Angelika Justl hatte sich ein Los mit der Endziffer 19 ausgesucht – der Geburtstag ihrer Tochter. Zugeschickt wurde ihr aber eine andere Endziffer. Im Gespräch mit Claudia Röttger erzählt Justl, wie sie den Telefonhörer schon in der Hand hatte, um das Los zu tauschen – sich dann aber doch dagegen entschied. Zum Glück: die damals 47-Jährige gewinnt eine Million Euro. Was sie sich mit ihrem Mann als erstes von dem Gewinngeld gekauft hat und warum Angelika Justl findet, dass Geld glücklich machen kann, hören Sie in dieser Folge.

In dem Gespräch geht es um folgende Themen:

  • Wie war der Moment, als Sie gewonnen haben?
  • Was haben Sie sich als erstes geleistet?
  • Sind Sie glücklicher geworden?
  • Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

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Angelika Justl - Im Prinzip ist es schon so, dass man vielleicht auch ein bisschen Unglück haben muss, um dann wieder Glück noch mehr zu empfinden.

Claudia Röttger - So drückte es Angelika Justl aus. Sie hat vor zehn Jahren bei der Lotterie eine Million Euro gewonnen.

Claudia Röttger - Herzlich Willkommen beim Glückspodcast. Ich bin Claudia Röttger und ich freue mich, dass Sie wieder dabei sind. Was ich ja ganz spannend finde, ist, dass das Wort Glück im Deutschen eigentlich zwei Bedeutungen hat – Glück im Sinne von Glücklichsein, aber auch Glück haben, ein glücklicher Zufall. Im Englischen gibt's da zwei verschiedene Worte happiness und luck. Aber irgendwie hängt es ja auch zusammen. Ein kurzer Glücksmoment kann ja auch zu langfristigem Glück werden. Und genau um so einen kleinen und doch riesengroßen Moment geht es heute.

„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau

Claudia Röttger - Ich spreche jetzt gleich mit Angelika Just. Sie ist ein richtiger Glückspilz, denn sie hat bei der Lotterie eine Million Euro gewonnen. Und zwar war das 2012 in einer Fernsehshow, die heißt „Der Tag des Glücks“. Und für sie war das definitiv der Tag des Glücks, weil ihr Los genau das richtige war. Angelika Justl kommt aus der Nähe von Darmstadt und mit ihr will ich gleich darüber sprechen, wie sich so ein Gewinn anfühlt und ob Geld wirklich glücklich machen kann. Hallo Frau Justl.

Angelika Justl - Hallo Frau Röttger.

Claudia Röttger - Ja, schön, dass Sie da sind. Vielleicht kennen Sie das ja schon aus unseren Glückspodcast-Folgen. Wir haben am Anfang immer ein kleines Warm-up-Spiel. Das hat so ‘ne kleine Tradition bei uns. Und zwar stelle ich Ihnen immer zwei Dinge vor und Sie müssen sich für das eine entscheiden, was Ihnen besser gefällt. Also zum Beispiel Sommer oder Winter?

Angelika Justl - Sommer.

Claudia Röttger - Das war klar! Eine große Party feiern oder lieber ein kleines Essen mit Freunden?

Angelika Justl - Ein kleines Essen mit Freunden.

Claudia Röttger - Jetzt kommen wir natürlich schon auch ein bisschen auf das Thema, um das es heute geht – Sparbuch oder lieber Aktien?

Angelika Justl - Sparbuch. Ja, da bin ich irgendwie altmodisch; das würde ich eher nehmen als die Aktien, weil da kenne ich mich nicht so mit aus. Und vielleicht wollte ich das Geld nicht einfach so verlieren, weil man was Falsches entscheidet.

Claudia Röttger - Verstehe. Viel Trinkgeld geben oder wenig Trinkgeld geben?

Angelika Justl - Och, angemessen, würde ich sagen. Ja.

Claudia Röttger - Letzte Frage – Gemeinsames Konto mit dem Partner oder lieber getrennt? Angelika Justl - Also wir haben alles zusammen, ein Sparbuch und halt auch das Konto.

