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Im Promi-Interview verrät die Autorin Nele Neuhaus, weshalb Sie es skurril findet, dass ihre Krimis auch in Japan und Südkorea gelesen werden – und warum sie über ihre Erfolge manchmal noch mit dem Kopf schüttelt.

Sind Verfilmungen Ihrer Taunus-Krimis für Sie schon Routine?

Im Gegenteil. Für den Taunus-Krimi „Muttertag“ haben wir die Filmproduktion gewechselt, die Filmcrew ist neu, auch die Hauptdarstellerin. Ich bin immer etwas kritisch mit Verfilmungen, weil vieles aus dem Roman wegfallen muss. Diese ist besser strukturiert. Ich bin sehr angetan.

Wie fühlt sich das an, sein „Kopfkind“ in andere Hände zu geben?

Wenn man sein Kind in den Kindergarten bringt, hofft man ja sehr, dass es dort Freunde findet und nicht verprügelt, tätowiert und gepierct zurückkommt. So ähnlich ist es beim Fernsehen: Film und Buch sind verschiedene Medien, und irgendwann muss ich als Urheberin an die Filmleute übergeben, die etwas draus machen müssen.

Nele Neuhaus *20. Juni 1967 in Münster

Buchautorin: Ihre Krimis und Romane wurden bislang in 33 Sprachen übersetzt und elf Millionen Mal verkauft.
Privatfrau: In zweiter Ehe ist sie mit Matthias Knöß verheiratet. Das Paar lebt im Vordertaunus.

Ihre Taunus-Krimis werden auch in Japan und Südkorea gelesen. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Das ist in der Tat skurril. Als ich sie noch selbst verlegte, wurden die Bücher bekannt durch Mundpropaganda. Dass sie auch im Ausland sehr gerne gelesen werden, spricht dafür, dass sie als Krimi funktionieren. Und Tatmotive wie Rache, Eifersucht, Neid, Zorn sind international.

Denken Sie bei Ihrem Riesenerfolg manchmal: Was geht da vor sich?

Zum Glück war ich schon älter, als der ganze Rummel über mich hereinbrach. Es macht einen Unterschied, ob man mit 20 so erfolgreich wird oder mit 40. Wichtig ist, mit den Füßen fest auf dem Boden zu bleiben. Aber ich stehe oft neben mir und denke: Kann das wahr sein? Die Verkäufe, die Verfilmungen, der eigene Name auf dem Bildschirm? Das ist ein Moment, wo ich innehalte und etwas ungläubig den Kopf schüttle.

Mit Lebenserfahrung schreiben sich Krimis sicher anders.

Lebenserfahrung spielt eine große Rolle. Ich merke von Buch zu Buch, wie mir das guttut, dass ich einen bestimmten Blick auf die Welt habe, dass ich weiß, wie man recherchiert und dass ich Geduld und Durchhaltevermögen erworben habe.

Sie folgen dem Prinzip: Das Böse lauert überall, der nette Nachbar kann ein Serienmörder sein …

Ganz genau. Man hat immer das Gefühl, es könnte der Mann vor einem im Supermarkt sein oder die Frau an der Kasse. Das ist das Gemeine, dass es nicht der Profikiller ist, sondern ganz normale Menschen, die furchtbare Taten begehen.

Wie dicht lassen Sie das an sich ran? Ist das auch belastend?

Das geht uns Krimiautoren wie Ärzten oder Polizisten: Man muss lernen, eine innere Distanz zu wahren, sich immer wieder sagen: Das denke ich mir nur aus. Selbst wenn man reale Fälle recherchiert, darf man sich nicht zu tief reinfallen lassen, weil man das sonst nicht mehr als Fiktion behandeln kann. Ich kann das mittlerweile gut von mir fernhalten, ich träume nachts nicht davon.

Sie teilen mit der Ermittlerin Pia gewisse Vorlieben wie Nuss-Nugat-Creme und das Rauchen.

Es macht mir Freude, Schauplätze, an denen ich mal war, zu Schauplätzen im Buch zu machen. Und es liegt nahe, einer Figur in meinem Alter etwas von mir mitzugeben. Das sind aber nur Äußerlichkeiten. Ich bin innerlich ganz anders als Pia und könnte sicher nicht Pias Job machen.

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Woher stammte Ihr Selbstbewusstsein zu sagen: „Ich veröffentliche, was ich schreibe, drucke 500 Bücher und werde sie verkaufen“?

Bei Letzterem war ich mir nicht so sicher. Mein erster Mann hatte eine Fleischwarenfabrik und war Springreiter, der hatte nicht viel für Bücher übrig und schüttelte immer nur den Kopf. So schrieb ich an meinem allerersten Buch über Jahre nebenbei. Das war für mich Urlaub im Kopf.

Von Verlagen bekam ich nur Absagen. Dann dachte ich: Mache ich es eben selbst! Die Druckkosten waren überschaubar, also legte ich mir 500 Stück in die Garage. Durch die Fleischfabrik und das Reiten hatte ich einen riesigen potenziellen Kundenkreis. Kurz vor Weihnachten stellte ich das Buch einfach neben die Wurstdosen auf den Tresen – und es wurde gekauft.

Hatten Sie Ratgeber?

Die Ratschläge, die ich bekam, waren: Lass es lieber bleiben! Nur meine beiden Schwestern ermutigten mich. Und auch meine Eltern. Geschichten schreiben mochten Sie schon als Kind. Ein Unfall gab allem aber einen Schub …

Ich hatte mit elf Jahren einen Verkehrsunfall. Schädelbasisbruch. Wochenlang starrte ich an die Decke, durfte nichts lesen, nichts hören, keinen Besuch bekommen. Was bleibt einem anderes übrig, als sich in seiner Fantasie zu bewegen? Und ich lernte, Geduld zu haben. Kreativität entsteht aus Langeweile. Nicht aus Stress, sondern wenn man die Gedanken mal ziellos kreisen lassen darf.

Glauben Sie an Schicksal?

Ich gehe zwar nicht ständig in die Kirche, aber der Glaube an Gott ist ein Geländer für mich. Darum bin ich hin- und hergerissen: „Ist es göttliche Vorsehung?“ – „Ist es Schicksal?“

Mit 44 brauchten Sie eine neue Herzklappe …

Die Herzklappe war am Ende das kleinere Problem, lebensbedrohlich war das Aortenaneurysma über dem Herzen, das jederzeit hätte platzen können. Was mich die Schicksalsschläge gelehrt haben: Hadere nicht zu viel mit Dingen, die passieren! Alles im Leben hat am Ende einen Sinn. Wenn ich mal hingefallen bin, habe ich mich nicht entmutigen lassen, sondern bin einfach wieder aufgestanden.

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