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Infektionen durch Streptokokken der Gruppe A haben europaweit aber auch in Deutschland seit Ende letzten Jahres zugenommen. Das trifft auch für Scharlach zu. Bis Mitte März 2023 sollen bereits doppelt so viele Scharlach-Fälle gemeldet worden sein wie im gesamten letzten Jahr, berichtet der Bundesverband für Kinder- und Jugendärzte e.V.. Wie es zu den hohen Fallzahlen kommt und welche Entwicklung zu erwarten ist, erklärt Dr. Jakob Armann von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

Herr Dr. Armann, Sie arbeiten sowohl in der Klinik als auch im Amt für Gesundheit und Prävention der Stadt Dresden. Konnten sie den starken Anstieg der A-Streptokokken an einem Ihrer beiden Arbeitsplätze selbst beobachten?

Scharlach ist keine schwerwiegende Erkrankung und wird in aller Regel nicht im im Krankenhaus behandelt. Deswegen sehen wir im stationären Bereich praktisch keinen Scharlach – egal, ob die Fallzahlen gerade hoch sind oder nicht. Im Gesundheitsamt auch nicht, denn Scharlach ist nicht meldepflichtig. (Anmerkung der Red.: Nach bundesweiten Infektionsschutzregeln ist Scharlach nicht meldepflichtig. In einzelnen Bundesländern gibt es jedoch eine ärztliche Meldepflicht.) Aber auch ich kenne die Aussagen vieler Kollegen, von denen ich weiß, dass es eine Häufung von diesen Fällen gab. Momentan sind sie aber schon wieder am Abklingen.

Was wir in der Klinik sehen konnten, waren vor allem schwere invasive Infektionen durch A-Streptokokken. Die werden durch den gleichen Erreger wie Scharlach ausgelöst, nur äußern sie sich als Blutvergiftung, als schwere Lungenentzündung oder als Knochen- und Gelenksentzündung. Da hatten wir auch einen gewissen Gipfel – vor allem im Dezember und Januar. Aber dieser ist nun vorbei.

Hautausschlag bei Scharlach

Scharlach: Symptome, Therapie

Scharlach wird durch Streptokokken hervorgerufen. Typisch sind die Himbeerzunge und ein sandpapierartiger Ausschlag. zum Artikel

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Scharlach

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Sie sagten schon: Scharlach und andere Infektionen durch A-Streptokokken sind in Deutschland gar nicht meldepflichtig. Denken Sie, es gibt zusätzlich noch eine Dunkelziffer an Fällen?

Sicher gibt es eine Dunkelziffer. Auf der anderen Seite muss man sich bewusst machen: Von Scharlach betroffen sind vor allem Schulkinder und Jugendliche. Und 20 Prozent von ihnen sind Träger von A-Streptokokken. Das bedeutet, der Erreger findet sich etwa auf ihren Schleimhäuten, ohne dass er Krankheitszeichen hervorruft.

Nicht jeder positive Abstrich, der gemacht wird, bedeutet also eine Infektion. Da gibt es also eventuell eine Überdiagnose. Gleichzeitig gibt es vielleicht eine Untererfassung, weil manche Kinder nicht untersucht werden. Es ist einfach schwer zu sagen, wie hoch die Zahlen genau sind. Wichtig ist aber, dass die betroffenen – also klinisch kranken – Kinder adäquat versorgt werden. Hier sehe ich keine Probleme.

Warum tritt Scharlach vor allem im Kindes- und Jugendalter auf?

Scharlach ist eine Hals- und Mandelentzündung durch A-Streptokokken, bei der üblicherweise noch ein Ausschlag hinzukommt. Nur bestimmte Streptokokken-Stämme rufen diesen hervor: Sie produzieren gewisse Giftstoffe, mit denen sich das Immunsystem dann auseinandersetzt. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf, wenn die eigene Körperabwehr das erste Mal mit einem dieser Stoffe in Kontakt kommt. Daher kommt Scharlach praktisch nur im Kindes- oder Jugendalter vor.

Man kann sich aber immer wieder mit A-Streptokokken infizieren. Das machen wir auch alle. Später im Leben verläuft eine solche Infektion aber meist nur als eine eitrige Mandelentzündung, die sogenannte Angina. Die gibt es auch bei Erwachsenen – dennoch deutlich seltener als bei Kindern.

