fehlbildungen der Gebärmutter oder wenn diese zu klein ist.

Wie geht eine betroffene Frau am besten vor?

Die Pille danach ist dem Ausnahmefall vorbehalten. Die Apotheke wird bei der Abgabe des Mittels über alle wichtigen Aspekte informieren, aber auch auf den weiterberatenden Frauenarzt verweisen – er ist und bleibt der Ansprechpartner in allen offen gebliebenen Fragen zur Verhütung.

Als behandelnder Arzt überblickt er am besten, ob ein Mittel zur Notfallverhütung und welches individuell für die Frau geeignet ist. Auch das Einlegen einer Spirale und die vorausgehende Untersuchung ist Sache des Gynäkologen.

Um künftige Risiken zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Betroffene sich mit den Möglichkeiten einer sicheren Verhütung vertraut macht. Auch hier ist der Frauenarzt der richtige Ansprechparter, denn er kennt im Allgemeinen auch die gesundheitlichen Belange der Frau. So kann er sie konstruktiv über weitere Aspekte der Sexualität wie Vorbeugung von Infektionen, geeignete Methoden zur sicheren Verhütung und selbstbestimmtes Sexualverhalten informieren.

Hat die Frau bislang ein Verhütungsmittel eingenommen, erklärt er ihr, wie sie nun am besten weiter vorgeht, etwa bei der Fortsetzung der Pillen-Einnahme und/oder beim zusätzlichen Empfängnisschutz (beispielsweise mit einem Kondom für den Mann) bis zum Ende des Zyklus. Dies ist wichtig, denn nach Überschreiten des spätestmöglichen Einnahmezeitpunktes und Notfallverhütung wirkt die übliche Verhütungspille bis zur nächsten Monatsblutung nicht mehr.

Darüber hinaus kann man sich in einer der anerkannten Beratungsstellen für Familie, Partnerschaft und Verhütung, die verschiedene Träger und Sozialdienste in Deutschland anbieten, Rat holen, im Notfall zum Beispiel auch beim Frauennotruf.

Quellen:

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/die-pille-danach-nofallverhuetung/ (abgerufen am 13.02.2019)

https://www.abda.de/newsroom/meldung/artikel/pille-danach/ (09. März 2018, abgerufen am 13.02.2019)