Claudia Röttger - Frau Justl, ja, ich hab's schon ein bisschen angedeutet. Es geht ein bisschen heute um Geld, um das schmutzige große, gute Geld. Frau Justl, Sie haben einen großen großen Gewinn gemacht, sie haben eine Million Euro gewonnen. Und das jährt sich ja jetzt dieses Jahr im April. Zehn Jahre ist es schon her. Versuchen Sie sich doch noch mal zurück in diesen Moment zu versetzen. Wie reagiert man da? Haben Sie vor Glück geschrien?

Angelika Justl - Nee, ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass ich geschrien haben, sondern ich war …, ich bin einfach aufgestanden und habe mich schon gefreut. Aber ich … es war unglaublich. Dass ich es überhaupt nicht verstanden habe, dass es jetzt wirklich so geklappt hat. Und ich habe dann damals von Steven Gätjen – das war der Moderator da bei der Show – habe ich einen riesen Blumenstrauß in die Hand bekommen. Ich hab‘ dann, ich hab‘ dann … der Goldflitter kam runter und ich hatte in der einen Hand diesen schweren Blumenstrauß, an der anderen Hand hat er mich festgehalten. … Und, ja, weil ich nicht gewusst hätte wie sonst …, wenn ich die Treppe runtergeflogen wär … ich hab‘ mir schon so Gedanken gemacht. Ja, und dann hatte ich noch Goldflitter, ein Stück, in den Mund bekommen. Dann hab‘ ich noch überlegt, wie tue ich den Goldflitter jetzt raus, ohne dass es jeder da im Fernsehen direkt noch mitkriegt? Es war lustig.

Claudia Röttger - Das war ja wie im Märchen, wie mit der Goldmarie. Sehr schön!

Angelika Justl - So ungefähr.

Claudia Röttger - Versteht man das denn gleich, Frau Justl? Realisiert man das, was da gerade passiert ist?

Angelika Justl - Nein, das kann man nicht gleich auf Anhieb verstehen. Also man braucht da schon ein paar Tage dazu, bis man es dann wirklich begriffen hat, dass es einen getroffen hat, das Glück

Claudia Röttger - In dem Moment als sie erfahren haben, dass sie gewonnen haben, das war für sie ja ganz schön emotional oder?

Angelika Justl - Ja also das war aber bei mir dann auch noch mal so ein Gedanke an meine Mama, weil die schon vor 30 Jahren gestorben ist mittlerweile. Damals war es ja noch ein bisschen kürzer. Aber ich hab‘ gedacht, sie war trotzdem dabei. Und das war für mich halt alles ziemlich emotional.

Claudia Röttger - Sie waren ja damals nicht alleine dort bei der Sendung. Ihr Mann und ihre Tochter und noch eine Freundin von Ihnen waren ja auch dabei. Wie haben die denn eigentlich reagiert?

Angelika Justl - Genauso emotional wie ich. Also ich war dann auch froh, wie sie dann auf die Bühne kommen durften. Und ja, im Prinzip sind uns vor Glück die Tränen halt runtergelaufen.

Claudia Röttger - Und dann irgendwann sind die Knie wieder ein bisschen fester geworden … Also Sie sind da wahrscheinlich noch nicht mal mit dem Geldkoffer rausgelaufen aus dieser Show, nehme ich mal an?

Angelika Justl - Nein. Man bekommt das Geld auf das Konto überwiesen. Und das is auch ganz gut so. Ich hätte mir im Lebtag nicht vorstellen können, dass ich den Geldkoffer dann mitnehme. Da wäre ich wahrscheinlich noch aufgeregter gewesen.

Claudia Röttger - Aber irgendwie a bisserl gefeiert haben sie doch schon. Was war am nächsten Tag? Wie wacht man da an so ‘nem Morgen auf?

Angelika Justl - Ja gut, das Aufwachen ist eher so ein Problem gewesen, weil ich erst einmal fast so gut wie gar nicht geschlafen habe vor lauter Aufregung.

Claudia Röttger - Das kann ich mir gut vorstellen. Ihre Tochter, hab‘ ich jetzt mal zurückgerechnet, müsste 14 gewesen sein. Teenager, das weiß ich aus eigener Erfahrung, haben ja immer Wünsche. Kommt dann gleich, „also Mama, ich will jetzt das … ‘ne neue Anlage oder cooles Handy.“ Wurde dann schon darüber geredet, was man alles konkret mit dem Geld anstellen könnte?

Angelika Justl - Also die Tochter selbst hat da jetzt nichts gesagt, dass sie jetzt unbedingt irgendetwas Bestimmtes haben wollte. Was bei uns auf jeden Fall ganz wichtig war … und zwar haben wir uns als allererstes eine Waschmaschine angeschafft, eine neue. Weil, bevor wir in die Show gegangen sind, hatte unsere alte schon sehr merkwürdige Geräusche gemacht. Und da haben wir nur gehofft, dass sie noch hält. Und wir wussten ja, dass wir, wenn wir aus der Show kommen, den kleinsten Gewinn von 2.000 Euro mit nach Hause nehmen können und haben uns gedacht, dann ist auf jeden Fall die Waschmaschine schon mal mit drin.

Claudia Röttger - Also das war klar, die 2.000 Euro waren schon mal runter von der Million. Das war klar, die kaufen sie sich als Erstes.

Angelika Justl - Sie hat jetzt nicht so viel gekostet. Aber wie gesagt, wir haben uns aber dann keine Gedanken mehr darüber machen brauchen, und das war eigentlich auch ganz gut so.

Claudia Röttger - Was hat sich denn noch bei Ihnen zuhause verändert?

Angelika Justl - Zuhause selbst. Gut, wir hatten damals eine Doppelhaushälfte und haben damals dann wieder die neue Finanzierung nach 10 Jahren wieder machen müssen. Und ich hatte dann damals gesagt gehabt, „von wegen wir warten jetzt, bis die Show vorbei ist und erst dann entscheiden wir, wie es weitergeht“. Und im Nachhinein haben wir uns dann einen Neubau, dann ein Zweifamilienhaus, geleistet. Und die Tochter hat dann jetzt auch ihre eigene Wohnung.

Claudia Röttger - Also Sie hat einen kleinen Instinkt. „Mensch, warten wir mal ab! Also ich könnte vielleicht doch gewinnen“ offenbar?

Angelika Justl - Ja, so die Hoffnung hat man gehabt. Und ich, ich weiß auch nicht warum. Aber ich hab‘ halt auch so ein paar Dinge angestellt, sage ich einfach mal, die wird wahrscheinlich keiner machen. Also dieses Glückslos, ja, da hab‘ ich meinen Mann beauftragt … der Schornsteinfeger kam noch vorbei davor, der sollte das mal berühren. Und dann hatte ich noch ein Glücksschweinchen von unserer einen Millionärin, der Vesna Vekic, bekommen. Das hatten wir dann zum Kandidatentreffen schon; das war dann sechs Wochen vor der Show. Und das hab‘ ich zu dem Glückslos getan und einem Foto von meiner Mama. Und das habe ich dann abends immer sechs Wochen lang an meine Brust gedrückt vorher und dann habe ich es unter mein Kopfkissen gelegt. Und das hatte ich dann auch in der Show mit dabei in meiner Hosentasche und irgendwie … ich weiß nicht, ich hab‘ anscheinend dran geglaubt und es hat halt Glück gebracht.

Claudia Röttger - Scheinbar ja. Haben da eigentlich auch bestimmte Zahlen eine Rolle gespielt? Ihre Lieblingszahl oder so was?

