Die bekannte Fernsehmoderatorin, Journalistin und Autorin Nina Ruge beschäftigt sich intensiv mit der Zellbiologie des Menschen und dem Prozess des Alterns. Das macht sie glücklich, sagt sie. Ebenso, wie es die kleinen Dinge im Alltag tun, zum Beispiel ein Sonnenstrahl, der am Morgen zum Fenster hereinfällt. Wie sie schafft, Glücksmomente bewusst zu erleben, erzählt sie im Gespräch mit Claudia Röttger.

Nina Ruge - Glück ist für mich Gegenwart, die absolut tief erlebte Gegenwart. Und was heißt das? Das Bewusstsein der Lebendigkeit.

Claudia Röttger - Das sagt Nina Ruge. Sie ist bekannt als Fernsehmoderatorin, und sie beschäftigt sich intensiv mit der Zellbiologie des Menschen.

Claudia Röttger - Hallo, ich bin Claudia Röttger und ich bin Journalistin und Apothekerin. Und als Apothekerin weiß ich genau, einmal täglich eine Pille schlucken, ein Medikament nehmen und dann ist man glücklich, das klappt leider nicht. Das Glücklichsein hängt leider von ganz verschiedenen Faktoren ab, bewussten Entscheidungen, aber auch Zufälle können eine ganz große Rolle spielen. In diesem Podcast mache ich mich auf die Suche nach Antworten – wie findet man sein Glück? Und dabei spreche ich mit ganz unterschiedlichen Menschen, die ihre sehr eigene Antwort darauf haben und ihr ganz individuelle Glücksgeschichte erzählen. Und vielleicht kann die eine oder andere Idee dabei auch Ihr Leben bereichern, egal in welcher Lage Sie sich befinden, egal ob Sie jung oder ob Sie alt sind.

„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau

Claudia Röttger - Heute spreche ich mit Nina Ruge. Die meisten kennen sie wahrscheinlich als Journalistin und Moderatorin von Sendungen wie „Leute heute“ oder auch dem „heute journal“. Nina Ruge hat außerdem weit über 20 Bücher veröffentlicht. Sie lebt teilweise in der Toskana und sie beschäftigt sich seit einiger Zeit sehr intensiv mit der Zellbiologie und dem Prozess des Alterns. Was sie daran so fasziniert und glücklich macht, erfahren Sie jetzt. Frau Ruge, Sie sind als Journalistin erfolgreich, eine attraktive Frau, eine gefeierte Bestsellerautorin. Und jetzt lautet der Titel Ihres neuesten Buches „Verjüngung ist möglich“. Warum interessieren Sie sich dafür, wie frau, man(n) jünger wird?

Nina Ruge - Weil es mir gar nicht um die Optik geht. Mir geht es darum, länger gesund zu bleiben. Ich habe mir gerade eine Kurve angeguckt für einen Vortrag, den ich demnächst halten werde, nämlich die Kurve ‚Wann in unserem Alter, die Alterskrankheiten einholen?‘ Und das beginnt so ab dem 60. Lebensjahr und die Kurve geht dann steil nach oben. Das ist Krebs, das ist Schlaganfall, das sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das ist Osteoporose, das ist Demenz und noch viel mehr. Und ich habe mir gedacht, wenn ich etwas für die Gesundheit meiner Zellen tue, dann kann ich das nach hinten rausschieben. Das heißt, dass nicht jetzt – ich bin jetzt 65 – das bei mir akut wird, sondern vielleicht erst mit Mitte 70 oder mit Mitte 80. Und das kann ich selber beeinflussen. Das ist natürlich ein Riesending.

Claudia Röttger - Also das heißt, ich hätte Sie durchaus auch offen darauf ansprechen dürfen und sagen dürfen, Sie sind 65, damit haben Sie kein Problem?

