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Kurzsichtigkeit: Ursachen und Therapie

Kurzsichtige haben Probleme damit, weit entfernte Gegenstände zu erkennen. Eine Kurzsichtigkeit (Myopie) lässt sich mit einer Brille, Kontaktlinsen oder aber mittels einer Operation (zum Beispiel mit Laser) beheben

aktualisiert am 08.07.2019
Normalsichtigkeit

Beim normalsichtigen Auge entsteht auf der Netzhaut ein scharfes Bild...


Kurzsichtigkeit - kurz zusammengefasst

Kurzsichtige haben Probleme mit dem Erkennen von entfernten Gegenständen. Das liegt daran, dass entweder ihr Augapfel im Verhältnis zu lang ist oder die Brechkraft des Auges zu groß. Der zur Korrektur der Sehschwäche nötige Dioptrien-Wert lässt sich mit der sogenannten Refraktionsmessung bestimmen. Mit einer Brille, Kontaktlinsen oder einem operativen Eingriff, zum Beispiel mit Laser, lässt sich die Kurzsichtigkeit behandeln.

Bei einer Kurzsichtigkeit (Myopie) fällt das Sehen in die Ferne schwer. Kurzsichtige sehen weiter entfernte Gegenstände undeutlich und verschwommen, während sie nahe Objekte problemlos erkennen können.

Kurzsichtigkeit

Ursachen einer Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit kann zwei verschiedene Ursachen haben:

1) Der Augapfel ist zu lang (=Achsenmyopie)

2) Die Brechkraft von Linse, Kammerwasser und Hornhaut ist im Verhältnis zum normal langen Augapfel zu groß (= Brechungsmyopie)

Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Während bei Normalsichtigen der Brennpunkt, also der Ort an dem aus parallel einfallenden Strahlen ein scharfes Bild entsteht, in der Netzhaut liegt, befindet er sich bei Kurzsichtigen davor. In der Netzhautebene liegt eine unscharfe Abbildung vor, die im Gehirn dann auch so wahrgenommen wird.

Häufiger ist die Achsenmyopie. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für diese Form der Kurzsichtigkeit.

Kurzsichtigkeit - kurz und knapp im Video erklärt:

Was ist eine Dioptrie?

Die Brechkraft des Auges wird in der Maßeinheit Dioptrie (dpt) gemessen. Der Normalwert für ein gesundes Auge bei großer Entfernung beträgt etwa 60 bis 65 dpt. Bei Fehlsichtigkeiten weicht die Zahl von diesem Wert ab. Wie stark die Abweichung im Einzelfall ist, wird mit einem Plus bei Weitsichtigkeit, und einem Minus bei Kurzsichtigkeit (zum Beispiel -1,5 dpt) angegeben.

Akkomodation: So sehen wir in Nähe und Ferne scharf

Formen der Kurzsichtigkeit:

  • Einfache Myopie (Myopia simplex) oder benigne Myopie:

Diese erblich bedingte Form der Kurzsichtigkeit beginnt in der Regel zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr. Auch wenn der Schulbesuch und die in dieser Zeit ausgeführten Tätigkeiten erwiesenermaßen keinen Einfluss auf die Kurzsichtigkeit haben, wird diese Form auch als "Schulmyopie" bezeichnet. Bei den meisten Betroffenen nimmt die Kurzsichtigkeit ab dem Alter von 25 Jahren nicht mehr weiter zu. Manchmal kann sie jedoch bis zum 30. Lebensjahr fortschreiten. Viele Betroffene erreichen dann einen Wert von -6 bis -8 Dioptrien.

  • Maligne Myopie (Myopia magna oder Myopia progressiva):

Bei dieser Form von Kurzsichtigkeit kommt es unabhängig von äußeren Einflüssen zu einer Dehnung des Augapfels. Dadurch können die Netzhaut und die Aderhaut in Mitleidenschaft gezogen werden: Sie werden dünner und das Gewebe beginnt zu schwinden. Typisch für die Krankheit ist der sogenannte "Fuchs-Fleck", der durch Einblutungen und die nachfolgende Entwicklung einer pigmentierten Narbe im Bereich des gelben Flecks (Makula) entsteht. Bei einer malignen Myopie nimmt nicht nur die Sehschwäche stark zu, sondern es besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass sich die Netzhaut ablöst (Ablatio retinae).

Symptome: Wie zeigt sich eine Kurzsichtigkeit?

Bei Kurzsichtigkeit erkennen die Betroffenen Gegenstände in der Ferne schlecht, wogegen sie in der Nähe einwandfrei sehen. Dementsprechend sind Tätigkeiten wie Lesen und Arbeiten am Bildschirm meist nicht beeinträchtigt.

Folgende Beschwerden können auf Kurzsichtigkeit hinweisen:

  • Je weiter entfernt ein Gegenstand ist, desto unschärfer erscheint er
  • Gesichter und Personen werden erst spät erkannt
  • Probleme beim Lesen von Straßennamen und Hausnummern
  • das Lesen von projezierten Texten (zum Beispiel in der Schule, Universität oder am Arbeitsplatz) fällt schwer
  • An Bäumen lassen sich keine einzelnen Blätter oder Äste erkennen
  • Beleuchtete Schilder oder andere Lichtquellen werden unscharf wahrgenommen
  • Kopfschmerzen, besonders bei und nach Tätigkeiten, welche eine scharfe Fernsicht nötig machen, wie zum Beispiel Autofahren

Diagnose

Die Standard-Untersuchung bei Verdacht auf Kurzsichtigkeit ist die Prüfung des Sehvermögens durch einen Augenarzt oder Optiker.

Vorsicht: Je nach Tageszeit, Beleuchtung und allgmeinem Wohlbefinden können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Zur Anpassung einer Brille kann es daher hilfreich sein, die Werte mehrmals zu kontrollieren.

Bei einem Sehtest überprüft der Augenarzt oder Optiker wie gut eine Person in die Weite (Fernsehschärfe oder Fernvisus) und in die Nähe (Nahsehschärfe oder Nahvisus) sehen kann. Der Test auf Kurzsichtigkeit erfolgt mittels Sehtafeln in einem Abstand von fünf bis sechs Metern. Zunächst wird bei abgedecktem linken Auge das rechte Auge einmal ohne und einmal mit korrigierendem Glas geprüft. Anschließend wird nach demselben Schema das andere Auge getestet.

Stellt sich heraus, dass tatsächlich eine Kurzsichtigkeit vorliegt, ist es ratsam, sicherheitshalber einen Augenarzt aufzusuchen. Er kann ermitteln, ob andere Krankheiten oder Veränderungen des Auges vorliegen, die eventuell behandelt werden müssen.

Weil Kurzsichtigkeit das Risiko für eine Netzhautablösung erhöht, ist es für die Betroffenen sinnvoll, ihre Augen in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel alle zwei Jahre) von einem Augenarzt überprüfen zu lassen. Falls Sie kurzsichtig sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber ob und in welchen Abständen er Ihnen solche Kontrollen empfiehlt.

Bei der Bestimmung der Refraktion werden die Brechwerte des Auges gemessen. Bei der Refraktionsbestimmung stehen zwei Verfahren zur Auswahl, die nacheinander zur Ermittlung der notwendigen Werte für die Brille oder die Kontaktlinsen angewendet werden:

  • Bei der objektiven Refraktionsbestimmung wird automatisch mit vorschaltbaren Linsen das Bild so eingestellt, dass es dem Kurzsichtigen scharf erscheint. Die Werte, bei denen sich das scharfe Bild einstellt, sind der Ausgangswert für die nachfolgende subjektive Refraktionsbestimmung.
  • Bei der subjektiven Refraktionsbestimmung wird das Ergebnis der objektiven Refraktionsmessung abgestimmt auf den Einzelfall überprüft. Entscheidend ist jetzt der individuelle Seheindruck und damit der Korrekturwert, der den optimalen Sehkomfort ermöglicht. Der Kurzsichtige bestimmt selbst, mit welcher Linse er am besten sieht. Dieser Wert wird dann für die Korrektur verwendet.
Kurzsichtigkeit

Therapie

Eine Kurzsichtigkeit kann durch das Tragen einer Brille oder durch Kontaktlinsen behoben beziehungsweise kompensiert werden. Eine Brille für Kurzsichtige enthält Zerstreuungslinsen mit einem negativen Brechwert. Sie verschieben den Punkt, an dem ferne Gegenstände scharf abgebildet werden, so dass er direkt in der Netzhautebene liegt.

Eine Augenoperation ist eine weitere Möglichkeit zur Korrektur von Kurzsichtigkeit. Insbesondere Personen, die keine Brille und Kontaktlinse tragen möchten oder können, interessieren sich für diese Therapiemöglichkeit. Obwohl sie keine Standardbehandlung darstellen, kommen immer häufiger Laser zur Korrektur der Kurzsichtigkeit zum Einsatz. Wie bei allen chirurgischen Maßnahmen, gibt es auch bei diesen Verfahren Operationsrisiken. So kann es durch den Eingriff zu Infektionen, Über- oder Unterkorrektur der Sehschwäche (das heißt ein vormals Kurzsichtiger wird nach dem Eingriff weitsichtig oder ein Rest der Kurzsichtigkeit bleibt zurück) sowie zu erhöhter Blendempfindlichkeit kommen.

Der heute überwiegend durchgeführte Lasereingriff zur Korrektur der Kurzsichtigkeit ist die sogenannte LASIK (Laser-Assistierte In Situ Keratomileusis). Wichtige Voraussetzungen dafür sind eine ausreichende Hornhautdicke und die Tatsache, dass sich die Sehstärke in den vergangenen Monaten nicht wesentlich verändert hat. Der Augenarzt muss vor dem Eingriff eine gründliche Untersuchung der Augen durchführen und den Patienten anschließend sorgfältig beraten und aufklären.

Bei der höhergradigen Kurzsichtigkeit und bei ungenügender Dicke der Hornhaut haben die Augenärzte heute die Möglichkeit, eine künstliche Linse in das Auge einzupflanzen (Intraokulare Contakt-Linse). Diese sogenannte ICL wird in der Augenhinterkammer, also vor die eigene Linse und hinter die Regenbogenhaut, platziert.

Während sich die ICL bei jüngeren Kurzsichtigen anbietet, kommt bei älteren auch eine normale Staroperation zur Korrektur in Betracht. Bei dieser Operation wird wie beim Altersstar die eigene Linse entfernt und die Kurzsichtigkeit mit der implantierten Kunstlinse ausgeglichen.

Bei allen operativen Methoden muss vorher geklärt werden, ob der Eingriff für den Patienten geeignet ist und welche Risiken damit möglicherweise verbunden sind. Darüber und über die sonst vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten muss der Arzt den Patienten informieren.

Wissenswertes

Die Korrektur der Kurzsichtigkeit ist wichtig. Ob Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer – befindet sich eine Person mit eingeschränktem Sehvermögen im Verkehr, ist das Risiko möglicherweise tödlicher Unfällen deutlich erhöht. Deshalb müssen Führerscheinneulinge vor dem Erwerb der Fahrerlaubnis einen Sehtest absolvieren. Aber auch für älterer Verkehrsteilnehmer gilt: Lassen Sie sich testen! Zu Ihrer eigenen Sicherheit und zum Schutz Ihrer Mitmenschen!

Übrigens: Wer kurzsichtig ist, hat gegenüber Weitsichtigen einen Vorteil. Da sich das Auge mit zunehmendem Alter verändert, leiden viele Menschen im Verlauf der Zeit an der so genannten Alterssichtigkeit (Presbyopie). Diese entsteht aufgrund der nachlassenden Verformbarkeit oder Elastizität der Linse. Diese Veränderung wird bei Kurzsichtigen manchmal zum Teil ausgeglichen. Das bedeutet: Kurzsichtige müssen im Alter eher seltener als Weitsichtige eine Lesebrille tragen.

Prof. Schönfeld

Beratender Experte

Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld ist Facharzt für Augenheilkunde. Er habilitierte sich an der Augenklinik der Universität München, wo er viele Jahre als Oberarzt tätig war. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit führte er zahlreiche Fortbildungskurse im In- und Ausland durch, insbesondere an osteuropäischen Hochschulen, in Afrika und in Asien.

Seit 2007 ist er Partner von Professor Dr. med. Christos Haritoglou und Professor Dr. med. Thomas Klink in der operativen Gemeinschaftspraxis an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München. Professor Schönfeld widmet sich schwerpunktmäßig der Behandlung von Netzhauterkrankungen, denen auch sein wissenschaftliches Interesse gilt, und der Glaskörperchirurgie. Außerdem lehrt der Experte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wirkt als Prüfer bei Ärztlichen Staatsexamina im Fach Augenheilkunde und bei Prüfungen zum europäischen Augenarzt (F.E.B.O.).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.