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Goji-Beeren: "Wunderfrucht" im Check

Goji-Beeren aus China gehören zu den neuen Superfoods in den Regalen der Bio-Supermärkte. Sie sollen gesund, schön und schlank machen. Ob dieser Anspruch berechtigt ist?

von Andrea Schuhmacher, aktualisiert am 23.09.2019
Goji (Wolfsbeere)

Goji-Beeren: Exotisch und angeblich gesund


Sie ist klein, rot und verschrumpelt, und soll angeblich zahlreiche postive Eigenschaften haben: Die aus China stammende Goji-Beere soll die Produktion des menschlichen Wachstumshormons ankurbeln, das Immunsystem stärken, Schlafprobleme lindern, den Augen guttun und sogar Krebs vorbeugen. Manche Models schwören auf die Beere als Quelle ihrer Schönheit. Was sind da schon 30 Euro für das Kilo getrockneter Beeren in Bioqualität?

Getrocknet, als Marmelade oder Kapseln

Auch in Deutschland findet sich die "Königin der Superfoods" in vielen Supermärkten in den Regalen. Auch hier hoffen die Verbraucher auf die gesundheitlichen Wirkungen. Und wieder einmal zeigt sich, dass exotische Namen wirken. Vielleicht wäre der Hype schon kleiner, wenn der deutsche Name auf der Tüte stünde: Gemeiner Bocksdorn oder Lycium barbarum.

Dabei kann man die bis zu einem Zentimeter großen Beeren durchaus essen, wenn einem der süßliche Geschmack – irgendwo zwischen Dörrpflaume und Feige – liegt. Angeboten werden sie meist getrocknet, es gibt sie aber auch als Marmelade und konzentriert in Kapselform. Gegen eine Goji-Bulette mit Spinat und Pinienkernen spricht nichts.

Kaum aussagekräftige Studien

Wunder sollte man aber trotzdem nicht erwarten, auch wenn auf den Seiten der Biowaren-Online-Händler immer wieder mal auf angeblich wissenschaftliche Publikationen verlinkt wird und auf die Tatsache, dass die Frucht seit Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wird. Viele Studien sind Versuche mit Zellen oder Tieren. Und kaum eine der existierenden Humanstudien genügt wissenschaftlichen Kriterien.

 

Goji: Keine Werbung für leere Versprechen

Typisch ist eine häufig zitierte, von Harunobu Amagase, und Dwight M. Nance erstellte Arbeit, die den Effekt von Goji-Saft unter anderem auf Fitness, Schlafqualität und Zufriedenheit an einer Studie mit nur 16 Teilnehmern über zwei Wochen belegen will.

Ernster zu nehmen ist eine Einschätzung der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA. "Die EFSA hat die zu den gesundheitsbezogenen Aussagen eingereichten Studien überprüft und bei sämtlichen für Goji-Beeren beantragten gesundheitsbezogenen Aussagen festgestellt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Behauptungen und der Einnahme von Goji-Beeren aufgezeigt werden konnte", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Europäische Union hat daher beschlossen: Die Hersteller dürfen nicht mehr damit werben, dass Goji-Beeren eine therapeutischen Wirkung haben.

Wie viel Vitamin C steckt in Goji-Beeren?

Da hilft es nichts, dass die Vertreter der Superfrucht auf die zahlreichen Inhaltsstoffe verweisen, auf Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Eiweiße sowie die sekundären Pflanzenstoffe Lutein und Zeaxanthin. Denn all diese Stoffe finden sich auch in mitteleuropäischem Obst und Gemüse. Geworben wird insbesondere mit dem hohen Vitamin-C-Gehalt von Goji-Früchten. Doch sind die Beeren in Deutschland selten frisch. "In Bezug auf den Vitamingehalt sind daher frische einheimische Himbeeren oder Erdbeeren vorzuziehen", sagt Restemeyer.

Pestizide und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Noch etwas gebe es zu bedenken, sagt die Expertin: Goji-Beeren können gefährliche Wechselwirkungen mit einigen blutverdünnenden Medikamenten verursachen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt daher davor, blutverdünnende Cumarine gleichzeitig mit Produkten aus Goji-Beeren einzunehmen. Und mehrere Analysen deuten darauf hin, dass die Früchte – so wie viele aus fernene Ländern stammende Lebensmittel – häufig stärker mit Pestiziden belastet sind. Das Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart fand 2010 bei 13 von 14 Proben aus konventionellem Anbau eine Überschreitung der Grenzwerte.

Fazit

Wer Gojibeeren ausprobieren möchte, sollte auf Bioqualität achten. Gesunde Inhaltsstoffe stecken in den exotischen Früchten zwar wirklich drin, aber auch heimische Früchte wie Heidelbeeren und Äpfel können da mithalten. Und mussten nicht um die halbe Welt transportiert werden.


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