Typhus

Typhuserkrankungen breiten sich vor allem bei schlechten hygienischen Bedingungen aus. Wer in Risikogebiete reist, sollte sich vorab zur Impfung beraten lassen

von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 22.05.2018

Das Typhus-Bakterium unter dem Mikroskop


Was ist Typhus?

Erreger des Typhus beziehungsweise des Paratyphus sind Bakterien der Gruppe Salmonella enterica Serotyp typhi bzw. paratyphi A, B und C. Einziges Erregerreservoir für den Typhuserreger ist der Mensch. Die Erkrankung wird also von Mensch zu Mensch übertragen. Infizierte scheiden den Krankheitserreger über den Stuhl aus, bei sogenannten Dauerausscheidern geschieht das manchmal über Jahre hinweg, ohne das diese Menschen selbst krank sind. Eine direkte, sogenannte fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch ist eher selten, meistens erfolgt die Übertragung durch eine Schmierinfektion – also meist über Essen oder Wasser, das mit dem Erreger verunreinigt ist. Die hygienischen Verhältnisse spielen daher eine entscheidende Rolle. Beim Paratyphus können in seltenen Fällen Haustiere wie zum Beispiel Rinder ein Reservoir für Salmonella paratyphi B sein.

Verantwortlich für die Erkrankung sind bestimmte Bakterien:

  • Salmonella typhi (Neue Bezeichnung: Salmonella enterica ssp. enterica Serovar Typhi) löst das schwere typhoide Fieber aus, auch Typhus abdominalis genannt.
  • Salmonella paratyphi verursacht das paratyphoide Fieber (Paratyphus).

Besonders gefährdet für eine Infektion sind Neugeborene und Kinder zwischen dem 5. und 9. Lebensjahr sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem, verminderter Magensäureproduktion oder entzündlichen Darmerkrankungen.

Geschichtliches

Der Begriff "Typhus" leitet sich aus dem Altgriechischen typhos (Dunst, Nebel) ab – vermutlich eine Beschreibung des getrübten Bewusstseins der Erkrankten.

Im Rahmen der fortschreitenden Industrialisierung fand im 19. Jahrhundert ein ausgeprägtes Städtewachstum statt. Häufig konnte die Wasser- und Abwasserversorgung nicht gewährleistet werden. So kam es zur massiven Verbreitung des Typhus vor allem bei Stadtbewohnern. Da keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten zur Verfügung standen, starben viele Menschen in dieser Zeit. Erst mit dem Ausbau der Kanalisationen wurde die Erkrankung weitgehend aus den Industrienationen verbannt.

 

Verbreitung: Wo kommt Typhus vor?

Der Typhus-Erreger kommt weltweit vor. Jährlich erkranken mehr als 20 Millionen Menschen, 200.000 sterben. Vor allem in Asien, insbesondere in Südostasien, finden sich entsprechende Hochrisikogebiete. In Industrienationen treten Erkrankungen fast ausschließlich nach Fernreisen auf.

Auch Salmonella parathyphi ist weltweit verbreitet. Jährlich erkranken 5,5 Millionen Menschen. Das Bakterium wird in regional unterschiedlich verteilte Gruppen A, B und C eingeteilt. In Europa findet sich vor allem Salmonella paratyphi B.

Bei den in Deutschland übermittelten Typhus-Erkrankungen handelt es sich im Jahr 2016 um erworbene Infektionen aus dem Ausland bei nicht-geimpften Personen.

Symptome: Welche Beschwerden sind typisch?

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Erreger Salmonella typhi und dem ersten auftreten von Symptomen beträgt meist eine bis zwei Wochen, kann aber in Einzelfällen sogar bis zu 60 Tagen nach Ansteckung dauern.

Die Erkrankung am sogenanntem typhoidem Fieber/Typhus abdominalis verläuft unbehandelt in vier ineinander übergehende Stadien:

  • Erstes Stadium (Stadium prodromale): Im ersten Stadium setzen unspezifische Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie leicht erhöhte Temperaturen ein.
  • Zweites Stadium (Stadium incrementi): Rasch ansteigendes Fieber (innerhalb von ein bis zwei Tagen) auf 39 bis 41 Grad Celsius mit deutlischem allgemeinen Krankheitsgefühl wie Kopf- und Gliederschmerzen, Bauchschmerzen und beginnenden Bewusstseinsstörungen.
  • Drittes Stadium (Stadium acmes): In den nächsten ein bis drei Wochen bleibt das Fieber konstant auf Temperaturen um die 40 Grad Celsius, ohne dass sich der Puls beschleunigt. Es tritt schwerstes Krankheitsgefühl mit Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit auf. Erkrankte wirken ausgetrocknet, heiß und blass. Häufig ist die Zunge gräulich belegt (Typhuszunge). Viele leiden in diesem Stadium an Verstopfung. Außerdem können eine Milzschwellung und ein rötlich-fleckförmiger Hautausschlag am Oberkörper und an der Bauchhaut auftreten (sogenannte Roseolen).
  • Viertes Stadium (Stadium decrementi): Im vierten Stadium geht das Fieber, insbesondere in den Morgenstunden, zurück. In diesem Stadium geht es den Patienten, vor allem durch Gewichts- und Flüssigkeitsverlust, am schlechtesten. Die Verstopfung löst sich und es treten die für die Erkrankung typischen "erbsbreiartigen" Durchfälle auf, in denen der Erreger enthalten ist, so dass Ansteckungsgefahr besteht. Im gleichen Zeitraum werden die Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, insbesondere auf Druck, schlimmer. Diese Phase dauert bis zu fünf Wochen. Komplikationen kommen vor allem in dieser Zeit vor. Dazu zählen Darmblutungen, ein Darmdurchbruch, Knochenmarks-Entzündungen, Blutgerinnselbildung (Thrombose, Embolie), Herz- und Hirnbeteiligung.

