Kein Fernseher, keine Partys, kein Theater oder Doppelkopfabend: Eremitin Maria Anna Leenen lebt alleine mit sich und Gott in einer Klause – und ist sehr glücklich. „Ich bin am richtigen Ort“, sagt sie. Das Gebet bestimmt Leenens Alltag – genauso wie das Sorgen für ihre neun Zwergziegen. Als junge Frau sah ihr Leben übrigens völlig anders aus – bis ein Schlüsselerlebnis in Südamerika alles auf den Kopf stellte.

Maria Anna Leenen - Ich bin in der richtigen Lebensform. Ich bin am richtigen Ort. Ich bin jetzt mit mir eins. Und das ist etwas, was ein tiefes, tiefes, tiefes Glücksgefühl auslöst.

Claudia Röttger - Das sagt Maria Anna Leenen, die seit fast 30 Jahren abgeschieden als Eremitin in einem kleinen Häuschen im Wald lebt.

INTRO - Claudia Röttger - Hallo, ich bin Claudia Röttger und ich bin Journalistin und Apothekerin. Und als Apothekerin weiß ich, einmal täglich eine Pille schlucken, ein Medikament nehmen und dann ist man glücklich, das klappt nicht. Das Glücklichsein hängt leider von ganz verschiedenen Faktoren ab, bewussten Entscheidungen, aber auch Zufälle können eine ganz große Rolle spielen. In diesem Podcast mache ich mich auf die Suche nach Antworten – wie findet man sein Glück? Und dabei spreche ich mit ganz unterschiedlichen Menschen, die ihre sehr eigene Antwort darauf haben und ihre ganz individuelle Glücksgeschichte erzählen. Und vielleicht kann die eine oder andere Idee dabei auch Ihr Leben bereichern, egal in welcher Lage Sie sich befinden, egal ob Sie jung oder ob Sie alt sind.

„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau.

Claudia Röttger - Heute spreche ich mit Maria Anna Leenen. Sie lebt ganz zurückgezogen von den Menschen, ist mit sich und Gott alleine und ist glücklich. Die Einsiedlerin sagt, „Ein Leben mit Gott ist spannend und voller Freude.“ Vor 36 Jahren hat sich ihr Leben nämlich total geändert durch ein Schlüsselerlebnis in Südamerika. Und wie es dazu gekommen ist, das erfahren Sie in dieser Folge.

Weil es so schön passt, sag ich jetzt einfach mal, ‚Grüß Gott, Frau Leenen‘.

Maria Anna Leenen - Dann sage ich ‚Moin, moin, Frau Röttger‘.

Claudia Röttger - Frau Leenen, für alle, die mit dem Thema Eremitin nicht so viel anfangen können, was ist das eigentlich? Was muss ich mir da vorstellen?

Maria Anna Leenen - Ja, das ist ein bisschen schwierig, in Kurzform zu formulieren. Zunächst einmal, ich bin Diözesan-Eremitin. Das bedeutet nach katholischem Kirchenrecht, dem Bischof unterstellt, dem Bischof von Osnabrück. Und dieses Leben ist ein Leben des Gebetes. Man versucht wirklich in das immerwährende Gebet hineinzukommen. Man verzichtet auf viele weltliche Dinge, also Party, Theater, Kino, Grillfete, Doppelkopfabend, diese Dinge sind ersatzlos gestrichen.

Claudia Röttger - Wie muss ich mir das vorstellen? Vielleicht beschreiben Sie mal Ihren Raum, wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus?

Maria Anna Leenen - Ja, ein Häuschen mit vier Zimmern, glaube ich, einen kleinen Stall, wo meine Ziegen jetzt sind, und eine große Scheune. Eine Kapelle haben wir hier eingerichtet mit Erlaubnis des Bischofs. Und da, wo ich jetzt im Moment sitze, ist mein Arbeitszimmer. Und ein Leben in sehr viel Stille zwar, aber mit viel Freude, mit sehr viel intensivem Wahrnehmen führe ich. Und das ist etwas, was mir einfach auch sehr liegt.

Claudia Röttger - Ganz allein sind Sie aber nicht? Sie haben auch Tiere, richtig?

Maria Anna Leenen - Ja, aktuell sind es neun Zwergziegen, die draußen gerade rumtoben. Dann eine alte Katzendame und ein junger Kater. Und jetzt seit neuestem, seit knapp anderthalb Wochen, eine spanische Mastín Español-Hündin, die ich aus dem Tierschutz aus Spanien geholt habe und die gerade dabei ist, sich hier sozusagen einzugewöhnen. Und wenn es ab und zu ein bisschen komisch rauscht, dann ist das Cora, die schnarcht nämlich hier zwei Meter weiter vor meinen Füßen.

