Gastroskopie: Spiegelung des Magens

Eine Magenspiegelung erlaubt es dem Arzt, Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm von innen zu untersuchen. Sie wird auch als Ösophago-Gastro-Duodenoskopie bezeichnet

aktualisiert am 10.04.2017
Magenspiegelung (Gastroskopie)

Blick in den Magen: Mit dem Gastroskop möglich


Eine Magenspiegelung ist eine Untersuchungsmethode, mit deren Hilfe sich Beschwerden der Speiseröhre (Ösophagus), des Magens (Gaster) und des Zwölffingerdarms (Duodenum) abklären lassen. Eine Magenspiegelung erfolgt mithilfe eines sogenannten Gastroskops. Dies ist ein optisches Gerät in Form eines flexiblen Kunststoffschlauchs, den der Arzt dem Patienten über den Rachen einführt und über die Speiseröhre bis in den Zwölffingerdarm vorschiebt.

Um die vielfältigen Anforderungen einer Magenspiegelung zu erfüllen, ist ein Gastroskop mit mehreren Kanälen ausgestattet. Durch diese werden unter anderem eine Minikamera mit Strom versorgt und Licht über Glasfasern durch das Gerät geleitet. Die Bilder werden dann aus dem Inneren auf einen Monitor übertragen. Zudem kann der Arzt über weitere Kanäle Luft oder Flüssigkeiten absaugen oder zuführen sowie Zangen, Schlingen und verschiedene andere Instrumente einführen.

Heliobacter

Dies ermöglicht es dem Arzt, die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm von innen zu betrachten und gegebenenfalls Gewebeproben zu entnehmen, sogenannte Biopsien. Zur besseren Beurteilung können auch Farbstoffe auf die Schleimhaut gesprüht werden oder kleinere Schleimhautveränderungen durch Veränderung der Lichtzusammensetzung sichtbar gemacht werden.

Was lässt sich durch eine Magenspiegelung erkennen?

Die Magenspiegelung kann helfen, die Ursache für  Beschwerden im oberen Verdauungstrakt zu ermitteln. Eine Gastroskopie kommt unter anderem bei folgenden Beschwerden infrage:

•    wiederkehrendes Sodbrennen

•    anhaltende Übelkeit und Erbrechen

•    Schluckstörungen

•    Chronischer Husten

•    Schmerzen im Oberbauch

•    Vermehrte Blähungen

•    Unklare Gewichtsabnahme

•    Bluterbrechen

•    Blut im Stuhl

•    Blutarmut (Anämie)

Die Magenspiegelung kann bei Verdacht auf eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis), eine Infektion mit Helicobacter pylori, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulkusleiden), Aussackungen (Divertikeln), Verletzungen oder Entzündungen der Schleimhäute und Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) Gewissheit liefern. Gut- und bösartige Veränderungen der Schleimhaut lassen sich näher untersuchen. Im Rahmen der Magenspiegelung kann der Arzt Proben von der verdächtigen Stelle entnehmen und zum Beispiel eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, Sprue) erkennen. Eine Magenspiegelung kann ebenso innere Blutungen im oberen Verdauungstrakt sichtbar machen und die Blutungsquelle ermitteln.

Durch eine Magenspiegelung ist der Arzt nicht nur in der Lage, Erkrankungen zu erkennen: Er kann im Rahmen der Gastroskopie bestimmte Krankheiten oder Verletzungen auch behandeln. Oberflächlich gelegene gut- und bösartige Gewebsveränderungen können direkt entfernt und Blutungen im oberen Verdauungstrakt durch verschiedene Maßnahmen gestillt werden. Die Blutstillung erfolgt zum Beispiel durch das Einspritzen von blutungshemmenden Mitteln oder das Platzieren von Metallclips oder Gummibändern. Bei starken Blutungen kann dies lebensrettend sein. Außerdem können mithilfe der Gastroskopie Ernährungssonden direkt oder durch die Bauchdecke gelegt und Prothesen zur Überbrückung von Engstellen in der Speiseröhre eingebracht werden. Bestimmte Engstellen können auch durch einen Ballon, flexible Dehnungsstäbe ("Bougies") oder eine Lasertherapie erweitert werden.

Wie läuft eine Magenspiegelung ab?

