Das Transkript zur Folge 238 mit Professor Christian Hesse:

Ein Interview über das  Sterberisiko bei der britischen Mutante  mit...

Mein Name ist Christian Hesse. Ich arbeite als Professor für mathematische Statistik an der Universität Stuttgart. Und aktuell befasse ich mich mit verschiedenen Aspekten der Corona-Pandemie.

Wieso befassen Sie sich als Mathematiker mit Corona?

Eine meiner Tätigkeiten ist die Risikoforschung, und so habe ich mich in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Risiken beschäftigt wie zum Beispiel aufgrund des normalen Alterungsprozesses oder verschiedener riskanter Aktivitäten wie Rauchen, Trinken und so weiter. Und jetzt aus gegebenem Anlass auch mit der Infektionssterblichkeit aufgrund des Coronavirus.

Wie berechnen Sie das  Sterberisiko der britischen Mutante?

In der Berechnung wurde versucht, die Infektionssterblichkeit aufgrund der britischen Mutation zu vergleichen mit dem ganz normalen Altersrisiko. Der Sterblichkeit, die man in bestimmten Altersklassen hat.

Und dafür gibt es detaillierte Daten, zum Beispiel vom Statistischen Bundesamt. Und die Daten über die Infektionssterblichkeit, die kommen aus ganz aktuellen, britischen Studien. Von dortigen Gesundheitsämtern und verschiedenen Universitäten. Epidemiologen. Sodass man da aufgeschlüsselt nach Altersgruppen die Sterblichkeit ableiten kann.

Zu welchem Ergebnis kommen Ihre Berechnungen?

Das Sterblichkeitsrisiko wächst auch exponentiell mit dem Alter. Und zwar alle sechs Jahre verdoppelt es sich. Wenn man also sechs Jahre älter ist, hat man die doppelte Infektionssterblichkeit. Es ist so, dass für 55-jährige Männer und für 35-jährige Frauen das normale Risiko aufgrund des Alters dadurch verdoppelt wird.

Und wenn man es in Beziehung setzen würde, sagen wir zwischen 20-jährigen Infizierten und 80-jährigen Infizierten, kann man sagen, dass in dieser höheren Altersklasse für den 80-Jährige tatsächlich die Infektionssterblichkeit mehr als tausendmal höher ist als für 20-jährige Infizierte.

Welche weiteren Analysen planen Sie?

Eine Sache ist natürlich auch für andere Mutanten die Infektionssterblichkeit zu studieren. Und in Beziehung zu setzen zur britischen Corona-Mutante und auch zur normalen Alterssterblichkeit. Da warten wir noch auf Daten.

Und dann untersuchen wir auch generell Lebensrisiken aufgrund von bestimmten Aktivitäten wie Übergewicht, nicht? In welcher Weise... erhöht zum Beispiel gewisse Faktoren von Übergewicht das normale Lebensrisiko?

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen...