Notfallverhütung: Pille danach

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen können Mittel wie die Pille danach oder die Spirale danach eine ungewollte Schwangerschaft verhindern

aktualisiert am 16.11.2015

Befürchtet eine Frau, ungewollt schwanger zu sein, ist der Frauenarzt der bewährte Ansprechpartner


Die Pille mehr als einmal oder zu lange vergessen? Das Kondom abgerutscht? Oder ein Magen-Darm-Infekt kam Ihnen in die Quere und Sie befürchten, dass die Pille deshalb nicht mehr wirkt? Verhütungspannen und -notfälle sind schnell passiert. Einen Ausweg bieten zwei Methoden: Pille danach, jetzt rezeptfrei in Apotheken erhältlich, oder Spirale danach.

Pille danach

In Deutschland gibt es zwei "Danach-Pillen". Die eine enthält ein Gestagen (Levonorgestrel, LNG) in relativ hoher Dosierung. Die zweite besteht aus dem Wirkstoff Ulipristal (Ulipristalacetet, UPA). Beide Präparate verschieben den Eisprung. In der so "gewonnenen" Zeit gehen eingedrungene Spermien zumeist zugrunde und können dann die Eizelle nicht mehr befruchten. Nach dem Eisprung wirken die Medikamente nicht mehr. Auch eine schon bestehende Schwangerschaft wird von der Pille danach nicht beeinflusst.

Beide Präparate haben übrigens nichts mit der Abtreibungspille (Wirkstoff: Mifepriston (RU 486)) zu tun. UPA ist aber eine Weiterentwicklung von Mifepriston.

Zahlen und Fakten

Unter der Pille danach tritt etwa bei einer bis drei von hundert Frauen pro Zyklus eine Schwangerschaft ein. Zum Vergleich: Ohne Notfallverhütung sind es acht von hundert Frauen pro Zyklus, die schwanger werden. Junge Mädchen und jüngere Frauen haben deutlich häufiger als ältere schon einmal notfallverhütet.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und des Berufsverbands der Frauenärzte ist Ulipristal inzwischen als Standard bei der Pille danach anzusehen. Denn der Wirkstoff kann den Eisprung (die Ovulation) noch etwas später als Levonorgestrel aufhalten. Im Prinzip passiert aber jeweils dasselbe: Es verzögert sich die Reifung des Eibläschens (Follikel), und die Ovulation findet erst einige Tage später statt – meist sind zu diesem Zeitpunkt keine lebensfähigen Spermien mehr vorhanden.

UPA kann innerhalb von fünf Tagen (120 Stunden) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen angewendet werden. Bei LNG sind es nur drei Tage (72 Stunden), denn es wirkt nicht mehr, wenn bestimmte Steuerhormone ansteigen, um dann den Eisprung auszulösen. UPA wirkt dagegen in dieser Phase noch. Je früher aber die Behandlung erfolgt, umso effektiver ist sie.

Wer kann die Pille danach erhalten?

Apotheken können die Pille danach ohne Rezept an Frauen "im gebährfähigen Alter" abgeben. Mädchen unter 14 Jahren sollten eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten vorlegen. Das Medikament soll an die betroffene Frau persönlich ausgehändigt werden. Für Frauen bis zum 20. Geburtstag übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Pille danach, falls ein Arzt oder eine Ärztin ein entsprechendes Rezept ausgestellt hat. Ab 18 (bis 20) Jahren fällt im Allgemeinen eine Rezeptgebühr in der Apotheke an.

Nebenwirkungen, Gegenanzeigen, Probleme

So einfach die Anwendung ist: Die Pille danach ist ein Medikament, das ins Hormonsystem und andere Körpervorgänge eingreift. Mit Nebenwirkungen muss also immer gerechnet werden. Das sind, kurz gesagt, vor allem Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Brechreiz und Erbrechen, Bauchschmerzen, Menstruationsbeschwerden.

Ungeeignet ist die Pille danach zum Beispiel bei bestimmten Leber- und Nierenerkrankungen. Alternativ bietet sich dann die Spirale danach (siehe unten) an. Das gilt im Prinzip auch für stark übergewichtige Frauen, denn bei deutlich erhöhtem Körpergewicht lässt die Wirkung sowohl von Levonorgestrel (etwa ab über 75 Kilogramm Körpergewicht) als auch von Ulipristal (etwa ab 95 Kilogramm Körpergewicht) nach – möglicherweise. Die Datenlage ist hier nicht ganz klar. Manche Experten und die europäische Arzneimittelagentur EMA, die bei sachgerechter Anwendung auch im Falle ausgeprägten Übergewichts keine Wirkverluste sieht, sind sich hier noch nicht ganz einig.

Stillt eine Frau, muss sie nach Anwendung von UPA eine einwöchige Stillpause einlegen. Nach LNG genügt eine Unterbrechung von acht Stunden.

