Wie kommt es zu einer Hodenentzündung?

Die Hodenentzündung (Orchitis) ist eine eher seltene Erkrankung, kann für Betroffene aber unangenehme Konsequenzen haben. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie
von Günter Löffelmann, aktualisiert am 04.09.2013

Termin beim Arzt: Eine Hodenentzündung verursacht meist eine Rötung, Schwellung und Schmerzen bei einem oder beiden Hoden

Jupiter Images GmbH/Creatas, Panthermedia/Juri Arcurs

In den Hoden werden männliche Sexualhormone und Spermien gebildet. Die etwa pflaumengroßen Drüsen befinden sich zwar außerhalb des Körpers im Hodensack (Skrotum), anatomisch sind sie aber trotzdem eng mit anderen Organen und Gefäßsystemen verbunden. Dies wird den Hoden bisweilen zum Verhängnis – dann nämlich, wenn Viren oder Bakterien über Blutgefäße, Lymphbahnen oder die Harnwege und Samenleiter in das Hodengewebe eindringen und sich dort ausbreiten. Es kommt dann zu einer Entzündung, einer sogenannten Orchitis.

Wie sich eine Hodenentzündung bemerkbar macht und welche Therapien helfen, erklärt Dr. Michael Feigl, Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Hodenentzündung?

"Alleinige Hodenentzündungen sind selten und treten in der Regel als Folge einer Mumps-Erkrankung auf", sagt Feigl. "Es können aber auch die Windpocken, das Pfeiffersche Drüsenfieber oder eine Malaria auf die Hoden übergreifen." Bei den meisten Patienten seien die Keimdrüsen aber im Rahmen einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis) mitbetroffen. "Ursache sind dann bakterielle Harnwegsinfekte, die über die Samenleiter aufsteigen." Als weitere, extrem seltene Ursache einer Orchitis nennt Feigl Immunreaktionen, bei denen Abwehrzellen des Organismus körpereigenes Gewebe angreifen.

Die männlichen Geschlechtsorgane (für die komplette Grafik auf die Lupe oben links klicken)

W&B/Szczesny

Symptome: Welche Beschwerden treten auf?

Eine Hodenentzündung macht sich typischerweise durch Hodenschwellung, Rötung des Hodensacks und Schmerzen an der betroffenen Seite bemerkbar. Wird eine Orchitis durch Viren hervorgerufen, können bei bis zu 30 Prozent der Patienten auch beide Hoden betroffen sein. "Je nach Schwere der Erkrankung kommen Fieber und Abgeschlagenheit hinzu", sagt Feigl. Und schließlich können auch Blutspuren und Entzündungszellen in der Samenflüssigkeit oder im Urin auf eine Hodenentzündung hinweisen.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Hodenentzündung fest?

Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt den Patienten zunächst nach seinen Beschwerden und nach etwaigen Infektionen in der Vorgeschichte befragen und den Unterleibsbereich untersuchen. "Rötungen, Schwellungen und Schmerzen deuten zwar auf eine Hodenentzündung hin, sie können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten", gibt Feigl zu bedenken. Besonders wichtig ist es, die Entzündung sicher von der Hodentorsion abzugrenzen, also der Verdrehung des Hodens. "Eine Torsion führt dazu, dass die Blutversorgung unterbrochen wird und das Organ innerhalb weniger Stunden abstirbt", sagt Feigl. Für den Arzt heißt das, dass er diese Komplikation sicher ausschließen muss.

In den meisten Fällen ist dies mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung möglich. Gleichzeitig lässt sich damit eine Hodenentzündung bestätigen. Hinweise auf deren Ursache erhält der Arzt dann aus Analysen von Blut und Urin. "Bei hartnäckigen und wiederholt auftretenden Hodenentzündungen kann es auch notwendig sein, gezielt nach Bakterien im Urin oder in der Samenflüssigkeit oder nach Abflussstörungen in Blase und Harnwegen zu suchen", so Feigl.

Therapie: Wie wird eine Hodenentzündung behandelt?

In jedem Fall sollten Patienten den Hoden ruhigstellen, hochlagern und kühlen. Ein Suspensorium – eine Art textile Haltevorrichtung für den Hodensack – ist dabei hilfreich. Darüber hinaus lindern entzündungshemmende (antiphlogistische) und schmerzstillende (analgetische) Medikamente die Beschwerden. "Führt der Arzt die Entzündung auf eine bakterielle Infektion zurück, wird er außerdem ein geeignetes Antibiotikum verordnen", sagt Feigl.

Prognose: Was erwartet Patienten mit einer Hodenentzündung?

Akute Hodenentzündungen heilen je nach Ursache innerhalb weniger Wochen aus. Sie können aber auch chronisch werden oder wiederholt auftreten. "In diesen Fällen müssen Patienten mit Komplikationen rechnen", sagt Feigl. Dazu zählen beispielsweise eine Schrumpfung des Hodengewebes (Atrophie) und Eiteransammlungen im Gewebe (Abszesse). In der Folge kann dann auch die Fruchtbarkeit eingeschränkt sein.

Vorbeugung: Wie kann man sich vor einer Hodenentzündung schützen?

Nachdem die Ursachen einer Hodenentzündung bekannt sind, gibt es durchaus Wege, sich vor der Erkrankung zu schützen. Dazu zählt laut Feigl vor allem die Impfung gegen eine Mumps-Erkrankung. Sexuell aktiven Männern rät der Urologe, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu benutzen, um so Harnwegsinfekten und Geschlechtskrankheiten vorzubeugen. Ältere Männer sollten zudem regelmäßig ihre Prostata untersuchen lassen.

Dr. Michael Feigl, Facharzt für Urologie

W&B/Privat

Unser Experte: Dr. Michael Feigl, Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:
Leitlinie Akutes Skrotum der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, 20120
Uptodate.com: Epidemiology, clinical manifestations, diagnosis and management of mumps. Zugegriffen am 1. Oktober 2012
Uptodate.com: Evaluation of scrotal pain or swelling in children and adolescents. Zugegriffen am 1. Oktober 2012
Uptodate.com: Causes of scrotal pain in children and adolescents. Zugegriffen am 1. Oktober 2012



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