Baby und Familie

Zuerst Möhren oder Pas­ti­naken, dann Kartoffeln und eine kleine Portion Fleisch oder Fisch Das ist Babys Einstiegsbrei. Bald darauf folgt der Milch-Getreide-Brei. Und damit kommen die Fragen. Getreide fürs Baby? Steckt da nicht Gluten drin, das Zöliakie auslösen kann? Wenn Kinder eine Veranlagung dafür haben, ist das möglich. Prinzipiell spricht aber nichts dagegen, einem Kind glutenhaltiges Getreide anzubieten.

Getreide ab dem fünften Monat anbieten

"Zwischen dem fünften und sechsten Lebensmonat können ­Babys kleine Mengen glutenhaltiges Getreide wie Dinkel, Hafer oder Gerste essen, in Form von Brot, oder zum Beispiel Haferflocken, wie in dem vegetarischen Mittagsbrei", sagt Edith Gätjen, Dozentin für Säuglings- und Kinderernährung beim Verein für unabhängige Gesundheitsberatung in Wettenberg bei Gießen. ­Achtung: Babys, die bereits an Zöliakie erkrankt sind, dürfen kein Gluten erhalten!

So kommt Getreide in den Brei

5.–7. Lebensmonat: Babys starten mit ein paar Löffelchen Gemüsebrei (Kürbis, Pastinake), dann gibt es Gemüse-Kartoffel-Brei und schließlich den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Mix. Oder bei der vegetarischen Variante, ergänzt mit Haferflocken.

6.–8. Lebensmonat: Als zweite Breimahlzeit folgt der Milch-Getreide-Brei, der abends gut sättigt: mit Vollmilch, Getreide nach Wahl.

7.–9. Lebensmonat: Der dritte Brei ist der Getreide-Obst-Brei. Er ist eher eine Zwischenmahlzeit.

Im sechsten bis achten Lebensmonat steht der Getreide-Milch-Brei auf dem Plan. Hier die Tipps für die richtige Mischung:

Welches Getreide eignet sich für den Brei?

Ob Hirse, Reis oder 6-Korn – das Angebot für Getreidebrei ist riesig. "Die einfachste und preiswerteste Lösung ist ein Vollkorngrieß, der wie klassischer Grießbrei mit Vollmilch gekocht wird", sagt Edith Gätjen. Eine Alternative sind Ins­tantbreie, die auch mit kalter oder lauwarmer Flüssigkeit angerührt werden können. Mit welchen Flocken Eltern starten, ist Geschmackssache.

Getreidesorten im Überblick

  • Hafer: Er ist die Standardempfehlung, weil er preisgünstig ist und der Körper seine Inhaltsstoffe gut verwerten kann. Haferflocken enthalten viel Eisen, das der Körper für die Blutbildung braucht. Besonders gut geeignet für den Getreide-Obst Brei.
  • Hirse: Hirse ist glutenfrei. Sie war ursprünglich zur Allergieprävention gedacht, wenn das Kind ein erhöhtes Risiko für eine Weizenallergie oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) hatte. Heute weiß man aber: Risikokinder sollten früh potenzielle Allergene bekommen, damit sich ihr Immunsystem an sie gewöhnt. Hirse gilt als mineralstoffreich. Sie enthält zum Beispiel viel Eisen sowie Kieselsäure, die für Knochen, Knorpel und Bindegewebe wichtig ist.
  • Weizen: Für Babys eignet sich Weizen besonders in Form von Weizengrieß. Mit seiner sättigenden Stärke eignet er sich gut für den Milch-Getreide Brei. Tipp der Expertin: Im Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Brei die Kartoffeln ab und zu durch Nudeln aus Hartweizengrieß ersetzen.
  • Dinkel: Babys mögen Dinkel oft wegen seines leicht nussigen Geschmacks. Er enthält mehr Mineralstoffe und Vitamine als Weizen. Es gibt Hinweise, dass er auch von einigen Weizenallergikern vertragen wird.
  • Reis: Genau wie Hirse ist Reis glutenfrei. Er enthält viel Stärke, aber wenig Fett und Eiweiß. Vollkornreis liefert reichlich B-Vitamine sowie hochwertige Kohlenhydrate und damit jede Menge Energie.

Milch, Wasser oder Premilch in den Brei?

Frische Vollmilch, pasteurisiert, ist für den Abendbrei die beste Wahl. Der Fettgehalt (3,5 Prozent) sorgt für einen hohen Anteil fettlöslicher Vitamine – die spenden Energie zum Drehen und Krabbeln sowie für das Gehirn. Dieser Brei "steht für das Kalzium und Eiweiß in ­Babys Ernährung", so Gätjen. Zwar ist der Gehalt an Nährstoffen und Mineralien in H-Milch ähnlich hoch, aber frische Milch schmeckt besser. Und das ist für Babys, die ihren Geschmack entdecken, ein wichtiger Aspekt. "Wird der Brei mit Wasser angerührt, schmeckt er nicht, sättigt nicht und versorgt auch nicht mit wichtigen Nährstoffen", sagt Gätjen. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Durchfall, können Eltern Milch mit Wasser verdünnen. 

Das Gerücht, Babys dürften im ersten Lebensjahr keine Milch bekommen, stimmt so nicht: "­In Form von Brei gibt es die 200 Milli­liter Milch schon ab dem sechsten Lebensmonat, als Trinkmilch aus der Tasse aber erst ab dem zehnten Lebensmonat. In die Flasche kommt die Kuhmilch nie", stellt Gätjen klar. Manchmal leiden ­Babys unter einer Kuhmilchaller­gie. In diesem Fall wird das Getreide mit der verordneten therapeutischen Nahrung angerührt.

Folgemilch ist nicht empfehlenswert

Auch mit Säuglingsanfangsnahrung (Premilch oder 1er-Nahrung) darf der Brei angerührt werden. Folgemilch 2 und 3 sind wegen des zugesetzten Zuckers nicht empfehlenswert. Das gleiche Problem gibt es bei fertigen Mischungen aus Getreide und Premilch. Reine Mischungen sind in Ordnung, aber Geschmacksrichtungen wie Karamell und Stracciatella lieber im Regal lassen. "Kinder lieben Süßes. Doch normaler Grießbrei ist auch süß, da müssen es nicht überzuckerte Produkte sein", sagt Gätjen. ­Bitte auch keinen Honig unterrühren! Er kann für Babys gefährliche Bakterien enthalten, die zu Muskel­lähmungen  – auch der Atemmuskulatur – führen können.

Ab dem siebten Lebensmonat kommt nachmittags ein weiterer Getreidebrei dazu: mit püriertem Obst kombiniert und mit Wasser angerührt. Er versorgt das Baby mit ­einer Extraportion Eisen und Vitamin C.

Sind Fertigbreie okay?

Muss man sich überhaupt die ­Mühe machen, den Brei zu ­kochen oder anzurühren? Oder darf es auch ein Gläschen sein? "Hier sollten Sie ganz genau hinschauen, was im Glas ist", empfiehlt Gätjen. Nur wenige Produkte enthalten eine ausgewogene Mischung aus Milch und Getreide. Häufig ist der Getreideanteil niedrig, der Zuckeranteil hoch. Sechs bis acht Stück Würfelzucker können in einem Glas Abendbrei stecken! "Viel Geld für ein schlechtes Produkt", urteilt die Expertin.

Ähnliches gilt für Trinkbreie. Die Produkte enthalten viel Zucker und gelten als Dickmacher. So warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin vor Trinkbreien, weil sie eine hohe Energiedichte haben können. Diese Breie sind für Babys ungeeignet.

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