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Morbus Scheuermann: Therapie

Krankengymnastik ist die wichtigste Therapie bei einer Scheuermann-Krankheit. Eventuell muss ein Korsett getragen werden. Sehr selten ist eine Operation nötig

aktualisiert am 07.04.2014
Mädchen liest im Bett

Meistens gut für die Wirbelsäule bei Morbus Scheuermann: Öfter mal auf dem Bauch liegen – zum Beispiel zum Lesen


Ob bei Morbus Scheuermann eine Therapie nötig ist, und falls ja welche, ist immer eine individuelle Entscheidung. Sie sollte nach ausführlicher Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden. Untersuchungsbefunde und Ausmaß der Beschwerden spielen dabei eine Rolle.

Ziel einer Behandlung ist, die Wirbelsäule so weit wie möglich aufzurichten. Bei jungen Patienten soll eine weitere Krümmung (Kyphose) vermieden werden. In diesem Alter ist es auch möglich, eine übermäßige Kyphose durch Übungen oder eine Korsettbehandlung teilweise auszugleichen.

Krankengymnastik

Krankengymnastik (Physiotherapie) ist bei Morbus Scheuermann die Therapie der Wahl. Bei einer ausgeprägten Brustwirbelsäulen-Verkrümmung ist meist die Brustmuskulatur verkürzt. Rückenmuskeln, welche die Brustwirbelsäule aufrichten, sind dagegen geschwächt und gedehnt. Es besteht ein muskuläres Ungleichgewicht.

Mit gezielten Gymnastikübungen kann eine geschwächte Rumpf-Muskulatur gestärkt werden. Zusätzliche Dehnübungen halten die Wirbelsäule beweglich. So kann eine aufrechtere Körperhaltung erreicht werden. Bei Jugendlichen beeinflusst das Training das Wirbelsäulenwachstum meist positiv.

Korsett

Zusätzlich zur Krankengymnastik ist in einigen Fällen von M. Scheuermann ein Korsett hilfreich (reklinierende Korsett-Therapie). Dieses stützt die Wirbelsäule und richtet sie auf. Das Korsett sollte konsequent getragen werden. Nur zur Körperpflege wird es abgenommen. Später reicht es meist aus, das Korsett nur noch nachts zu tragen. Der Therapieerfolg muss in regelmäßigen Abständen vom Arzt überprüft werden. Mit solchen Reklinations-Orthesen (zum Beispiel Milwaukee-Korsett) kann die Fehlhaltung bei M. Scheuermann verbessert oder auch geheilt werden. Nach dem Ende einer Korsett-Therapie verstärkt sich die Wirbelsäulenkrümmung aber in manchen Fällen wieder. Zusätzliche Krankengymnastik ist in jedem Fall ratsam.

Schmerzmittel

Morbus Scheuermann bereitet anfangs meist keine Beschwerden. Sollten starke Schmerzen auftreten, so kann eine vorübergehende medikamentöse Therapie hilfreich sein. Dabei werden Schmerzmittel (Analgetika) und muskelentspannende Wirkstoffe (Muskelrelaxantien) verschrieben. Oft sind vor allem Veränderungen der Lendenwirbelsäule durch Morbus Scheuermann (lumbale Form) mit Rückenschmerzen verbunden.

Operationen

In seltenen Fällen ist eine Operation zur Behandlung der Scheuermann-Krankheit nötig. Der Eigriff erfolgt nur bei sehr schweren Veränderungen der Wirbelsäule. Dabei können beispielsweise verschlissene Bandscheiben entfernt und durch körpereigenes Knochengewebe ersetzt werden. Zusätzlich entnehmen die Ärzte Knochenanteile, um die Wirbelsäule aufzurichten. Mit Metallstäben, die der Chirurg in den Wirbelkörpern verankert, wird die Wirbelsäule stabilisiert. Nach der Operation kann für einige Wochen das Tragen eines Korsetts nötig sein.

Selbsthilfe bei Morbus Scheuermann

  • Eine starke Muskulatur kann viele Fehlstellungen der Wirbelsäule ausgleichen, so auch bei Morbus Scheuermann. Kräftige Bauch- und Rückenmuskeln entlasten die Wirbelsäule. Wer seine Wirbelsäule außerdem beweglich hält, kann Schmerzen und Einschränkungen durch Morbus Scheuermann meist vermeiden. Sport und Gymnastik sind hierfür ideal. Auch ein rückenfreundliches Leben hilft, mit Morbus Scheuermann zurecht zu kommen.
  • Sport ist bei Morbus Scheuermann empfehlenswert. Allerdings ist die Wahl der Sportart entscheidend – dazu am besten vom Arzt beraten lassen. Schwimmen und Walking gelten beispielsweise als sanfte Möglichkeiten, um den Rücken zu stärken. Auch regelmäßige Gymnastik zur Stärkung der Rumpfmuskulatur bessert oft die Symptome bei Morbus Scheuermann. Eher ungeeignet sind dagegen Sportarten mit vielen Sprüngen und belastenden Stößen auf die Wirbelsäule, wie zum Beispiel Trampolinspringen oder Kampfsportarten. Weniger empfehlenswert ist außerdem Training in dauerhaft gebeugter Körperhaltung wie Rennradfahren. Das verstärkt die Krümmung der Wirbelsäule womöglich noch zusätzlich. Beim Schwimmen ist darauf zu achten, dass kein muskuläres Ungleichgewicht entsteht: So stärkt Kraulen vor allem die Brustmuskulatur statt – wie gewünscht – die Rückenmuskeln.
  • Aufrechte Haltung: Es ist wichtig bei M. Scheuermann, im Alltag auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Eine Rückenschule kann helfen, sich besonders "rückenfreundlich" zu verhalten. Wer viel Zeit im Sitzen verbringt, sollte möglichst Sitzposition und die Höhe des Schreibtisches anpassen. So ist ein aufrechtes Sitzen und entspanntes Arbeiten möglich. Es ist außerdem ratsam, das Heben schwerer Lasten zu vermeiden. Lesen in Bauchlage kann als angenehm empfunden werden. Auch kann es bei Morbus Scheuermann hilfreich sein, auf dem Bauch liegend zu schlafen.