Eigentlich wollte Hubert Schwarz seinen Job als Sozialarbeiter nur ein Jahr pausieren. Mittlerweile dauert die „Pause“ über 30 Jahre. Das kommt so: Er folgt seiner Leidenschaft, dem Extremsport, macht daraus einen Beruf und stellt Rekorde auf. Unter anderem fährt er ein Extremradrennen quer durch die USA. Fast 5000 Kilometer ist er unterwegs, unterbrochen nur von kurzen Schlafpausen. Dann gründet der heute 67-Jährige gemeinsam mit seiner Frau ein Unternehmen und bietet zum Beispiel geführte Wandertouren auf den höchsten Berg Afrikas an. Als Guide hat er schon über 70-Jährige auf den Gipfel des Kilimandscharo gebracht. Warum ihn das glücklich macht, hören Sie in dieser Folge.

In dem Gespräch geht es um folgende Themen:

  • Was heißt für Sie Extremsport?
  • Wie hält man so ein extremes Rennen durch?
  • Erlebnisse am Kilimandscharo
  • Wie gehen Sie mit Sportverletzungen um?

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Hubert Schwarz - Glück ist auch eine Folge von Anstrengung, nicht nur eine Folge von Anstrengung, aber derjenige, der bereit ist, sich anzustrengen, der kann danach auch ganz anders Glück empfinden.

Claudia Röttger - Das ist mein heutiger Gesprächspartner Hubert Schwarz. Der 67-Jährige hat als Extremsportler einige Rekorde in seinem Leben aufgestellt und ist jetzt glücklich damit, anderen bei ihren Zielen zu helfen.

Claudia Röttger - Wie wird man glücklich? Diese Frage finde ich total spannend. Hallo, ich bin Claudia Röttger und herzlich willkommen bei meinem Podcast Einmal täglich Glück. Für den einen bedeutet Glück ja vielleicht, sich ein gutes Glas Wein zu gönnen. Die andere fühlt sich glücklich, wenn sie mit dem Nachtzug in den Urlaub fährt. In diesem Podcast mache ich mich deshalb auf die Suche nach Antworten Wie findet man sein Glück? Und dabei spreche ich mit ganz unterschiedlichen Menschen. Und jeder von ihnen hat seine ganz eigene Antwort darauf Das finde ich ja gerade so spannend und vielleicht geht es Ihnen ja ganz genauso. Und Sie wollen sich so wie ich sogar die eine oder andere Scheibe von meinen Gästen abschneiden. In puncto Glück meine ich natürlich.

Intro - „Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheit-hören.de und der Apotheken Umschau

Claudia Röttger - Ich spreche jetzt mit Hubert Schwarz. Hubert Schwarz, der hat in seinem Leben echt so einige verrückte Sachen gemacht. Unter anderem ist er mehrmals ein Extrem-Radrennen quer durch die USA gefahren, tagelang am Stück und mit nur ganz wenigen Schlafpausen. Und er ist zweimal auf dem Fahrrad sozusagen um die Welt gefahren. Also auf fünf Kontinenten, mehr als 20 000 Kilometer. Neben dem Radsport ist er mal innerhalb von - und jetzt hören sie zu - 24 Stunden auf den höchsten Gipfel von Afrika, den Kilimandscharo, gestiegen. Zum Vergleich - normalerweise dauert der Aufstieg mehrere Tage. Gemeinsam mit seiner Frau hat Hubert Schwarz ein Unternehmen gegründet und gibt beispielsweise - wen wundert das – Motivations-Training. Außerdem bietet er geführte Wandertouren an, auf denen - Sie haben richtig geraten - Kilimandscharo. Erst kürzlich war er wieder dort mit einer Gruppe. Also - Hallo Herr Schwarz, ich bin sehr gespannt auf Ihre Erzählungen!

Hubert Schwarz - Ja Hallo Frau Röttger und ich freue mich riesig, dass ich da sein darf, dass wir miteinander plaudern können. Und ja, das ein oder andere Glücksgefühl weitergeben können.

Claudia Röttger - Vorweg möchte ich mit Ihnen unbedingt noch ein kleines Spiel machen, wenn Sie denn dabei sind und einverstanden sind. Es ist auch ganz einfach, denn Sie sollen eigentlich mir immer nur sagen „entweder das oder das“. Ich stelle Ihnen eine kurze Frage wie Kaffee oder Tee. Und Sie sagen mir, was Sie lieber haben.

