Juckt es im Ohr, sind uns alle Hilfsmittel recht. Da muss der kleine Finger herhalten, genauso wie Büroklammern, Bleistifte oder Wattestäbchen. Erleichterung verschaffen solche Gerätschaften schon, gefährlich sind sie jedoch auch. "Durch spitze Gegenstände können Sie die empfindliche Haut im Gehörgang verletzen", warnt Dr. Ellen Lundershausen, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin aus Erfurt.

In solche kleinen Ritzer können Bakterien eindringen. Bekämpft das Immunsystem die Erreger nicht schnell genug, rufen sie eine Infektion hervor. Die Folge: eine Gehörgangsentzündung. Sie äußert sich zunächst durch intensiven Juckreiz, geht aber auch mit teils starken Ohrenschmerzen, einem geschwollenen Gehörgang und eitrigem Ausfluss einher. Pilze können auf demselben Weg in die Haut gelangen und ein heftiges Jucken im Ohr auslösen. In diesem Fall liegt eine Gehörgangsmykose vor.

Weitere Auslöser von Ohrjucken

Nicht immer ist eine Infektion schuld, wenn das Ohr juckt. Auch entzündliche Hautkrankheiten können dahinterstecken. "Schuppenflechte und Neurodermitis können beispielsweise den Gehörgang oder die Ohrmuschel betreffen", sagt HNO-Ärztin Lundershausen. Häufig schuppt sich die Haut und ist gerötet, begleitet von einem lästigen Jucken. Manchmal ist dagegen die Haut gereizt oder reagiert allergisch – zum Beispiel auf Substanzen in Ohrringen, Shampoos sowie Haarsprays. Verspüren Sie nur gelegentlich einen spontanen Juckreiz, kann ein Stück Ohrenschmalz der Verursacher sein.

Finger weg von Wattestäbchen

Dann sollte der erste Griff allerdings nicht zum Wattestäbchen gehen. Denn diese haben – neben dem Verletzungsrisiko – einen  weiteren Nachteil. Sie sollen eigentlich das Ohr reinigen und  Ohrenschmalz (medizinisch Cerumen) herausbefördern. Doch wenn Sie mit  dem Wattebausch im Ohr herumstochern, schieben Sie das Cerumen meist nur  weiter nach innen. Und begünstigen damit einen Ohrenpfropf. Außerdem  besitzt Ohrenschmalz wichtige Aufgaben: Es bildet einen schützenden Film  über der sensiblen Gehörgangshaut und wirkt desinfizierend. Damit  schützt es vor Krankheitserregern. Im Normalfall müssen die Gehörgänge  also nicht "gereinigt" werden.

Was tun bei juckenden Ohren?

Auf keinen Fall bohren! Dies gilt für den kleinen Finger ebenso wie für andere Hilfsmittel, die das Ohr verletzen können. Hält der Juckreiz an, bemerken Sie einen Ausschlag am Ohr, läuft Sekret ab oder treten Ohrenschmerzen auf, dann gehen Sie umgehend zum Arzt. Der kann herausfinden, ob eine Infektion vorliegt und diese behandeln. Juckt es nur in bestimmten Situationen – etwa wenn Sie Ihre Lieblingsohrringe tragen oder geduscht haben – dann empfiehlt sich ein Allergietest.

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