Verhütung: Diaphragma und Verhütungskappe

Mit Barrieremethoden wie Diaphragma und Verhütungskappe, dazu Verhütungsgel, können Frauen flexibel und hormonfrei verhüten

aktualisiert am 21.07.2016

So sieht ein klassisches Diaphragma aus


Was ist ein Diaphragma?

Ein Diaphragma ähnelt einer kleinen, biegsamen und flachen Schale mit Randwulst. Frauen führen das Diaphragma vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide ein. Das Scheidenpessar verhindert bei korrekter Anwendung, dass Spermien in die Gebärmutter eindringen. Es 
muss dazu aber immer zusammen mit einem Verhütungsgel benutzt werden.

Ähnlich funktioniert die Verhütungskappe (siehe unten). Die Scheidenpessare gehören wie das Kondom zu den Barrieremethoden, werden aber viel seltener als Kondome benutzt.

Diaphragmen sind in Deutschland in der Regel aus Silikon und in verschiedenen Größen erhältlich. Das klassische Diaphragma kann von einer erfahrenen Fachkraft in einem medizinischen Versorgungs- oder Familienplanungszentrum passend zum Körperbau der Frau ausgewählt werden. In der Apotheke gibt es inzwischen auch einen neuen, den anatomischen Verhältnissen angepassten, ovalartigen Diaphragma-Typ in nur einer Größe.

Wichtig ist, durch eine gynäkologische Untersuchung abzuklären, dass keine Besonderheiten gegen die Anwendung sprechen. Natürlich kann auch der Arzt das Diaphragma je nach Modellwahl anpassen.

Wie wird das Diaphragma angewendet?

Frauen können nur zuverlässig mit einem Scheidenpessar verhüten, wenn es perfekt sitzt. Vor dem Einsetzen wird das Diaphragma mit einem Gel bestrichen, das einen die Spermien hemmenden Stoff enthält: innen, also auf der Seite, die den Muttermund nach dem Einführen bedeckt, dazu auf dem inneren Rand. Geeignet ist zum Beispiel eine Zubereitung aus natürlichen Komponenten wie Milchsäure oder Zitronensäure. Diese machen Spermien unbeweglich.

Richtig liegt das Diaphragma, wenn es den Muttermund vollständig überlagert. Der Randwulst schmiegt sich hinten dem Scheidengewölbe an, vorne der Wand der Scheide nahe dem Schambein. Wenn das Diaphragma korrekt positioniert ist, spürt die Frau es nicht.

Anwenderinnen sollten den Sitz stets kontrollieren. Durch die dünne Silikonschicht lässt sich der Muttermund mit dem Zeigefinger gut erfühlen. Beim Husten oder Pressen darf das Diaphragma nicht verrutschen. Es sollte immer nur mit gewaschenen Händen berührt und eingeführt werden.

Die Größe des herkömmlichen Diaphragmas muss nach einer Entbindung oder einer Gewichtsveränderung von mehr als fünf Kilogramm überprüft werden, ansonsten etwa alle zwei Jahre.

Frauen, die geboren haben, können ein Diaphragma erst sechs bis acht Wochen danach verwenden.

Das Diaphragma darf frühestens zwei Stunden bis unmittelbar vor dem Sex eingesetzt werden. Frühestens nach sechs bis acht, spätestens aber nach 24 Stunden sollte die Frau es wieder aus der Scheide nehmen. Andernfalls besteht die wenn auch sehr geringe Gefahr, sich eine gefährliche Infektion (siehe unten: TTS) einzuhandeln. Dieses Risiko kann man sich nun wirklich sparen.

Bei erneutem Geschlechtsverkehr innerhalb von 24 Stunden muss zusätzlich Verhütungsgel in die Scheide gegeben werden, am besten mit einem sauberen Einführungsröhrchen (Applikator). Das gilt auch, wenn das Diaphragma schon länger als zwei Stunden vor dem Sex eingesetzt wurde.

Vorteile des Diaphragmas

Die Methode ist flexibel und hormonfrei. Folglich eignet sich das Diaphragma für Frauen, die nur dann verhüten wollen, wenn sie Geschlechtsverkehr haben. Oder für Frauen, die Hormone nicht vertragen oder diese nicht zum Verhüten anwenden möchten.

Die Frau regelt die Verhütung selbst. Sie gewinnt ein besseres Gefühl für ihren Körper. Dies – wie auch die Sicherheit – lässt sich noch steigern, wenn das Diaphragma mit einer Methode der natürlichen Familienplanung kombiniert wird. Dann kann das Diaphragma gezielt an den fruchtbaren Tagen zum Einsatz kommen. Die Menstruation spricht nicht gegen die Anwendung.

Die "Barriere" ist nicht spürbar. Es genügt der übliche Vorsorge- beziehungsweise Früherkennungs-Termin beim Frauenarzt einmal im Jahr.

Nachteile des Diaphragmas

Die Zuverlässigkeit hängt von dem exakten Sitz ab. Frauen müssen zudem erst lernen, das Pessar nebst Verhütungsgel richtig anzuwenden. Manche Paare sehen sich in ihrer sexuellen Spontaneität beeinträchtigt. Andere gewöhnen sich an die Methode und fühlen sich nicht gestört.