Hubert Schwarz - Okay.

Claudia Röttger - Die erste, Sie werden über die erste Frage wahrscheinlich schon schmunzeln. Die Frage ist eigentlich auch dann schon fast klar - Meer oder Berge?

Hubert Schwarz - Natürlich Berge. Aber hin und wieder zum Ausruhen ans Meer ist schon auch gut. Aber es reicht dann mit ein, zwei Tagen Ausruhen.

Claudia Röttger - Süß oder salzig frühstücken?

Hubert Schwarz - Der Mix macht's. Aber ich bin schon ein Süßer also, ich ess schon ganz gerne mal ein Stück Kuchen. Aber nicht zum Frühstück. Aber grundsätzlich auch ein Marmeladenbrot.

Claudia Röttger - Stadt oder Natur?

Hubert Schwarz - Natur.

Claudia Röttger - Das war klar.

Hubert Schwarz - Ja.

Claudia Röttger - Früh aufstehen oder lieber ausschlafen?

Hubert Schwarz - Früh aufstehen und ganz leise aus dem Schlafzimmer rausgehen. Weil sonst gibt's Ärger mit meiner Frau.

Claudia Röttger - Wie früh ist für Sie früh?

Hubert Schwarz - Also 6 Uhr passt, ist so ok. Aber wie ich in der Haupt-Trainingsphase war, war es dann schon 5 Uhr und bin dann noch vor der Arbeit gelaufen. Also das ist ok. Aber ich bin jetzt keiner, der auch am Sonntag bis 8 Uhr im Bett liegen muss. Um Gottes willen, da weiß ich nicht was ich tun soll solange. Also raus aus den Federn!

Claudia Röttger - Der frühe Vogel und so. Na ja, genau. Anzug oder Jogginghose?

Hubert Schwarz - Jetzt stellen Sie mich vor eine schwere… Also in der Jogginghose immer rumzulaufen mag ich nicht. Aber Anzug auch nicht. Aber wenn Sie jetzt gesagt hätten, Jeans oder Jogginghose, dann hätte ich gesagt Jeans.

Claudia Röttger - Wobei ich jetzt gerade überlege, wahrscheinlich ist Jogginghose falsch. Sie haben wahrscheinlich irgendwie eine Multifunktional-Wäsche an. Das ist gar nicht so klassisch irgendwas aus Baumwolle, sondern im Zweifel ist es immer alles, was ganz schnell trocknet, weil sie ja auch sehr viel schwitzen beim Sport nehme ich an?

Hubert Schwarz - Da haben Sie völlig recht. Also die Jogginghose ist bei mir ganz selten, die hab ich nur zu Hause, wenn ich auf dem Sofa lümmel. Ansonsten habe ich es eigentlich nicht an.

Claudia Röttger - Ich hab vorhin gesagt Sie sind oder waren Extremsportler. Das Wort Sportler ist klar – Extremsportler ist aber unklar… Heißt das, dass man, wenn man Extremsportler ist, dreimal die Woche joggen - vermutlich reicht das ja nicht. Was ist für Sie Extremsport?

Hubert Schwarz - Ja, also mit dreimal die Woche joggen kommt man jetzt nicht in ganz extreme Situationen. Also da kann man nicht große Herausforderungen bewältigen. Da muss der Körper natürlich schon mehr trainiert werden. Was ich zum Beispiel, als ich, in meiner Triathlon-Zeit – so hat das Ganze ja begonnen – da hatte ich es schon so zwischen 25 und 30 Stunden manchmal, was ich die Woche trainiert habe neben der Arbeit. Also da gab's nicht mehr recht viel, Arbeit und Sport. Extremsport heißt natürlich schon, sich sehr sehr hart im Training rannehmen, den Körper an die Grenzen bringen, damit er eben dann, wenn er Leistung bringen muss, im Wettkampf eben auch die Leistung abrufen kann.

Claudia Röttger - Um noch mal das ein bisschen klarzumachen, tatsächlich wie extrem Hubert Schwarz drauf ist - beim Race Across America beispielsweise, da haben sie ja öfter mitgemacht. Das ist ein ultra langes Radrennen. Also fast 5000 Kilometer, wenn ich richtig liege, quer durch die USA. Und da sind sie tagelang nur Fahrrad gefahren.

Hubert Schwarz - Richtig. Meine schnellste Zeit für diese knapp 5000 Kilometer waren 9 Tage, 21 Stunden - wo ich eben nur zwei Stunden pro Nacht geschlafen habe. Den Rest am Fahrrad gesessen bin, um dieses Ziel zu erreichen und das war aber noch kein Rekord... Das war nur Ankommen – es war nur vor mir kein Deutscher, der das geschafft hat. Und ich hab dann meinen ersten Rekord 1993 … die Strecken wurden länger - ich hab 1991 und 1992 dieses Amerika-Event gemacht und dann hab ich „All around Australia“ gemacht. Das war dann einmal rund um Australien und das war dann das erste Mal ein Rekord. Und da hatte ich dann gemerkt, man braucht irgendwo auch immer so diese besondere. Ja, ein Rekord, etwas besonderes, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe ja davon leben wollen und das hilft jetzt nichts, wenn ich ein toller Sportler bin, aber niemanden davon erzähle, dann werde ich keine Sponsoren bekommen, um meinen Traum noch viel mehr zu leben. Und dann bin ich 1996 in 80 Tagen um die Welt gefahren und es war dann Start Berlin, Brandenburger Tor und Ziel Brandenburger Tor. Das war dann was Außergewöhnliches.

Claudia Röttger - Sie müssen uns bitte nochmal mitnehmen. Uns, uns Sportler, die wir vielleicht am Wochenende ein bisschen radeln und vielleicht auch mal eine größere Radl-Tour machen. Wie kommt man denn dahin, dass man das schafft, wirklich 9 Tage auf diesem Fahrrad zu sitzen? Man wird wahrscheinlich wahnsinnige Po-Schmerzen bekommen und überhaupt eigentlich oft in den Kopf kriegen, ich hör jetzt hier auf. Wie schafft man das? Wie hält man das durch?

Hubert Schwarz - Es ist mentale Stärke gefordert. Der Körper ist trainierbar bis zum Umfallen. Gut vielleicht nicht ganz so, aber es ist einzig und allein unser Kopf, der uns dazu verhilft, es nochmal zu probieren. Es gibt da ein schönes Beispiel. Mein Trainer im Triathlon, der hat… im Marathon, viele die jetzt zuhören, haben vielleicht den Marathon schon gelaufen und bei Kilometer 30 wird der Marathon schwer. Und er hat mir dann immer ein Stichwort gesagt „Hubert, wenn du nicht mehr kannst, lauf einfach schneller“. Und jeder, der das erlebt hat, weiß, du denkst, es geht nicht mehr und es geht nicht mehr. Und je mehr du darüber nachdenkst, dass es nicht mehr geht, desto schwächer wird der Körper. Versucht, diese Gedanken aus dem Kopf herauszubringen. Versuche etwas anderes zu denken, versuchte diese Gedanken umzudrehen. Und dann wirst du sehen, es geht so viel mehr. Es geht vielleicht nicht alles im Leben, aber wir werden sehr viel mehr schaffen. Und das hab ich, glaube ich sehr gut gelernt und praktiziert eben bei den langen Strecken.

Claudia Röttger - Woran denken Sie dann, wenn es nicht mehr geht? Was sind Ihre Gedanken dann?

Hubert Schwarz - Ja, wenn ich über meine Familie, über meine Kinder nachdenke, wenn ich sehe, wie meine kleine Laura damals kleine, jetzt Ärztin, mein Sohn, das war schon immer dieses Bild. Meine Frau hat mich immer gefüttert mit den Bildern der Kinder. Das war die größte Freude eigentlich überhaupt, was mich erfüllt hat, wo ich wusste am dieses Radl-Fahren, diese ganze Quälerei, wird vielleicht auch dazu helfen, dass ich meiner Familie eine Existenz bieten kann, eine andere Existenz bieten kann. Und das hat mich schon immer sehr motiviert. Und ich habe aber auch festgestellt, dass man das nur dann erleben kann, wenn man voll und ganz in dem aufgeht, was man tut.

Claudia Röttger - Und wenn man dann so was Krasses schafft, wie eben zum Beispiel dieses Race across America, dann kommt das Glück oder oder sagen wir lieber, also nach der Qual das Glück?

