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Corona, Erkältung, Grippe oder Allergie?

Wer im Moment ein Kratzen im Hals verspürt oder sogar Fieber hat, stellt sich schnell die bange Frage: Bin ich nur erkältet oder habe ich mich etwa mit Corona infiziert? Was Betroffene dann tun sollten

von Stephanie Arndt, 10.08.2020
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Fieber, Husten, manchmal auch Schnupfen: Covid-19 kann ähnliche Beschwerden hervorrufen wie andere Krankheiten


Da kommt etwas auf uns zu. Zahllose Urlauber kehren wieder nach Deutschland zurück – und einige von ihnen bringen nicht nur Souvenirs aus fernen Ländern mit, sondern auch das neuartige Coronavirus. Das zeigt die aktuell steigende Zahl an Neuerkrankungen. Ein Trend, den das Robert Koch-Institut als ‚beunruhigend’ einstuft.

Parallel nähert sich der Herbst und mit ihm die nächste Erkältungssaison. Doch wie kann ich eigentlich feststellen, ob sich nur ein normaler Schupfen anbahnt oder ich mich mit SARS-CoV-2-Virus infiziert habe? Gerade Eltern werden häufiger in dieser Zwickmühle stecken. Denn während Erwachsene im Durchschnitt zwei bis drei Mal pro Jahr erkältet sind, trifft es Kinder im Schnitt bis zu 10 Mal.

Unklare Beschwerden erschweren die Diagnose

"Zu Anfang gar nicht", sagt Prof. Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. "Für Laien ist es in den ersten Tagen nicht möglich, zu unterscheiden, ob sie an Covid-19 oder einer Erkältung erkrankt sind. Das liegt zum Teil an den unspezifischen Symptomen, aber auch an Ähnlichkeiten zwischen den Erkrankungen. Beide gehen zum Beispiel mit Husten und Halsschmerzen einher.

Der Verlust vom Geschmacks- und/oder Geruchssinn gilt als Corona-Symptom. Schlechter schmecken oder riechen kann man aber auch bei einer Erkältung, wenn die Nase verstopft ist. Sicherheit bringt letztlich nur ein Corona-Test", erklärt Infektiologe Salzberger, der am Universitätsklinikum Regensburg auch den Bereich Infektiologie leitet.

Viele Symptom-Kombinationen sind möglich

Gibt es denn zumindest Häufungen von Beschwerden oder charakteristische Verläufe, die eine Unterscheidung zwischen Corona, einer Erkältung und einer echten Grippe vereinfachen? Auch hier verneint Salzberger.

"Als einigermaßen sicheren Hinweis für eine Grippe würde ich das schlagartige Krankheitsgefühl nennen, das Betroffene regelrecht überfällt. Sie fühlen sich wie von einem Baum erschlagen, können nicht mehr aufstehen und fühlen sich von einer Minute auf die andere schwerkrank. Bei Corona oder einer Erkältung berichten Erkrankte tendenziell von einem langsameren Verlauf mit einer steigenden Intensität der Beschwerden."

Auch typische Symptom-Kombinationen gibt es nicht: Alles sei möglich, so der Infektiologe. "Der eine fiebert schnell und hat Gliederschmerzen, den nächsten quälen lediglich Kopfschmerzen. Tendenziell stehen aber bei Corona und Grippe hohes Fieber und starker, trockener Husten im Vordergrund. Eine Erkältung und Grippe führen häufig zu Gliederschmerzen."

Auch die Dauer unterscheide sich. "Ein grippaler Infekt ist nach einigen Tagen ausgestanden, eine Grippe fesselt Kranke auch mal eine ganze Woche ans Bett. Anschließend brauchen sie noch eine längere Zeit, um sich vollständig zu erholen", sagt Salzberger.

Die Krux: SARS-CoV-2 scheint nach der bisherigen Datenlage ansteckender zu sein und schwerere Verläufe zu haben die Grippe. Außerdem gibt es gegen SARS-CoV-2 keine Impfung.

Weltweit forschen Wissenschaftler mit Hochdruck, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von 160 Impfstoffentwicklungen, dennoch mahnt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Geduld bis die Bevölkerung flächendeckend geimpft werden kann. Die Prognosen hierfür reichen von Ende 2020 bis "im Laufe des Jahres 2021" und ändern sich fast täglich. Salzberger: "Bis dahin ist es umso wichtiger rasch eine richtige Diagnose zu treffen, damit mit Corona infizierte Menschen nicht andere anstecken."