Angelika Justl - Das war ja das andere, unsere Geschichte. Und zwar – es waren eigentlich nicht unbedingt Zahlen, die mit mir zu tun hatten oder mit unserer Familie, sondern damals hatte ich einen Anruf bekommen von der Lotterie-Annahmestelle, wo ich ja sowieso schon Lose hatte. Und die Dame hat mir damals dann gesagt, ich dürfte mir eine Endziffer aussuchen und da hab‘ ich mir die Nummer 19 ausgesucht. So, jetzt hab ich ein paar Tage gewartet und dann kam die Post und dann hatte ich den Brief in der Hand und hab das aufgemacht, und auf diesem Los stand als Endnutzer aber nicht die Nummer 19, sondern die 36. Da war ich dann erst einmal enttäuscht und dann habe ich den Telefonhörer genommen, hatte den in der rechten Hand und hab‘ mich hingesetzt und habe das Los in der linken Hand gehalten und wollte anrufen, ob sie kein Los mit der Endziffer 19 hatten. Aber ich habe mich dann ganz schnell anders entschieden und hab‘ gedacht vielleicht soll mich ja dieses Los treffen und ich sollte es bekommen. Und dann hab‘ ich es gelassen.

Claudia Röttger - Die 19? Erklären Sie es noch kurz bitte, Frau Justl, was ist das für eine magische Zahl für Sie? Warum 19?

Angelika Justl - Weil meine Tochter an einem 19. geboren ist, und deswegen wollte ich die unbedingt haben. Aber wenn man dann wiederum bedenkt, wir hatten dann trotzdem noch wieder was mit der 19 zu tun, wenn es auch nicht die Losnummer war. Aber die Show zum „Tag des Glücks“, die war dann am 19. April 2012 damals. Damit hatten wir wieder die 19 dabei.

Claudia Röttger - Also ich kenne das aus der eigenen Familie. Meine Mutter spielt manchmal Lotto und immer mit den Geburtstagen aus der Familie. Das ist also schon auch bei Ihnen, so ein bisschen magische Zahlen … daran glauben Sie schon, dass die was mit Ihnen zu tun hatten?

Angelika Justl - Ja, in dem Falle schon. Wie gesagt, ich hatte eigentlich auf diese Endnummer 19 gehofft, aber es hat ja nicht geklappt. Aber es sollte anscheinend wohl so sein, dass es dann halt eben zu mir kommt, dieses Los. Und ja, der 19. hat‘s dann vielleicht gebracht an dem Tag.

Claudia Röttger - Und dann kam dieser wahnsinnige Goldregen auf diese Frau Justl, die ganz vernünftig erst einmal nur sich ein kleines Eigenheim gegönnt hat. Sie hatten überhaupt nicht diese Versuchung jetzt „Oha, jetzt haue ich es mal auf dem Kopf“ … ein Diamantring, Sportwagen, ‘ne Designer-Couch. Gab's da überhaupt keine Versuchung, das alles mal auf den Kopf zu hauen, das ganze Geld?

Angelika Justl - Nein. Also Diamantring und so was nicht. Den Schmuck, den ich habe, den hab‘ ich an. Es ist hauptsächlich mein Ehering und ‘ne Kette und so. Sportwagen ist auch nicht mein Ding. Die meisten haben ja gefragt, von wegen, ob man sich vielleicht jetzt ein neues Auto kauft. Aber ich muss sagen, ich habe noch immer meinen Mazda. Der wird jetzt im April 23 Jahre alt, und ich hoffe einfach, dass er da wieder über den TÜV kommt. Ja, und wir haben uns halt noch so andere Dinge geleistet, und zwar ein halbes Jahr später haben wir dann noch die Hochzeitsreise nachgeholt. Die ging dann nach Hawaii.

Claudia Röttger - Wow.

Angelika Justl - Ja, da erinnern wir uns heute noch dran. Das Reiseziel durfte sich die Tochter aussuchen. Das haben wir überlassen. Da war wir dann halt vorher noch zwei Tage in San Francisco und hinterher dann noch in Los Angeles. Und dazu hatten wir dann noch meine Freundin Uschi mitgenommen, die ja mit bei der Show war. Und noch meine Tante in Amerika, die haben wir auch noch mit dazu. Und da sind wir zu fünft auf Hochzeitsreise gegangen.