Hubert Schwarz - Ich würde es zu 100-facher Unterstreichung noch betonen wollen. Glück ist auch eine Folge von Anstrengung, nicht nur eine Folge von Anstrengung. Aber derjenige, der bereit ist, sich anzustrengen, der kann danach auch ganz anders Glück empfinden. Wir können mit dem Hubschrauber einen Berg hochfliegen und es ist toll und klasse, dort oben dann am Gipfel zu stehen, die Aussicht zu genießen… aber etwas selbst geschafft zu haben, selbst den Berg hoch gegangen zu sein, setzt ganz, ganz, ganz andere Endorphine frei. Und dann zurückzublicken. Das ist eigentlich auch eine ganz besondere Freude und auch ein großes Glück.

Claudia Röttger - Da war das Wort Anstrengung drin. Und da gehe ich auch auf jeden Fall mit, weil ich das selber kenne. Wenn ich zu Hause richtig aufgeräumt hab und dann, danach ist es ordentlich oder man hat das ganze Haus geputzt oder die Wohnung und dann glänzt alles wieder. Das macht einen tatsächlich glücklich und dann hat man was geschaffen. Das ist ja anstrengend. Also es liegt eine Anstrengung davor. Da gehe ich sehr gerne mit. Wir müssen ein bisschen nochmal mit erzählen, dass sie mit Jugendlichen gearbeitet haben und dann überlegt haben, diesen Job tatsächlich an den Nagel zu hängen… Erzählen Sie doch mal, was Sie gelernt haben und was Ihr ursprünglicher Beruf war?

Hubert Schwarz - Also ich komme eigentlich aus der Pfadfinder-Arbeit, kirchliche Jugendarbeit. Das hat mich geprägt. Und daraus habe ich meinen Beruf entwickelt, die Jugendpflege. Ich war elf Jahre im öffentlichen Dienst beschäftigt, konnte aufgrund meines Engagements in der Jugendarbeit der Pfadfinder-Arbeit eben diesen Beruf dann bekommen, musste dann aber meine Sozialpädagogik-Studium nachholen. Das habe ich am Abend in der Abendschule sozusagen gemacht, um nach 11 Jahren dann zu sagen - ich will nicht bis zum 65. Lebensjahr Jugend-Pfleger bleiben. Das ist ein fantastischer Beruf und hat mir Spaß gemacht. Aber der Sport hat mich ebenso fasziniert und so hat sich das Ganze entwickelt.

Claudia Röttger - Ich darf hier kurz einwerfen Herr Schwarz, Sie kommen ja aus Roth. So manchem dürfte das ja vielleicht als Triathlon-Hochburg durchaus bekannt sein. Sie haben mir im Vorgespräch erzählt, dass Sie da so manches mitorganisiert haben und so auch zu diesem Ausdauersport Triathlon gefunden haben.

Hubert Schwarz - Ja und aus dem Triathlon habe ich dann den Extremsport entwickelt, mich auf meine Stärken konzentriert und siehe da, dann meinen Job quittiert 1991. Und eigentlich nur ein Jahr, nur ein Jahr wollte ich aussteigen und meinen größten Traum verwirklichen. Aus diesem einjährigen Ausstieg sind nun mittlerweile 31 geworden. Ich bin nicht mehr zurück in meinem Beruf, aber ich habe gelernt und erlebt und kann vielen auch davon erzählen. Wenn du deine Träume immer wieder herholst, wenn du dir jeden Tag herholst, immer wieder daran glaubst, dann ist so viel mehr möglich. Aber du musst nicht nur glauben, sondern auch was dafür tun.

Claudia Röttger - Hubert Schwarz sagt, also ich hör mal auf mit dem Job, ich mache was ganz anderes. Und irgendwann werden wir auch von diesem Sport leben, weil ich wirklich viel, viel Kraft habe. Hat Ihre Frau nicht gesagt, Mensch, was ist, wenn du dich verletzt und gar nicht mehr weiter Radfahren kannst?

Hubert Schwarz - Das denkt Sie heute noch. Dass ich aufpassen soll beim Radeln waren. Aber damals, wo ich meinen Job quittiert hab, da muss ich sagen war ich Single. Meine Frau ist erst im folgenden Jahr… sie hat mich nie anders kennengelernt. Ich war für sie nur Extremsportler. Aber sie hat natürlich sehr viel Angst um mich gehabt. Aber sie war dann auch, solange wir keine Kinder hatten, immer dabei. Sie war Tag und Nacht an meiner Seite, hat vor allem Sie kommt aus der Medizin und ist für meine Ernährung und für die Versorgung meines Körpers zuständig gewesen. Sie hat alles getan, damit ich gut in Form bin. Also da waren wir ein super tolles Team.

