Der Augenarzt stellt Netzhautveränderungen mithilfe der Untersuchung des Augenhintergrundes fest. Der hintere Augenabschnitt, der die Rückfläche des Augapfels auskleidet, wird auch Fundus genannt. Die entsprechende Untersuchung wird als Funduskopie oder Ophthalmoskopie bezeichnet. Der Augenarzt benutzt zur Untersuchung ein Ophthalmoskop.

So läuft die Untersuchung des Augenhintergrunds ab

Sofern nichts dagegen spricht, tropft der Arzt dem Patienten vorher  Tropfen in den Bindehautsack, die die Pupillen erweitern. Wenn die  Pupillen sich dann nach kurzer Zeit geweitet haben, lassen sich auch die  Randbereiche der Netzhaut beurteilen. Der Betroffene ist danach für einige Stunden fahruntüchtig. Dies wird ihm vor der Vereinbarung des  Untersuchungstermins mitgeteilt, damit er sich darauf einstellen kann,  nicht mit dem Auto zu fahren.

Die Untersuchung wird mit einer handgehaltenen Lichtquelle oder an  der "Spaltlampe" (Untersuchungsmikroskop) mit speziellen Lupen  durchgeführt. Dabei stützt der Patient das Kinn auf die dafür  angebrachte Stützvorrichtung. Der Arzt überprüft beide Augen  nacheinander. Das zu untersuchende Auge wird mit einem schmalen  Lichtbündel aus der "Spaltlampe" beleuchtet und durch das Mikroskop  sowie ein Lupenglas betrachtet.

Die Vergrößerung lässt die wichtigen Details der Netzhaut plastisch  (dreidimensional) erkennen: vor allem die dort verlaufenden Blutgefäße,  die Austrittsstelle des Sehnervs (Papille), den gelben Fleck (Makula,  die Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte), die durchschimmernde  Aderhaut.

Beschwerden, Befunde, Therapie: Themen fürs Arztgespräch

Beschwerden, Befunde, Therapie: Themen fürs Arztgespräch

Zur besseren Verlaufskontrolle kann der Netzhautbefund fotografiert  werden. Gemäß der ermittelten Untersuchungsergebnisse bestimmt der  Augenarzt das individuelle Erkrankungsstadium. Es werden vier Stadien  der Netzhautveränderungen bei Bluthochdruck ("Fundus hypertonicus 1 bis  4") angegeben. Im Laufe der Zeit sind verschiedene Einteilungen  veröffentlicht worden.

Augenhintergrund bei Bluthochdruck Grad 3 (rechts) im Vergleich zum Normalbefund (links)

Augenhintergrund bei Bluthochdruck Grad 3 (rechts) im Vergleich zum Normalbefund (links)

Vier Stadien der Netzhautveränderungen bei Bluthochdruck

Die nachfolgende Einteilung folgt der sogenannten modifizierten "Scheie-Klassifikation". Sie greift die Hauptaspekte der bei Bluthochdruck möglichen Netzhautveränderungen auf.

  • Grad 1: Leicht verengte Gefäße (Arterien beziehungsweise Arteriolen; Arteriosklerose)
  • Grad 2: Deutliche Engstellung oder Eng- und Weitstellung (Kaliberschwankungen) der Gefäße (Arteriosklerose)
  • Grad 3: Grad 2 plus Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in der Netzhaut, besonders um die Austrittsstelle des Sehnervs (Papille) herum, flaumartige Degenerationsherde (Cotton-wool-Herde, kleinste Nervenfaserinfarkte) und streifenförmige Blutungen in der Netzhaut
  • Grad 4: Grad 3 plus Schwellung des Sehnervs an der Austrittsstelle (Papillenödem)

Unterschiedliche Reflexphänomene (Reflexstreifen) der Gefäße weisen auf einen arteriosklerotischen Umbau der Netzhaut-Arteriolen hin. Dies führte zu Bezeichnungen wie "Kupferdrahtarterien" oder "Silberdrahtarterien". Die Reflexstreifen entstehen optisch durch bestimmte Veränderungen der Gefäßwand, etwa Verdickung oder Verdichtung. Ferner können "Kreuzungszeichen" von Arterien und Venen sowie Netzhautablagerungen erkennbar sein. Bei fortgeschrittenem Bluthochdruck oder einem schwerwiegenden krisenhaften Blutdruckanstieg treten häufig Krankheitszeichen hinzu, wie oben bei Grad 3 und 4 beschrieben.

Je nach Beschwerden des Patienten und augenärztlichem Befund können sich weitere Augenuntersuchungen als notwendig erweisen, zum Beispiel eine Sehschärfen- (Visus-)Prüfung, eine Gesichtsfelduntersuchung, eine Augeninnendruckmessung und Bestimmung der Hornhautdicke, eine Ermittlung der Netzhautdicke, eine Vermessung des Sehnervs an der Austrittsstelle (Sehnervenkopf) und schließlich auch eine Gefäßuntersuchung der Netzhaut (Fluoresceinangiographie).

Da eine hypertensive Retinopathie häufig lange symptomlos bleibt, empfehlen Augenärzte diesbezüglich gefährdeten Personen, zum Beispiel Menschen mit Bluthochdruck oder Erkrankungen der Nieren, von Zeit zu Zeit die Augen untersuchen zu lassen. Mögliche Netzhautveränderungen, etwa Gefäßverengungen, lassen sich so rechtzeitig erkennen. Sie können erste Hinweise auf den Bluthochdruck sein. Auch Patienten mit Diabetes sollten wegen des erhöhten Risikos für die Augen regelmäßig zum Augenarzt gehen.

Dem Bluthochdruck auf der Spur

Wurde erstmals im Zusammenhang mit einer Blutdruckkrise eine akute hypertensive Retinopathie festgestellt, so gilt es nach der Erstbehandlung die genaue Ursache zu finden. Die notwendigen Schritte leitet dann ein Internist, ein Facharzt für innere Medizin, ein. Er wird unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnen, eine Langzeit-Blutdruckmessung (24 Stunden, auch ambulante Blutdruckmessung oder kurz ABDM genannt) durchführen, das Blut und den Urin untersuchen, und weitere notwendige Untersuchungen an der klinischen Verdachtsdiagnose ausrichten.

Was wann diagnostisch infrage kommt, ist ausführlich im Ratgeber "Bluthochdruck" auf diesem Gesundheitsportal beschrieben.

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