Wer weiß, ob Profi-Tennisspielerin Simona Halep ohne ihre Brust-­Operation so weit gekommen ­wäre. Die Athletin ließ sich den Busen chi­rurgisch verkleinern – von Körbchengröße E auf B. Der Grund: Rückenschmerzen und eingeschränkte Bewegungsfreiheit der ­Arme behinderten ihr Spiel. Heute kon­kurriert sie mit den Weltstars im Damen-Tennis.

Einschränkungen in der Lebensqualität

Doch Frauen müssen keine Profi-Sport­lerinnen sein, um sich durch einen gro­ßen Busen eingeschränkt zu fühlen, weiß Dr. Friederike Hagemann aus München. Sie leitet die Brustchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität. „Wer seine Brüste verkleinern möchte, leidet meist an mehreren Problemen wie Rücken- und Nackenschmerzen, Druckstellen durch schürfende BH-Träger sowie wiederkehrende Entzündungen unter den Brüsten durch das große Gewicht“, sagt sie. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Schulterprobleme, Haltungsfehler und psychische Probleme.

Von „Mammahypertrophie“, dem Fachbegriff für die übergroße weibliche Brust, sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn beide Brüste ein Gewicht von mehr als 1500 Gramm aufweisen – oder eine Brust zwischen 600 und 800 Gramm. Das Gewicht zieht den Oberkörper nach vorne, die Rücken- und Nackenmuskeln müssen permanent dagegenhalten. In Bewegung wirken die Kräfte noch stärker, gewisse Sportarten wie Joggen oder Tennis sind selbst mit einem gut sitzenden Sport-BH schmerzhaft und machen keinen Spaß. ­Eine australische Studie hat gezeigt, dass Frauen mit großen Brüsten aus diesen Gründen seltener Sport treiben.

Brustverkleinerung

Brustverkleinerung (Mamma-Reduktion)

Bei manchen Frauen fällt der Busen so groß aus, dass er zur Last wird – körperlich und psychisch. Dann kann eine operative Brustverkleinerung Abhilfe schaffen

Dazu kommt der kosmetische Aspekt: Vielen gefällt nicht, was sie im Spiegel sehen oder sie leiden unter der Aufmerksamkeit, die der Busen auf sich zieht. Hagemann kennt aus der Beratung sämtliche Prob­leme, die Frauen zu einer Brustverkleinerung bewegen. Die erste Anlaufstelle ist dafür meist ein Brustzentrum. Oft sind die Patientinnen vorher bereits in Behandlung: in orthopädischen und dermatologischen Praxen, bei Psychotherapeutinnen oder -therapeuten. Das ist sinnvoll, denn die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Brustverkleinerung nur, wenn die Patientin nachweisen kann, dass der Eingriff ihre Lebensqualität stark verbessern würde. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sollten daher die Operation schriftlich befürworten. Diese Gutachten werden zusammen mit dem Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse eingereicht.

Häufig operiert, selten bezahlt

Die Brustverkleinerung gehört zu den häufigsten Operationen an der weiblichen Brust und gilt als die effektivste Behandlung der Beschwerden, die ein großer Busen mit sich bringt. Studien konnten zeigen, dass sich Rücken- und Nackenschmerzen, Haltung, Körperbild und Wohlbefinden deutlich bessern und sich der Eingriff auf die ganze Lebensqualität auswirken kann.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die gesetzliche Krankenkasse ­einem Antrag auf Kostenübernahme der Operation automatisch zustimmt. Denn: „Ein großer Busen alleine, ohne weitere Begleiterkrankungen und dadurch resultierende Probleme, ist in der Regel kein Grund zur Kostenübernahme“, sagt Hagemann. Deshalb sind die Gutachten der behandelnden Ärztinnen und Ärzte so wichtig. Anne-­Dorothee Speck von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland ergänzt: „Ratsuchende berichten uns, dass die Kassen den ersten Antrag auf eine Brustverkleinerung oft ablehnen.“ Sie rät: Innerhalb von einem Monat schriftlich Widerspruch ein­legen, Musterschreiben gibt es über die Webseite der Patientenberatung.

An diesen Stellen werden bei einer Brust-Verkleinerung Schnitte durchgeführt.

An diesen Stellen werden bei einer Brust-Verkleinerung Schnitte durchgeführt.

Wenn die Kasse trotzdem nicht zahlt, gilt der Eingriff als Schönheitsoperation – und die Frau muss die Kosten dafür selbst tragen. Wie hoch diese sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Denn auch Komplikationen wie Wundheilungsstörungen müssen bedacht werden und können zu hohen Folge­kosten führen. Mit mehreren Tausend Euro müssen Selbstzahlerinnen rechnen. Obwohl die Probleme schon in der Jugend beginnen können, darf nicht zu früh operiert werden. „Das Brustwachstum sollte seit zwei oder drei Jahren abgeschlossen sein“, sagt Hagemann.

Zwei bis vier Stunden dauert die OP unter Vollnarkose. Die häufigste Schnittführung ist der invertierte T-Schnitt (siehe Grafik oben). Für die Heilung müssen Patientinnen drei bis vier Wochen einplanen und sechs Wochen lang einen Stütz-BH tragen. Bis das endgültige Ergebnis sichtbar ist, dauert es mehrere Monate – bis die Narben verblassen, ein bis zwei Jahre.


Quellen:

  • Coltman, C et al: Does breast size affect how women participate in physical activity?. In: Online: 15.09.2018, https://doi.org/...
  • Papanastasiou, C et al: The Effects of Breast Reduction on Back Pain and Spine Measurements: A Systematic Review. In: Online: 07.08.2019, https://doi.org/...
  • Lonie, S et al: A systematic review of patient reported outcome measures for women with macromastia who have undergone breast reduction surgery. In: Online: 08.08.2019, https://doi.org/...
  • Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie: Brustverkleineruung, Ein Thema für Frauen und Männer. https://www.dgaepc.de/... (Abgerufen am 11.10.2022)
  • Hoffmann, O et al: Die Mammareduktionsplastik – doch mehr als eine rein plastische Operation?. Online: https://link.springer.com/... (Abgerufen am 11.10.2022)
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