Claudia Röttger - Ein super Team. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Hubert Schwarz - Über den Sport. Also ich war in Regensburg, die hatten mich gecoacht, Leistungsdiagnostik. Und da war sie diejenige, die mich getestet hat. Und wohl hat sie dann festgestellt, Hoppla, aus dem kann man etwas machen.

Claudia Röttger - Aber es ist auch wichtig, dass Ihre Frau ein gutes Verständnis von ihrer Passion hat? Wahrscheinlich wäre es für Sie auch schwer vorstellbar, mit einer Partnerin zusammen zu sein, die da gar nicht mitgeht.

Hubert Schwarz - Das wäre sicher zum Scheitern verurteilt. Sie war selbst Sportlerin, sie hat selbst Triathlon gemacht, Marathon gelaufen ist am Kilimandscharo schon viermal mit oben gewesen. Also hat Race across America mit vier Frauen gefahren. Also sie ist schon durch und durch Sportlerin und ist vor allem, sie hat Gesundheitsmanagement studiert und macht jetzt gerade noch ihren Master im hohem Alter. Sie muss jetzt gerade die Masterarbeit noch machen, aber darauf bin ich schon stolz, weil sie enorm ehrgeizig ist, nicht nur an mir, also mich unterstützt hat, sondern auch gleichermaßen sich selbst immer weiter entwickelt hat. Und ich glaube, diese Gene haben wir unseren Kindern weitergegeben, die jetzt auch ständig machen.

Claudia Röttger - Sie sind ein ehrgeiziges Team, das haben sie jetzt gerade gesagt. Und Sie haben ja mit ihrer Frau Renate ein Unternehmen gegründet und machen jetzt auch, bringen anderen bei, wie man sich motiviert, wie man das schafft, sozusagen auch über die Grenzen, die ja jeder kennt und hat, über diese Grenzen zu gehen. Bieten Kurse an, unter anderem bieten Sie Touren auf den Kilimandscharo an, den haben Sie ja vorhin gerade schon erwähnt. Sie waren gerade erst wieder dort. Erzählen Sie mal.

Hubert Schwarz - Also es gibt viele Aspekte. Südlich vom Äquator liegt also Tansania und da ist eben auch der Berg. Und den bin ich schon sehr häufig hochgegangen mit unterschiedlichen Gruppen. Und vor allem habe ich so eine Zielgruppe 60 plus begeistern können. Als meine allererste 60 plus Gruppe, und es sind von 23 Teilnehmern alle 23 haben den Gipfel erreicht war, das war natürlich eine wahnsinnige Freude für uns alle. Und das hat das Ganze auch weiter versprüht und es sind weitere Gruppen dazugekommen und das hat für mich so diese Verbindung zu Afrika auch hergestellt. Und wenn wir noch Zeit haben, erzähle ich Ihnen eine wunderschöne Geschichte. Ich habe eine 74-jährige Frau hochgebracht, war in dem Sommer vor der Pandemie. Und sie wollte unbedingt hoch und ihre Kinder haben gesagt „Nein, lass das Mutter, das ist nix. Du bist keine Sportlerin, gar nichts.“ Aber sie hat eine bewegende Lebensgeschichte. Der erste Mann ist mit 45 verstorben. Dann hat sie die Kinder allein großgezogen, beide studiert. Sie hat wieder geheiratet. Dann der Mann auch wieder pflegebedürftig. Hat den auch gepflegt. Und dann war sie wieder allein. Und da hat sie gesagt - und jetzt ist Schluss! Da war sie schon über siebzig. Sie wird keinen Mann mehr suchen. Sie lebt jetzt ihr Leben. Sie will auf den Kilimandscharo. Ich kürze ab - sie war oben. Und als wir die letzte Etappe hochgegangen sind, da wurde es schwer. Über 5000, eigentlich war die Kraft am Ende. Die Gruppe ist weitergegangen. Ich kümmere mich immer um die, die meine Hilfe brauchen. Und dann merke ich, hey, so ganz am Ende ist sie noch nicht. Komm, lass uns noch ein Stück gehen. Sie ist dann so step by step hochgekommen. Die hat Rotz und Wasser geheult. Und da hab ich gemerkt, anderen Menschen zu helfen, dass sie ihre Ziele erreichen… ich habe selbst mitheulen müssen fast. Ich habe Gänsehaut, wenn ich an meine Ute denken, die dort oben.. niemand auf der Welt hatte ihr zugetraut, dass sie auf diesen Berg hoch kommt mit 74! Sie war sowas von glücklich und für mich ist es die Geschichte schlechthin zu sagen - genau das macht mich glücklich.