Claudia Röttger - Also sie weicht nicht von Ihrer Seite. Die ist immer bei Ihnen?

Maria Anna Leenen - Momentan noch. Sie soll irgendwann raus zu den Ziegen, also zumindest nachts. Weil, das ist ein Herdenschutzhund und die Wölfe kommen hier bei uns in Norddeutschland immer näher. Und ich finde es zwar toll, dass es diese Tiere wieder gibt, weil sie sehr, sehr faszinierend sind. Ich möchte aber nicht, dass sie sich eine meiner Ziegen zum Frühstück holen. Und ein Herdenschutzhund ist, neben einem guten Zaun, eine wirksame Hilfe, dass das eben nicht passiert.

Claudia Röttger - Also in Ihrer Gegend gibt es Wölfe, das heißt, Sie sind wirklich in einer sehr einsamen Gegend. Das ist in der Nähe von Osnabrück, diese Klause, in der Sie leben?

Maria Anna Leenen - Na ja, bis Osnabrück sind‘s ungefähr 45 Kilometer. Und von der Klause entfernt. Also jedes Dorf ist ungefähr 5, 6, 7 Kilometer weit weg. Alles andere um mich herum ist Gegend, ganz viel Gegend. Ich habe natürlich einige Bauern hier in der Umgebung, die auf ihren Höfen leben, aber der Kontakt ist einfach sehr gering. Ich bin sehr viel hier in meiner Klause. Ich bin sehr viel drinnen oder auf dem Gelände, habe also relativ wenig Kontakte, aber trotzdem fühle ich mich nicht einsam oder so. Ich fühle mich eigentlich sehr, sehr wohl.

Claudia Röttger - Ich möchte mir‘s gerne vorstellen, haben Sie fließend Wasser, Heizung, Internetanschluss? Wie sieht es bei Ihnen aus?

Maria Anna Leenen - Ich habe jetzt frisches Wasser, Gott sei Dank, weil wir einen neuen Brunnen gespült haben. Davor war das immer, na ja, ziemlich schwierig. Der Förderverein hat hier einen großen Ofen, einen Grundofen, eingebaut, sodass ich es im Winter auch warm habe. Ja, und Strom, wenn nicht gerade wieder die Leitung durch ist oder so, habe ich auch Strom. Aber Internet? Hier ist eigentlich nix bisher außer über Funk, LTE, wenn nicht Gewitter ist oder Sturm, dann wird‘s schwierig.

Claudia Röttger - Im Winter kommt es aber auch mal vor, dass es so richtig abgeschieden ist oder? Da ist dann niemand mehr?

Maria Anna Leenen - Ja, im Winter ist … Im Sommer kommen öfter mal Gruppen, ne, also Frauengruppen oder so. Dann machen wir draußen Vortrag mit ein bisschen Diskussion, das kommt schon mal öfter vor. Aber im Winter ist es schon so, dass ich monatelang niemanden sehe, wenn ich nicht einkaufen fahre oder in die Kirche gehe.

Claudia Röttger - Frau Leenen, tragen Sie als Eremitin eigentlich ein kirchliches Gewand?

Maria Anna Leenen - Nein. Es gibt einige von uns in Deutschland, die haben in der Regel ein Habit. Das liegt in der Regel aber daran, dass sie noch zu einem Orden gehören. Ich bin Diözesanin und das bedeutet, ich sitze hier im Moment mit Jeans und Pullover, also ganz normale Zivilkleidung, allerdings sehr einfach, sehr schlicht und nicht irgendwie mit modischem Schnickschnack oder so.

Claudia Röttger - Sie halten also Kontakt zu anderen Eremiten und Eremitinnen?

Maria Anna Leenen - Ja, also am Anfang habe ich gedacht, ich bin die einzige Verrückte, die so was lebt. Und dann kamen aber immer wieder verschiedene Informationen, über eine Zeitung oder mir hat jemand geschrieben, ‚Ich kenne da noch jemanden.‘, und dann haben sich so vor – das sind jetzt schon über 15 Jahre – langsam Kontakte gebildet. Und seit dieser Zeit haben wir alle drei Jahre, ja, ein großes Eremitentreffen. Und es ist überaus spannend, einmal zu sehen, wer alles dabei ist. Und zum anderen wie das gelebt wird. Das ist ja nicht so wie in einem Orden, wo es eine ganz klare, strenge Regel gibt, wo es ein gemeinsames Gewand, einen gemeinsamen Tagesablauf gibt, sondern wir sind sehr große Individualisten, und es ist immer wieder spannend mitzubekommen, wie das die oder der Einzelne lebt.

Claudia Röttger - Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Deswegen reden wir auch mit Ihnen. Wir sind ja auch sehr gespannt, wie Sie leben, Frau Leenen. Zu Ihrem Alltag gehört es ja, den Menschen zu helfen. Sie haben auch vorhin schon gesagt, da kommen Frauengruppen. Sie hören den Menschen zu, Sie spenden wahrscheinlich Trost. Wie läuft das ab?

Maria Anna Leenen - Na ja, also ich bin jetzt hier, in dieser Gegend, seit fast 27 Jahren. Das heißt, ich bin so bekannt wie ein bunter Hund, wie man hier bei uns sagt. Von mir wissen viele, vor allen Dingen auch natürlich die einzelnen Gemeinden, katholische Gemeinde, aber auch evangelische. Und das bedeutet, wenn die meinen, „Mensch, da müssten wir doch einfach mal hin, oder wir haben ein paar neugierige Fragen.“, dann bekomme ich eine Mail. Ich habe eine eigene Website und ich bin im Internet auch zu finden. Dann schreiben die so und so, wir sind die und die Gruppe, wir würden gerne mal kommen oder wie sieht das aus? Ja und dann vereinbaren wir einen Termin und in der Regel kriegen sie dann eine Wegbeschreibung, weil es sonst nicht so einfach ist, mich zu finden. Und dann stehen draußen ein paar Stühle und meistens, wenn es Frauengruppen sind, bringen die immer Kaffee und Kuchen mit. Und dann gibt es einen Vortrag, eine Diskussion, eine Gesprächsrunde. Die sind natürlich jedes Mal auch neugierig, haben auch dann manchmal ein bisschen schräge Fragen, was okay ist. Und dann so nach zwei, drei Stunden sagen sie, „Dankeschön!“ und fahren wieder nach Hause.

Claudia Röttger - Sie stellen schräge Fragen? Jetzt bin ich sehr gespannt. Was sind das für schräge Fragen? Was treibt die Menschen um, wenn sie zu Ihnen wollen?

Maria Anna Leenen - Na ja, die normale oder, sagen wir mal, die überlieferte Vorstellung, die auch in Bildern, in Romanen, in verschiedenen Zeitungsartikeln immer wieder auftauchen, das ist ein Bild des Eremiten, ein alter Mann mit langem Bart und zerrissener Kutte steht vor einer Felsenhöhle und schaut sinnend in die Weite oder so.

Claudia Röttger - Und da kommt Frau Leenen in der zerrissenen Jeans und sagt, „Hallo!“

Maria Anna Leenen - Ja, also ich bin relativ normal, seh‘ normal aus, nicht besonders schräg, und dann kommen natürlich die Fragen – „Also schlafen Sie immer schon im Sarg? Nein, ich habe ein normales Bett“, zum Beispiel.

Claudia Röttger - Also, Sie sind ein Magnet für die Menschen, weil Sie eben sich für dieses einsame Leben entschieden haben und gerade Sie beantworten dann, wie man mit der Einsamkeit besser umgehen kann. Was sagen Sie denn den Menschen?

Maria Anna Leenen - Also mit der Einsamkeit, mit dem Alleinsein … Das sind ja immer zwei verschiedene Begriffe. Wenn ich mit dem Alleinsein nicht klarkomme, dann sollte ich mich wirklich hinsetzen und eine Form finden, das mal zu hinterfragen – Was stört mich denn daran? Was macht mir denn Schmerzen? Wo ist denn etwas, was mich sozusagen vor die Wand laufen lässt, weil ich keine Kontakte mehr habe?

Claudia Röttger - Was hilft das dann, wenn man sich länger damit beschäftigt?

