Süßes und Saures mögen wir – unsere Zähne aber eher nicht so. Warum? Weil zum Beispiel Säuren aus Speisen oder Getränken zu Zahnverschleiß führen können. „Mineralstoffe werden aus der Zahnoberfläche herausgelöst“, erläutert Professorin Annette Wiegand, Direktorin der Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie in Göttingen. Wenn das oft passiert, können Defekte entstehen.

Zucker gefährdet die Zahnsubstanz ebenfalls: Kariesbakterien im Zahnbelag verarbeiten Zucker zu Säure, die den Schmelz angreift. Zucker fördert auch Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates. Und ein hoher Zuckerkonsum führt zu Blutzuckerschwankungen, was Entzündungen noch begünstigt. Müssen wir unserem Gebiss zuliebe also auf alles verzichten, was uns mundet? Nein! Mit einigen Tricks, Disziplin und guter Zahnpflege können wir ohne schlechtes Gewissen genießen.

Obst ist gesund. Aber auch für die Zähne? Nein.

Die Zubereitungsart ist entscheidend: Zwar deuten Studien darauf hin, dass frische, knackige Früchte das Kariesrisiko nur geringfügig erhöhen. Das gilt aber nicht für Saft, Schorle, Smoothies oder reife, stark zuckerhaltige Bananen. Sie umspülen die Zähne beziehungsweise kleben in den Zwischenräumen. Das fördert nicht nur Karies, sondern auch den Verschleiß der Zähne. Professor Johan Wölber, Zahn- und Ernährungsmediziner von der Universität Freiburg, rät, nur einmal am Tag Obst zu essen. Das sei für die Zähne schonender, da der Speichel ausreichend Mineralstoffe für die Zahn­substanz nachliefert.

Obst

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Schützen Vitamine das Zahnfleisch? Korrekt – es darf sogar etwas mehr sein!

Vitamin C spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Zahnfleisches. Das ist seit der Bekämpfung der Mangelkrankheit Skorbut bei Seefahrern bekannt. Neuere Studien deuten darauf hin, dass ein erhöhtes Maß an Vitamin C die Therapie bei Parodontitis unterstützt. Auch die Vitamine A und E sowie B-Vitamine scheinen positiv auf das Zahnfleisch zu wirken. Alle Mikronährstoffe haben einen positiven Einfluss auf die Zähne und vor allem auf das Zahnfleisch, so Zahn- und Ernährungsmediziner Wölber. Wer sich ausgewogen ernährt – mit viel buntem Gemüse, Vollkornprodukten und täglich zwei Portionen nicht zu süßem Obst – muss keine Angst vor Vitaminmangel haben.

Süßes rasch trinken, nicht nippen? Richtig und Falsch.

Säurehaltige Speisen und Getränke wie Softdrinks oder Fruchtsäfte können zu übermäßigem Zahnverschleiß führen. „Wenn man davon immer mal ein Schlückchen trinkt, bleibt der pH-Wert in der Mundhöhle dauerhaft niedrig“, sagt Zahnärztin Annette Wiegand. Besser für die Zähne sei es, ein Glas Limonade rasch zu trinken. „Dann normalisiert sich der pH-Wert in der Mundhöhle nach 10 bis 15 Minuten.“ Optimal wäre es, auf gesüßte Getränke zu verzichten, weil der Zucker darin Karies fördert und den Blutzuckerspiegel erhöht. Übrigens: Der pH-Wert im Mund allein ist nicht ausschlaggebend. So ist Joghurt ein saures Lebensmittel (pH-Wert 4), greift die Zahnoberfläche aber nicht an. Kalzium im Joghurt bremst die Säurewirkung.

Wer Süßes isst, bekommt Karies! Ja.

Menge und Häufigkeit, in der sogenannte freie Zucker gegessen und getrunken werden, entscheiden mit darüber, ob Karies entsteht. Mit freien Zuckern sind Zusätze in industriellen Lebensmitteln gemeint, Zucker, den man sich selbst auf Erdbeeren oder in den Kaffee streut, sowie der, der natürlich in Honig oder Fruchtsäften enthalten ist. Wer nicht auf Zucker verzichten kann, sollte möglichst nur einmal am Tag Süßes essen, seinen Zuckerkonsum deutlich reduzieren und versuchen, nach und nach ganz davon loszukommen. Die Weltgesundheits-organisation WHO empfiehlt für Erwachsene maximal 25 Gramm pro Tag. Das sind etwa fünf Teelöffel.

Nicht direkt nach dem Verzehr von Saurem die Zähne putzen? Jein.

Saure Lebensmittel greifen den Zahnschmelz an. Wer danach sofort die Zähne bürstet, putzt den Schmelz mit weg. Eine aktuelle Übersichtsstudie kommt zu einem anderen Schluss: Mit dem Zähneputzen zu warten verringert den Abrieb nicht. Annette Wiegand erklärt das so: Die schützende Wirkung durch das Fluorid in der Zahnpasta überwiegt. Wer also nach dem Essen das Haus verlassen will und nicht 30 Minuten warten kann, darf die Zähne putzen. Wichtig: Erwachsene sollten eine Zahncreme verwenden, die 1450 ppm (parts per million) Fluorid enthält. Das beugt Karies und Erosionen vor.

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Kräftiges Kauen ist gut fürs Gebiss? Ja.

Wer Vollkorn- statt Weißbrot isst, tut seinen Zähnen Gutes. Zahnmediziner Johan Wölber stellt fest, dass Vollwertkost in zweifacher Hinsicht besser für die Zahngesundheit ist: „Ballaststoff-haltige, natürliche Lebensmittel können nicht so schnell aufgespalten werden. Und sie regen den Speichelfluss stärker an, da man sie kräftiger kauen muss.“ Die Verarbeitung von Lebensmitteln, etwa von Getreide zu Weißmehl, von der Frucht zum Saft oder von der Zuckerrübe zum Industriezucker, hebt den Verbund von Ballaststoffen und Kohlenhydraten auf. Wölber sieht das kritisch: Unser Organismus sei durch die Evolution über mehrere Hunderttausend Jahre darauf ausgelegt, Kohlenhydrate verpackt in Ballaststoffe und mit Mikronährstoffen angereichert zu bekommen. Je stärker diese wertvollen Stoffe reduziert werden, desto ungünstiger ist das für die allgemeine und die Zahngesundheit.

Gibt es guten und schlechten Zucker? Jein.

Vielen Lebensmitteln wird Zucker zugesetzt – ein gefundenes Fressen für Kariesbakterien. Sie verstoffwechseln sowohl Saccharose (Haushaltszucker), Glukose (Traubenzucker) als auch Fruktose (Fruchtzucker). Nur Laktose (Milchzucker) ist weniger gefährlich für die Zähne. Auch stark verarbeitete, kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Weißbrot oder Kartoffelbrei fördern Karies, weil ein Teil davon im Mund zu Zucker abgebaut wird. Als besonders schädlich für die Leber entpuppt sich Fruchtzucker, der als „natürliche Süße“ in Konfitüren steckt. Viel Fruktose führt zu Leberverfettung. Es macht einen Unterschied, ob man Fruktose durch Obst oder andere Lebensmittel zu sich nimmt.

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Quellen:

  • Wölber,J: Einfluss der Ernährung auf die Mundgesundheit. In: Zahnmedizin up to date 2020, 14: 379-394
  • Consensus-Report

  • Moynihan P: Sugars and Dental Caries: Evidence for Setting a Recommended Threshold for Intake. American Society for Nutrition.. In: Adv Nutr 2016, 7: 149-156
  • Atkinson FS; Khan JH, Brand-Miller JC, Eberhard J. : The Impact of Carbohydrate Quality on Dental Plaque pH: Does the Glycemic Index of Starchy Foods Matter for Dental Health? . In: Nutrients 2021, 13: 2711