Claudia Röttger - Es muss wirklich toll dort sein. Ich habe, mein Sohn ist 18 und war jetzt ein paar Monate in Tansania und hat auch den Kilimandscharo bestiegen. Ich habe viele Fotos von dort gesehen. Also es hat auch meine Sehnsucht geweckt. Ich hab schon ganz schön Respekt davor, weil ich auch durch die Geschichte meines Sohnes natürlich gehört habe, dass es auch über 5 Tage dauert, es mehrere Übernachtungen im Zelt usw. gibt. Man muss da schon ganz schön sich anstrengen und es droht diese Höhenkrankheit… Hatten Sie damit nie ein Problem?

Hubert Schwarz - Doch wir haben immer wieder Menschen, die diese Höhenanpassung nicht vertragen. Also wir gehen im übrigen die 6 Tage Tour und wir gehen mit den älteren immer die Hütten-Route. Die Normal-Route, Ihr Sohn ist da die Machame-Route mit den Zelten gegangen.

Claudia Röttger - Genau.

Hubert Schwarz - Die normale Route reicht völlig und die ist auch wunderbar und schön. Aber es ist das Problem, zwischen - zu unterscheiden zwischen Höhenanpassung und Höhenkrankheit. Bei Höhenkrankheit gibt es nur eines - runter sofort runter und da darf man nicht lang rum machen. Aber trotzdem sind Gefahren auf der Höhe, die man eben richtig einzuschätzen, da sich schwer tut. Deswegen haben wir bei den Touren immer einen Arzt dabei und wir sind da die teuersten, klar in ganz Deutschland, weil wir eben einen deutschen Reiseleiter und ein Arzt, also zwei Betreuer, die mitgehen. Aber die Menschen, die mit uns gehen, die wollen Sicherheit. Klar, ich kann nicht die Sicherheit geben, dass wir hochkommen, aber wir tun alles dazu beitragen, dass sie vor allem wieder glücklich und gesund zurückkommen, egal wo sie umgekehrt sind.

Claudia Röttger - Wie trösten Sie die mit welchen Worten?

Hubert Schwarz - Für alle die, die umkehren müssen. Es ist viel wichtiger, dass wir wieder gesund ankommen. Und der Weg ist doch das Ziel, der Weg durch diesen Kilimandscharo. Und wenn wir durch den Regenwald gehen, dieses meditative Laufen, das ist so wunderbar. Du vergisst alles, was zu Hause ist. Es ist, man taucht in eine andere Welt ein. Man muss sich einfach die Zeit nehmen und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Und dann? Da nimmt jeder so viel mit. Und genau das ist es eigentlich. Es ist keine Schande, wenn man hier nicht hochkommt. Ganz im Gegenteil. Aber es probiert zu haben, was seine persönlichen Grenzen ein bisschen zu verschieben und eben mit neuen Erfahrungen zurückzukommen. Das ist das Wesentliche.

Claudia Röttger - Wie ist es denn bei Ihnen? Sie waren jetzt mehr als 30 mal auf dem Gipfel. Ändern sich dann die Glücksgefühle? Kann man das dann noch toppen?

Hubert Schwarz - Also zum einen ist jede Tour anders. Und es ist, die Glücksgefühle sind, wie will ich sagen, kommt immer auf die Gruppe drauf an und meine Anstrengungen, meinen Beitrag, den ich leisten musste. Wo wir jetzt mit allen oben waren, das war jetzt mein 36. Mal. Das war schon auch wieder ein ganz besonderes Gefühl und wir hatten wirklich auch viel Glück gehabt.