Maria Anna Leenen - Ich komme mir selber auf die Spur. Einmal, dass ich vielleicht eine sehr überzogene Vorstellung habe von Freundschaft oder von Gemeinsamkeit. Und Einsamkeit oder das, was mich daran so belastet, das heißt eigentlich auch immer, ich kann mit mir selber nicht alleine sein. Das heißt, wenn ich still bin und schweige und still und keine Kontakte habe, dann kommen ja auch Dinge hoch, Erlebnisse von früher, Ängste, vielleicht auch Dinge, die ich früher mal getan habe, die ich vielleicht heute ablehne, die aber immer noch belasten. Und das sind Momente, wo ich dann flüchte. Wenn die hochkommen, dann flüchte ich. Und das sind Dinge, die in der Einsamkeit nicht gehen. Wenn keiner da ist, den ich nicht anpöbeln kann oder mit dem ich mich streiten kann oder der mir sozusagen durch Zuwendung das Gefühl gibt, „Ach, das ist ja nicht so schlimm gewesen.“ – das sind Dinge, mit denen muss ich mich einfach auseinandersetzen.

Claudia Röttger - Was macht denn diese Stille, der Rückzug mit Ihnen oder was hat er mit Ihnen gemacht?

Maria Anna Leenen - Dann sehe ich mich so, wie ich wirklich bin, also immer im Verbund mit Gebet, Mitschrift, Lesung, mit einer Meditationsform, wo ich versuche auch die negativen Seiten an mir selber zunächst einmal wahrzunehmen, aber sie dann auch Gott hinzuhalten. Und dann ist mir auch klargeworden, ich bin weder die supertolle Fromme, ich bin auch nicht besonders schön, ich bin auch nicht besonders fit in bestimmten Techniken oder in bestimmten Wissenschaften, oder … Ich bin einfach ein ganz normaler Mensch mit Angst, mit Schwächen, mit Unvollkommenheit.

Claudia Röttger - Und mit Glück?

Maria Anna Leenen - Glück ist einfach, dass ich so leben darf. Für mich ist dieses Leben … Ich sage das immer so, „Ich bin in der richtigen Lebensform, ich bin am richtigen Ort und ich bin mit mir selber eins, zufrieden.“ Auch wenn ich weiß, dass ich Fehler mache, auch wenn ich weiß, dass ich Bockmist mache, oder dass ich vielleicht auch früher Dinge getan habe, die nicht okay waren. Aber ich bin jetzt mit mir eins. Und das ist etwas, was ein tiefes, tiefes Glücksgefühl auslöst.

Claudia Röttger - Glücklich sind Sie wahrscheinlich auch beim Bücherschreiben. Sie haben schon mehr als 30 Bücher veröffentlicht und mit den Büchern verdienen Sie auch ihr eigenes Geld, auf das sie auch angewiesen sind?

Maria Anna Leenen - Na ja, also mit Büchern richtig Geld verdienen geht nur, wenn man einen knalligen Bestseller hat oder so was. Den habe ich noch nicht geschrieben bis jetzt. Na gut, vielleicht wird das nächste Buch über Schöpfung ein Bestseller, müssen wir mal gucken. Und am Anfang war das schon sehr hart. Also in den ersten Jahren habe ich wirklich fast nix zu essen gehabt. Aber das Schreiben an sich ist eine – ich kann es gar nicht beschreiben – es ist ja eine tiefe Freude, auch wenn mal ein Text nicht flutscht oder wenn ich merke, ach, den musst du umschreiben, das geht so nicht. Aber es ist eine tiefe Freude, seine Gedanken so zu formulieren, dass andere Menschen davon vielleicht einen Gewinn haben.

Claudia Röttger - Gerade schreiben Sie ein Buch über die Schöpfung und das passt, finde ich, wunderbar zum Klimaschutz, und zur Sorge um die Erde, die ja viele, viele junge Menschen gerade umtreibt.

Maria Anna Leenen - Ja, mit Recht! Mit Recht! Also ich kann diese Fridays-for-Future-Leute nur beglückwünschen und sagen, „Ja haltet durch! Macht weiter!“ Weil, wenn ich tot bin und die Klimakrise richtig zuschlägt, mir macht das dann nichts mehr aus, ich bin tot. Aber die jungen Leute, die leben dann noch. Das heißt also, eine Verantwortung haben besonders wir Älteren, weil, unser Verhalten hat diese Klimakrise hervorgerufen. Die jungen Leute, die sind die Leidtragenden. Und deswegen ist es auch für mich so wichtig, dieses Buch zu schreiben. Nicht nur, weil es wundervoll ist und viel, viel Freude macht, sondern weil es auch hoffentlich bei uns, in den Kreisen, in denen das Buch gelesen wird, auch so ein bisschen ein kräftiger Schubser ist, hier mal das eigene Verhalten und das eigene Leben zu überprüfen und eben nicht mehr so viel kaputt zu machen.

