Was hinter diesen Sehstörungen steckt

Wer plötzlich Flimmern, Lichtblitze oder schwarze Pünktchen wahrnimmt, sollte einen Augenarzt aufsuchen. Denn solche Symptome sind nicht immer harmlos

von Simone Scheufler, aktualisiert am 16.11.2016

Klare Sicht? Wer Sehprobleme hat, sollte einen Arzt aufsuchen


Plötzlich tauchen sie auf und schwimmen wie Fusseln im Blickfeld herum. Die schwebenden Pünktchen oder Fäden werden auch als fliegende Mücken beschrieben und nach dem französischen Ausdruck als "Mouches volantes" bezeichnet. Besonders vor einem einfarbigen, hellen Hintergrund wie einer weißen Wand machen sie sich bemerkbar. Sie stören bisweilen, sind jedoch harmlos.

"Es handelt sich dabei um eine normale, altersbedingte Schrumpfung des Glaskörpers", erläutert Dr. Michael Partsch von der Netzhautsprechstunde der Augenklinik an der Universität Tübingen. "Die Trübungen bestehen aus Kollagenfasern, die sich mit den Jahren verdichten und dann als Fusseln oder ,Fliegen‘ wahrgenommen werden."

Rußregen muss umgehend behandelt werden

Es kommt vor, dass diese Fasern fest mit der Netzhautoberfläche verklebt sind. Schrumpfen sie mit der Zeit, können sie dadurch ein Loch in die Netzhaut reißen. "Geschieht das in der Nähe von Gefäßen der Netzhaut, kann es zu einer Blutung im Glaskörper kommen", sagt Partsch. "Das äußert sich schlagartig durch sogenannten Rußregen, also viele kleine, dunkle Punkte, die Patienten plötzlich wahrnehmen. Das ist krankhaft und muss umgehend behandelt werden."

Ein Riss oder ein Loch in der Netzhaut kann zu ihrer Ab­lösung führen. Diese wiederum macht sich durch einen wandartigen Schatten bemerkbar, der sich von unten oder von der Seite in das Sichtfeld schiebt. Eine abgehobene Netzhaut kann keinen Seh­eindruck mehr vermitteln und führt unbehandelt zu einer Erblindung.

Warnsignal Lichtblitze

Oft kündigt sich ein Riss in der Netzhaut zuvor durch Lichtblitze an, die Patienten sehen, wenn sie vom Hellen ins Dunkle kommen. "Lichtblitze wahrzunehmen bedeutet aber nur, dass an der Netzhaut gezogen wird", erklärt Augenarzt Partsch die Erscheinungen.

Das kann beispielsweise durch Augenbewegungen geschehen, wenn der Glaskörper an einer Stelle der Netzhaut zieht, wo noch Verbindungen bestehen. Das Ziehen erregt die Sinneszellen auf der Netzhaut und Lichtphänomene sind die Folge.

Das kann harmlos sein, wenn es sich um eine altersbedingte Glas­­körperschrumpfung handelt. Es kann sich aber auch um erste Warnsignale handeln, die auf einen Riss in der Netzhaut hindeuten. "Da die Netzhaut kein Schmerzempfinden hat, spürt man es nicht, wenn ein Loch einreißt", erklärt Partsch.

Flimmern und Zacken: Möglicherweise Anzeichen einer Migräne

Flimmern oder Zacken am Sichtfeldrand hingegen sind typisch für eine Aura, die manchen Migräneattacken vorausgeht. Das Flimmern kann auch auftreten, ohne dass starke Kopfschmerzen folgen. Augen­ärzte sprechen dann von einer vergleichsweise harmlosen Augenmigräne, einer "migraine ophthalmique", die nach kurzer Zeit verschwindet.

Sieht man erstmals Trübungen, ein Flimmern oder Zacken, sollten Betroffene zeitnah die Augen untersuchen lassen. Bei Blitzen, Rußregen oder Schatten ist es wichtig, sofort einen Augenarzt aufzusuchen – auch am Sonn- oder Feiertag. "Das gilt ebenso, wenn sich die Erscheinungen verändern oder verstärken", sagt Michael Partsch.

Was macht der Augenarzt?

Neben der Prüfung der Sehschärfe findet eine gründliche Untersuchung des Glaskörpers bei erweiterter Pupille statt. Noch zwei bis drei Stunden nach dem Einträufeln des Medikaments in das Auge ist das Sehen erheblich beeinträchtigt. Selbst mit dem Auto oder Rad zu fahren ist dann nicht möglich. Wird ein Riss an der Netzhaut festgestellt, behandelt der Augen­arzt sie sofort mit einem Laser. Hat sich in seltenen Fällen die Netzhaut bereits abgelöst, wird eine Operation umgehend nötig.

Doch längst nicht alle krankhaften Veränderungen am Auge machen sich im Vorfeld bemerkbar. "So darf sich ein Diabetiker nicht darauf verlassen, dass im Auge alles in Ordnung ist, nur weil er gut sieht", warnt Professor Thomas Haak, Chefarzt am Diabetes-Zentrum Mergentheim. Sehstörungen als Folge eines schlecht eingestellten Diabetes treten zwar erst nach Jahren auf. Wird ein Typ-2-Diabetes neu festgestellt, sollten aber auch die Augen untersucht werden. "Die Erkrankung kann schon einige Zeit unbemerkt vorgelegen haben. Auch eine gestörte Glukose­toleranz, die meist einem Diabetes vorausgeht, ist Gift für die Blutgefäße und kann zu Augenerkrankungen führen", sagt Diabetologe Haak.

Diabetiker sollten jährlich zum Augenarzt

Mindestens einmal im Jahr sollten Diabetiker die Netzhaut kontrollieren lassen. "Für den Augenarzt wichtig zu wissen ist, seit wann der Diabetes besteht und wie gut er eingestellt ist: Das heißt, wie sich der HbA1c-Wert entwickelt hat und wie hoch er aktuell ist", erläutert Haak.

Auch Menschen mit Bluthochdruck profitieren von regelmäßigen Untersuchungen. "Die Netzhaut ist das einzige Organ, bei dem man ohne größeren Aufwand Gefäße direkt sehen kann", erklärt Augenarzt Michael Partsch. "Typische Veränderungen kann man so früh feststellen und darauf reagieren."

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