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Reizdarmsyndrom: Therapie – Medikamente

Ergänzend zu Ernährungs- und Psychotherapie kommen Medikamente infrage, die einzelne Symptome lindern

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 07.01.2019
Medikamente

Medikamente können unter anderem Blähungen und Bauchschmerzen lindern


Mittel gegen Bauchkrämpfe und Blähungen

Manchen Patienten hilft Pfefferminzöl, da es krampflösend wirkt. Ebenso wie Butylscopolamin. Gegen die Blähungen und den aufgeblähten Bauch wirken zum Beispiel Fenchel-Anis-Kümmel-Tee aus der Apotheke oder auch Kümmelöl in Kapselform, wobei die Effekte eher mild sind (vor allem beim Tee). Simeticon und Dimeticon entschäumen, sie lösen also die Gasblasen im Darm auf und lindern damit Blähungen. Kombinationen verschiedener pflanzlicher Wirkstoffe können ebenfalls helfen.

Medikamente gegen Verstopfung

Flohsamenschalen enthalten Ballaststoffe, die im Dickdarm aufquellen und so die Darmtätigkeit anregen. Wichtig: Genügend trinken. Sie können auf diese Weise gegen Verstopfung helfen. Allerdings können Flohsamenschalen Blähungen und Bauchspannen begünstigen. Es kommt hier sehr auf die individuelle Verträglichkeit an.

In akuten Fällen kann ein Abführmittel zum Einsatz kommen – jedoch nur in Absprache mit dem Arzt.

Arzneien gegen Durchfall

Wer an Durchfall leidet, kann unter Umständen Wirkstoffe wie Loperamid für kurze Zeit einnehmen. Wichtig ist, dies mit dem Arzt abzuklären.

Antibiotika

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Arzt ein Antibiotikum wie Rifaximin verschreiben. Die Gabe von solchen Antibiotika ist aber umstritten.

Antidepressiva

Einige Antidepressiva zeigen bei Reizdarmpatienten einen schmerzlindernden Effekt und können die Darmbewegungen und die Schmerzempfindlichkeit über bestimmte Botenstoffe beeinflussen. Wahrscheinlich spielt auch ein Einfluss auf die Darm-Hirn-Achse (siehe Kapitel Überblick und Ursachen) eine Rolle. Zu den eingesetzten Mitteln gehören trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin. Sie werden in deutlich niedrigerer Konzentration gegeben als bei Depressionen und können schmerzlindernd wirken, unabhängig davon, ob der Patient depressiv ist oder nicht. Daher ist der Begriff "Schmerzmodulator" angemessener, da das Medikament als Schmerzmittel eingesetzt wird. Amitriptylin ist in Deutschland auch als solches – in Kombination mit anderen Behandlungen – zugelassen.

Alternative Heilmethoden

Auch wenn große wissenschaftliche Studien fehlen, berichten Patienten, dass Verfahren wie Akupunktur, Heilfasten oder Osteopathie die Symptome positiv beeinflussen.

Quellen:

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Wald A: Pathophysiology of irritable bowel syndrome. UpToDate 2016

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Gastroliga e.V.: Reizdarmsyndrom – Leitfaden für Patienten, Stand: 2014

Ford AC, Lacy BE, Talley NJ: Irritable Bowel Syndrome. NEJM 2017, 376, 26

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Wald A: Irritable Bowel Syndrome Patient Education. Up To Date 2015

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Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) 2011 (Leitlinie wird überarbeitet, Stand: Juli 2018)

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