Nina Ruge - Nein, überhaupt nicht. Und ich finde es auch ganz schön, sehr, sehr viele Frauen meiner Generation lassen sich von diesem Etikett überhaupt nicht mehr beeindrucken. Das war ja früher so was wie scheintot. Heute ist es im Grunde der Start in eine neue, unheimlich aktive und wunderbare Lebensphase. Und so empfinde ich das wirklich und so lebe ich das auch.

Claudia Röttger - Also gar kein Jugendwahn, dem sie anhängen? Sie sagen, es geht um was ganz anderes. Es geht nicht um dieses Äußere. Das war, glaube ich jetzt noch mal wichtig an der Stelle festzuhalten.

Nina Ruge - Das Äußere ist natürlich eine unheimlich schöne Begleiterscheinung, wenn ich meine Zellen gesund erhalte und wenn der Zellstoffwechsel, das heißt, zum Beispiel auch die Zellkompetenz Energieversorgung, aber auch Entgiftung und Recycling, diese beiden Zellkompetenzen, wenn ich die fit halte, dann sehe ich natürlich auch besser aus, weil sowohl die Kollagenbildung als auch die Blutversorgung in den verschiedenen Hautschichten besser läuft.

Claudia Röttger - Jetzt würde mich interessieren, gab es in Ihrem Leben irgendeinen Punkt, an dem Sie gemerkt haben, das interessiert mich, da will ich mehr wissen, über diese Zellbiologie?

Nina Ruge - Das ging sehr früh los. Also zum einen habe ich Biologie studiert und war schon immer an der Zellbiologie interessiert. Die aber ist erst in den letzten 10, 15 Jahren so richtig in der Forschung explodiert. Also, was man heute weiß über dieses Wunder, das in unseren Zellen täglich passiert – ich sage jetzt nur einmal, in jeder Sekunde sterben 50 Millionen Zellen in meinem Körper, in Ihrem auch, und die werden ersetzt und wir merken nichts davon – das ist so ein reibungsloser Wahnsinn, der da geschieht. Gut. Das hat sich dann eigentlich von meinem Lebensstil bis heute durchgezogen. Als ich dann einen Stammzellexperten und Regenerationsmediziner kennenlernte, der mir sagte, ‚er würde gerne ein Buch über die zelluläre Langlebigkeit, also wie die in unseren Zellen gesteuert wird, machen, aber er könnte es nicht schreiben; er wäre halt ein Wissenschaftler.‘, da habe ich gesagt, „Ich schreibe das“. Und jetzt bin ich seit drei Jahren in dem Thema total drin und bin völlig angefixt.

Claudia Röttger - Diese Faszination, die nimmt man Ihnen auch tatsächlich sofort ab. Kann es sein, dass es so ist, dass man als junger Mensch diese Wunder des Körpers gar nicht so wahrnimmt wie als älterer?

Nina Ruge - Ich denke mal, das ist eben die Unbeschwertheit der Jugend, die alles als selbstverständlich hinnimmt und erst dann, wenn sich die ersten Themen bemerkbar machen … Meine Mutter hat immer gesagt, „Mädchen, irgendwann im Leben spürst du die Geburt des Todes.“ Und ich habe gedacht, „Hey Mama, das ist ja, ooh, Grusel, Grusel!“ Und sie sagte, „Du, da bist du noch gar nicht so alt. Es kann gut sein, dass es mit Anfang 30 passiert.“ Und so war es bei mir auch. Also mein erster schwerer Bandscheibenvorfall, der hatte jetzt nicht die Geburt des Todes getriggert, aber der hat mir sehr klar gemacht, ‚Meine Güte, es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass du dich einfach locker mal von hier nach da bewegen kannst, sondern du bist jetzt plötzlich total immobil.‘ Und das ist ja schön. Es ist ja total schön in den ersten 20 Jahren des Lebens und vielleicht noch mehr alles als selbstverständlich hinzunehmen. Aber ab 25 beginnen die Zellen so langsam abzubauen und da sollte man sich spätestens mit der Zellbiologie beschäftigen.