Bei mehrfach ungeschütztem Geschlechtsverkehr in einem Monatszyklus ist die Pille danach nicht mehr die richtige Wahl. Bei LNG wäre die Hormonbelastung zu hoch und könnte zu Zyklusstörungen führen, auch lässt die Wirkung nach. Mit UPA sind die Erfahrungen letztlich noch zu begrenzt. Von einem Wechsel vom einen zum anderen Präparat wird ebenfalls abgeraten. Die Pille danach schützt auch nicht vor einer Empfängnis im weiteren Verlauf des Zyklus.

Bei Erbrechen innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme sollte unbedingt eine weitere Tablette eingenommen werden. Starkes oder anhaltendes Erbrechen ist ein Grund, zum Arzt zu gehen.

Setzt nach der Notfallverhütung die nächste Regelblutung nicht innerhalb einer Woche nach dem erwarteten Zeitpunkt ein oder fällt sie deutlich schwächer aus, ist ein Schwangerschaftstest angebracht. Je nach Ergebnis ist die Beratung beim Frauenarzt und bei einer Familienberatungsstelle (siehe unten) sinnvoll.

Befürchtet eine Frau von vornherein, schwanger zu sein, sollte sie sich umgehend fachlich beraten lassen. UPA darf bei mutmaßlicher und bestätigter Schwangerschaft nicht eingenommen werden, und auch für LNG besteht natürlich bei bestätigter Schwangerschaft keine Indikation mehr.

Über eine fruchtschädigende Wirkung der Pille danach wie UPA ist wenig bekannt. Es lässt sich nicht auszuschließen, aus den bisherigen wenigen Daten aber auch nicht ableiten. Für die Pille danach mit LNG sind keine embryotoxischen Wirkungen beschrieben.

Bei gesunden Frauen gibt es keine Belege für ein erhöhtes Thromboserisiriko bei einer ausnahmsweise erfolgenden Notfallverhütung.
Manche Medikamente können die Wirkung von LNG und UPA beeinträchtigen. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke informieren.

Spirale danach: Hohe Wirksamkeit

Die Spirale danach verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle bis spätestens zum fünften Tag nach der Empfängnis sehr wirksam. Der Arzt legt die Spirale in die Gebärmutter ein. Dafür eignen sich verschiedene, auch zur Notfallverhütung zugelassene Kupferspiralen, darunter die Kupferkette (siehe Beitrag "Kupferspirale"). Die Spirale dient dann auch zur weiteren Verhütung.

Je nach Art und Verträglichkeit kann sie drei bis fünf Jahre oder länger (aktiv) in der Gebärmutter bleiben. Da der Muttermund nicht wie bei der Menstruation, dem üblichen Zeitpunkt zum Einlegen einer Spirale, leicht geöffnet ist, kann die Prozedur etwas schmerzhafter sein als normal.

Gegenanzeigen

Nicht geeignet ist die Spirale danach bei einer schon bestehenden Schwangerschaft, einer Unterleibsentzündung, Fehlbildungen der Gebärmutter oder wenn diese zu klein ist.

Wie geht eine betroffene Frau am besten vor?

Die Pille danach ist dem Ausnahmefall vorbehalten. Die Apotheke wird bei der Abgabe des Mittels über die wichtigen Aspekte informieren, aber auch auf den weiterberatenden Frauenarzt verweisen – er ist und bleibt der Ansprechpartner in allen offen gebliebenen Fragen zur Verhütung.

Als behandelnder Arzt überblickt er am besten, ob ein Mittel zur Notfallverhütung und welches individuell für die Frau geeignet ist. Auch das Einlegen einer Spirale und die vorausgehende Untersuchung ist Sache des Gynäkologen.

Um künftige Risiken zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Betroffene sich mit den Möglichkeiten einer sicheren Verhütung vertraut macht. Auch hier ist der Frauenarzt der richtige Ansprechparter, denn er kennt im Allgemeinen auch die gesundheitlichen Belange der Frau. So kann er sie konstruktiv über weitere Aspekte der Sexualität wie Vorbeugung von Infektionen, geeignete Methoden zur sicheren Verhütung und selbstbestimmtes Sexualverhalten informieren.

Hat die Frau bislang ein Verhütungsmittel eingenommen, erklärt er ihr, wie sie nun weiter vorgeht, etwa bei der Pillen-Einnahme oder beim zusätzlichen Empfängnisschutz (etwa mit einem Kondom) bis zum Ende des Zyklus. Dies ist wichtig, denn nach Überschreiten des spätestmöglichen Einnahmezeitpunktes und Notfallverhütung wirkt die Verhütungspille bis zur nächsten Monatsblutung nicht mehr.

Darüber hinaus kann man sich in einer der anerkannten Beratungsstellen für Familie, Partnerschaft und Verhütung, die verschiedene Träger und Sozialdienste in Deutschland anbieten, im Notfall zum Beispiel auch beim Frauennotruf Rat holen.

Quellen:

Rabe Th, Albring Ch, Arbeitskreis "Postkoitale Kontrazeption" der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie (DGGEF e. V.) u. Berufsverband der Frauenärzte (BVF e. V.): Notfallkontrazeption – ein Update. In: Frauenarzt 54 (2013) 2: 108-114

Pressemitteilung  der Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbände (ABDA), 6. März 2015

pro familia medizin Nr. 1 / Februar 2015