Diabetes Ratgeber

Endlich wieder unbeschwerter sein, ohne dauernde Schmerzen: Das wünschen sich Menschen, denen eine diabetische Neuropathie zu schaffen macht. Die Nervenschädigung kann Missempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen verursachen, vor allem an Füßen und Beinen. Geplagte sollten rasch zum Hausarzt oder Diabetologen. Gegen Nervenschmerzen kann der Arzt Medikamente verordnen. Daneben können Sie selbst einiges tun, um sich Linderung zu verschaffen. Ein paar Möglichkeiten stellen wir Ihnen hier vor. Was hilft, ist individuell verschieden. Ausprobieren lohnt sich! Oft bringt eine Kombination mehrerer Methoden den größten Erfolg.

Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht deutlich, kann ein spezieller Schmerztherapeut helfen. Zudem sollte der Arzt andere Ursachen für die Beschwerden ausschließen. Gute Zuckerwerte können das Fortschreiten der Neuropathie aufhalten. Bewegung und eine gesunde Ernährung wirken sich günstig auf Zucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte und damit die Nerven aus. Zudem lenkt Bewegung vom Schmerz ab. Nikotin und Alkohol schaden den Nerven. Also: bitte darauf verzichten.

Die Hochtontherapie kann man mit gekauften oder Leihgeräten auch zuhause anwenden

Die Hochtontherapie kann man mit gekauften oder Leihgeräten auch zuhause anwenden

Dämpfende Impulse

Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) erzeugen Elektroden auf der Haut ein leichtes Kribbeln, das den Schmerzreiz überlagert. Es dauert einige Wochen, ehe man bei regelmäßiger Anwendung den Effekt spürt. Gelegentlich muss man erst eine kurze Verschlechterung durchhalten. Zudem wirkt die Methode nicht bei jedem. In TENS eingeführt wird man oft im Rahmen eines diabetes- oder schmerzbedingten Klinikaufenthalts. Für daheim übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Gerät.

Bei der Hochtontherapie sollen elektrische Schwingungen aus den Elektroden positiv auf den Nerven-Stoffwechsel wirken. Das Verfahren wenden Ärzte auch bei einem Klinikaufenthalt an. Zu Hause muss man für Behandlung, Gerätemiete oder -kauf selbst zahlen. Belege für anhaltende Effekte fehlen. (ca. 30 bis 60 Euro pro Sitzung)

Akupunktur

Die Nadeltherapie ist bei einigen Schmerzproblemen anerkannt. Bei neuropathischen Schmerzen reichen die Belege nicht, um die Behandlung zur Kassenleistung zu machen. Meist muss man selbst zahlen (ca. 35 Euro bis 65 Euro je Sitzung). Manche Patienten berichten, dass ihnen Akupunktur hilft. Mindestens fünf bis zehn Sitzungen sind notwendig, ehe man einen Erfolg absehen kann.

Musik hören, Hobbys leben, Freunde treffen: Positive Erlebnisse können Schmerzen verringern

Musik hören, Hobbys leben, Freunde treffen: Positive Erlebnisse können Schmerzen verringern

Selbstfürsorge für die Psyche

Ein wichtiges Mittel, um das Schmerzempfinden zu dämpfen, ist die persönliche Bewertung. Das liegt daran, dass im Gehirn eine enge Verbindung zwischen Schmerzreizen und negativen Gefühlen besteht. Wer es schafft, sich aus dem Sog von Befürchtungen und Hilflosigkeit zu befreien, den starke Schmerzen auslösen können, ist auf Dauer weniger belastet. Konzentrieren Sie sich auf Dinge, die Ihnen Freude bereiten und persönlich wichtig für Sie sind. Das können Hobbys sein, Treffen mit Freunden oder Musik. Wer Positives erlebt, nimmt Schmerzen in diesem Moment nicht so intensiv wahr. Und macht die Erfahrung, dass sich die Schmerzstärke beeinflussen lässt.

Unterstützende Nährstoffe

Manche machen gute Erfahrungen mit Benfotiamin, einer veränderten Form des Vitamins B1, oder Alpha-Liponsäure, einem Antioxidans. Als Zusatztherapie kann man das probieren. Die Mittel gibt es etwa als Tabletten in der Apotheke. Ärzte können Alpha-Liponsäure als höher dosierte Infusion verabreichen. Bitte zu Dosis, Kosten und Darreichungsform mit dem Arzt beraten.

Die Wirkung von Entspannungstechniken bei Schmerzen ist gut belegt

Die Wirkung von Entspannungstechniken bei Schmerzen ist gut belegt

Kontrolle lernen

Von Entspannungsverfahren über Achtsamkeitstrainings bis hin zur Selbstbeeinflussung, etwa durch eine sogenannte Fantasiereise oder durch ablenkende Übungen wie die Faust zu ballen: Es gibt viele Methoden, deren positive Wirkung bei Schmerzen gut belegt ist. Was am besten hilft, ist oft Typsache. Wichtig ist eine professionelle Anleitung. Kurse gibt es etwa in der Volkshochschule. Manche Krankenkassen bieten Kurse an.

Wasseranwendungen

Regelmäßige Temperaturreize durch kalte und warme Kneipp-Anwendungen können womöglich das Schmerzempfinden verändern. Einfach probieren und etwas Geduld aufbringen. Achtung: bei Herz-Kreislauf-Problemen oder Durchblutungsstörungen erst den Arzt fragen! Und per Thermometer sicherstellen, dass durch das Wasser kein Verbrühen droht!

Arzneien zur Schmerzlinderung

Bei stärkeren Beschwerden kann der Arzt Präparate gegen Depressionen oder Epilepsie verordnen. Diese lindern auch Nervenschmerzen. In besonders schweren Fällen wird eine Behandlung bei einem spezialisierten Schmerztherapeuten nötig, der eventuell auch Opio-ide einsetzt. Oft ist es sinnvoll, mehrere Wirkstoffe zu kombinieren.

Bei lokal begrenzten Schmerzen kann eine Behandlung mit einem Chili-Pflaster helfen. Der Arzt (Neurologe oder Schmerztherapeut) klebt das Pflaster mit dem Wirkstoff Capsaicin eine halbe Stunde auf den schmerzenden Bereich.

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