Akute Mittelohrentzündung: Therapie

Der Arzt verordnet üblicherweise abschwellend wirkende Medikamente, zum Beispiel Nasensprays oder Nasentropfen. Auch Antibiotika können angebracht sein
aktualisiert am 13.03.2013

Nasenspray und -tropfen: Richtig eingesetzt leisten sie wertvolle Dienste

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Allgemein gilt: Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung auf keinen Fall selbst "herumdoktern", sondern zum Arzt gehen! Insbesondere wenn Kinder erkrankt sind, sollten die Eltern unbedingt einen Kinder-/HNO-Arzt zurate ziehen. Er kann beurteilen, wie ausgedehnt die Entzündung ist und entscheiden, welche Therapie im individuellen Fall am besten hilft.

Abschwellende Nasensprays: Bei einer beginnenden Mittelohrentzündung sollten drei bis vier Mal täglich zwei bis drei Hübe eines abschwellenden Nasensprays in jeweils beide Nasenlöcher eingesprüht werden – und zwar neuen Studien zufolge mindestens acht bis zehn Tage lang. Alternativ kann drei bis vier Mal täglich eine ¼ Pipette abschwellender Nasentropfen in beide Nasenlöcher gegeben werden, ebenfalls mindestens acht bis zehn Tage lang. Werden die Mittel wie vom Arzt verordnet angewendet, ist keine Abhängigkeit zu befürchten. Sie entwickelt sich im Normalfall erst nach wochen- bis monatelanger täglicher Anwendung. Falls die Nasenschleimhaut blutet und sich Krusten bilden, kann etwa 20 Minuten nach dem Nasenspray oder den -tropfen zusätzlich eine pflegende Nasensalbe eingeführt werden.

Tabletten: Zusätzlich empfiehlt der Arzt oft die Einnahme von anti-entzündlich und abschwellend wirksamen pflanzlichen Mitteln, beispielsweise Tabletten, die den Wirkstoff Bromelain enthalten. Bewährt haben sich auch Tabletten mit dem schulmedizinischen Wirkstoff Diclofenac, der ebenfalls anti-entzündlich und abschwellend und darüber hinaus auch schmerzstillend wirkt. Wer Diclofenac nicht verträgt oder nicht einnehmen darf, kann stattdessen auf Ibuprofen ausweichen, sofern nichts gegen diesen Wirkstoff spricht. Bei Kindern empfiehlt sich – nach Rücksprache mit dem Arzt – die Einnahme von Paracetamol, das schmerzstillend und fiebersenkend wirkt.

Ohrentropfen: Wenn kein Sekret aus dem Ohr läuft und somit kein Hinweis auf einen Riss des Trommelfells besteht, können schmerzstillende Ohrentropfen in den Gehörgang geträufelt werden. In Kopf- oder Körperseitenlage laufen sie auf das Trommelfell.

Kein Wasser in die Ohren: Wenn Sekret aus dem Ohr läuft, kann der HNO-Arzt das Sekret absaugen, die Gehörgangshaut reinigen, desinfizieren und pflegen, so dass sich nicht zusätzlich die Gehörgangshaut entzündet. In dieser Phase sollte – zum Beispiel beim Duschen oder Baden – kein Wasser in den Gehörgang gelangen!

Keine Hausmittel: Das Auflegen von sogenannten Zwiebel-Säckchen und das Abbrennen von Ohrenkerzen ist unsinnig. Bei der Wärme-Applikationen durch ein Rotlicht oder eine Wärmflasche kann sich der Krankheitsverlauf verschlimmern.

Antibiotika für Säuglinge und Kleinkinder: Nicht jeder kleine Patient mit einer akuten Mittelohrentzündung braucht Antibiotika. Der Kinderarzt und / oder der HNO-Arzt berücksichtigen die Vor- und Begleit-Erkrankungen und den Verlauf der Erkrankung, und entscheiden über die Medikamentengabe von Fall zu Fall. Bei Kindern im Alter ab fünf bis sechs Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf meist schwerer, so dass häufig Antibiotika verordnet werden.

Grundsätzliches zu Antibiotika: Der Arzt verschreibt Antibiotika bei Mittelohrentzündungen, um das Risiko für Komplikationen mit möglichen lebenslangen oder sogar lebensbedrohenden Folgeschäden zu senken. Wichtig: Antibiotika sollten Sie genau wie verordnet und über die gesamte Verordnungsdauer einnehmen. Sie dürfen die vorgeschriebe Dosis dabei nicht unterschreiten. Falls Unverträglichkeits-Reaktionen auftreten, kontaktieren Sie Ihren HNO-Arzt oder den Notdienst.

Trommelfell operativ öffnen: Wenn das Trommelfell nicht schon von selbst reißt und der Mittelohr-Erguss nicht rückläufig ist, kann der HNO-Arzt einen kleinen Schnitt in den vorderen, unteren Teil des Trommelfells anlegen und den Erguss durch diese Öffnung absaugen. Eine solche Parazentese erfolgt bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung, bei Kindern unter Vollnarkose. Ist es bereits zu einem toxischen Innenohrschaden mit oder ohne Tinnitus (Ohrgeräuschen) oder Schwindel gekommen, sollte der Eingriff auf jeden Fall erfolgen.

Einlage eines Paukenröhrchens: Da sich die operative Öffnung des Trommelfells innerhalb von wenigen Tagen wieder von selbst schließen würde, setzt der Arzt oft ein kleines Kunststoff-, Titan- oder Gold-Röhrchen in den Schnitt ein. So kann das nachgebildete Sekret weiter ablaufen, das Mittelohr wird belüftet und kann unter normalen Druckverhältnissen ausheilen. Wenn sich dieses Paukenröhrchen nicht innerhalb von sechs bis zwölf Monaten selbst in den Gehörgang abstößt oder das Loch immer wieder mit eingedicktem Sekret oder Ohrenschmalz verstopft ist, wird das Röhrchen operativ entfernt. Das Trommelfell heilt danach in den meisten Fällen von selbst zu.

Andere Operationen: Wenn bei Kindern häufig Mittelohrentzündungen auftreten, sollten die anatomisch oder chronisch-entzündlich vergrößerten Nasen-Rachen-Mandeln (Adenoide, Kinder-"Polypen") entfernt werden. Haben sich im Teenager-Alter die Nasen-Rachen-Mandeln nicht zurückgebildet  oder kommt es häufig oder chronisch zu Entzündungen der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen-Entzündungen mit Mittelohrentzündungen, sollte ebenfalls operiert werden. Es erfolgt dann eine sogenannte chirurgische Sanierung des Nasen-Rachens, der Nase und der Nasen-Nebenhöhlen.

Abwehrkräfte stärken: Um Infekten der oberen Luftwege und damit auch Mittelohrentzündungen vorzubeugen, ist es ratsam, das Immunsystem zu unterstützen. Das kann aber keine praktische "Pille" für Sie erledigen. Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund. Essen Sie regelmäßig Obst, Gemüse, Quark, Joghurt, Fisch und (wenn Sie mögen) in Maßen Fleisch. Treiben Sie regelmäßig Sport, um das Herz-Kreislaufsystem zu aktivieren – dafür bieten sich Spaziergänge, Walking, Joggen und Schwimmen an. Auch regelmäßige Sauna-Besuche und Wechselbäder stärken die Abwehrkräfte. Wer älter als 35 Jahre ist und neu mit dem Sport beginnt oder chronische Krankheiten hat, der sollte sich vorsichtshalber vom Arzt grünes Licht geben lassen!


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