Claudia Röttger - Jetzt könnte man ja sofort sagen, „also klar, mit Geld ist es viel viel leichter, solche Glücksmomente einzusammeln“. Sehen Sie das auch so?

Angelika Justl - Ja, natürlich, würde ich schon sagen. Weil, wenn man das Geld nicht hat … Also so ‘ne Hawaiireise, nachgeholte Hochzeitsreise … Wir konnten uns damals ja, wie wir die Doppelhaushälfte gekauft hatten, noch keine Hochzeitsreise leisten und deswegen musste sie halt etwas warten. Und mit Geld, ja, man kann sich dann wirklich einige Glücksmomente einsammeln.

Claudia Röttger - Hat sich das Glück für Sie gesteigert seit dem Gewinn, kann man das so sagen?

Angelika Justl - Es hat sich in dem Maß gesteigert, dass wir halt auf jeden Fall unsere Vorlieben, Musicalbesuche und Konzertbesuche und so, dass wir da diese Dinge tun konnten und glücklich dann da abschalten konnten vom Alltag. Das war, das ist einfach wertvoll. Und auch, dass man wie gesagt, damit Zeit verbringen kann und Erlebnisse, die Glücksmomente, die man nicht vergisst.

Claudia Röttger - Sie sind ja in einem Millionärs-Club; ich muss hier noch ergänzen, Millionärinnen-Club auch beigetreten. Was sind denn da so Ihre Erfahrungen?

Angelika Justl - Der Millionärs-Club, der trifft sich einmal im Jahr. Und da können wir dann über alles reden, was so passiert ist und so und auch die neuen Millionäre und Millionärinnen werden dann aufgenommen. Und können, wenn sie irgendwelche Fragen haben oder Hilfe brauchen, sich auch gerne an uns wenden oder auch an die Süddeutsche Klassenlotterie, an die SKL.

Claudia Röttger - Was sind denn Ihre Tipps für neue Millionäre, unauffällig kleiden, keine Pelzmäntel tragen, keinen auffälligen Schmuck oder?

Angelika Justl - Natürlich. Wenn man sich natürlich, sagen wir mal, ja, ein riesen Auto vor die Haustür stellt, und wenn‘s noch keiner gewusst hat, dann spätestens da weiß jemand, dass da vielleicht ein Gewinn da war. Und wie gesagt, wir haben das einfach nicht gemacht und wir würden auch jedem raten, dass erst einmal sacken zu lassen. Also dass man einfach überlegt, was möchte ich denn mit dem Geld tun? Und natürlich, man macht sich auch Gedanken, dass man sich auch gerne Wünsche erfüll. Es ist ja klar und das möchte ja auch jeder, schon irgendwelche Wünsche erfüllen. Aber man sollte halt vorher doch überlegen, was man dann tut.

Claudia Röttger - Sie machen das ja nicht … Sie sind ja vor 10 Jahren, glaub‘ ich, nicht einfach spontan losgelaufen und haben dieses eine Los da gekauft. Also irgendwie dieses Spielen mit den Zahlen und da vielleicht was gewinnen, das reizt sie ja schon sehr viel länger. Denkt man dann jedes Mal, dieses Mal klappt es mit dem ganz großen Gewinn?

Angelika Justl - Bei mir war es so, ich hatte damals mal Werbung gesehen, das war aber schon in den 90er Jahren, von der Lotterie. Und da war es dann so, dass ich mir ein Los damals gekauft hatte und habe dann da schon mal 10.000 D-Mark gewonnen. Und da es da schon mal geklappt hat – ich habe zwar zwischendrin auch mal aufgehört, weil es kostet auch Geld, das muss man halt ehrlich zugeben –, aber ich hab dann gedacht, dass Glück hat ja schon mal mich getroffen und vielleicht klappt es ja noch mal und deshalb hab‘ ich dann halt doch noch mal mit angefangen.

