Nachgefragt! Folge 243 mit Prof. Dr. Martin Kriegel

Das Transkript zur Folge 243 mit Professor Martin Kriegel

Ein Interview über die Aerosole mit...

Mein Name ist Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der TU Berlin.

In welchen Räumen ist die Aerosolbelastung hoch?

Wir beschäftigen uns schon seit Langem mit der Ausbreitung von Aerosolen in Innenräumen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Aerosolbelastung immer in den Räumen hoch ist, die eigentlich schlecht gelüftet sind. Und wenn wir uns in diesen Räumen dann lange aufhalten, dann ist auch die Dosis, die wir einatmen, besonders hoch.

Am Ende betrachten wir nur die Dosis. Also, ich sage mal, die Dosis von Aerosolpartikeln, die man einatmet. Und das hängt von verschiedenen Faktoren ab, letztendlich. Und zwar zum einen natürlich, wie lange halten wir uns in dem Raum auf? Das ist ein ganz entscheidender Faktor.

Wenn wir uns lange in den Räumen aufhalten, dann kann die Anzahl der Aerosolpartikel, die potentiell virenbeladen ist, natürlich klein sein. Aber dadurch, dass wir uns lange aufhalten, atmen wir auch eine ganze Menge ein. Also das Einzige, was wir untersucht haben oder verglichen haben, ist, ja, die Dosis die man... der man ausgesetzt ist. So, und da gibt es natürlich auch Räume, die schlechter belüftet sind. Da ist von sich aus die Aerosolpartikelanzahl größer. Dann brauche ich mich gar nicht so lange aufzuhalten, um eine bestimmte Dosis zu erreichen.

Und das sieht man letztendlich auch in den Ergebnissen, wo wir jetzt einfach vergleichend diese Innenräume betrachtet haben. Das bedeutet, in einem Theater, was an sich schon eine Lüftungsanlage hat, ich nur in Teilbesetzung da drin bin, dann bekommen wir also eine sehr hohe Luftmenge, die zum Verdünnen der Aerosolmenge da ist. Und das heißt, es schweben eigentlich relativ wenige in der Raumluft rum, und wir halten uns auch nicht so lange in diesen Räumlichkeiten auf. Also vielleicht zwei Stunden für eine solche Veranstaltung.

Wenn man im Vergleich dazu das Büro nimmt, wo wir uns acht Stunden lang drin aufhalten, dann ist die Lüftungsanlage viel, viel kleiner für eine solche Bürofläche. Meinetwegen ein Großraumbüro. Das bedeutet, an sich ist die Partikelanzahl schon viel größer, und wir halten uns noch viel länger da drin auf. Insofern sind wir einer viel höheren Dosis ausgesetzt. Und das ist der Vergleich, den wir angestellt haben.

Wovon hängt die Aerosolbelastung ab?

Also in Räumen, die eine maschinelle Lüftungsanlage haben, und in denen wir nur mit einer geringeren Anzahl der Personen uns aufhalten, und auch nur kurz aufhalten, wie zum Beispiel in einem Theater, in einer Oper oder in einem Kinosaal, da ist die Dosis, die wir abbekommen, relativ klein.

Im Vergleich dazu, sage ich mal, vielleicht zu einem Supermarkt, da halten wir uns auch relativ kurz auf, vielleicht maximal eine Stunde. Aber die Lüftungsanlage ist auch nicht so groß dimensioniert, wie in einem, ja, größeren Theater, zum Beispiel. Und auch die Anzahl der Personen sind auch viel mehr in diesem Raum. Weil wir nicht auf so eine Teilbelegung eigentlich geschaut haben.  Wir sind davon ausgegangen, dass achtzig Prozent dieses Supermarkts belegt ist, also schon eine hohe Dichte eigentlich von Personen da ist.

Und dann, im ganz extrem anderen Fall, jetzt das Büro, wo wir uns sehr lange drin aufhalten, und letztendlich die Lüftungsanlage auch eher klein dimensioniert ist, dann haben wir eine hohe Aerosolkonzentration, also Anzahl von Partikeln im Raum, und wir halten uns auch sehr lange drin auf.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für Öffnungsstrategien?

Die... Ja, die Öffnungsstrategie, das ist ja... Wir betrachten nur eine konkrete Situation. Das heißt, die Situation in der Räumlichkeit. Wenn man das Gesamtinfektionsgeschehen... muss man ja betrachten. Das heißt, wir gehen zu diesem Ort hin. Auf diesem Weg dorthin haben wir ja auch verschiedene Situationen wieder, wo wir anderen begegnen, unter Umständen.

Das heißt, nur allein die Betrachtung dieser einzelnen Situation ist nicht geeignet, sage ich mal, für eine Öffnungsstrategie. Es ist ein Baustein dafür. Aber ich denke, dass es interessant ist, welche Innenräume denn, ja, wie zu bewerten sind. Und das ist das, was wir eigentlich ausdrücken wollten. Diese Ergebnisse müssen eigentlich in eine Gesamtbetrachtung einfließen.

Das heißt, ja, wie ich gerade gesagt habe, eben... Wir haben Kontakt zu anderen Personen. Und was bedeutet das eigentlich, ne? Also, wir stehen morgens auf, wir fahren zu Arbeit, wir gehen wieder zurück. Wir haben vielleicht eine Freizeit, wo wir entsprechend noch ins Theater gehen, ins Kino gehen, wir gehen einkaufen. Das sind ganz verschiedene Situationen, die sind auch aneinanderreihen können. Und wenn man die Ansteckungsrate... Also eine infizierte Person sollte ja möglichst wenig bis gar keine anstecken, ja.

Und wenn wir uns aber in Räumlichkeiten aufhalten, wo per se das Risiko relativ hoch ist, dass sich viele anstecken, dann wäre das natürlich schlecht, sozusagen. Aber es muss trotzdem eine Gesamtbetrachtung erfolgen, und ich denke, dass auch das die Regierung berücksichtigt.

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