Die Apotheken Umschau wollte für ihren großen medizinhistorischen Podcast „Siege der Medizin“ einen Erzähler gewinnen, der Hörerinnen und Hörern die bahnbrechenden Entwicklungen so näherbringt, dass sie nicht nur verständlich, sondern praktisch selbst erlebt werden. Schauspieler Ulrich Noethen war von Anfang an der Wunschkandidat der Redaktion für diesen außergewöhnlichen Podcast.

Noethen ist einer der bekanntesten Erzähler Deutschlands und hat bereits in verschiedenen Rollen medizinische Themen transportiert, zum Beispiel in der UFA-Serie „Charité“. Ulrich Noethen kann Medizin erzählend lebendig werden lassen — genau das tut er in „Siege der Medizin“.

Wenn man sich unseren Podcast „Siege der Medizin“ mit Ihnen als Erzähler anhört, dann hat man schon den Eindruck, dass in den Folgen viel von Ihnen steckt. Fühlen Sie sich wohl in diesem Podcast?

Nun, fachlich konnte ich meistens nichts oder nur wenig beisteuern, da fehlt mir leider die Kompetenz …

Diesen Bereich deckt ja unsere Redaktion auch beim Podcast ab …

… und darauf musste ich mich auch verlassen — aber natürlich lese ich diese Manuskripte sehr intensiv. Es gibt zwei Aspekte, bei denen ich bereits in der Vorbereitung gefragt bin: zum einen die Einleitung in das jeweilige Thema, wo ich mir die Frage stelle, was für Berührungspunkte ich selbst mit dem Thema habe und was ich persönlich dazu erzählen könnte. Und das andere sind die hörspielartigen Szenen. Da bin ich besonders gespannt, wenn ich das Buch für eine Folge zum ersten Mal lese. Und dann schaue ich, dass ich den vorliegenden Text so forme, dass ich ihn vertreten kann. Meine Rolle ist ja die eines Vermittlers. Und ich kann besser vermitteln, wenn ich Anknüpfungspunkte aus meinem Leben beisteuere.

Sich mit Medizingeschichte zu beschäftigen ist für uns ja nicht zuletzt deswegen spannend und eher angenehm, weil wir im 21. Jahrhundert leben und von zahlreichen Errungenschaften wie selbstverständlich profitieren.

Ja, das ist eine Erfahrung, die wir bei vielen Folgen des Podcasts gemacht haben. Dieser Blick zurück, der ist teilweise schon gruselig. Und es ist dann immer eine große Dankbarkeit da, dass es diese Fortschritte gegeben hat.

In den Podcast weben wir immer wieder hörspielartige Szenen ein, dadurch lassen Sie die Medizingeschichte lebendig werden. Durch diese Emotionalität lernt man vieles besser und einfacher, als wenn man einfach nur die Fakten nachlesen würde. Gibt es Geschichten aus den rund 20 Podcastfolgen, die Sie besonders gepackt haben?

Ja, alles, was mit Schmerz und Anästhesie zu tun hat. Da wird am deutlichsten, was für unglaubliche Qualen die Menschen früher ausstehen mussten, weil es eben diese Möglichkeiten der Schmerzvermeidung oder der Betäubung in dem Maße nicht gegeben hat.

Der Patient braucht beim Arzt aber das Gefühl, dass er wahrgenommen, ernst genommen, dass ihm geholfen wird.

Gibt es Themen, die Sie in den bisherigen Folgen vermisst haben, über die wir noch sprechen sollten?

Grundsätzlich haben wir ja eigentlich die großen Errungenschaften erzählerisch abgedeckt. Es gibt aber etwas, das mir unabhängig von diesem Podcast in der Medizin, im Gesundheitswesen zu kurz kommt und das ich gerne kurz benennen würde: Mir scheint, dass heutzutage in der Behandlung der Mensch häufig als Persönlichkeit in den Hintergrund tritt und auf die messbaren Ergebnisse einer Untersuchung reduziert wird. Der Patient braucht beim Arzt aber das Gefühl, dass er wahrgenommen, ernst genommen, dass ihm geholfen wird.

Das ist ja eine starke Motivation bei „Siege der Medizin“: aufzuzeigen, dass es bei den Fortschritten der Medizin darauf ankommt, wie man den Menschen, ganzheitlich betrachtet, weiterhelfen kann.

Genau, mir liegt bei diesem Podcast am Herzen, dass man die Patienten, denen es schlecht geht, immer im Auge hat und fragt, wie kann es weitergehen? Welche Hoffnungen sind angemessen? Das finde ich immer ganz entscheidend. Die Entdeckungen, die gemacht wurden, sind spannend, teilweise auch verwirrend. Aber im Mittelpunkt steht immer, wie man Abhilfe schaffen kann bei Leid, Schmerz und bei Einschränkungen der Lebensqualität. Was haben Wissenschaftler probiert, um Abhilfe zu schaffen?

Viele der Podcastfolgen machen deutlich, dass häufig ein großes Maß an Zufällen, Versehen, Irrungen und Wirrungen zu einem Erfolg geführt haben.

Ja, zum Beispiel bei den Folgen zu Antibiotika oder Röntgen erfährt man, wie durch verrückte Zufälle etwas Bahnbrechendes entdeckt wurde — zum Beispiel die banale Tatsache, dass das Labor nicht richtig aufgeräumt war.

Sind Sie denn privat an Gesundheitsthemen besonders stark interessiert?

Ich finde es schön, mich mit Dingen etwas genauer zu beschäftigen, von denen ich nur ungefähr eine Ahnung habe. Also wenn ich die Gelegenheit bekomme, in Themen tiefer einzusteigen, ist das immer eine große Freude für mich. Ich glaube, beim Thema Gesundheit unterscheiden sich mein Wissensstand und mein Interesse nicht groß von dem eines durchschnittlichen Bundesbürgers. Erstmal achte ich darauf, mich möglichst durch gute Ernährung und ausreichend Bewegung gesund zu erhalten. Einfach, um die täglichen Aufgaben zu erledigen, um für meine Familie da zu sein und um Freude am Leben zu haben.

Man wünscht sich natürlich, dass man insbesondere mit Krankheit möglichst wenig zu tun bekommt …

Ja, jeder ist froh, wenn er nicht zum Arzt muss. Es ist bei uns ja eher nicht so, dass man den Arzt aufsucht, wenn man noch gesund ist, und zu ihm sagt, sorge bitte dafür, dass ich gesund bleibe. Beim Arzt findet man sich in der Regel wieder, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wobei sich da einiges geändert hat: die Prophylaxe beim Zahnarzt zum Beispiel, oder der Routinebesuch beim Hautarzt, um schlimmeren Eingriffen vorzubeugen.

Hier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich einiges verändert. Der Präventionsgedanke hält aber auch immer mehr Einzug in andere ärztliche Disziplinen, würden wir sagen. Krankenkassen fordern ihre Mitglieder ja zum Beispiel ab einem gewissen Alter zu verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen und Check-ups auf.

Das stimmt und das ist ja etwas, worauf wir auch in anderen Bereichen immer wieder stoßen. Dass es nicht genügt, immer nur zu reagieren, nur „auf Sicht zu fahren“, sondern dass dass der vernünftige Blick in die Zukunft, mit einer kühlen Einschätzung der Möglichkeiten und Risiken, auch dazu gehört. Und dieses Vorausschauende, das brauchen wir beim Thema Gesundheit eben auch.

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