Claudia Röttger - Wie gehen Sie mit Verletzungen, mit sportlichen Verletzungen um? Vielleicht auch wo Sie mal eine Zeitlang gar keinen Sport machen konnten? Ist das schon mal passiert?

Hubert Schwarz - Jein. Ich habe einen Unfall gehabt vor vier Jahren und das hat mich schon gehandicapt. Also ich kann nicht mehr so wie früher. Ich hatte durch einen dummen Fahrfehler einen Sturz mit dem Fahrrad. Also war wirklich komisch, aber ich habe mir dann einen Acetabulum-Bruch zugezogen, das ist die Hüftpfanne und seitdem kann ich nicht mehr, bin ich gehandicapt. Aber ich muss eben mit dem mit dem Handicap leben und kann halt nicht mehr das alles tun was ich tun möchte. Aber es reduziert sich und da bin ich dann doch einige Wochen ausgefallen und es war dann schon eine Zeit, wo ich auch Zeit zum Nachdenken hatte mal. Wenn du von einer Sekunde auf die andere komplett aus deinem Arbeits- und Freizeitleben rausgezogen wirst, um ja jetzt mal Ruhe zu geben. Aber es war auch wieder so ein Wink von oben… Ich hatte bereits 2012 geplant, dass ich 2020 vielleicht die Firma abgebe, wenn ich 65 bin. Und ich habe aber immer nur geredet. Aber ich hab's nicht gemacht. Wir haben Konzepte gemacht und Konzepte. Und dann irgendwann hab ich mir gedacht, dann kam der Wink von oben. Der liebe Gott hat gesagt, Hubert Schwarz, geben wir dir mal die Zeit. Du willst doch seit ein paar Jahren hier das umsetzen. Und dann war es wohl der Wink von oben, dass ich die Auszeit bekommen habe. Und jetzt ist es soweit, mein Sohn übernimmt die Firma und ich habe wieder Möglichkeiten, in beschränktem Maße, aber noch vieles anzupacken.

Claudia Röttger - Also da lernt man jetzt vom Extremsportler Hubert Schwarz, dass man in einer Verletzungspause auch ganz sinnvolle und wegweisende Gedanken einem kommen und man dann tatsächlich nochmal ein bisschen was ändert an seinem Lebensglück.

Hubert Schwarz - Auf jeden Fall. Also wir müssen ja aufhören zu glauben, dass wir… ich bin jetzt im 68. Lebensjahr, dass ich mit 68 noch die Fitness von einem Dreissigjährigen habe. Das ist Blödsinn. Will ich gar nicht. Ich muss keine Rekorde mehr machen. Gut durch die Verletzung kann ich auch gar nicht. Aber das ist überhaupt nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich meine Erfahrung weitergebe, dass ich meine Power, meine Energie noch habe, um anderen Menschen zu helfen. Aber ich muss keine Rekorde selbst mehr fahren. Welche Botschaft ist das, wenn man mit 68 noch versucht, Weltrekorde zu machen? Nein, das müssen wir alles nicht mehr. Ich muss meinen Sohn unterstützen, dass der die Firma gut macht und mein Netzwerk einbringen. Und das sind die Dinge, die ich kann. Oder mit Ihnen reden - Ein schöner Podcast, wo ich andere motiviere. Und sage, okay - egal wie alt ihr seid, macht was! Fangt an und geht raus und bewegt euch. Und wenn ihr nur 100 Meter lauft. Aber bewegt euch! Und diese Bewegung, die setzt so viel Energie frei für unseren Kopf und für unseren Körper. Und damit tun wir das Beste für uns alle. Beste Medizin - Bewegung.

Claudia Röttger - Ich finde, man kriegt wirklich Lust auf Bewegung, wenn man ihnen zuhört. Also man hat auch viel mehr Mut und denkt sich, das würde ich doch dann vielleicht auch schaffen. Es muss ja vielleicht nicht der Berg in Tansania sein, der höchste von Afrika, sondern vielleicht funktioniert das ja auch im Harz oder im Bergischen irgendwo.

Hubert Schwarz - Man muss ganz bestimmt nicht am Kilimandscharo gehen, um Gottes Willen, das will ich damit nicht sagen. Aber bewegen - bewegen kann man sich überall. Ob ich jetzt am Meer am Strand lauf oder wie auch immer. Aber es tun und nicht nur davon träumen. Allen, die zuhören und sagen - Komm, jetzt machen wir mal vier Wochen lang jeden Tag gehen wir in der Früh 20 Minuten raus. Nach vier Wochen wird was fehlen, wenn wir es dann nicht mehr tun. Und das ist genau diese Regelmäßigkeit.

