Diabetes Ratgeber

Das Thermometer zeigt 33 Grad an. Habe ich mich verguckt? So heiß war es gar nicht angesagt! Was bin ich froh, den Tag in einem klimatisierten Raum verbringen zu können. Auf dem Weg zur Arbeit überlege ich, was mein Mann bei der Hitze mit den Kindern machen könnte. Im vergangenen Jahr hatten wir eine Gartendusche für die Großen und einen Minipool, Größe eines Badeeimers, für unsere Zweijährige. Ob der noch existiert? Ich klingele daheim durch. Mein Mann, der bisher keine Idee hatte, wie er den Tag herumkriegen soll, ist nun hoch motiviert. Sein Plan: ein Ausflug in seinen Lieblingsladen – den Baumarkt.

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Diabetes in Zeiten von Corona

Isabelle Fabian ist Mutter von drei Kindern. Eines davon hat Diabetes Typ 1. Hier erzählt sie regelmäßig, wie es ihrer Familie in Zeiten von Corona geht

Während ich arbeite, kauft mein Mann einen Pool mit Konstantin und Mathilda. Zwei Stunden später erhalte ich ein Foto mit unseren beiden Wasserratten, chillend im Bassin. Das Teil ist ungefähr dreimal so groß wie eine Badewanne. Perfekt für Badefestspiele!

Als ich nach Feierabend das Büro verlasse, erschlägt mich die Wärme. Ich sehne mich nach Abkühlung im Pool. Die Neuanschaffung ist allerdings belagert, als ich zu Hause ankomme. Ob immer noch oder schon wieder, das weiß ich nicht. Ich halte meine Hand ins Wasser, die Brühe ist "pupswarm". Bei der Menge kann das die Sonne nicht gewesen sein. Mein Mann hebt entschuldigend die Hände: "Mathilda wollte es kuschelig haben. Erkälten wäre auch blöd gerade. Da habe ich 38 Grad aus der Dusche eingelassen." Was für eine Verschwendung! "Du Umweltsünder!" Ich rolle mit den Augen und rechne mir aus, wie lange ich jetzt kein Wasser benutzen darf oder mich kalt waschen muss, um das wieder auszugleichen.

Ich gönne mir dann einen eisgekühlten Drink und mache es mir auf meinem Gartenstuhl bequem. Die Feierabendentspannung währt nicht lange. Unsere Kids toben derartig, dass ich nach kurzer Zeit klatschnass bin und die komplette Terrasse schwimmt. "Warum hast du den Pool nicht auf die Wiese gestellt?", wende ich mich an meinen Mann, während ich die Terrassenplatten trocken wische. Er zeigt nur auf das perfekte Grün. Der Rasen, sein Baby. Ich verstehe.

Weil der Pool besetzt und viel zu warm ist, vertage ich das Planschen  auf den nächsten Tag. Es gießt in Strömen. An meinem freien Tag. Wie  gut, dass das Erlebnisbad um die Ecke wieder geöffnet hat.  Ich packe  unsere Sachen zusammen. Bloß nichts vergessen. Wichtiger noch als die  Badehose ist das Diabetesnotfall-Paket für Konstantin: Saft,  Traubenzucker, Obst und Kekse. Beim Schwimmen kann der Blutzucker schnell in die Tiefe abtauchen, das haben wir schon öfter festgestellt.  Ich möchte, dass mein Sohn unbeschwert und ausgelassen sein kann, ohne Messen und Co. Also darf er vorher noch etwas essen. Lieber steigen wir zuckertechnisch vorm Badespaß höher ein.

Die Schwimmhalle platzt aus allen Nähten. Obwohl überall Schilder hängen, man Abstand halten und Hygieneregeln befolgen soll, hält sich niemand dran. Das ist mir ganz schön unangenehm. Im Nichtschwimmerbecken tummeln sich mehr Eltern als Kleinkinder, und im Whirlpool liegen sie wie die Heringe dicht an dicht. Nur im Schwimmerbecken ist fast nichts los. Dass der Mindestabstand im Wasser nur schwerlich eingehalten werden kann, merken wir, als Mathilda wild durchs Becken paddelt. Ihr zu erklären: "Schwimm bitte da lang und berühre niemanden!" Nicht umsetzbar. Unsere Badenixe will immer ihrem älteren Bruder hinterher.

Wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung?

"Los, Mama, wir schwimmen um die Wette!", fordert Konstantin mich heraus. Mein Zehnjähriger war mehrere Jahre im Leistungsschwimmen, bis er irgendwann keine Lust mehr auf den Druck hatte, den die Trainer auf die Kids ausgeübt haben. Konstantin springt ins kalte Becken und krault los. Ich dagegen stecke nur die große Zehe ins Wasser und fange sofort an zu bibbern.

Mit ganz viel Überwindung lasse ich mich ins Becken gleiten. Konstantin wartet, bis ich auf seiner Höhe bin, dann legt er los. Ein Kraulzug nach dem anderen. Im Handumdrehen hat er mich abgehängt. Er kann es also noch. Ich dagegen bin nach drei Bahnen im Bruststil durchgefroren und ganz steif. Was bin ich nur für eine Memme! Ich geselle mich wieder zu meinem Mann, Mathilda und den anderen Heringen im behaglichen Kinderbecken. "Na, pupswarm ist wohl doch besser?", knufft mich mein Schatz und spritzt mir Wasser ins Gesicht.

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