Affenpocken (englisch: monkeypox) sind eine durch Viren verursachte Erkrankung. Die Erreger gehören zu der Familie der Pocken, verursachen aber üblicherweise einen milderen Verlauf als die Menschenpocken, außerdem sind sie weniger ansteckend (siehe unten).

Das Virus wurde erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen – daher der Name. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen gelten wie der Mensch als sogenannte Fehlwirte.

Eine Infektion beim Menschen wurde erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo bei einem neun Monate alten Jungen festgestellt. Seitdem kommen die Affenpocken immer mal wieder vor allem in west- und zentralafrikanischen Ländern vor.

Dieses Bild aus dem Jahr 1997 entstand während einer Untersuchung eines Affenpockenausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, und zeigt die Handflächen eines Affenpockenpatienten.

Dieses Bild aus dem Jahr 1997 entstand während einer Untersuchung eines Affenpockenausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, und zeigt die Handflächen eines Affenpockenpatienten.

Wie steckt man sich mit Affenpocken an?

In der Vergangenheit haben sich Menschen hauptsächlich an infizierten Tieren, insbesondere Nagern, mit dem Affenpockenvirus angesteckt – wenn sie zum Beispiel von ihnen gebissen wurden oder mit ihren Ausscheidungen in Berührung kamen. Springt eine Erkrankung von einem Tier auf einen Mensch über, spricht man von einer Zoonose.

Prof. Dr. Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Affenpocken

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch passiert nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) selten und nur bei engem Körperkontakt – „vermutlich auch im Rahmen von sexuellen Handlungen“.

Das Virus wird zum Beispiel durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut übertragen. Auch über die Berührung der Flüssigkeit oder dem Schorf der Hautveränderungen eines Infizierten kann man sich anstecken. Eine Tröpfcheninfektion erfordert wohl einen längeren und dichten Kontakt.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen, beträgt laut RKI zwischen sieben und 21 Tagen. Eine Ansteckung ist während der gesamten Krankheitsdauer möglich.

Welche Symptome treten auf?

Auf diesem Bild sind die Hautveränderungen bei infizierten Patienten zu sehen.

Auf diesem Bild sind die Hautveränderungen bei infizierten Patienten zu sehen.

Zu den ersten Erkrankungszeichen zählen:

Einige Tage nach dem Auftreten des Fiebers entwickeln sich Hautveränderungen, die schließlich verkrusten und abfallen. Sie bilden sich häufig zunächst im Gesicht und breiten sich dann auf andere Körperteile aus.

Laut RKI traten bei einigen der im Mai 2022 gemeldeten Fällen die Hautveränderungen als erstes im Genitalbereich auf. Nach Angaben der britischen Behörde UK Health Security Agency kann der Ausschlag in bestimmten Phasen der Erkrankung Windpocken oder Syphilis ähneln.

Was sollte man bei einem Verdacht tun?

Treten ungewöhnliche, pockenähnliche Hautveränderungen auf, sollten diese unverzüglich ärztlich abgeklärt werden. Am besten schon bei der telefonischen Ameldung in der Praxis die Symptome genau beschreiben.

Bis klar ist, um was es sich handelt, gilt: Engen Körperkontakt zu anderen vermeiden und besonders auf Hygiene, wie gründliches Händewaschen, achten. Hautveränderungen möglichst nicht berühren!

Wie lassen sich Affenpocken nachweisen?

Der Nachweis erfolgt über einen PCR-Test. Als Probematerial dient zum Beispiel ein Abstrich von den Hautveränderungen.

Erklärvideo: Wie funktioniert ein PCR-Test?

Wie gefährlich sind Affenpocken?

Im Gegensatz zu den Menschenpocken, die seit 1980 als ausgerottet gelten, verlaufen Affenpocken in der Regel deutlich milder. Laut WHO erholen sich die meisten Menschen innerhalb von zwei bis vier Wochen.

Vor allem bei Kindern und immungeschwächten Menschen sind aber auch schwere Verläufe möglich, die in seltenen Fällen sogar tödlich enden können. Nach Angaben der WHO liegt die Sterberate bei drei bis sechs Prozent.

Wie schwer eine Infektion mit Affenpocken verläuft, hängt auch von der Virus-Variante ab: So scheint die zentralafrikanische Variante häufiger tödlich zu verlaufen als die westafrikanische Variante.

Sind sie für Kinder gefährlich?

Grundsätzlich gelten dem RKI zufolge alle Altersgruppen und Geschlechter als gleichermaßen empfänglich.

Erhebungen aus afrikanischen Ländern zeigen, dass Kinder häufiger von schweren Verläufen betroffen sind als Erwachsene. Laut RKI beobachtet man bei Kindern unter 16 Jahren, die mit der zentralafrikanischen Virusvariante infiziert sind, eine Sterblichkeit von bis zu 11 Prozent.

Laut Expertinnen und Experten lassen sich solche Sterbezahlen aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen jedoch nicht auf Europa oder die USA übertragen. Unter anderem aufgrund einer besseren medizinischen Versorgung in den westlichen Ländern fällt die Sterblichkeit dort vermutlich niedriger aus.

Kann man Affenpocken behandeln?

Behandelt werden die Symptome sowie mögliche bakterielle Zweitinfektionen. In der Regel heilen die Affenpocken von selbst wieder aus.

Seit Januar 2022 ist in der EU auch ein Wirkstoff gegen Affenpocken zugelassen: Tecovirimat. Laut RKI stellt er vor allem für immungeschwächte Patientinnen und Patienten eine Therapieoption dar. Allerdings sei der Wirkstoff derzeit nicht breit verfügbar.

Gibt es eine Impfung?

Nein, einen in der Eu zugelassenen Impfstoff gibt es bisher nicht. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft allerdings die Daten zur Erweiterung der Zulassung eines Pockenimpfstoffes auch als Schutz gegen Affenpocken. Das Präparat Imvanex wird in der EU bereits gegen Affenpocken verwendet, ist aber bislang nur gegen Pocken zugelassen. Der Impfstoff gilt aber auch als vielversprechender Schutz gegen Affenpocken, da sich beiden Virenarten sehr ähnlich seien, wie die EMA mitteilte.

Mit der Auslieferung der ersten solcher Impfstoff-Dosen hat die EU bereits begonnen. «Ab heute treffen die ersten Impfstofflieferungen als Reaktion auf den Ausbruch der Affenpocken in den am stärksten betroffenen Ländern ein», erklärte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Dienstag, den 28. Juni. Zunächst sollen 5300 Dosen in Spanien ankommen, danach werden nach Angaben der EU-Kommission Portugal, Deutschland und Belgien beliefert. Im Juli und August sollen weitere Mitgliedsländer Impfdosen erhalten.

Die EU hatte Mitte des Monats rund 110 000 Impfdosen der dritten Generation beim Unternehmen Bavarian Nordic eingekauft. Der Impfstoff soll den 27 EU-Staaten sowie Norwegen und Island zur Verfügung stehen. Die Verteilung der Dosen erfolgt nach Bevölkerungsgröße und der Anzahl der Affenpockenfälle.

Da der Erreger den Menschenpocken ähnelt, biete die klassiche Pocken-Impfung ebenfalls einen recht guten Schutz.

Ältere Menschen, die noch eine Pockenimpfung erhalten haben, sind also durch sie zu einem gewissen Grad geschützt.

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