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HLA-B27: Ein individueller Zellbaustein

HLA-B27 ist eines von vielen Eiweißen, die zur Gruppe der Humanen Leukozyten-Antigene (HLA) gehören. Diese Eiweiße geben den Körperzellen ihre individuelle Struktur, anhand derer das Immunsystem körpereigene von körperfremden Strukturen unterscheiden kann

von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 30.03.2017
Bindehautentzündung

Menschen mit HLA-B27 leiden öfter an Morbus Reiter. Zu dieser Krankheit gehören Entzündungen der Bindehaut des Auges, der Gelenke und der Harnröhre


Kurz gesagt:

HLA-B27 sind spezielle Eiweiße aus der Gruppe der Humanen-Leukozyten-Antigene (HLA). Sie liegen in den Membranen ("Zell-Wänden") der Körperzellen und spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Nur wenige Prozent der Mitteleuropäer besitzen dieses spezielle HLA-B27-Eiweiß. Diese Menschen leiden statistisch betrachtet öfter unter speziellen rheumatischen Gelenkentzündungen und Autoimmunerkrankungen als andere Menschen.

Was ist HLA-B27?

"Humane-Leukozyten-Antigene", kurz HLA, sind Eiweiße auf der Oberfläche von Körperzellen. Sie werden auch"Major-Histocompatibility-(MHC-)Proteine" genannt. Als "Major-Histocompatibility-Komplex" werden die Gene bezeichnet, die zur Herstellung der HLA notwendig sind.

Mithilfe der HLA können die Körperzellen "zeigen", was in ihrem Innenraum los ist. Wenn sie zum Beispiel von einem Krankheitserreger befallen sind, können sie Eiweißstückchen des Erregers, der in ihnen steckt, mithilfe der HLA-Eiweiße auf ihrer Oberfläche präsentieren. Das wird von bestimmten Abwehrzellen, den T-Lymphozyten, erkannt, sodass sie sich mit den erkrankten Zellen verbinden und weitere Abwehrreaktionen in Gang setzen.

Von den HLA gibt es die Klassen I und II, die unterschiedliche Aufgaben haben. HLA-B27 ist ein spezielles Eiweiß, das zur Klasse I gehört. Nur bei wenigen Prozent der europäischen Bevölkerung befindet es sich auf ihren Körperzellen.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass diese Menschen im Vergleich zu Menschen ohne HLA-B27-Eiweiße häufiger an speziellen Gelenkentzündungen leiden. Das bedeutet aber nicht, dass HLA-B27 nun ein "schlechtes Merkmal" sei, das krank machen könne. Dazu ist das Immunsystem viel zu komplex – sehr oft bieten scheinbar nachteilige Merkmale in Bezug auf andere Krankheiten wiederum Vorteile. Außerdem erkrankt längst nicht jeder an Rheuma, der HLA-B27 besitzt.

Welcher Wert ist normal?

Wenn das HLA-B27-Gen vorhanden ist, dann befinden sich auch die HLA-B27-Eiweiße auf den Körperzellen. Dieses Ergebnis wird dann als "HLA-B27-positiv" (= HLA-B27 ist vorhanden) beziehungsweise"HLA-B27-negativ" (HLA-B27 ist nicht vorhanden) bezeichnet.

Eine Laboruntersuchung wird häufig dann durchgeführt, wenn der Arzt rheumatische oder autoimmune Erkrankungen näher abklären möchte. Aber auch vor Organtransplantationen werden die HLA-Werte bestimmt, denn jeder Mensch trägt ein individuelles Muster aus vielen verschiedenen HLA-Eiweißen. Gewebe mit unterschiedlichen HLA-Zusammensetzungen vertragen sich meistens nicht und stoßen sich ab.

Was bedeutet es, wenn HLA-B27 vorhanden ist?

Bestimmte Erkrankungen kommen bei Menschen, die das HLA-B27-Eiweiß haben, statistisch betrachtet häufiger vor als bei anderen. Dazu zählen folgende Erkrankungen:

  • Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans, eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule)
  • Morbus Reiter: Gelenkentzündungen, die nach Magen-Darm- oder Harnwegsinfektionen mit Bakterien (zum Beispiel Chlamydien) auftreten. Typisch sind die drei Symptome Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Entzündung der Harnröhre (Urethritis) und Gelenkentzündungen (Arthritis).
  • Rheumatische Gelenkentzündungen, Gelenkentzündungen nach Infektionen
  • Akute vordere Uveitis: eine Entzündung im vorderen Augenabschnitt, Entzündung von Iris (Regenbogenhaut) und Strahlenkörper = Iridozyklitis

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München