Claudia Röttger - Jetzt machen wir noch mal einen harten Schwenk zum Thema Glück. Wann begann Ihre Suche nach dem Glück?

Nina Ruge - Die begann bei mir so, ich würde mal sagen, als ich 12, 13 war. Und ich war so ein ganz, ganz schüchternes Kind, ja, ich war extrem schüchtern. Und habe mir das mit 12, 13 an die Wand geschrieben … Ich weiß nicht mehr, wie es kam. Ich saß mit meiner besten Freundin auf meinem orangefarbenen – braun gestrichene Wände, Sie wissen 70er Jahre – Jugendbett, ja, und dann schrieb ich mir plötzlich an die Wand – „Wo die Angst ist, geht es lang, also geh dahin, wo die Angst ist.“

Claudia Röttger - Wow, ganz schön weise.

Nina Ruge - Und das mit 12,13. Ja! Aber ich hatte so viel Angst, also musste irgendetwas mal kommen. Und dieser Satz kam einfach. Es kamen immer so Denkmantras zu mir, so wirklich geronnene Lebensweisheit, und die haben mir dann sehr geholfen, neue Weichen zu stellen. Und da habe ich auch begonnen, schon so mit 12, 13, plötzlich Dinge zu tun, vor denen ich Angst hatte. Das war dann nicht konfliktfrei, aber für mich war es wirklich gut, weil da begann mein Doppelleben. Ich sage immer, ‚Ich habe immer schon eigentlich ein Doppelleben gelebt.‘ Auf der einen Seite bin ich unheimlich interessiert an Wissenschaft, an Karriere, an Dinge leisten, mich immer wieder neu erfinden; Dinge, die ich schon lange mache, aufhören, was Neues anfangen. Aber auf der anderen Seite auch nach dem Sinn des Lebens suchen, die Tiefe suchen, die Kontemplation, das Heilige. Ja, heute sage ich aus großer Überzeugung auch das Heilige, und das begann schon so früh. Deshalb bin ich auch so tief davon überzeugt, dass ein gelungenes Leben, ein Dialog aus diesen beiden Seiten des Menschen ist.

Claudia Röttger - Also da sind diese zwei Pole, die würden Sie sagen, wirklich ganz tief in Ihnen sind und die Sie aber geschafft haben, zu vereinen. Ist das dann das Glück oder was bedeutet Glück für Sie?

Nina Ruge - Glück ist Goldnugget, ja. Ich liege jede Nacht oder jeden Abend im Bett und suche Goldnuggets, diese vielen funkelnden Momente des Tages. Und das ist ein Lächeln eines Paketlieferservicemannes sein, der zur Tür reinkommt und sagt, „Oh, Sie haben ja so ‘nen süßen Hund.“ oder was auch immer. Das ist ein Sonnenstrahl, der morgens zum Fenster reinschaut und mir zeigt, ich bin noch da, ich bin die Sonne. Ich bin noch da und ich bin die Wärme und ich bin das Glück. Also Glück ist für mich Gegenwart, die absolut tief erlebte Gegenwart. Und was heißt das? Das Bewusstsein der Lebendigkeit und die tiefe Dankbarkeit für dieses heilige Geschenk.

Claudia Röttger - Jetzt weiß ich nicht, ob das die junge Nina auch schon wusste. Was hat denn die junge Nina damals angetrieben, sich auf diese Suche zu machen?

Nina Ruge - Ich hatte so diese tiefe Sehnsucht nach Freiheit, nach ‘nem Leben, das anders ist als das, das ich hatte. Ich bin aufgewachsen in einer sehr behüteten Familie in den 50er, 60er Jahren, das waren zum Teil sehr enge Denkmuster. Und die 50er, 60er Jahre waren für Frauen besonders eng. Und meine Mutter litt sehr drunter. Das war eine sehr moderne Frau, die aber nicht gearbeitet hat, die beiden Kinder großgezogen hat, Ärztin war und eigentlich deswegen auch nicht so glücklich war. Die wollte sich eigentlich auch beweisen. Sie hat es aber nie richtig ausgesprochen. Und ich habe nur so ganz halb bewusst gespürt, ‚Ich möchte mal anders leben als meine Mutter‘. Ich habe sie deswegen nicht abgelehnt, sondern ich habe nur gespürt, ich will anders leben. Ich will freier leben, ich will mich anders verwirklichen.

Claudia Röttger - Haben Ihre Eltern trotzdem Ihnen diesen Mut zum Neuanfang, diesen Mut zum Anderssein mitgegeben?

Nina Ruge - Also meine Eltern haben immer versucht, mich total schüchternes Wesen irgendwie zu motivieren, ja, aber ich habe mich ja noch nicht mal getraut, alleine zum Einkaufen zu gehen, wie sollten sie mich dazu etwas Größerem bringen. Ich bin noch nicht mal Fahrrad gefahren, so ängstlich war ich. Ich mit meiner Hausfrauenpsychologie, ich erkläre mir das so, dass meine Mutter, als ich in ihrem Bauch war, im vierten Monat die schwere Krebsdiagnose bekam – schwarzes Melanom. Und, was das für eine Ärztin bedeutet, war klar. Sie wusste, dass sie eigentlich keine Chance hat. Und die Ärzte haben ihr auch gesagt, ‚Treiben Sie ab! Wir versuchen jetzt noch zu operieren‘. Und sie hat gesagt, ‚Nee, ich trage das Kind aus. Ich weiß ja, was es bedeutet‘. Und ich glaube einfach, ich denke das so, ich bin im Bauch sehr konfrontiert worden mit Angst. Und als ich dann geboren worden bin, ist meine Mutter, nachdem sich einigermaßen erholt hatte, in die Heidelberger Uniklinik, ins Krebszentrum und ist dort operiert worden und ich war im Säuglingsheim mehrere Wochen oder Monate, glaube ich auch. Und ich glaube, dass so was prägt. Und das heißt ja nicht … Und deshalb ist es heute meine tiefe, meine persönliche Erkenntnis, die Steine, die dir in den Weg gelegt wurden, die kannst du auch dazu nutzen, daraus eine Treppe zu bauen. Und dieses totale Schüchtern sein hat mich auch sehr, sehr sensibel gemacht und sehr, sehr empfindlich. Das habe ich mir bis heute auch bewahrt. Aber ich habe diese andere Seite, dass ich begonnen habe, dafür zu kämpfen, da rauszukommen und mutig zu werden und Dinge zu überwinden. Ich springe bis heute nicht vom Drei-Meter-Brett und Fahrradfahren fahren tue ich bis heute tatsächlich auch nicht so gerne. Also, alles was ich nicht zu 100 Prozent unter Kontrolle habe, da bin ich immer noch so ein bisschen, ja, schüchtern.

Claudia Röttger - Also ein paar Ängste dürfen sie sich ja auch zugestehen, wenn man nicht von Drei-Meter-Brett springt. Ich mache das auch nicht gerne.

Nina Ruge - Aber ich sehe heute, bei jedem Menschen geht was schief. Und jeder hat große Themen. Meine Eltern haben mir schon versucht, Mut und Unerschrockenheit beizubringen und sie haben es mir vor allem vorgelebt, ja. Aber ich selber war es überhaupt nicht. Ich musste das wirklich in mir selber zusammenstricken.

Claudia Röttger - Sehr schön! Zurück zu Ihrem neuen Buch und der Verjüngungsforschung. Befolgen Sie denn immer all die Ratschläge und Regeln, die Sie da in Ihrem Buch verbreiten? Sind Sie sich selber treu in dieser Hinsicht?