Ist das vierte Stadium überstanden, bilden sich die Symptome zurück. Der Erkrankte klart wieder auf und der Allgemeinzustand bessert sich langsam. Im Verlauf kann es zu Haarausfall kommen, der sich fast immer zurückbildet. Die Krankheit kann noch bis zu einem Monat lang wiederauftreten. Nach überstandener Erkrankung scheiden zwei bis fünf Prozent der Infizierten dauerhaft Erreger aus.

Eine Ansteckung mit Salmonella paratyphi verläuft als paratyphoides Fieber ähnlich – jedoch meist milder, komplikationsärmer und kürzer.

Diagnose: Wie stellt der Arzt Typhus fest?

Die Symptome sind der wichtigste Hinweis auf die Erkrankung. Hielt sich der Patient kürzlich in Risikogebieten auf, stützt das die Diagnose. Ein begründeter Verdacht reicht dem Arzt aus, um mit einer entsprechenden Therapie zu beginnen.

Eine sichere Diagnose lässt sich stellen, wenn der Erreger im Blut, Knochenmark, Harn oder Stuhl nachweisbar ist. Leidet der Patient im weiteren Krankheits-Verlauf an Durchfall, gelingt eventuell ein Erregernachweis im Stuhl.

In der Blutuntersuchung findet sich oft eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen. Eosinophile Leukozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, fehlen zu Beginn der Erkrankung häufig.

Lassen sich nach erfolgter Therapie für mehr als sechs Monate Erreger im Stuhl nachweisen, sprechen Ärzte von "Dauerausscheider". Solche Menschen sind zwar selbst nicht mehr krank, können aber andere anstecken. Dies betrifft jedoch nur zwei bis fünf Prozent der Erkrankten.

Verdachtsfälle, Erkrankungen und Todesfälle von typhoidem und paratyphoidem Fieber müssen an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Dies gilt auch für Dauerausscheider.

Therapie: Wie kann man Typhus behandeln?

Der Arzt verordnet bestimmte Antibiotika. Gegen einzelne Antibiotika haben die Erreger allerdings schon starke Resistenzen gebildet. In seltenen, sehr schweren Fällen verabreicht der Arzt ein Kortisonpräparat in hohen Dosen.

Wichtig ist, dass der Kranke ausreichend Flüssigkeit erhält, insbesondere bei Durchfällen. Hier sollte auf die Einnahme von Medikamenten, die den Durchfall stoppen, lieber verzichtet werden, weil der Erreger damit nur länger im Darm gehalten wird.

Dauerausscheider sollten ebenfalls mit Antibiotika behandelt werden. Die Therapie dauert mehrere Wochen. Da die Erreger hier häufig in der Gallenblase sitzen, ist eine Gallenblasenentfernung eine Möglichkeit zur Therapie, wenn Antibiotika nicht wirken.

Durch den Antibiotikabehandlung hat sich die Prognose des typhoiden Fiebers drastisch verändert, unbehandelt liegt die Sterberate bei 10 Prozent.

Eine durchgemachte Erkrankung hinterlässt bei den meisten Personen einen Schutz vor einer erneuten Erkrankung für ungefähr ein Jahr, bei hoher Infektionsdosis kann diese Immunität aber durchbrochen werden.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor Typhus schützen?

Lebensmittelhygiene: Um Typhus vorzubeugen, sollte man in Risikogebieten sorgfältig auf die Lebensmittelhygiene achten. So sollten Reisende Trinkwasser nur aus original verschlossenen Flaschen trinken. Insbesondere in Regionen mit schlechter Abwasserentsorgung ist Leitungswasserkontakt zu vermeiden. Dort auch lieber kein rohes Obst und Gemüse essen, da es häufig unter Leitungswasser gewaschen wird. Auf unzureichend gegarte Speisen grundsätzlich verzichten!

Impfung: Zum Schutz gegen das typhoide Fieber stehen Impfstoffe zur Verfügung. Ein Lebendimpfstoff zum Schlucken bietet Schutz für mindestens ein Jahr. Er wird dreimal innerhalb von fünf Tagen eingenommen. Der Injektionsimpfstoff (ein Totimpfstoff) schützt für bis zu drei Jahren. Die Schutzwirkung ist gut, aber nicht vollständig. Die Impfungen wirken nicht gegen Paratyphuserkrankungen. Die Schutzrate liegt bei etwa 60 Prozent. Insbesondere für Reisen nach Asien kann eine Impfung sinnvoll sein – vor allem bei einfachem Hygienestandard (Rucksacktourismus). Der Arzt berät Sie dazu.

Quellen:

  • Robert Koch Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2016; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2016.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 7. Mai 2018)
  • Robert Koch Institut, Typhus abdominalis, Paratyphus, Stand 12/2017; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Typhus_Paratyphus.html#doc2374542bodyText11 (abgerufen am 8. Mai 2018)
  • European Centre for Disease Prevention and Control, Facts about typhoid and paratyphoid fever; https://www.ecdc.europa.eu/en/typhoid-and-paratyphoid-fever/facts (abgerufen am 8. Mai 2018)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.