Wie kommt es zu einer Hodenentzündung?

Die Hodenentzündung (Orchitis) ist eine eher seltene Erkrankung, kann für Betroffene aber unangenehme Konsequenzen haben. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie

von Günter Löffelmann, aktualisiert am 01.03.2018
Sprechstunde beim Arzt

Termin beim Arzt: Eine Hodenentzündung verursacht meist eine Rötung, Schwellung und Schmerzen an einem oder beiden Hoden


Schmerzen im Hoden

Wie entsteht eine Hodenentzündung?

In den Hoden werden männliche Sexualhormone und Spermien gebildet. Die etwa pflaumengroßen Drüsen befinden sich zwar außerhalb des Körpers im Hodensack (Skrotum), anatomisch sind sie aber trotzdem eng mit anderen Organen und Gefäßsystemen verbunden. Dies wird den Hoden bisweilen zum Verhängnis – dann nämlich, wenn Viren oder Bakterien über Blutgefäße, Lymphbahnen oder die Harnwege und Samenleiter in das Hodengewebe eindringen und sich dort ausbreiten. Es kommt dann zu einer Entzündung, einer sogenannten Orchitis.

 

Männliche Geschlechtsorgane (Schematische Darstellung)

Ursachen einer Hodenentzündung

"Alleinige Hodenentzündungen sind selten und treten meist als Folge einer Mumps-Erkrankung auf", sagt Dr. Michael Feigl, leitender Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen. "Es können aber auch andere Viruserkrankungen (Windpocken, Röteln), eine Tuberkulose oder eine Malaria auf die Hoden übergreifen." Reine Hodenentzündungen sind also meist hämatogenen Ursprungs (über den Blutweg erworben) infolge einer viralen oder seltener bakteriellen Infektion. Bei den meisten Patienten seien die Keimdrüsen aber im Rahmen einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis) mit betroffen. "Ursache sind dann bakterielle Infekte der unteren Harnwege und der Prostata, die über die Samenleiter aufsteigen". Auch durch sexuell übertragbare Erreger, wie zum Beispiel Chlamydien, kann es zu einer Nebenhoden- und Hodenentzündung kommen. Wichtig ist dann auch eine Mitbehandlung der Partnerin bzw. des Partners. Als weitere, extrem seltene Ursache einer Orchitis nennt Feigl Immunreaktionen, bei denen Abwehrzellen des Organismus körpereigenes Gewebe angreifen.

Hodenentzündung

Symptome: Welche Beschwerden treten auf?

Eine Hodenentzündung macht sich typischerweise durch Hodenschwellung, Rötung des Hodensacks und Schmerzen auf der betroffenen Seite bemerkbar. Wird eine Orchitis durch Viren hervorgerufen, können bei bis zu 30 Prozent der Patienten auch beide Hoden betroffen sein. "Je nach Schwere der Erkrankung kommen Fieber und Abgeschlagenheit hinzu", sagt Feigl. Und schließlich können auch Blutspuren und Entzündungszellen in der Samenflüssigkeit oder im Urin auf eine Hodenentzündung hinweisen.

Hodenentzündung

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Hodenentzündung fest?

Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt den Patienten zunächst nach seinen Beschwerden und nach etwaigen Infektionen in der Vorgeschichte befragen und den Unterleibsbereich untersuchen. "Rötungen, Schwellungen und Schmerzen deuten zwar auf eine Hodenentzündung hin, sie können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten", gibt Feigl zu bedenken. Besonders wichtig ist es, die Entzündung sicher von der Hodentorsion abzugrenzen, also der Verdrehung des Hodens. "Eine Torsion führt dazu, dass die Blutversorgung unterbrochen wird und das Organ innerhalb weniger Stunden abstirbt", sagt Feigl. Für den Arzt heißt das, dass er diese Diagnose rasch und sicher ausschließen muss.

In den meisten Fällen ist dies mit Hilfe einer farbkodierten Ultraschalluntersuchung möglich. Gleichzeitig lässt sich damit eine Hodenentzündung bestätigen. Hinweise auf deren Ursache erhält der Arzt dann aus Analysen von Blut und Urin. "Bei hartnäckigen und wiederholt auftretenden Hodenentzündungen kann es auch notwendig sein, gezielt nach Bakterien im Urin oder in der Samenflüssigkeit oder nach Abflussstörungen in Blase und Harnwegen zu suchen", so Feigl.

Therapie und Prognose der Hodenentzündung

In jedem Fall sollten Patienten den Hoden ruhigstellen, hochlagern und kühlen (jedoch nie mit Eis oder ähnlichem!). Ein Suspensorium – eine Art textile Haltevorrichtung für den Hodensack – ist dabei manchmal hilfreich. Darüber hinaus lindern entzündungshemmende (antiphlogistische) und schmerzstillende (analgetische) Medikamente die Beschwerden. "Führt der Arzt die Entzündung auf eine bakterielle Infektion zurück, wird er außerdem ein geeignetes Antibiotikum verordnen", sagt Feigl.

Akute Hodenentzündungen heilen je nach Ursache in der Regel innerhalb weniger Wochen aus. Sie können aber auch chronisch werden oder wiederholt auftreten. "Es sind selten auch Spätfolgen und Komplikationen möglich", sagt Feigl. Durch beispielsweise eine Schrumpfung des Hodengewebes (Atrophie) können Hormonversorgung und Fruchtbarkeit eingeschränkt werden. Auch Eiteransammlungen im Gewebe (Abszesse) können sich entwickeln. In Einzelfällen ist dann auch ein operativer Eingriff notwendig.

Vorbeugen einer Hodenentzündung

Nachdem die Ursachen einer Hodenentzündung bekannt sind, gibt es durchaus Wege, sich vor der Erkrankung zu schützen. Dazu zählt laut Feigl vor allem die Impfung gegen eine Mumps-Erkrankung. Sexuell aktiven Männern rät der Urologe, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu benutzen, um so Harnwegsinfekten und Geschlechtskrankheiten vorzubeugen. Ältere Männer sollten zudem regelmäßig ihre Prostata untersuchen lassen.

Dr. med. Michael Feigl

Unser Experte: Dr. Michael Feigl, leitender Oberarzt an der Klinik für Urologie im Klinikum München-Bogenhausen

Quellen:

Leitlinie dier Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (AG Kinderurologie) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie (Arbeitskreis Kidner- und Jugendurologie): Akutes Skrotum im Kindes und Jugendalter, Leitlinie 08/2015 Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-023l_S2k_Akutes_Skrotum_Kinder_Jugendliche_2015-08.pdf (Abgerufen am 06. Februar 2018)

Eyre R. C., "Evaluation of acute scrotal pain in adults", ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. http://www.uptodate.com (Abgerufen am 06. Februar 2018)

Brenner J. S., MD, MTH; Ojo A., MD. "Evaluation of scrotal pain or swelling in children and adolescents", ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. http://www.uptodate.com (Abgerufen am 06. Februar 2018)

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.