Nebenhodenentzündung

Eine Entzündung des Nebenhodens macht sich mit Schwellungen und Schmerzen bemerkbar. Wie es dazu kommt und wie sie behandelt wird
von Dr. Karoline Stürmer, aktualisiert am 14.04.2014

Männliche Anatomie: Hier liegen die Nebenhoden

W&B/Szczesny

Die Nebenhoden liegen den Hoden als eigenständige Organe innerhalb des Hodensacks auf. Sie bestehen vor allem aus einem stark gewundenen vier bis sechs Meter langen Nebenhodengang und dienen der Reifung und Lagerung der Samenzellen, die in den Hoden produziert werden. Von den Nebenhoden gelangen die gereiften Samenzellen dann über den Samenleiter und die Harnröhre nach außen.

Symptome bei Nebenhodenentzündung

Die häufigste Erkrankung der Nebenhoden ist seine Entzündung – Epididymitis genannt. Sie macht sich oft mit einer massiven Schwellung, starken Schmerzen und einer Erwärmung und Rötung im Bereich des betroffenen Nebenhodens bemerkbar. Manchmal treten auch Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit auf. Die Schmerzen können in die Leistenregion und in den Unterbauch ausstrahlen. Häufig breitet sich die Nebenhodenentzündung auch auf den benachbarten Hoden aus.

Wichtig: Rasch zum Arzt

"Eine Nebenhodenentzündung ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sie kann unbehandelt zu einem Verschluss der Nebenhodenkanälchen führen", sagt Professor Christian Stief, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Samenzellen gelangen dann nicht mehr auf natürlichem Weg nach außen. In dem seltenen Fall, dass beide Nebenhoden betroffen sind, führt dies womöglich zur Unfruchtbarkeit.

Heilt die akute Entzündung nicht aus, kann sich eine chronische Entzündung entwickeln, sodass die Beschwerden immer wieder auftauchen. Außerdem besteht das Risiko, dass sich ein Abszess bildet. Wenn diese abgekapselte Eiteransammlung aufbricht, droht eine lebensgefährliche Blutvergiftung.

Bei Schwellungen und Schmerzen im Bereich des Hodens sollten Betroffene deshalb nicht lange zögern und sich direkt an einen Arzt wenden.

Welche Ursachen kommen infrage?

Eine Entzündung kann von der Harnröhre oder der Prostata über den Samenleiter in die Nebenhoden aufsteigen. Die Krankheits-Erreger stammen dann von einem Harnwegs- oder einem Prostatainfekt, können aber auch über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen worden sein.

Seltener stammen die Erreger von einem anderen Infektionsherd im Körper und erreichen die Nebenhoden über den Blutweg.

Am häufigsten sind Bakterien wie Chlamydien, Escherichia coli, Enterokokken oder Staphylokokken, seltener auch Viren die Auslöser. "Die häufigste Ursache für eine Infektion über den Blutweg ist eine Infektion mit Erregern der Tuberkulose", sagt Professor Christian Stief.

Seltener ist die Entzündung die Folge einer Hodentorsion – einer massiven Verletzung des Nebenhodens etwa durch einen Tritt – oder einer rheumatischen Erkrankung. Besonders gefährdet sind Männer, die über längere Zeit einen Blasenkatheter tragen, unter Fehlbildungen im Bereich des Samenleiters oder der abführenden Harnwege oder unter einer Entleerungsstörung der Harnblase leiden.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Um die Diagnose zu stellen, tastet der Arzt Hoden und Hodensack ab. Bei einer Nebenhodenentzündung nehmen die Schmerzen häufig ab, wenn der Hoden angehoben wird. Eine Untersuchung der Entzündungswerte im Blut gibt Aufschluss, ob eine Entzündung vorliegt. Mit einer Urinuntersuchung lassen sich die beteiligten Erreger bestimmen und die Auswahl eines geeigneten Antibiotikums erleichtern. In manchen Fällen ist zusätzlich ein Abstrich von der Harnröhrenöffnung notwendig. Mit Hilfe einer Blutfluss-Ultraschalluntersuchung kann der Arzt das Ausmaß der Entzündung beurteilen. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ermöglicht, Abflussbehinderungen beispielsweise in der Harnröhre zu erkennen. Wichtig ist, eine Hodentorsion als Ursache auszuschließen, da diese als Notfall innerhalb weniger Stunden operiert werden muss.

Wie wird eine Nebenhodenentzündung behandelt?

Gegen die Nebenhodenentzündung empfiehlt der Arzt entzündungs- und schmerzstillende Medikamente und – sofern ein bakterieller Infekt zugrunde liegt – Antibiotika. Darüber hinaus sollte Bettruhe eingehalten werden, bis das Fieber abgeklungen ist. Der Hoden kann mit kalten Umschlägen gekühlt und bei Bedarf hoch gelagert werden.

Professor Dr. med. Christian Stief, Facharzt für Urologie

W&B/Privat

Beratender Experte

Professor Dr. med. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich



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