Chemische Verhütungsmittel (zum Beispiel Gels mit Nonoxynol-9) führen häufiger zu örtlichen Reizungen mit Brennen, auch beim Partner.

Gleitmittel auf Silikonölbasis können silikonhaltige Diaphragmen angreifen (mitgeteilt wurde das zum Beispiel für das neue, oval konturierte Diaphragma). Verwenden Sie fettfreie Mittel.

Gegenanzeigen des Diaphragmas

Anatomische Besonderheiten oder Veränderungen nach einer Scheidenoperation können die Anwendung ausschließen.

Bei einer Genitalinfektion sollte man eher auf das Diaphragma verzichten und sicherheitshalber ein Kondom benutzen. Für Frauen, die eine HIV-Infektion oder ein erhöhtes Risiko dafür haben, kommt das Diaphragma nicht in Betracht. In diesem Fall eignen sich einzig Kondome (übrigens gibt es auch spezielle Frauenkondome; sie sind aber kaum in Gebrauch). Auch Gebärmutterhalskrebs schließt die Anwendung aus.

Falls Sie, zum Beispiel auf Reisen, nur ein Diaphragma aus Latex bekommen können, dürfen Sie es bei einer Latex-Allergie nicht anwenden. Eine Silkonallergie ist äußerst selten. Mitunter sind Unverträglichkeiten des Verhütungsgels möglich.

Bei einer Verweildauer von über 24 Stunden nimmt das Risiko für Blasenentzündungen zu. Hat eine Frau eine Harnwegsinfektion oder neigt sie zu Entzündungen im Intimbereich, sollte sie das Diaphragma nicht anwenden. Äußerst selten kann es bei zu langem Tragen zu einem sogenannten toxischen Schocksyndrom (TTS) kommen.

Verhütungskappe: Wie sie aussieht und wie sie funktioniert

Verhütungskappen (Portiokappen) schirmen den Gebärmutterhals und Muttermund gegen Spermien ab: Dadurch, dass die Kappe sich dort festsaugt und von den Scheidenwänden umschlossen wird, lässt sich verhindern, dass Samenzellen in die Gebärmutter gelangen.

Die asymmetrisch geformte Kappe ist vollständig aus flexiblem Silikon. Zwischen Rand und Kuppel liegt eine Vertiefung. Diese dient als Spermienfalle. Außerdem hat die Kappe eine Lasche zum Herausziehen. Inwischen ist nur noch das Produkt eines einzigen Herstellers auf dem Markt.

Die Frau wählt zusammen mit dem Frauenarzt beziehungsweise mit erfahrenem Fachpersonal – es muss kein Arzt sein – in einem Beratungszentrum für Familienplanung eine Kappe in geeigneter Größe aus. Es gibt drei: klein für Frauen, die noch nie schwanger waren, mittel für Frauen, die eine Fehlgeburt oder einen Kaiserschnitt hatten und groß für Frauen, die schon einmal entbunden haben. Dann übt die Frau das Einsetzen, das aber eigentlich recht einfach ist: Die Kappe wird wie ein Tampon tief in die Scheide eingeführt und über den Muttermund gestülpt. Nachtasten des Muttermundes ist wichtig, um sich zu vergewissern, dass die Kappe auch wirklich fest davor sitzt.

Zusätzlich muss im Alltag immer ein Verhütungsgel aufgetragen werden, das die Spermien hemmt. Vor dem Einführen der Kappe wird es auf die Seite, die den Muttermund bedeckt, gestrichen (die Innenseite der Kuppel), außerdem auf den Rand und in die Vertiefung, die nach außen zeigt.

Vorteile der Verhütungskappe

Die Kappe kann bis zu 48 Stunden im Körper bleiben. Von einem längeren Verbleib wird wegen der ernstzunehmender Infektionsgefahr (TTS, äußerst selten, aber prinzipiell bedrohloich, siehe oben) abgeraten. Einsetzen kann die Frau das Pessar bis frühestens zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr. Fragen Sie dazu auch Ihren Arzt oder in Ihrem Beratungszentrum. Zu berücksichtigen sind auch die Wirkdauer und Anwendungsempfehlung des Verhütungsgels. Nach dem Geschlechtsverkehr sollte die Kappe mindestens sechs Stunden korrekt vor dem Muttermund liegen bleiben.

Nachteile der Verhütungskappe

Normalerweise spürt der Partner nichts von der Kappe. Allerdings kann das Verhütungsgel je nach Präparat Brennen oder andere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Die Kappe kann eventuell beim Sex verrutschen, wenn sie nicht richtig passt. Das beeinträchtigt natürlich die Sicherheit. Während der Menstruation sollte die Verhütungskappe nicht zum Einsatz kommen, nach einer Entbindung erst nach zehn Wochen.

Ansonsten gelten dieselben Angaben wie für das Diaphragma (siehe oben). Zur richtigen Pflege und Aufbewahrung beachten Sie bitte die Hinweise in der Gebrauchsanleitung.

Pearl-Index: sehr unterschiedliche Werte