Claudia Röttger - Herr Schwarz über eine Sache, die Ihnen auch sehr am Herzen liegt. Da haben wir jetzt noch gar nicht drüber gesprochen. Das liegt natürlich daran, dass die Zeit bisschen knapp ist und wir einfach ganz viel über das Radfahren und das Wandern bislang gesprochen haben. Aber Sie haben mit Ihrer Frau ja schon sehr lange eine Stiftung gegründet, und zwar um zu helfen. Sie bauen Schulen in Afrika. Und wenn ich da jetzt zurückdenke an Ihren ersten Job, da schließt sich ja irgendwie schon ein Kreis bei Ihnen oder?

Hubert Schwarz - Ja, ganz bestimmt. Ich habe begonnen als Sozialarbeiter sozusagen als Pfadfinder. Und ich will nicht sagen, ende ich jetzt. Aber genau das ist es, was mich zufrieden macht. Was mir ein großes Glück ist. Wenn man jetzt dadurch dass ich in der Öffentlichkeit stehe kann ich Geld sammeln. Nicht für mich, sondern eben um anderen zu helfen. Und das macht mich zufrieden. Und diese Zufriedenheit ist gleich Glück ist gleich etwas ganz Besonderes. Wenn man eben geben kann ist doch das größte Glück der Welt.

Claudia Röttger - Herr Schwarz, versuchen Sie uns doch mal zu sagen - Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten? Wie das geht mit dem Glück, hätten Sie jetzt aus Ihrer reichhaltigen Erfahrung und auch Ihrem Mentor sein und Motivationstrainer für andere… haben Sie da einen Tipp?

Hubert Schwarz - Gut, vielleicht hätte ich das eine oder andere Mal öfter innehalten müssen, um einfach zu verarbeiten, was ich da eigentlich alles gemacht habe. Ich bin auf der Überholspur durchs Leben gehetzt und das würde ich jetzt nicht mehr ganz so tun. Jetzt würde ich hin und wieder auch mal einen Break machen, um auch zu begreifen zu wissen, was ich eigentlich wirklich im Leben will. Und erst wie ich älter geworden bin, habe ich so verstanden, was ist mein Big Picture? Wo, was bleibt, wenn ich einmal die Augen zumache und es hätte mir ganz viel Motivation gegeben.

Claudia Röttger - Ich finde, das ist wirklich ein wunderbares Schlusswort. Ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses Gespräch und ich komme auf Sie zurück. Vielleicht gehe ich dann doch mit Ihnen, wenn ich es denn wage, auf den Kilimandscharo.

Hubert Schwarz - Dann gehen wir gemeinsam auf den Kilimandscharo. Und dann machen wir nochmal einen Podcast! Ich danke Ihnen, Pfia Gott, Tschüss!

Claudia Röttger - Und wenn Ihnen dieser Podcast gefallen hat, dann freue ich mich sehr, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind und bis dahin stöbern Sie sich doch gerne mal durch die anderen Folgen, beispielsweise mit der Lachyoga-Trainerin Gisela Dombrowsky oder mit Steinstoßer Dieter Wolf. Mittlerweile hatte ich echt schon einige Gäste hier im Podcast und alle haben ihre ganz eigene Glücksgeschichte.

„Einmal täglich Glück“ – ein Podcast von gesundheit-hören.de und der Apotheken Umschau

Redaktion: Kari Kungel, Claudia Röttger
Schnitt und Post-Produktion: Yves Seissler, Kari Kungel

Darum geht es in „Einmal täglich Glück“

Wie schaffen wir es glücklich zu sein – mit uns, mit dem Leben, im Umgang mit anderen Menschen, mit dem, was wir tun? Claudia Röttger, Journalistin und Apothekerin, macht sich auf die Suche nach Menschen, die darauf ganz persönliche, ungewöhnliche, berührende oder erstaunliche Antworten haben.

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Einmal täglich Glück | Der Glück-Podcast

Was ist das eigentlich: Glück? Moderatorin Claudia Röttger macht sich auf die Suche nach den kleinen und großen Glücksmomenten