Gehörgangsentzündung: Ursachen

Viele Faktoren können die natürlichen Schutz- und Reinigungsmechanismen des Ohrs stören – und so einer Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren den Weg ebnen
aktualisiert am 13.11.2014

Der äußere Gehörgang erstreckt sich von der Ohrmuschel zum Trommelfell, das die Grenze zum Mittelohr bildet

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Eigentlich sind die Gehörgänge von Natur aus perfekt gegen eine Invasion von Krankheitserregern gewappnet. Oft sind wir teilweise selbst schuld, wenn dieser "Schutzschild" im Ohr zusammenbricht und eine Gehörgangsentzündung entsteht.

Wie funktioniert der natürliche "Schutzschild" im Ohr?

In den Ohren entsteht kontinuierlich eine gewisse Menge Ohrenschmalz (Cerumen). Dieses Sekret wird von Drüsen in der Haut des Gehörgangs produziert – und zwar aus gutem Grund. Keinesfalls handelt es sich dabei um eine Art "Dreck" in den Ohren, der unbedingt beseitigt werden müsste, wie viele Menschen glauben.

Das Ohrenschmalz erfüllt vielmehr wichtige Aufgaben: So wirkt es aufgrund seines sauren pH-Werts wie eine natürliche Barriere gegen schädliche Keime. Außerdem verfangen sich Krankheitserreger und Schmutzpartikel im Ohrenschmalz und werden mit ihm nach außen Richtung Ohrmuschel befördert. Das Ohrenschmalz sorgt also im Ohr für "gesunde Sauberkeit"

Mit Wattestäbchen den Gehörgang "säubern"? Keine gute Idee – sondern Wegbereiter für eine Otitis

PhotoDisc/RYF

Eine Gehörgangsentzündung entsteht immer dann sehr leicht, wenn diese Schutzmechanismen gestört werden. Keime können dadurch die Hautbarriere überwinden und eine Entzündung hervorrufen. Bei den Krankheitserregern handelt es sich oft um Bakterien oder Pilze, die in kleiner Zahl ständig auf unserer Haut zu finden sind. Erst wenn sie Gelegenheit erhalten, in die Haut einzudringen und sich stark zu vermehren, bereiten sie plötzlich Probleme.

Aber auch "fremde" Keime (zum Beispiel aus dem Badewasser in exotischen Urlaubsregionen oder in stillen Gewässern) können bei einer Gehörgangsentzündung eine Rolle spielen.

Folgende Faktoren begünstigen eine Gehörgangsentzündung:

  • Ein ständiges, feucht-warmes Milieu in den Ohren (zum Beispiel durch häufige Schwimmbadbesuche oder Tauchgänge, oder durch häufiges Tragen von Ohrstöpseln oder geschlossenen Hörgeräten) lässt die Haut im Gehörgang aufweichen. Keime dringen leichter ein. Wer viel Wasser in die Ohren bekommt, spült außerdem das wichtige Ohrenschmalz weg.
  • Übertriebenes Waschen mit Seifen oder Shampoos verändert (erhöht) den pH-Wert im Gehörgang. Das schützende saure Milieu geht verloren.
  • Wird der Gehörgang unsachgemäß mit Wattestäbchen oder anderen Utensilien gereinigt, können kleinste Verletzungen in der Haut entstehen. Krankheitserreger haben dann erst recht leichtes Spiel.
  • Durch eine Neigung zu Ekzemen und Allergien ist der natürliche Hautschutz gestört. Das erleichtert eine Besiedlung mit Keimen.
  • Besondere, ungewöhnliche anatomische Verhältnisse im Gehörgang liefern ebenfalls Voraussetzungen für eine Gehörgangsentzündung. So sind zum Beispiel sehr enge Gehörgänge schlechter belüftet, Feuchtigkeit verdunstet nicht so gut, wodurch sich Keime besser vermehren können. Verengungen entstehen zum Beispiel durch Knochenwucherungen (Gehörgangsexostosen), die wiederum bei Tauchern oder Surfern häufiger vorkommen (surfer’s ear).

Sonderform: Gehörgangs-Furunkel

Die Otitis externa circumscripta (das Gehörgangs-Furunkel) ist eine Variante der Gehörgangsentzündung. In diesem Fall entzündet sich ein Haarbalg im Gehörgang. Es entsteht eine schmerzhafte Eiteransammlung an einer bestimmten Stelle des Gehörgangs.

Sonderform: Nekrotisierende Gehörgangsentzündung

Die Otitis externa necroticans (früher auch Otitis externa maligna genannt) tritt fast ausschließlich im höheren Lebensalter im Zusammenhang mit einem geschwächten Immunsystem bei Diabetes mellitus auf. Diese Form der Gehörgangsentzündung wird durch bestimmte Bakterien verursacht (Pseudomonas aeruginosa) und breitet sich leicht auf den Schädelknochen und die Hirnnerven aus. Die Infektion verläuft meistens schwer, die Patienten fühlen sich oft sehr krank.

Sonderform: Grippeotitis

Im Gefolge einer Grippe oder eines grippalen Infekts der oberen Luftwege kann es ebenfalls zu einer Otitis externa kommen, wobei hier auch das Mittelohr beteiligt ist. Ursache ist eine zusätzliche bakterielle Infektion, man spricht von einer Grippeotitis. Diese ist besonders schmerzhaft, es finden sich häufig Blutblasen im Gehörgang und auf dem Trommelfell. Nicht selten kommt es auch zu einer Hörminderung. Die Behandlung orientiert sich an den Befunden.


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