Claudia Röttger - Frau Justl, hier im Podcast hatte ich schon ganz oft Gäste, die dann gesagt haben, „Na ja, gut, das Glück kann man eigentlich erst so richtig genießen, wenn man auch die schweren Seiten des Lebens kennt“. Wie ist das bei Ihnen? Sie waren ja auch mal eine Zeit lang im Krankenhaus. Wollen Sie uns das mal erzählen, wie das war? Würden Sie dem zustimmen, die schweren Seiten des Lebens sind wichtig für tiefes Glück empfinden?

Angelika Justl - Im Prinzip ist es schon so, dass man vielleicht auch ein bisschen Unglück haben muss, um dann wieder, ja, Glück zu empfinden. Ich hatte im Jahr 2008 bis 2016 damals aufgrund eines Ärztefehlers sechs Bauchoperationen, die nicht unbedingt hätten sein müssen. Und die letzte halt … bevor wir eben hier gerade im Umzug waren ins neue Haus … hatte ich 2016 dann eine viereinhalbstündige Not-OP. Und ja, ich habe damals nur zu dem Chirurgen gesagt, er soll mich bitte wieder aufwachen lassen, weil, das war für mich schon emotional wieder in eine Operation zu gehen. Und ja, ich hab‘ halt immer den Gedanken an meine Tochter und meinen Mann gehabt.

Claudia Röttger - Das ist ja dann auch ein ganz klares Statement vermutlich von ihnen –Gesundheit kann man nicht kaufen, für alles Geld der Welt nicht.

Angelika Justl - Nein, das stimmt. Also das ist halt …, das kann man nicht kaufen. Und das ist im Prinzip auch mit das Wertvollste, was jeder Mensch von uns hat und, ja, da muss man gut drauf aufpassen.

Claudia Röttger - Wie recht Sie da haben, Frau Justl. Frau Justl, bei der Lotterie zu gewinnen, glücklich werden mit einem hohen Geldgewinn, das fasziniert ja ganz viele Menschen und damit beschäftigt sich auch immer wieder die Wissenschaft. Eine Studie von 1978 kam damals zu dem Ergebnis, dass Lotterie-Gewinnerinnen und -Gewinner gar nicht glücklicher sind als andere. Diese Aussage war auch lange Zeit in den Medien recht präsent. Aber jetzt neuere Umfrageergebnisse – das verlinken wir übrigens auch in den Shownotes, wen es interessiert – haben jetzt gezeigt, Menschen, die einen größeren Geldbetrag gewinnen, sind zumindest in den ersten Jahren danach im Durchschnitt zufriedener mit ihrem Leben. Und ich glaube, das ist auch Ihre Einschätzung oder? Das gibt einem schon ein ganz gutes Gefühl. Angelika Justl - Ja, auf jeden Fall gibt es einem ein gutes Gefühl, wenn man entweder in der Lotterie oder im Lotto gewinnt, weil man braucht sich ja auch erst mal nicht so Gedanken machen, was ist, wenn mal was kaputt geht, wie bei uns die Waschmaschine oder so. Und, ja, man kann eigentlich viel gelassener und leichter durchs Leben in dem Moment gehen. Claudia Röttger - Wie haben eigentlich ihre Freunde auf den Gewinn reagiert?

Angelika Justl - Super. Also wir haben auch die Freunde von damals noch bis heute und die haben sich einfach mit uns gefreut. Und aufgrund halt auch dieser ganzen Krankheiten und Operationen, da haben sie auf jeden Fall gesagt, dass es bei uns die richtigen getroffen hat. Claudia Röttger - Falsche Freunde hat man wahrscheinlich auch schnell oder? Schleichen sich da welche an und sagen, „Mensch jetzt ihr …, ihr könnt doch … und wir wollen uns doch da eine bisserl annähern.“ Ist das auch passiert?

Angelika Justl - Nein, das hatten wir nicht, das falsche Freunde oder was auf uns zugekommen sind. Es kam vor, dass wir zwei Briefe bekommen haben von fremden Menschen. Aber da haben wir dann einfach Abstand davon gehalten.

Claudia Röttger - Die Briefe kamen an Ihre private Adresse, wenn ich das richtig erinnere.

