Baby und Familie

In der Regel verläuft eine Corona-Infektion bei Kindern eher mild. In sehr seltenen Fällen entwickeln Kinder jedoch im Zusammenhang mit der Infektion ein hochfieberhaftes Krankheitsbild mit weiteren Symptomen wie etwa Hautausschlag, Durchfall und Entzündungen verschiedener Organe. Das Krankheitsbild ist aber medikamentös gut behandelbar.

Ein rätselhaftes Syndrom

Bereits kurz nach Beginn der Pandemie deutete eine kleine Studie aus Bergamo darauf hin, dass einige Kinder nach einer überstandenen Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus plötzlich unter Symptomen litten, die einem bereits bekannten Krankheitsbild ähnelten – dem sogenannten Kawasaki-Syndrom. Bei genauerer Betrachtung fielen jedoch Unterschiede zum Kawasaki-Syndrom auf und schnell rückte eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 als Auslöser in den Fokus.

Die Weltgesundheitsorganisation hat dann im Mai 2020 eine Falldefinition zu diesem  "Multisystem inflammatory syndrome in children and adolescents temporally related to COVID-19" (MIS-C) veröffentlicht. Die Bezeichnung "Pediatric inflammatory multisystem syndrome temporarily associated with SARS-CoV-2" (PIMS-TS) findet sich ebenfalls in Studien zu diesem Krankheitsbild.

Deutliche Unterschiede zu Kawasaki

Was PIMS und Kawasaki eint, ist "dass wir beide Erkrankungen bis heute nicht vollständig verstehen", sagt Dr. Aleš Janda, Facharzt für Kinderheilkunde und Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Ulm: "Bei PIMS wissen wir, dass Kinder nach einer Infektion mit dem Coronavirus mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei bis drei Wochen oder länger an Fieber, Hautausschlägen und/oder entzündlichen Gefäßerkrankungen erkranken. Das kann auch Kinder betreffen, die keine Corona-Symptome hatten. Wir hoffen, dass wir durch PIMS auch mehr über Kawasaki lernen."

Anfang des Jahres wurde berichtet, dass vermehrt Fälle von PIMS in Großbritannien auftraten. Liegt das möglicherweise an den neuen Varianten von SARS-CoV-2? Dazu Dr. Ulrich von Both, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, vom Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU): "Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass die neuen Mutationen zu schwereren Erkrankungen bei Kindern oder zu einer Verschlimmerung der Situation im Hinblick auf PIMS führen."

Kinder sind grundsätzlich weniger von schweren Covid-19-Verläufen betroffen. Trotzdem reagieren einige von Ihnen mit dem neuartigen PIMS. Worum es sich dabei genau handelt, erklärt uns der Kinderarzt Dr. Jakob Armann.

Die Zahlen in Deutschland sind niedrig

In Deutschland wird neben dem Robert Koch-Institut (RKI) auch von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) erfasst, wie viele Kinder sich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren. Seit Mai 2020 gibt es zudem im Meldesystem eine zusätzliche PIMS-Kategorie. Bis zum 21. März 2021 waren 245 Kinder und Jugendliche erkrankt. Kinderarzt von Both: "Weltweit gibt es bereits viele an PIMS erkrankte Kinder. In Europa, vor allem in England sind es bisher zirka 600 Fälle. In Deutschland sind die Zahlen mit etwa 200 noch relativ niedrig. Das Spektrum der Erkrankung ist dabei sehr variabel und reicht von milderen Formen mit Fieber und gastrointestinalen Symptomen, wie zum Beispiel Magen-Darmbeschwerden, bis hin zu lebensbedrohlicher Schocksymptomatik. Stellen Eltern fest, dass ihr Kind plötzlich hoch fiebert, zunehmend krank erscheint und sich das Fieber auch nicht senken lässt, sollten sie ihren Kinderarzt aufsuchen und das Kind klinisch beurteilen lassen – auch ganz unabhängig von der Sorge, dass dies eventuell PIMS sein könnte." Kinderarzt Aleš Janda ergänzt: "Die Verläufe können dramatisch sein. Gleichzeitig ist PIMS dank Steroiden gut behandelbar und die Kinder erholen sich meistens schnell wieder."

Fazit: Bei Kindern verläuft eine Infektion mit SARS-CoV-2 meist mild. In sehr seltenen Fällen kann es im Zusammenhang mit der Infektion zu einem hochfieberhaften Krankheitsbild kommen, das dramatisch verlaufen kann. Bekommt ein Kind bei oder nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sehr hohes Fieber oder verschlechtert sich sein Zustand deutlich, sollten Eltern daher unbedingt Kontakt zum behandelden (Kinder-)arzt oder der -ärztin aufnehmen. Dies gilt auch, falls Symptome auftreten, die sich die Eltern nicht erklären können oder wenn sie sich anderweitig unsicher bezüglich des Gesundheitszustandes ihres Kindes fühlen.