Eine Magenspiegelung mit Probenentnahme kann ambulant durchgeführt werden, ein Aufenthalt im Krankenhaus ist nur sehr selten nötig. Ein auf Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spezialisierter Facharzt (Gastroenterologe) nimmt die Untersuchung vor. Er schiebt das Gastroskop, das weniger als einen Zentimeter Durchmesser hat und rund einen Meter lang ist, durch den Rachen in Richtung Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm vor. Vorher betäubt er den Rachen, damit die Untersuchung für den Betroffenen weniger unangenehm ist. Auf Wunsch erhalten Patienten auch eine kurz wirksame Narkose ("Schlafspritze"), um den Eingriff nicht bewusst zu erleben.

Ist das Gastroskop am tiefsten Punkt angelangt, leitet der Gastroenterologe Luft in den Verdauungstrakt, wodurch dieser sich ausdehnt, so dass Veränderungen besser sichtbar werden. Von auffälligen Stellen in den Schleimhäuten von Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm entnimmt der Arzt direkt mithilfe einer Zange Proben, um sie im Anschluss untersuchen lassen zu können. Die Probenentnahme verursacht keine Schmerzen. Am Ende der Magenspiegelung zieht der Arzt das Gastroskop vorsichtig wieder heraus.

Was gibt es bei der Vorbereitung und nach der Gastroskopie zu beachten?

Damit der obere Verdauungstrakt gut beurteilbar ist, muss der eingesehene Bereich frei von Speisen sein. Mindestens sechs Stunden vor der Untersuchung sollte man deshalb keine Nahrung und Getränke mehr zu sich nehmen. Wer unbedingt etwas trinken möchte, sollte ausschließlich auf klares Wasser zurückgreifen.

Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte bereits etwa zwei Wochen vor der Gastroskopie Rücksprache mit seinem Arzt halten, ob und wann er sie vor der Untersuchung absetzen soll, um die Gefahr innerer Blutungen zu verringern. 

Nach der Untersuchung kann ein unangenehmes, taubes Gefühl im Rachenbereich und Heiserkeit entstehen. Dies bedarf meist keiner Behandlung und verschwindet von selbst wieder. Bis zum Abklingen des Taubheitsgefühls sollte man jedoch nichts essen und trinken, weil man sich sonst zum Beispiel verschlucken könnte.

Wer eine kurzwirksame Narkose erhalten hat, muss sich nach der Untersuchung von einer Begleitperson abholen lassen. Er darf bis zum nächsten Morgen nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, in dieser Zeit keine wichtigen Entscheidungen treffen und keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben.

Welche Vorteile hat eine Magenspiegelung?

Eine Magenspiegelung liefert dem untersuchenden Arzt einen Blick auf die Schleimhaut im oberen Verdauungstrakt und ermöglicht dadurch oft bereits eine sichere Diagnose. Bei unklaren Beschwerden in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm ist die Gastroskopie anderen Diagnoseverfahren wie Röntgenuntersuchungen, Kernspintomografie oder Computertomografien überlegen. Ein weiterer Vorteil der Gastroskopie ist, dass sie nicht nur diagnostisch, sondern auch therapeutisch, zum Beispiel zur Behandlung von Blutungen oder zur Entfernung von Gewebe anwendbar ist.

Welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen?

Nur sehr selten kommt es bei einer Magenspiegelung zu ernsteren Komplikationen. Dazu zählen unter anderem Herzrhythmusstörungen, Lungenentzündung durch Verschlucken (Aspiration), Verletzungen und eine vorübergehend unzureichende Atmung. Die Patienten werden deshalb während der Untersuchung und in der Aufwachphase durch eine Messung von Puls und Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie) überwacht. Vor allem bei lockeren Zähnen können Schäden am Gebiss auftreten. Häufiger ist ein Würgegefühl im Hals, welches durch das Einführen des Gastroskops entsteht. Nach der Untersuchung kann zudem ein unangenehmes, taubes Gefühl im Rachenbereich und Heiserkeit vorliegen. Dies bedarf meist keiner Behandlung und verschwindet von selbst wieder. Man sollte jedoch auch nach der Untersuchung bis zum Abklingen des Taubheitsgefühls nicht essen und trinken, weil man sich sonst verschlucken könnte. In manchen Fällen stellt sich auch kurzfristig das Empfinden ein, sich übergeben zu müssen.

Dr. Wolfgang Wegerle

Beratender Experte: Dr. Wolfgang Wegerle, Internist und Gastroenterologe

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.