Nina Ruge - So viel wie möglich. Das Wichtigste ist natürlich, was die Ernährung angeht, das Weglassen; also was ich nicht esse. Ich esse tatsächlich keinen Zucker, ich esse keine Süßigkeiten, ich esse kein Weißbrot, ich trinke keine Süßgetränke, ich brauche kein Eis – all diese Sachen. Ich esse auch kein süßes Obst, keine Mangos, keine Bananen, lasse hoch verarbeitete Lebensmittel weg. Das ist schon mal ein Thema, das für viele nicht so ganz einfach ist, also Fertigpizza, auch diese ganzen Tütensuppen, die Fertig-Lasagne, all diese Sachen, oder die überbackenen Geschichten, die man die man tiefgefroren kauft und dann aufwärmt, das alles esse ich nicht. Ich habe wirklich eine ganz konsequente gemüsebasierte Ernährung und möglichst viele verschiedene Gemüse und die möglichst frisch und die möglichst bio.

Claudia Röttger - Wie reagieren denn Ihre Freundinnen? Ich könnte mir vorstellen, dass dann die eine oder andere auch dabei ist, die sagt, „Also sage mal, das ist ja alles viel zu viel und da komme ich ja gar nicht mehr mit. Und das schaffe ich auch nicht. Ich habe nicht die Disziplin.“ Sind Sie umgeben von Menschen, die genauso sind wie Sie, die das auch schaffen oder gibt es auch welche in Ihrem engeren Umfeld, wo Sie auch sagen, „Das ist mein Ding! Aber ich akzeptiere das, auch wenn da jemand gar nicht mitgeht.“

Nina Ruge - Also, Freunde sind neugierig. Viele sagen auch, „Du, ich mache das jetzt auch.“ Und andere sagen, „Nee du, das schaffe ich nicht, aber ich finde es irre, wie du das machst. Und ja, man sieht’s dir auch ein bisschen an und man merkt‘s dir auch ein bisschen an.“

Claudia Röttger - Gibt's da auch einen Trick, hängen ganz viele schlimme Bilder an Ihrem Kühlschrank von 50 Millionen Zellen, die sterben müssen oder …? Wie motivieren Sie sich, da dranzubleiben?

Nina Ruge - Es ist ganz viel Gewohnheit. Bei mir gibt's morgens immer – halten Sie sich fest, das ist jetzt wieder so richtig schön unerotisch – Flohsamenschalen, ein Esslöffel eingeweicht mit etwas Zitrone …

Claudia Röttger - Die leben aber nicht, das muss man dazu sagen.

Nina Ruge - Keine Flöhe!

Claudia Röttger - Keine Flöhe …

Nina Ruge - Pflanzlich. Das sind pflanzliche Samen.

Claudia Röttger - Das ist einfach ein Abführmittel aus der Apotheke, ja.

Nina Ruge - Ja, das ist ein Quellmittel, Quellstoff, das ist ein Ballaststoff. Und wenn man dann weiß, dass unsere Darmbakterien … Das macht mich so ein bisschen angesättigt, also satt ist was anderes, aber so angesättigt; und dann bin ich es schon gewohnt. Dann trinke ich ganz viel grünen Tee. Und wenn ich mal so ein Riesenbock auf Süßes habe, dann esse ich ein Stückchen schwarze Schokolade mit ‘ner Nuss drin, was ich total mag, und das ist dann auch gut. Das mache ich seit 25 Jahren.

Claudia Röttger - Gehen wir jetzt noch mal zu diesen Goldnuggets, von denen Sie vorhin gesprochen haben. Sie haben gesagt, dass Sie den ganzen Tag über Glücksmomente sammeln. Findet Ihr Mann auch Gefallen daran?

