Baby und Familie

Kürzlich erinnerte ich mich daran, wie wir begannen, unserer Großen von  der armen, kranken Frau zu erzählen. Damals war die Kleine noch ein  Breikind, und wir aßen in der Küche. Von dort aus haben wir einen guten  Blick auf einen Balkon, auf dem oft eine Frau im Bademantel sitzt und  raucht. Würde sie das einmal nicht mehr tun, wüssten wir, dass ihre Zeit  gekommen ist.

Die Geschichte von der armen, kranken Frau

Als unsere heute Vierjährige jedenfalls anfing, fragend auf diese  Frau zu zeigen, sagten wir zu ihr: "Ach, das ist eine arme, kranke  Frau." Wir müssen dabei ein sehr mitlei­diges Gesicht gemacht haben, das  sich unsere Tochter gut merken konnte. Entdeckte sie fortan Raucher,  setzte sie es auf. Und als sie schließlich reden konnte, sagte sie  traurig drein­blickend: "Guck mal, Papa, ein Kranker." Heutzutage zeigt  sie nur mit ihrem Finger in die Richtung und ruft: "Iiiiiih!"

Gut finde ich das eigentlich nicht. Einerseits, weil es sich manchmal  um drei Meter große Männer handelt, vor denen ich Angst habe.  Andererseits, weil ich denke, dass wir Raucher nicht verstoßen, sondern  uns um diese armen, kranken Menschen kümmern sollten. Gibt es etwas  Mitleiderregenderes als Raucher, die sich vor Kneipen bei Regen unter  viel zu kleinen Schirmen drängen? Oder ihre kalten, schlecht  durchbluteten Finger an Heizstrahlern wärmen? Ich finde, nicht.

Strafe für die "egoistische Spezies"?

Als mir neulich eine Leserin schrieb, dachte ich dennoch darüber  nach, wie man Raucher in ihre Schranken weisen könnte. Sie sprach von  einer "egoistischen Spezies", die sie und ihr Baby ständig zuqualme.  Manchmal würden auch Raucher ihr Kind anfassen oder ihm die Stirn  küssen. Ich dachte an nikotingelbe Finger, braune Zähne. Mir war  schlecht.

Nun können wir auf die Vernunft wohl nicht zählen. Auch Verbote   helfen nur bedingt. Die "Rauchfrei"-Schilder in Bushäuschen zum Beispiel   scheinen Raucher nur anzuziehen wie Motten das Licht. Das Einzige, was   helfen könnte, ist Technik. Man könnte analoge Zigaretten verbieten  und  komplett auf E-Zigaretten umstellen. Die würden, wie ja alles   heutzutage, irgendwann "smart" werden.

Nun braucht es zwar nicht viel Intelligenz, um zu wissen, dass   Rauchen schlecht ist. Dass sich die Teile zum Schutz ihres Besitzers   weigern anzuspringen, davon ist trotzdem nicht auszugehen. Denkbar wäre,   dass sie zumindest registrieren, wenn Kinder, Alte oder Asthmatiker in   der Nähe sind. Sie könnten dann einfach ausgehen. Oder heiß werden und   fiese Blasen hinterlassen. Oder mittel­schwere Stromschläge verteilen.

Ich sehe schon Kinder aus Büschen hüpfen und arme Raucher, die der   Blitz trifft. Möglich, dass unsere Große dann wieder ganz mitleidig   schaut. Sicher wäre ich mir nicht.