Diese Werte werden gemessen

Bei einem Herzinfarkt erhöht sich der Wert der Troponine. Sie bilden Bestandteile von Muskeln. Von Troponin T (TnT) und dem Troponin I (TnI) gibt es Formen, die ausschließlich im Herzmuskel vorkommen. Sie gelangen ins Blut, wenn dort Zellen absterben – etwa bei einem Infarkt. Heute messen Laborärztinnen und -ärzte vorwiegend hs-cTnT und hs-cTnI (hs für hochsensitiv, c für cardial=Herz). Die hochsensitiven Tests erkennen bereits viel niedrigere Troponin-Werte und ermöglichen daher einen früheren Nachweis.

Kommen Patientinnen und Patienten mit Beschwerden in die Klinik, die auf einen Herzinfarkt hindeuten, wird Blut entnommen und ein EKG geschrieben. Zeigt das EKG infarkttypische Veränderungen, wird der Troponin-Wert nicht abgewartet.

„Dann muss schnell gehandelt werden“, betont Professorin Christine Tiefenbacher, Chefärztin am Kardiologischen Zentrum des Marien-Hospitals Wesel. Eine Herz­katheter-Untersuchung zeigt, ob ein Blutgefäß am Herzen verstopft ist. Oft kann es schon während der Untersuchung wieder durchgängig gemacht werden.

Die größte Bedeutung hat Troponin, wenn das EKG unklar ausfällt. Das ist bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten der Fall. Sind die Troponin- Werte direkt nach der Klinikaufnahme und die zweiten nach einer Stunde unauffällig, liegt höchstwahrscheinlich kein Herzinfarkt vor. Steigen sie dagegen innerhalb dieser Zeit an oder sind sie von Anfang an stark erhöht, ist ein Herzinfarkt wahrscheinlich.

Einfach erklärt: So funktioniert das Herz

Laborwert allein ist nicht entscheidend

Dabei betrachten Ärztinnen und Ärzte nicht den Laborwert allein. Bei Begleiterkrankungen wie krankhaftem Übergewicht oder Diabetes sowie bei Raucherinnen und Rauchern ist das Risiko höher als zum Beispiel bei einem 25-jährigen Sportler. Besteht aufgrund der Symptome starker Infarktverdacht, wird bei erhöhtem Risiko schneller eine Katheter-Untersuchung erfolgen – auch unabhängig davon, wie stark Troponin erhöht ist.

Erhöhte Troponin-Werte können auch andere Ursachen haben. Sie zeigen nur das Absterben von Herzmuskelzellen an. Das kann auch bei einer Herzmuskelentzündung oder einer Lungenembolie passieren. Bedacht werden muss zudem, dass die Werte bei einer starken Nierenschwäche erhöht sein können. Die Nieren können das Troponin dann weniger gut aus dem Blut filtern.

Ein oft hinzugezogener Wert ist die Blutmenge der Kreatin-Kinase. Das ist ein Enzym, das zur kurzfristigen Bereitstellung von Energie dient. Davon gibt es im Körper vier verschiedene Formen, darunter auch den Herzmuskel-Typ. Meist wird die gesamte Kreatin-Kinase im Blut sowie der Herz-Typ gemessen.

Das „Brain natriuretic Peptide“ (BNP) kann eine Herzschwäche anzeigen. Seine natürliche Funktion ist die Regulation des Wasserhaushalts und des Blutdrucks. Es wird aber auch freigesetzt, wenn die Pumpkraft des Herzens zu schwach ist und sich Blut zurückstaut. Damit ist es ein sehr empfindlicher Marker für eine Herzschwäche. Umgekehrt kann es diese sehr sicher ausschließen, wenn der Wert nicht erhöht ist.

Gemessen wird aber nicht BNP selbst, weil es schnell abgebaut wird, sondern das Abfallprodukt NT-proBNP.

Wann werden Blutwerte untersucht?

Troponin: bei Symptomen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten könnten. Dazu gehören heftige, oft ausstrahlende Brustschmerzen, Schwäche, kalter Schweiß und Übelkeit. Zudem beispielsweise beim Verdacht auf eine Herz­muskelentzündung.

Kreatin-Kinase: Das Enzym steigt und fällt bei einem Herzinfarkt und kann die Diagnose unterstützen. Hat aber stark an Bedeutung verloren, seit Troponine gemessen werden.

NT-proBNP: Der Wert wird bei Verdacht auf Herzschwäche gemessen, auch um Atemprobleme aufgrund einer Herzschwäche von solchen aufgrund eines Lungen- oder Atemwegsleidens abzugrenzen und die entsprechende weitere Diagnostik einzuleiten.

Das entspricht den Normalwerten

Bei hs-Troponin-Werten von unter 5 Nanogramm pro Liter (ng/l) gilt ein Infarkt als nahezu ausgeschlossen. Ab etwa folgenden Werten geht man von einer Schädigung des Herzmuskels aus, ob durch Infarkt oder eine andere Krankheit, die das Herz betrifft: Troponin-T: mehr als 14 ng/l und Troponin-I: mehr als 26 ng/l.

Allerdings weichen diese Werte je nach verwendetem Testkit etwas ab. Es gelten die Normalwerte auf dem Laborzettel. Übersteigt der Messwert den Grenzwert um das Mehrfache oder zeigt sich im Zeitverlauf ein Anstieg oder Abfallen des Werts, gilt ein Herzinfarkt als hoch wahrscheinlich.

Bei der Kreatin-Kinase kommt es auf den Anteil des Herztyps am Gesamtwert an. Beträgt dieser mehr als sechs Prozent, gilt ein Infarkt als wahrscheinlich. Allerdings ist dieser Wert weit weniger bedeutsam als die Troponin-Werte.

Eine akute Herzschwäche ist bei einem NT-proBNP-Wert von unter 300 ng/l praktisch ausgeschlossen. Bei unter 125 ng/l liegt auch keine chronische Herzschwäche mit schleichendem Beginn vor. Dann muss nach einer anderen Ursache für Beschwerden wie Kurzatmigkeit gesucht werden. Die wesentliche Rolle spielt wiederum das Gesamtbild, also Vorgeschichte, Symptome und Risikofaktoren.

So geht es nach der Messung weiter

Bei normalen Troponin-Werten und unauffälligem EKG sollte die Messung mindestens einmal innerhalb von einer Stunde (hochsensitives Troponin) oder drei Stunden („normales“ Troponin) wiederholt werden.

Bleiben die Werte sowie das EKG stabil im Normalbereich, rühren die Symptome möglicherweise von Engstellen in den Herzkranzgefäßen her, die noch keine Zellen absterben lassen. Das sollte kardiologisch abgeklärt werden. Die Ursache kann aber zum Beispiel auch im orthopädischen oder im Magen-Darm-Bereich liegen oder die Beschwerden haben eine psychosomatische Grundlage.

Besteht trotz normalem EKG aufgrund des Troponin- Werts und des Gesamtbilds ein starker Verdacht auf einen Herzinfarkt, muss das mit einem Kathetereingriff abgeklärt werden. Liegt kein Infarkt vor, werden die Ärztinnen und Ärzte mit weiteren Verfahren die Ursache der Brustschmerzen untersuchen und dementsprechend ­behandeln.

Bei einem NT-proBNP-Wert von weniger als 125 ng/l ist eine Herzschwäche als Grund für beispielsweise Atemnot so gut wie ausgeschlossen. Die eigentliche Ursache ist für Ärztinnen und Ärtze oft schon anhand der Beschwerden und der Vorgeschichte gut erkennbar. Laborwerte können die Diagnose ergänzend bestätigen.

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