Claudia Röttger - Wie war das eigentlich bei Ihnen als sie Kind oder Jugendliche waren, sind Sie schon immer religiös gewesen und auch sehr religiös aufgewachsen?

Maria Anna Leenen - Nein. Also ich bin evangelisch gewesen, evangelisch-lutherisch. Aber Kirche oder Glaube war bei uns kein Thema. Also für mich war nach der Konfirmation einfach Schluss – ‚Gott sei Dank habe ich damit nichts mehr am Hut‘. Und ich habe dann auch so wie die meisten jungen Leute gelebt. Das heißt, ich hatte sehr interessante Jobs, ich bin Sport- und Gymnastiklehrerin und Bewegungstherapeutin gewesen. Das heißt, ich war im Krankenhaus, in Kinderheimen. Und es war eigentlich ein sehr intensives Leben mit sehr, sehr viel Sport, mit sehr, sehr viel Kontakten, mit sehr viel Party – wie das halt junge Menschen so machen.

Claudia Röttger - Sind Sie viel gereist?

Maria Anna Leenen - Ja. Ich glaube zumindest durchgefahren bin ich durch fast jedes europäische Land. Also gut Norwegen und Finnland habe ich nicht, aber ansonsten war ich eigentlich überall, wenigstens mal in Urlaub oder einmal durchgefahren.

Claudia Röttger - Sie waren also viel auf Reisen, haben sicher viele Menschen kennengelernt, waren also sehr viel mit anderen zusammen. Gab es einen Freund?

Maria Anna Leenen - Ich hatte nicht nur einen Freund, da waren schon ein paar mehr. Aber mit dem letzten bin ich dann eben nach Südamerika gegangen. Und das war natürlich ein supertolles Abenteuer; wir haben eine große Büffelfarm aufgebaut. Und dieses Land, das war Venezuela, ist unglaublich schön. Und da ist eigentlich … Ich habe so gedacht, das ist eigentlich der Lebenstraum, den ich verwirklichen möchte, in diesem Land bleiben, diese wundervolle Farm aufbauen, mit diesen Menschen da leben. Das war eigentlich das, was ich wollte.

Claudia Röttger - Wie alt waren Sie da?

Maria Anna Leenen - 28. 28 Jahre.

Claudia Röttger - Wie ist es dann weitergegangen mit dieser Farm in Venezuela?

Maria Anna Leenen - Ja, wir haben die aufgebaut und das war eine Menge Arbeit. Und ich bin immer schon ein Büchermensch gewesen, also ich habe immer gelesen, gelesen, gelesen – alles, was mir in die Finger kam. Aber dort, wirklich in der Pampa, da war – auch ähnlich wie jetzt hier – da war kaum was. Das war mitten im Dschungel die Farm mit den Gebäuden, die wir dann aufgebaut hatten und sonst nix. Und ich hatte nix mehr zu lesen. Und unser Chef sagte, „Ja du, ich hab‘ da was. Ich geb‘ dir das mal.“ Und das war dann ein deutsches Buch. Und er war auch Deutscher und katholisch, und hat mir ein Buch über Marienerscheinungen gegeben.

Claudia Röttger - Abgefahren.

Maria Anna Leenen - Ich habe gedacht, „Um Gottes Willen, was soll ich denn damit?“ Und ja, dann habe ich angefangen zu lesen, fand das völlig schräg, was da beschrieben wird. Und dann las ich über eine Begegnung von dieser Erscheinung, also Maria mit Kindern – das sind ja immer Seher-Kinder – und diese Erscheinung sagte „Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Und in dem Moment hat es einfach geknallt, Peng gemacht. Das heißt in mir, das war als würde eine riesige Mauer zusammenbrechen oder ein Schleier zerreißen. Es war wirklich ein Geräusch. Und ich wusste, diesen Jesus, den brauche ich. Genau, das ist es! Diesen Jesus, den muss ich haben.

Claudia Röttger - ‚Ich muss diesen Jesus haben.‘ Was hat denn Ihr Freund gesagt? Oh Gott!

Maria Anna Leenen - Na ja, ich sage mal ganz kurz, war nicht so einfach.

Claudia Röttger - Das kann ich mir vorstellen. Jetzt leben Sie mit Gott, wie Sie sagen, und Sie sind glücklich. Was bedeutet Glück für Sie?

