Senioren Ratgeber

Vordergründig scheint es prak­tisch: Der Urin eines bettläge­rigen Patienten fließt automa­tisch in einen Beutel. „Es müssen keine Vorlagen gewechselt werden“, sagt Professor Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologie im Ev. Kran­kenhaus Witten. Einen Dauerkathe­ter verordnet er, wenn die Blase sich nicht richtig entleert, wie etwa bei Kranken, die im Wachkoma liegen, gelähmt sind oder an Multipler Sklerose leiden. Manchmal auch bei vergrößerter Prostata, einem Tumor der Vorsteherdrüse oder bei Patien­ten mit Blasenschwäche, bei denen andere Therapiemöglichkeiten nicht mehr greifen.

Die große Gefahr ist jedoch: Der Katheter erhöht das Infektionsrisiko, warnt Urologe Wiedemann, „weil Keime in der Harnröhre am Katheter vorbei in die Blase hochwandern“. Betreuende Angehörige sollten sich daher gut beim Urologen über den Umgang mit dem Katheter informie­ren und sich alle Pflegetechniken erst von Fachkräften zeigen lassen.

Wer Katheter und Pflege organisiert? Grundlage ist eine ärztliche Verordnung. Wenden Sie sich an einen ambulanten Pflegedienst, der sich um die Versorgung und alle Utensilien kümmert. Kommt ein Patient aus der Klinik, hilft der Sozialdienst, alles rund um den Katheter zu organisieren.

Welche Katheter-Typen es gibt

Durch die Harnröhre: Der Kunststoffschlauch führt durch die Harnröhre in die Blase. Der Urin fließt in einen am Katheter befestigten Beutel ab. Den Katheter darf eine Pflegefachkraft legen und wechseln. Hier zur Erklärung einmal beim Mann, bei der Frau...

Durch die Bauchdecke: Der Kunststoffschlauch führt durch eine kleine Einstichstelle in der Bauchdecke direkt in die Harnblase und wird an der Bauchdecke fixiert. Auch hier fließt der Harn in einen Beutel.

Welchen Katheter jemand bekommt, entscheidet der Arzt. Liegt er lange oder dauerhaft, ist ein Bauchdeckenkatheter meist das Mittel der Wahl.

In der Regel legt und wechselt der Urologe den Katheter in der Klinik oder ambulant in seiner Praxis. Er kann diese Tätigkeiten auch an eine erfahrene Pflegekraft delegieren.

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Richtig waschen: So gehen Sie Schritt-für-Schritt vor

  1. Stellen Sie eine Waschschale neben das Bett. Für die Intimhygiene reicht in der Regel klares Wasser. Bei starker Verschmutzung können Sie eine hautfreundliche Lotion benutzen.
  2. Ziehen Sie zu Ihrem eigenen Schutz Einmalhandschuhe an.
  3. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Angehöriger bis auf den entblößten Intimbereich bedeckt bleibt.
  4. Legen Sie ein Handtuch oder eine wasserabweisende Unterlage ins Bett
  5. Waschen Sie die Genitalregion getrennt vom Analbereich, mit jeweils neuem Wasser.
  6. Bitten Sie den Bettlägerigen, falls er das kann, seine Beine aufzustellen und jeweils leicht zur Seite zu beugen.
  7. Intimhygiene bei der Frau: Spreizen Sie vorsichtig die äußeren Schamlippen. Waschen Sie nun behutsam die inneren Schamlippen und die Stelle, an der der Katheter in die Harnröhre mündet. Dabei gilt der Grundsatz: Immer in Richtung Anus waschen. So gelangen nicht so schnell Fäkalkeime in die Harnröhre.
  8. Lösen Sie Verkrustungen am Eintritt des Katheters in die Harnröhre sanft mit dem Waschlappen. Auch hier gilt: von der Harnröhre weg waschen. Vermeiden Sie Zug am Katheter.
  9. Intimhygiene beim Mann: Ziehen Sie die Vorhaut am Penis vorsichtig zurück. Waschen Sie die Eichel und den Katheterschlauch mit Wasser ab. Lösen Sie behutsam Verkrustungen an der Eintrittsstelle des Katheters. Tupfen Sie nun die Eichel vorsichtig trocken und ziehen Sie die Vorhaut wieder vor.
Frau: Von der Harnröhre weg säubern. Zug am Katheter sollte man vermeiden

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Wasser reicht: Mit einem Waschlappen tut man sich leichter

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Wann den Arzt oder Pflegedienst verständigen?

Ob Intimhygiene oder Beutelwech­sel – vieles können auch pflegende Angehörige zuhause erledigen. In diesen Fällen sollten Sie aber den Arzt oder Pflegedienst verständigen:

-Fieber oder wenn der Patient über Schmerzen im Unterleib klagt Rötungen und weißliche Beläge im Intimbereich oder wenn die Eintrittsstelle des Harnkatheters mit Sekret verkrustet ist. Das kann auf eine Entzündung oder eine Pilz­ infektion hindeuten.

-Schwellungen rund um die Ein­stichstelle des Bauchkatheters oder wenn die Haut dort stark gerötet ist oder schmerzt.

-Blutiger Urin oder wenn der Harn trüb ist, ausflockt oder streng riecht, obwohl Ihr Angehöriger aus­ reichend getrunken hat.

-Leerer Beutel, weil Urin neben dem Katheter austritt – oder dieser aus der Harnröhre oder Bauchdecke herausgerutscht ist.

Beutel wechseln: So gehen Sie Schritt-für-Schritt vor

  1. Vom Pflegeprofi zeigen lassen, wie es geht. Er sagt Ihnen, wie oft Sie den Beutel wechseln sollen.
  2. Einmalhandschuhe anziehen. Neuen Beutel auspacken. Keimfreie Innenseiten der Verpackung nicht berühren und griff­ bereit hinlegen.
  3. Den alten und entleerten Beutel mit einer Hand vom Katheter ziehen und den Beutel entsorgen.
  4. Katheter mit anderer Hand erfassen, ohne vorne dessen Ansatz für den Schlauch vom Urinbeutel zu berühren. Ansatz sorgfältig desinfizieren und auf Verpackungsinnenseite des Urinbeutels legen.
  5. Ansatz vom neuen Schlauch des Beutels entfernen und fest auf das Katheterende stecken.
  6. Der Schlauch darf nicht abknickt oder abgedrückt sein und sollte beim Patienten über dem Oberschenkel, nicht darunter, liegen. Wichtig: Beutel und Ablassventil berühren nicht den Boden und hängen nicht über Blasenniveau.
  7. Maximale Füllmenge beachten! Urinbeutel in Gefäß entleeren. Da­ rauf achten, dass es das Ablassventil nicht berührt. Urin ins WC schütten.

Katheterbeutel: Er sollte regelmäßig entleert werden

Katheterbeutel: Er sollte regelmäßig entleert werden

Was Patienten noch hilft

➔ Manchen Männern mit Blasenschwäche hilft ein Kondomurinal, das sie mit dem Urinbeutel verbinden.

➔ Ein Stöpsel verschließt den Katheter, wenn der Patient unter- wegs ist. Auf der Toilette kann er das Ventil öffnen und Urin ablaufen lassen. Nachts lässt sich der Beutel anschließen.

➔ Kleinere Beinbeutel (bis zu 700 Milliliter) sorgen für mehr Bewegungsfreiheit. Sie lassen sich am Ober­ oder Unterschenkel oder auf Hüfthöhe fixieren.

➔ Die richtigen Vorlagen schützen bei Blasenschwäche. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, auch zu Mitteln gegen Reizblase oder Blasentraining.

Mehr über Blasenschwäche: Bei der Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. erhalten Sie weitere Informationen: www.kontinenz-gesellschaft.de

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