Nina Ruge - Mein Mann ist sehr tolerant, ist auch neugierig. Und wenn wir beispielsweise einen schönen Spaziergang machen, egal wo, dann sage ich öfter mal, „Du lass uns doch mal schweigen und auch gar keine Gedanken haben! Gar nicht denken, das ist jetzt schön oder wie riecht’s denn hier oder was macht mein Hund, sondern versuch mal deine Gedanken auszuschalten und so eine Wahrnehmungsmeditation zu machen. Also, du nimmst den Baum wahr, indem du ihn spürst und gar nicht denkst, ‚Oh, ein Baum‘ oder was weiß ich, sondern du nimmst den einfach nur wahr, du spürst den. Und dann merkst du plötzlich, dass du mit dem in irgendeiner Form verbunden bist.“ Und dann sagt er, „Also jetzt können wir mal gehen, ohne zu sprechen, ist okay.“ Und dann, nur fünf Minuten später kommt er mit irgendwas und sagt, „Ah guck mal da hinten oder so.“ Also die Praxis ist für ihn schwierig, ist so. Und vielleicht denkt er auch immer nur, er kann das nicht. Dabei kann er das natürlich, aber er traut sich das in dieser Form nicht so zu.

Claudia Röttger - Jetzt haben wir ganz viel über Verjüngung und über Langlebigkeit geredet. Frau Ruge, wie alt wollen Sie werden? Was halten Sie als Biologin für realistisch, wie alt der Mensch denn werden kann?

Nina Ruge - Ich denke die 120, die in der Bibel sind, die ja schon in der Bibel das biblische Alter bedeuten … Die älteste menschliche Frau, die ist 122 geworden. Bisher hat es keiner länger geschafft und ich weigere mich, darüber hinauszudenken. Das, was ich jetzt für die Medizin und für uns auch mental einfach erträglich finde, ist die Vorstellung, „Mensch, warum nicht 100 werden; das aber gesund und dann schnell sterben.“ Das wäre doch irre oder?

Claudia Röttger - Eine Frage, wenn Sie jetzt Ihrem jüngeren Ich aus der Perspektive von heute einen Ratschlag geben sollten, wie würde der lauten?

Nina Ruge - Lerne das Ego zu erkennen! Vielleicht noch mal einen schönen Satz von Martin Buber – „Bei sich anfangen, aber nicht bei sich enden, bei sich beginnen, aber nicht sich selbst zum Ziel haben.“ Sondern, jetzt füge ich hinzu, dem Leben einen Sinn geben.

Claudia Röttger - Vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Und ich wünsche Ihnen alles Gute!

Nina Ruge - Danke Frau Röttger, für Ihre schönen Fragen. Und ich sage jetzt natürlich „Alles wird gut!“ Aber, nicht von alleine.

Claudia Röttger - Wenn Sie auch jemanden kennen, der eine spannende Glücksgeschichte zu erzählen hat oder nach einem besonderen Glücksrezept lebt, dann schreiben Sie uns doch bitte an redaktion@gesundheit-hoeren.de. Denn dann würde ich diese Person sehr gerne kennenlernen und vielleicht kommt sie ja in meiner nächsten Podcast-Folge vor.

„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau

Redaktion: Claudia Röttger, Kari Kungel
Schnitt und Post-Produktion: Kari Kungel, Yves Seissler
Wissenschaftliche Prüfung: Dr. Andreas Baum

Darum geht es in „Einmal täglich Glück“

Wie schaffen wir es glücklich zu sein – mit uns, mit dem Leben, im Umgang mit anderen Menschen, mit dem, was wir tun? Claudia Röttger, Journalistin und Apothekerin, macht sich auf die Suche nach Menschen, die darauf ganz persönliche, ungewöhnliche, berührende oder erstaunliche Antworten haben.

Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an redaktion@gesundheit-hoeren.de

Unseren Podcast abonnieren

Alle 14 Tage erscheint eine neue Folge. Sie können unseren Podcast über verschiedene Podcast-Plattformen hören und abonnieren. „Einmal täglich Glück“ gibt es beispielsweise bei:

Alle Folgen im Überblick

22888559_8c411c3452.IRWUBPROD_4R2M.jpg

Einmal täglich Glück | Der Glück-Podcast

Was ist das eigentlich: Glück? Moderatorin Claudia Röttger macht sich auf die Suche nach den kleinen und großen Glücksmomenten