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Wer einen Termin bei einem Facharzt oder einer Psychotherapeutin sucht, braucht vor allem eines: Geduld. Beim Anruf in der Wunschpraxis hebt oft niemand ab, und wenn doch, dann heißt es: „Wir sind leider voll“. Im Durchschnitt warten gesetzlich Versicherte 30 Tage auf eine weiterführende Behandlung. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Gesundheitsplattform Jameda hervor.

Doch viele freie Arzttermine bleiben laut dem Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung (ZI) ungenutzt – und zwar bei den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Dort melden Praxen freie Termine, die dann an suchende Patientinnen und Patienten vermittelt werden. In den vergangenen zwölf Monaten wurden laut ZI aber nur 45 Prozent der 2,6 Millionen bundesweit angebotenen Termine gebucht. Der Großteil der freien Termine wurde nicht vergeben.

„Das Angebot wird bisher bei weitem nicht ausgeschöpft“, sagt Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des ZI. Wer auf die Schnelle keinen Termin findet, dem können die Terminservicestellen „wirklich schnell und gut helfen“, so Stillfried.

Viele Praxen hingegen sind am Limit und können keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen. Das hat verschiedene Gründe, zum Beispiel, dass derzeit immer mehr Praxisinhaberinnen und -inhaber in den Ruhestand gehen. Hinzu kommt der Wegfall der Neupatientenregelung. Diese sah finanzielle Anreize für Praxen vor, die neue Patientinnen und Patienten annehmen und mehr Termine vergeben. Gleichzeitig steigen die Fallzahlen in den Praxen nach Angaben des ZI weiter an.

Das leisten die Terminservicestellen

Die Terminservicestellen erreichen Sie rund um die Uhr über die Internetseite eterminservice.de, telefonisch unter der Rufnummer 116 117 oder über die 116 17-App. Hierüber werden Termine bei Fachärztinnen und Fachärzten vermittelt. Für Termine bei Haus-, Augen-, Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten sowie bei Gynäkologinnen und Gynäkologen und auch für psychotherapeutische Sprechstunden ist das ohne Überweisung möglich.

Für Termine in anderen fachärztlichen Praxen ist eine Überweisung notwendig. Wenn die Überweisung zusätzlich einen Dringlichkeitscode enthält, bekommen Sie bei der Terminservicestelle Vorschläge für Termine innerhalb der nächsten vier Wochen. Die Hausärztin oder der Hausarzt vermerkt einen solchen zwölfstelligen Code, wenn sie oder er einen Termin für dringend erforderlich hält. Ohne diese Zahlenkombination hat man keinen Anspruch auf einen Termin innerhalb von vier Wochen.

Können Sie einen über die 116 117 vermittelten Termin doch nicht wahrnehmen, rufen Sie unter der Nummer nochmals an und geben den Termin wieder für andere frei.

Diese Einschränkungen gelten bei der Terminvergabe

Sie haben gegenüber den Terminservicestellen keinen Anspruch auf einen Termin bei Ihrer Wunschbehandlerin oder -behandler. Sie bekommen immer den Termin angeboten, der im jeweiligen Zeitraum frei ist. In der Regel werden dabei Praxen in einem Umkreis von 30 Kilometern Entfernung zu Ihrem Wohnort berücksichtigt. Bei spezieller fachärztlicher Versorgung wie Spezialinternisten gilt ein Umkreis von 60 Kilometern.

Außerdem kann es in manchen Fällen auch über die 116 117 schwierig sein, den gewünschten Termin zu bekommen, so das ZI. Das gelte insbesondere für die Psychotherapie. Aber auch in der Neurologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Rheumatologie und Pneumologie gebe es Engpässe. Praxen dieser Fachrichtungen sind verpflichtet, freie Termine bei den Terminservicestellen zu melden. Trotzdem übersteige die Nachfrage bei der 116 117 das Terminangebot, so das ZI. Kommt innerhalb einer bestimmten Zeitspanne kein Termin zustande, müssen die Terminservicestellen einen Termin für eine ambulante Behandlung in einem Krankenhaus vermitteln.

In Zukunft soll die Rolle der Terminservicestellen weiter gestärkt werden. Darüber hinaus bauen nach Angaben des ZI viele Kassenärztliche Vereinigungen derzeit das Angebot von Videosprechstunden aus. Diese sollen dann über Terminservicestellen online buchbar sein.


Quellen:

  • Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung: Grafik des Monats, Mai 2024. Online: https://www.zi.de/... (Abgerufen am 03.06.2024)
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der Patientenservice 116117. Online: https://www.116117.de/... (Abgerufen am 03.06.2024)
  • Jameda: Besetzte Telefone und monatelange Wartezeit: Online-Terminvergabe gefragt, aber selten genutzt. Online: https://presse.jameda.de/... (Abgerufen am 03.06.2024)