Das ist eine Übung für Halloween! So lautete angeblich die Antwort des amerikanischen Lokalpolitikers Stan Jones, wenn ihn Reporter auf seine Haut ansprachen. Die überraschte mit Schlumpfähnlicher Färbung.

Schlumpfhaut durch Silber

Der wahre Grund für diesen graublauen Teint: Wie viele fürchtete sich Jones kurz vor der Jahrtausendwende vor dem Millennium-Bug. Aus Sorge, dass auch Antibiotika knapp werden könnten, entschloss er sich zu einer Desinfektion von innen – mit Silberwasser. Die Folge: eine schwere Argyrie, also eine durch das Edelmetall Silber (lateinisch: Argentum) verursachte Verfärbung der Haut.

Sollten heute Fälle von Schlumpfhaut auftauchen, wurden die Menschen vielleicht Opfer einer Falschmeldung. Zu Beginn der Corona-Pandemie geisterte eine Nachricht durch die sozialen Medien, welche die glänzende Wirkung eines Wundermittels gegen das Virus anpries: kolloidales Silber, auch Silberwasser genannt. Und damit nicht genug: Anbietern zufolge können die winzigen in Wasser gelösten Silberteilchen auch gegen Grippe, Magenschmerzen und sogar eine Infektion mit HIV helfen.

Silber in der Medizin

In der Tat hat Silber in der Medizin eine lange Geschichte. Wie man inzwischen weiß, wirken entsprechende Lösungen tatsächlich keimtötend, zumindest in der Laborschale. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Silberwasser innerlich gegen Infektionen eingesetzt – bis nachweislich wirksame Mittel wie Antibiotika es verdrängten.

Abseits der konventionellen Medizin ging die Karriere des Edelmetalls allerdings weiter. Doch was weiß man über seine Wirkung im Organismus? Schließlich ist der Mensch kein Reagenzglas. Im Zuge des neu aufgekeimten Hypes hat sich auch Medizin transparent, das Verbraucherportal des österreichischen Cochrane-Instituts, des glanzvollen Heilmittels angenommen.

Die Quintessenz: „Behauptungen zur Wirksamkeit von Silberwasser sind aus der Luft gegriffen.“ Dass es Infektionen mit Corona-Viren und anderen Erregern heilen oder vorbeugen kann, dafür gebe es nicht den Schimmer eines Beweises.

Silberablagerung im Körper

Was bekannt ist: Zu viel Silberwasser kann schaden. Das Metall kann sich in der Haut ablagern und wie bei Jones einen graublauen Teint erzeugen, gegen den weder Seife noch Geduld hilft. Berichten zufolge ist die Verfärbung dauerhaft. Auch in Blutgefäßen und inneren Organen kann sich Silber anreichern, ebenso im zentralen Nervensystem.

Durchaus sinnvoll könnte dagegen eine weitaus handfestere Verwendung des unverdünnten Metalls sein. So sollen Socken mit Silberfäden gegen miefende Füße helfen.

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