Die häufigsten Corona-Symptome

Auch wenn die Beschwerden oft vielfältig und unspezifisch sind, leiden laut dem Robert Koch-Institut Betroffene gehäuft unter folgenden Beschwerden:

  • 47 Prozent unter Husten
  • 40 Prozent unter Fieber
  • 15 Prozent unter einer Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns
  • 3 Prozent unter einer Lungenentzündung (Pneumonie)

Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall zählten außerdem zu den genannten Problemen", sagt Internist Salzberger. Etwas Licht ins Dunkel möchte der Covid-Guide (https://covidguide.health/de/) bringen. Das Tool zur medizinischen Ersteinschätzung von Covid-19 hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung gemeinsam mit internationalen Partnerunternehmen zur Verfügung gestellt.

Per Chat wird ein digitaler Fragebogen durchgegangen. Am Ende erhalten verunsicherte Menschen eine Einschätzung, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sein könnten, und ob eine Testung oder ärztliche Vorstellung empfohlen ist. Außerdem erhält man Tipps, wie man die beschriebenen Symptome am besten behandelt.

Bei Heuschnupfen herrscht etwas mehr Klarheit

Bei Allergien, zum Beispiel gegen Pollen, Hausstaub oder Tierhaare, gibt es deutlichere Unterscheidungsmerkmale zu SARS-CoV-2. "Im Gegensatz zu den Viruserkrankungen leiden Allergiker in der Regel nicht unter Fieber oder Gliederschmerzen. Dafür unter Augenjucken und Niesreiz, der aber auch bei einer normalen Erkältung üblich ist.", sagt Prof. Dr. Ludger Klimek, Präsident vom Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.

Symptomvergleich Corona-Allergie-Grippe-Erkältung

"Eine Allergie gegen Pollen verändert sich über die Saison. Neben permanentem Augenjucken und gereizten Schleimhäuten, ist die Nase anfänglich geschwollen und verstopft, dann beginnt sie wässrig zu laufen. Mit der Zeit wird der Schleim zäher. Nicht selten kommen noch Kopfschmerzen, trockener Husten und sogar Atemnot hinzu."

Diese schweren Beschwerden sind aber nicht der einzige Grund, Allergien ernst zunehmen und sich in Behandlung zu begeben. Allergologe Klimek: "Wir wissen heute, dass medikamentös gut eingestellte Allergiker kein erhöhtes Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken.

Im Umkehrschluss ebnen Menschen, die ihre Allergien nicht behandeln, Viren den Weg - im schlimmsten Fall auch SARS-CoV-2. Denn die allergiebedingten Entzündungsprozesse schädigen die Schleimhäute und machen sie anfälliger für eine Virusinfektion."

Doppelt auf Nummer sicher gehen

Beide Experten und das Robert Koch-Institut raten bei Unsicherheit schnell aktiv zu werden und bei Symptomen wie Husten, Fieber, Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns und Halsschmerzen freiwillig zu Hause zu bleiben. Außerdem sollten Sie direkte Kontakte zu anderen zu meiden.

Klimek: "Rufen Sie Ihren Hausarzt an oder schreiben Sie per Mail, um was es geht. Bitte gehen Sie nicht unangemeldet in eine Praxis, um andere Menschen nicht zu gefährden. Dann teilt man Ihnen die nächsten Schritte mit, etwa sich zu einer speziellen Corona-Test-Praxis zu begeben", rät Klimek.

Lokale Corona-Hotlines oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117) beantworten ebenfalls telefonisch Fragen. Salzberger ergänzt: "Kurzatmigkeit oder sogar Atemnot sind dagegen grundsätzlich ein Notfall. Rufen Sie sofort einen Notarzt." Telefonnummer hierfür ist in ganz Europa die 112.

Testen: ja oder nein?

Salzberger hält die seit dem 1. August geltende bundesweite Regelung, dass sich jeder Urlaubsrückkehrer innerhalb von 72 Stunden kostenlos auf Corona testen kann, für richtig. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass ein Test nur eine Momentaufnahme ist und keine komplette Sicherheit geben kann – in die sich Urlauber entsprechend auch nicht wiegen sollten.

"Liegen Zeitpunkt der Ansteckung und des Tests zu nah beieinander, kann das zu unzuverlässigen Ergebnissen führen." Für Reisende, die aus einem  Risikogebiet kommen, ist ein Test sogar verpflichtend. Dann müssen Urlauber sich entweder 48 Stunden vor der Einreise noch am Urlaubsort oder 72 Stunden nach der Einreise testen lassen und eine sogenannte Aussteigekarte ausfüllen, die von Reiseveranstaltern verteilt werden oder online ausgedruckt werden können.

Dort werden Informationen zu Symptomen und Test vermerkt und können an die Gesundheitsbehörden vor Ort weitergeben werden. Rückkehrer aus Risikogebieten müssen sich eigenständig melden und bei einem positiven Testergebnis direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne.