Menschen mit Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie können mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) ihr Abwehrsystem an die Allergieauslöser gewöhnen. Bei der sogenannten Hyposensibilisierung bekommen sie über mindestens drei Jahre Extrakte mit den allergieauslösenden Stoffen gespritzt oder nehmen diese als Tablette oder Tropfen ein.

Zahlreiche große Studien haben belegt, dass die SIT bei Pollenallergien sehr gut wirkt, und auch für Hausstaubmilbenallergien gibt es überzeugende Daten. Da liegt es nahe, dass auch allergische Katzenhalterinnen, Hunde- und Pferdebesitzer von so einer Therapie profitieren könnten. Doch ist das wirklich so?

„Leider gibt es zur Hyposensibilisierung bei Tierallergien bisher nur kleine Studien. Es fehlen große Untersuchungen, in denen die verwendeten Präparate unter kontrollierten Bedingungen gezeigt haben, dass sie wirksam und sicher sind“, sagt Professorin Bettina Wedi. Die Hautärztin ist Leiterin des Bereichs Allergologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

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Die Daten seien nicht aussagekräftig genug, um die Therapie allgemein zu empfehlen. Es gebe außerdem Hinweise darauf, dass das Risiko für ernste Nebenwirkungen höher sei als bei den etablierten Immuntherapien. „Die Leitlinien empfehlen deshalb Karenz, also den Kontakt zum Tier zu meiden“, so die Expertin. „Nur wenn das nicht möglich ist, zum Beispiel bei Landwirten oder Tierärztinnen, ist die Hyposensibilisierung eine Option.“

Oft keine Option: das Tier abgeben

Den geliebten Hund oder die geliebte Katze also abgeben? Das bleibt oft graue Theorie. „Ich habe Patientinnen und Patienten mit schwerem allergischem Asthma erlebt, für die das unvorstellbar ist“, sagt Dr. Adam Chaker, Oberarzt an der HNO-Klinik der TU München.

Dort macht man positive Erfahrungen mit der Tier-Hyposensibilisierung, bietet diese allerdings nur ausgewählten Patientinnen und Patienten im Rahmen einer umfassenden Therapie an. Dazu gehört, die Allergenbelastung zu Hause zu reduzieren (etwa durch Luftfilter) und die Symptome zunächst bestmöglich mit Medikamenten zu behandeln. „Erst dann kommt nach aktuellen Leitlinien die spezifische Immuntherapie infrage“, so Chaker.

„Als Wissenschaftler würde ich mir natürlich mehr und bessere Daten dazu wünschen“, sagt der Experte. Solange diese fehlen, arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit Präparaten von Qualitätsherstellern, für die es aber keine großen Zulassungsstudien gibt. Das Deutsche Arzneimittelgesetz erlaubt es, bei der SIT solche „individuellen Rezepturen“ einzusetzen. Aus gutem Grund, findet Adam Chaker: „Eine Hyposensibilisierung gegen Tierhaarallergene basiert auf genau dem gleichen Wirkmechanismus wie eine gegen Pollen und Hausstaubmilben.“

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Der Bedarf dafür, Tierhaarallergien wirksam behandeln zu können, ist groß. In fast jedem zweiten Haushalt in Deutschland leben Heimtiere. An erster Stelle stehen dabei 15,7 Millionen Katzen, an zweiter 10,7 Millionen Hunde. Als Auslöser für allergisches Asthma stehen Haustiere nach Hausstaubmilben und Pollen an dritter Stelle. Die Entwicklung innovativer Therapien könnte sich deshalb für forschende Arzneimittelhersteller lohnen. Aktuell gibt es einige vielversprechende Ansätze.

Einer besteht darin, Menschen mit Katzenhaarallergie nicht mehr das Allergen selbst, sondern künstlich hergestellte Antikörper gegen dieses zu spritzen. Diese Behandlung soll die Allergie für einen längeren Zeitraum abschalten. Erste kleinere Tests waren erfolgreich. Aktuell läuft eine Studie mit mehr als tausend Teilnehmenden.

Auch ein anderes Verfahren zielt auf Katzen. Die Forschenden wollen nicht Menschen impfen, sondern die Tiere selbst. Sie sollen Antikörper gegen ihr eigenes Allergen bilden und es so quasi neutralisieren. In Studien funktionierte das, die Zulassung steht aber noch aus. Hersteller von Katzenfutter sind bereits einen Schritt weiter. Sie mischen die Antikörper einfach in die Nahrung. So gefütterte Tiere provozieren weniger allergische Reaktionen bei ihren Menschen.

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Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI): (Allergen-)spezifische Immuntherapie bei IgE vermittelten allergischen Erkrankungen. Leitlinie: 2014. (Abgerufen am 13.04.2022)

  • Universitätsklinikum Münster: Neuer Ansatz gegen Katzenhaar-Allergie. https://web.ukm.de/... (Abgerufen am 13.04.2022)
  • Universitäts Spital Zürich: Neuer Ansatz bei Katzenhaarallergie: Impfstoff für Katzen ist sicher. https://www.usz.ch/... (Abgerufen am 13.04.2022)