Angelika Justl - Ja, weil wir damals noch im Telefonbuch mit unserer Adresse standen.

Claudia Röttger - Werden Sie denn in Ihrem Ort angesprochen manchmal auf diesen Gewinn, dort, wo Sie wohnen?

Angelika Justl - Da wir ja umgezogen sind, dann 2016, und da sind wir jetzt hier nicht angesprochen worden, haben zwar auch die Nachbarschaft, die man dann neu kennengelernt hat, haben das zwar auch schon mitbekommen, waren halt auch erfreut und überrascht, dass das wirklich so klappt alles, mit ‘nem Gewinn und so. Aber ansonsten haben wir hier jetzt nicht mitbekommen, dass da irgendetwas ist.

Claudia Röttger - Sie sind mit Ihrem Mann schon eine ganze Weile zusammen. Hat denn der Gewinn auch Ihre Beziehung vielleicht verändert, irgendwie?

Angelika Justl - Nein. Also die Beziehung hat sich gar nicht geändert. Wir hatten schon, auch wo wir dann weniger Geld hatten, schon ein gemeinsames Konto gehabt, und wir teilen alles. Ich kenne mein Mann auch schon seit der Schulzeit. Wir sind also zusammen in die Realschule in dieselbe Klasse gegangen. Und von daher ist es, ja, alles gut bei uns. Und ich muss halt auch sagen, ich bin auch meinem Mann dankbar, dass er auch für mich und meine Tochter immer da war, gerade vor allen Dingen in den schlechten Zeiten, die wir ja hatten. Und von daher ist es auch schön, die guten Zeiten zu teilen.

Claudia Röttger - Also da kommt aber auch ein Gefühl, da trifft es die Richtigen. Denn, wenn man so schlechte Zeiten hatte, hatten sie ja immer das Gefühl, dass ist jetzt auch gerecht, ein bisschen, dass Sie jetzt mal Glück hatten?

Angelika Justl - Ja, vielleicht denkt man dann, wenn man mal Unglück hatte, dass dann auch das Glück einen immer wieder treffen könnte. Und das hat es in unserem Fall ja dann auch getan.

Claudia Röttger - Frau Justl, jetzt hab‘ ich doch noch eine Frage an Sie, die stelle ich nämlich immer allen meinen Gästen am Ende unseres Gespräches. Wenn Sie die Chance hätten, Ihrem jüngeren Ich einen Tipp zu geben, wie das geht mit dem Glücklichsein, was würden Sie der jungen Angelika raten?

Angelika Justl - Ich würde meinem jüngeren Ich auf jeden Fall sagen, dass es die Gelegenheit zum Glück nutzen soll, jeden Glücksmoment, auch wenn er noch so klein ist, genießen und die Erinnerung daran auf jeden Fall für immer im Herzen behalten soll.

Claudia Röttger - Vielen Dank, liebe Frau Justl. Ich nehme ganz viel mit und habe jetzt auch gelernt – Übermütig hat Sie der Millionengewinn jedenfalls nicht gemacht, sondern das Erinnerungen sammeln, das Teilen mit Freunden, das ist das, was zufrieden macht. Und das in dem Moment leben. Vielen Dank, dass Sie dabei waren, liebe Frau Justl!

Angelika Justl - Ja, vielen Dank, Frau Röttger.

Claudia Röttger - Danke. Tschüss!

Angelika Justl - Tschüss!

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„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheithören.de und der Apotheken Umschau

Redaktion: Kari Kungel, Claudia Röttger
Schnitt und Post-Produktion: Yves Seissler, Kari Kungel

Darum geht es in „Einmal täglich Glück“

Wie schaffen wir es glücklich zu sein – mit uns, mit dem Leben, im Umgang mit anderen Menschen, mit dem, was wir tun? Claudia Röttger, Journalistin und Apothekerin, macht sich auf die Suche nach Menschen, die darauf ganz persönliche, ungewöhnliche, berührende oder erstaunliche Antworten haben.

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