Maria Anna Leenen - Also zum einen ist das Glück nicht so punktuell, so wie wenn man ein neues Kleid kriegt – ‚Ah, schönes, neues Kleid!‘ oder irgendwie so was, sondern es ist einfach die tiefe, tiefe Freude daran, am richtigen Ort, in der richtigen Lebensform, mit der richtigen Aufgabe vertraut zu sein und es zu leben – und zwar wirklich von morgens bis abends, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr. Einfach immer.

Claudia Röttger - Haben Sie an ihrer Entscheidung als Eremitin zu leben, irgendwann mal gezweifelt? Ist da so etwas, was Sie vielleicht auch vermissen?

Maria Anna Leenen - Nein. Das ist das, was ich auch will. Also so eine Übereinstimmung von dem, was notwendig ist, was ich als notwendig sehe und wo ich sage, „Ja, das ist meins und das mache ich.“

Claudia Röttger - Sie haben es ja nun als ‚Peng!‘ beschrieben und gemerkt, das ist mein Weg, aber Sie würden wahrscheinlich dafür plädieren, „Ja, das spürt jeder eigentlich für seinen spezifischen Weg.“

Maria Anna Leenen - Aber man muss dazu die Ablenkungen sehr stark minimieren. Unsere Welt ist so laut, so schnell und so hektisch. Und man muss erst einmal sozusagen einen Punkt finden, von dem aus man losgehen kann. Und deswegen ist es wichtig, sich vielleicht mit jemandem, der ein bisschen älter und weiser ist, zurückzuziehen und zu sagen, „So ich gucke erst mal, dass ich diesen einen Punkt finde.“

Claudia Röttger - Also „Detox“ im besten Sinne. Das ist ja ziemlich modern. Sie würden zu Rückzug und auch zu weniger, zu mehr Stille raten?

Maria Anna Leenen - Auf jeden Fall. Das Problem ist nur, wenn ich eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern und zwei Hunden bin, ist das ein bisschen schwierig.

Claudia Röttger - Allerdings.

Maria Anna Leenen - Das heißt, ich muss einfach gucken, wie kann ich das in meinem Leben umändern und was muss ich lassen. Also die Kinder kann ich nicht lassen, die Hunde kann ich auch nicht lassen. Aber was mache ich, damit ich sage, „So, einmal die Woche genehmige ich mir einen Nachmittag, dann werden die Hunde irgendwo geparkt, dann werden die Kinder zur Freundin gegeben oder zum Freund oder zum Papa oder wohin auch immer. Und ich habe Zeit für mich. Und komme mir selber erst einmal auf die Spur.“ Und dann sehe ich in der Regel auch, ich muss einen bestimmten Weg, eine bestimmte Methode, eine bestimmte Sache, die muss ich verfolgen. Und dann muss ich schauen, dass ich das in meinem Leben hinkriege.

Claudia Röttger - Das war schon fast ein Schlusswort. Aber ich möchte doch noch eine Frage stellen. Wenn Sie jetzt einen Rat, also einen ganz kompakten Rat, an Ihr jüngeres Ich geben sollten, was würden Sie diesem Ich sagen?

Maria Anna Leenen - Traue deiner Sehnsucht nach dem richtigen Leben, nach dem richtigen Weg. Den habe ich immer gesucht, aber ich habe ihn nie gefunden, bis sozusagen der liebe Gott mir einmal einen Tritt ans Schienbein gegeben hat.

Claudia Röttger - Ich fand das jetzt wirklich richtig spannend zu hören von „Detox“ und der Verneigung vor der Schöpfung, über die Sie ja schreiben in Ihrem neuen Buch. Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Leenen! Und für Sie alles, alles Gute!

Maria Anna Leenen - Danke gleichfalls.

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„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau.

Redaktion: Claudia Röttger, Kari Kungel
Schnitt und Post-Produktion: Kari Kungel, Yves Seissler

Darum geht es in „Einmal täglich Glück“

Wie schaffen wir es glücklich zu sein – mit uns, mit dem Leben, im Umgang mit anderen Menschen, mit dem, was wir tun? Claudia Röttger, Journalistin und Apothekerin, macht sich auf die Suche nach Menschen, die darauf ganz persönliche, ungewöhnliche, berührende oder erstaunliche Antworten haben.

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Einmal täglich Glück | Der Glück-Podcast

Was ist das eigentlich: Glück? Moderatorin Claudia Röttger macht sich auf die Suche nach den kleinen und großen Glücksmomenten