Und die invasiven Erkrankungen – also etwa die Blutvergiftungen durch A-Streptokokken –, wer sind da die Risikogruppen?

Es gibt einen zweigipfligen Verlauf wie bei vielen bakteriellen Erkrankungen. Einmal tatsächlich auch schon im Kindesalter, wo auch ein gewisser Prozentsatz Komplikationen hat. Und dann nochmal im Alter, wenn das Immunsystem schlechter wird.

Was könnten Gründe für den beobachteten Anstieg dieser Streptokokken-Infektionen sein?

Man muss wissen: Atemwegserkrankungen, wozu auch die Halsentzündung durch A-Streptokokken gehört, kommen immer wellenförmig. Es gab immer Infektionswellen, die irgendwann abebben und dann wiederkommen. Durch die Corona-Pandemie sind sie aus ihrer üblichen Wellenform rausgerutscht. Während der Pandemie hatten wir ja aufgrund der Schutzmaßnahmen zweieinhalb bis drei Jahre mit ganz wenigen klassischen Atemwegsinfektionen zu tun. Diese kommen jetzt, wo es keine Maßnahmen mehr gibt, in Wellen wieder – nur etwas verstärkt, weil es einen gewissen „Aufholbedarf“ gibt.

Sie sehen also im Wegfall der Schutz- und Hygienemaßnahmen den Grund für die stärkere A-Streptokokken-Welle?

Davon bin ich überzeugt, ja. Das betrifft sowohl die schwere RSV-Welle 2022 als auch die Influenza-Welle, die ja gar nicht besonders lang, aber relativ heftig war. Und genauso die starke A-Streptokokken-Welle, die wir jetzt hatten. Das ist, was wir als Immunitätslücke bezeichnen. Diese hat sich aufgebaut über die Corona-Pandemie für diese Atemwegserreger und das muss jetzt aufgeholt werden.

Können wir diese Immunitätslücke denn mit einer einzigen Welle schließen?

Das ist nicht sicher. Es kann durchaus sein, dass es im nächsten Herbst und Winter auch nochmal eine stärkere Welle geben wird als es prä-pandemisch die Regel war. Aber die Immunität der Bevölkerung gegenüber diesen üblichen Atemwegserregern wird sich auf jeden Fall wieder aufbauen. Es wird immer weiter Wellen geben, aber die werden dann wieder so verlaufen, wie wir es vor der Pandemie kannten.

Was prognostizieren Sie für die kommenden Wochen und Monate?

Die Saison der klassischen Atemwegsinfektionen wird jetzt mit dem Frühjahr einfach zu Ende gehen. Die Scharlach-Zahlen werden wohl noch ein Weilchen länger erhöht bleiben. Aber auch da haben wir das Gröbste schon hinter uns, denke ich. Ich erwarte wegen Scharlach auch keine massive Belastung des Gesundheitssystems. Wenn ein Kind mit Scharlach zum Kinderarzt geht, geht es ihm am nächsten Tag schon wieder besser.

Gibt es Möglichkeiten, einer Infektion vorzubeugen?

Die A-Streptokokken werden in der Regel durch Tröpfchen-Infektion weitergegeben. Jemand, der krank ist, ist ungefähr noch 24 Stunden ansteckend, wenn er mit Antibiotika behandelt wird. In der Zeit sollte man natürlich nicht Trinkglas oder Besteck teilen. Ohne Antibiotika kann eine Streptokokken-Infektion je nach Verlauf mehrere Wochen ansteckend sein. Aber mit guter Hygiene kann man vorbeugen. Das Händewaschen sollte man also nicht vergessen.

Was man aber auch sagen muss: Die schweren Verläufe einer Infektion mit A-Streptokokken beginnen üblicherweise nicht mit einer Halsentzündung, die nicht gut genug behandelt wurde. Wer Halskratzen hat, muss also keine Angst haben, morgen mit einer Blutvergiftung im Krankenhaus zu landen. Darum kann man so einem schweren Verlauf auch nicht vorbeugen, indem man sagt, man nimmt möglichst schnell möglichst viele Antibiotika. Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen. Der beurteilt anhand von Tests und entsprechenden Kriterien, ob es angebracht ist, Antibiotika zu verschreiben.

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