Wenn ich den Wasserhahn aufdrehe, mir ein Glas fülle und es trinke, dann bin ich damit mehr als zufrieden. Ich empfinde es sogar als Privileg. Doch das scheint nicht jedem so zu gehen. Unser Leitungswasser, so glauben einige, würde durch seine Reise von der Quelle bis in unsere Haushalte strukturell völlig verändert.

Wasser für das Wohlbefinden

Deshalb müsse es in seinen ursprünglichen Zustand zurück- oder gleich in einen höheren Zustand versetzt werden. Erst dann könnten wir von seinen positiven Wirkungen profitieren. Die reichen von mehr Ausgeglichenheit über ein Ansprechen der Selbstheilungskräfte bis hin zu antibakteriellen Effekten.

Dank vieler Produkte auf dem Markt mangelt es nicht an Möglichkeiten, Wasser im Namen des Wohlbefindens aufzuwerten: Es lässt sich wahlweise energetisieren, strukturieren oder informieren. Klingt hochwissenschaftlich, ist aber nicht belegt.

Die Idee: Wasser habe ein Gedächtnis, könne Informationen aus der Umwelt aufnehmen und speichern. Sie können dazu Kristalle oder Halbedelsteine in Ihr Wasser legen. Die übertragen ihm vermeintlich heilsame Energien. Alternativ können Sie sich einen Wasserverwirbler zulegen, der Ihr Wasser in die richtige Struktur dreht. Oder Sie montieren einen Wasserbeleber direkt an Ihrer Leitung. Der informiert Ihr Wasser, ohne damit überhaupt in Berührung zu kommen.

So sollen etwa die Wasserbeleber einer österreichischen Firma funktionieren. In deren Innerem befindet sich ein Wirkmedium – eigentlich auch Wasser, nur eben ein Informationswasser mit angeblich besonders ursprünglicher Molekularstruktur. Fließt nun das Leitungswasser kontaktlos am Informationswasser vorbei, wird es informiert. Das heißt, das Informationswasser überträgt ihm seine vermeintlichen Eigenschaften. Kaum zu glauben?

Was sagt die Wissenschaft?

Bislang konnte in der Tat niemand beweisen, dass Wasser Informationen speichert. Die Wasser-Informierer bleiben zudem Antworten auf die Frage schuldig, um was für Informationen es sich handelt und wie diese im Körper eine Wirkung entfalten. Wie die wahrgenommenen Effekte entstehen, die Befürworter des informierten Wassers immer wieder beschreiben, lässt sich nicht nachvoll­ziehen.

Klinische Studien zum gesundheitlichen Nutzen gibt es nicht. Andere unabhängige Untersuchungen haben jegliche behaupteten Effekte wiederholt widerlegt. Wissenschaftlich betrachtet bleibt Wasser am Ende einfach Wasser. Es tut uns nicht weniger gut, wenn wir es trinken, wie es aus der Leitung kommt. Sollte aber jemand ein Gerät entwickeln, das Wasser in Wein verwandelt, möge er oder sie sich bitte bei mir melden.

Haben Sie sich auch schon einmal über fragwürdige Therapien gewundert?

Dann schreiben Sie: kritisch-hinterfragt@apotheken-umschau.de

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