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Das ist mein Alltag

Ich ­kümmere mich um meinen Mann. Vor elf Jahren kippte Henrik beim Duschen um. Ein Blutgerinnsel zerstörte Teile seiner rechten Hirnhälfte. Da war Henrik gerade mal 56. Er ­überlebte, war aber einseitig gelähmt und wurde zum Pflegefall. lch ließ unsere Wohnung barrierefrei umbauen, besorgte Hilfsmittel, engagierte Pflegekräfte. Fortan musste ich den Lebensunterhalt für unsere fünf­köpfige Familie alleine verdienen.

Das brachte mich an Grenzen

Als Henrik nach monatelanger Reha nach Hause kam, lief vieles anders als erwartet. Denn der Schlaganfall veränderte auch sein Wesen. Sein Realitätssinn, sein emotionales Empfinden gingen verloren. In unbeobachteten Momenten bestellte er Diamanten beim Teleshopping. Oder versuchte als ehemaliger Finanzvorstand Geschäfte anzubahnen. Henrik beschimpfte seine Mitmenschen und fand das witzig. Mit der Zeit ­richtete sich die Wut über sein Schicksal immer stärker gegen mich. Als einer unserer Söhne wegen seines Papas nach der Schule nicht mehr nach Hause kommen wollte, wusste ich: Jetzt muss ich handeln.

Das macht mir Mut

Aus ­meiner Not heraus gründete ich mit Freunden eine Pflege-WG für jüngere Schlaganfall-Betroffene in ­Hamburg. Neben Henrik wohnen im Haus für morgen ­derzeit weitere acht Betroffene. Sie unterstützen sich im Alltag ­gegenseitig. So kann jeder seine Stärken ein­bringen, was Selbstvertrauen gibt. Unser Ziel: keine Aufbewahrung von­ Pflegefällen, sondern bestmögliche Förderung. Motiviert durch zwei Preise der Deutschen Schlaganfall-­Stiftung sind wir gerade dabei, weitere WGs in Hamburg und bundesweit zu gründen.

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Schlaganfall: Rettung naht

In den letzten Jahren hat sich die Versorgung bei Schlaganfällen deutlich verbessert. Dank beschleunigter Abläufe und optimierter Therapien überleben wesentlich mehr Patientinnen und Patienten ohne größere Schäden. Zwei Betroffene erzählen ihre Geschichte zum Artikel