Das Transkript zur Folge 211 mit Professor Jürgen Durner:

Ein Interview über das Erkennen ven Mutationen mit...

Mein Name ist Jürgen Durner, ich bin Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Chemiker. Ich bin im Labor Becker und Kollegen seit drei Jahren tätig und bekleide das Amt des Chief Medical Officers.

Welche Mutationen gibt es derzeit?

Was es alles an Mutationen gibt, ist nicht bekannt. Weil wo man nicht sucht, dort findet man es auch nicht. Es wird immer nur nach den Mutanten gesucht, die gerade zur Referenzinstitutionen als besonders gefährlich virulent in der Verbreitung oder im klinischen Verlauf eingestuft werden.

Diese Daten kommen aufgrund der Sequenzierung des Virus-Genoms zustande. Und sind den Referenzinstitutionen aufgrund von epidemiologischen Studien bekannt, beziehungsweise auch von Einzelfalluntersuchungen, die besondere klinische Verläufe zeigen.

Wie werden Mutationen ermittelt?

Das Sequenzieren des Virus ist eigentlich ein sehr zeitaufwändiger Prozess. In günstigen Fällen, wenn ich die Probe gleich bekomme und eine einzelne Sequenzierung durchführen würde. Was man heute mit "Next Generation Sequencing“, kurz NGS, macht, da bin ich in drei bis vier Tagen fertig.

Allerdings ist es so, eine einzelne Sequenzierung lohnt sich nicht, deswegen nimmt man mehrere zusammen. Deswegen ist es so, dass man von anderen Laboren oder Krankenhauslaboren Proben bekommt. Dann dauert eine Sequenzierung sieben bis zehn Tage. Damit es auch wirtschaftlich ist, die Sequenzierung.

Das ist natürlich ein Zeitabschnitt, sieben bis zehn Tage, der aus akademischer Sicht  rechtfertigbar ist. Aus klinischer Sicht, bei klinischen Fragestellungen wie "Warum ist der besonders häufig?" oder "Hat der eine hochvirulante Mutante?", ist das zu lang. Da sollte das Ergebnis früher fertig sein. Früher heißt für Kliniker, nach Abnahme unmittelbar. Den Wunsch kann man allerdings nicht erfüllen im Labor, weil Analysezeit braucht man auch.

Wenn man andere Methoden einsetzt, um speziell gezielte Mutanten zu finden, könnte man andere Methoden einsetzen und damit schneller das Ergebnis liefern. Zum Beispiel mittels PCR-Untersuchung. Wo man in einem Zeitfenster zwischen 12 und 24 Stunden liegt. Womit man den Klinikern deutlich entgegenkommt. Man findet dann allerdings nur gezielt die Mutanten, nach denen wir schauen.

Wird bei jedem durchgeführten Coronatest überprüft ob eine Mutation vorliegt?

Mutanten sind zwar aufgetreten, bisher. Die haben aber den klinischen Verlauf oder den epidemiologischen Verlauf so unwesentlich beeinflusst, dass die Mutante an sich nicht von Relevanz war. Das hat sich mit den Varianten aus der Republik Südafrika und den Vereinten Königreicht etwas geändert. Wo man eben gezielt nach diesen Mutanten suchen möchte.

Wie können Mutationen schnell nachgewiesen werden?

Da ist es so, wir sind hergegangen und haben gesagt, wir möchten natürlich Mutanten finden, damit wir uns eine breite Bevölkerungsbasis anschauen können. In einem zeitlich vernünftigen Rahmen mit einem Next Generation Sequencing. Also Sequenzierung eines jeden positiven Befundes in der Form nicht möglich ist.

Deswegen haben wir gesagt, gezielt auf die südafrikanische oder auf die großbritannische Variante. Dass man eine normale PCR einsetzt. Sodass wir aktuell jeden Positiven bei uns noch mal nachtesten auf diese Variante. Damit engen wir etwas das Volumen ein. An Proben, weil wir nur die positiven weiter untersuchen.  

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Nachweis via PCR oder Sequenzierung?

Was ist eine PCR? Im Rahmen einer Polymerase-Kettenreaktion oder auch Nukleinsäure-Amplifikationstechnik suchen wir gezielt eine Mutation, die wir dann wie mit einem Kopierer vermehren. Was man als Kopierer hier sieht sind Enzyme, bei uns im Ansatz.  Was das technische Gerät des Kopierers entspricht. Dann drücken wir immer wieder auf den Startknopf. Und dann wird in mehreren Zyklen immer wieder dieselbe RNA des Erregers kopiert. Und dann schaut man, ab wann wird das Signal so stark,  dass wir es detektieren können.

Beim Sequenzieren hingegen, das ist deutlich aufwändiger, muss man wirklich schauen, da arbeitet man sich durch... Wenn man sich das als Baustein eines Legobausteins anschaut, würde man jeden Legobaustein abbrechen und sagen, ist es die Farbe Rot, Grün, Blau. Und würde dann den nächsten Legobaustein nehmen und würde das wieder zusammensetzen. Um dann die einzelne Sequenz zu bekommen. Das ist deutlich aufwändiger, dieses Verfahren.

Was sollte darüber hinaus bei der Testung beachtet werden?

Bei der Testung möchte man natürlich immer hergehen und jeder möchte vieles und am besten alles getestet haben. Man sollte wirklich Testkriterien festlegen ab wann man welchen Weg geht, welche Teststrategie man einschlägt. Damit man wirklich gezielt denjenigen, die wirklich schwere Krankheitsverläufe haben, die auch unterstützen kann. Beziehungsweise wo es epidemiologisch besonders relevant ist, diese Varianten sich anschaut. Bei jedem alles machen, das ist etwas zu breit geschossen und bringt uns nicht zum Ziel.

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