Viele Frauen spüren in der zweiten Zyklushälfte, besonders in der Woche vor der Regelblutung körperliche und psychische Veränderungen. Oft sind die Beschwerden so stark, dass sich die Betroffenen deutlich beeinträchtigt fühlen. In den ersten Tagen der Periode lösen sich die Symptome dann wieder in Luft auf - ein Zeichen dafür, dass es sich um das prämenstruelle Syndrom (PMS) handeln könnte.

Die Beschwerden sind individuell sehr verschieden und zeigen sich auch nicht unbedingt in jedem Zyklus gleich. Die Betroffenen haben unter anderem zum Beispiel Unterleibs-, Muskel- oder Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Wassereinlagerungen sowie Schlafstörungen. Auch Stimmungsschwankungen von Gereiztheit bis hin zu Depressionen kommen vor.

Die Ursache von PMS ist nicht abschließend geklärt. Offenbar spielen die hormonellen Schwankungen während des weiblichen Zyklus eine Rolle. Weitere Zusammenhänge werden diskutiert.

PMS: Beschwerden richtig deuten

Ist es PMS oder vielleicht doch eine andere Erkrankung? Für eine Diagnose müssen die Symptome genau analysiert werden. "Ich empfehle an erster Stelle, dass man eine ausführliche Körperbeobachtung macht und ein Beschwerde- und Zyklustagebuch führt," sagt Dr. Petra Frank-Herrmann, Oberärztin der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Apps, die ein schnelles, digitales Dokumentieren ermöglichen. Die Auswertung zeigt, welche Beschwerden mit dem Zyklus einhergehen. Da in Gesundheits-Apps oft sensible Daten hinterlegt werden, ist Datenschutz besonders wichtig. Tipps dazu finden Sie zum Beispiel in unserem Beitrag „Datenschutz ist machbar: Tipps für einen sicheren Umgang mit Smartwatch und Gesundheitsapps“.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei PMS?

Bei PMS werden oft pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Allerdings ist ihre Wirkung wissenschaftlich oft nicht ausreichend belegt. Vor der Anwendung sollten Frauen daher Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin halten. Bei leichten depressive Verstimmungen vor den Tagen raten manche Ärzte und Apotheker zu Johanniskraut-Präparaten.

Vielen Frauen hilft es, in dieser Zeit das Leben ruhiger anzugehen. Ärzte und Ärztinnen raten zu Bewegung, Entspannung, ausreichend Schlaf, salzarmer und ausgewogener Ernährung, sowie möglichst wenig Koffein, Nikotin und Alkohol. Zwar ist auch die Wirkung dieser Lebensstil-Änderungen wissenschaftlich nicht gut untersucht. Expertin Dr. Frank-Herrmann, die auch Leistungssportlerinnen gynäkologisch betreut, beobachtet jedoch, dass diese selten unter prämenstruellen Beschwerden leiden.

Pille kann Zyklusbeschwerden stoppen

Wenn solche Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt erzielen, können Hormone die Beschwerden stoppen. "Mit der Pille setzt man den eigenen Zyklus außer Kraft", sagt Frank-Herrmann. Die Hormonschwankungen werden damit komplett verhindert. Besonders geeignet sind Präparate mit jeweils einem Anteil der Hormone Östrogen und Gestagen. Dabei muss es nicht unbedingt die „Pille“ sein. Hormonring und -pflaster haben den gleichen Effekt. Nicht geeignet ist meistens die Hormonspirale. Damit gelangt das Gestagen in zu niedriger Dosierung in den Organismus. Ob ein Hormonpräparat das Mittel der Wahl ist, sollte mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin gründlich abgewogen werden. Immerhin können diese Medikamente zu Stimmungsschwankungen, sexueller Unlust oder einem erhöhten Thromboserisiko führen.

PMDS: Psychische Beschwerden im Vordergrund

Wenn weniger die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen, sondern die psychischen Beschwerden so stark sind, dass die Betroffenen kaum mehr ihren Alltag bewältigen können, spricht man von PMDS. Die prämenstruelle dysphorische Störung gilt als schwerste Form des PMS und trifft bis zu acht Prozent der Frauen. Sie sind vor der Menstruation extrem reizbar und niedergeschlagen, sodass sie sich selbst kaum wiedererkennen. Für eine schwere PMDS gibt es zwei nachweislich effektive Therapien: Die Anti-Baby-Pille, die den Zyklus und damit auch die Begleiterscheinungen, stoppt. Und Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die das Stimmungssystem beruhigen. Eine begleitende Psychotherapie kann zudem helfen, die Veranlagung zu akzeptieren und im Alltag gut zu managen.

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