Baby und Familie

Mittler­weile leidet jedes elfte Kind unter 17 Jahren an einer Pollenallergie. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind bereits 4,5 Prozent der Kinder betroffen, bei den bis Zweijährigen drei Prozent, ergab die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2). Doch wie zeigt sich, ob ein Husten und Schniefen ein Heuschnupfen und keine Erkältung ist?

Symptome einer Pollenallergie

"Es gibt recht klare Indizien für eine Pollenallergie, auch wenn sie denen einer Erkältung ähnlich sind", erklärt Prof. Dr. Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen. "Ein Schnupfen dauert im Schnitt sieben bis zehn Tage. Eine Allergie bleibt wochen- oder sogar monatelang, verstärkt zwischen März und Juli. Tränende, juckende, gerötete ­Augen sind typisch für eine Überempfindlichkeit."

So entsteht Heuschnupfen

Diese ist alles andere als nur ein bisschen lästig: "Aller­giker, auch schon die Jüngsten, haben einen hohen Leidensdruck. Gerade wenn das Immunsystem über eine lange Zeit überreagiert, sich also die eigene Abwehr gegen eigentlich harmlose Substanzen richtet. Bei Heuschnupfen sind das Pflanzenpollen", sagt Klimek. Die Symptome, Husten, Niesen und Atemprobleme, erschöpfen und stören nicht selten die Nachtruhe.

Das Immunsystem nimmt die an sich harmlosen Pollen als Fremde wahr und bildet Antikörper gegen sie. Erst beim nächsten Kontakt stuft das Immunsystem die Pollen als wirklich gefährlich ein, und die speziell entwickelten Antikörper greifen an. Dadurch wird der Botenstoff Histamin freigesetzt. Das Ergebnis: Die Nase läuft, und die Augen jucken.

Das Immunsystem nimmt die an sich harmlosen Pollen als Fremde wahr und bildet Antikörper gegen sie. Erst beim nächsten Kontakt stuft das Immunsystem die Pollen als wirklich gefährlich ein, und die speziell entwickelten Antikörper greifen an. Dadurch wird der Botenstoff Histamin freigesetzt. Das Ergebnis: Die Nase läuft, und die Augen jucken.

Klimaveränderungen verschlimmern Allergien

Gräser und Getreide, aber auch Birke, Buche, Erle und Hasel, sowie Gewächse aus der sogenannten Korb­blütler-Familie (zum Beispiel Beifuß und Ambrosia) zählen zu den Hauptauslösern. Von Ambrosia reichen schon fünf bis zehn Pollen in einem Kubikmeter Luft aus, um bei Betroffenen eine Reaktion auszulösen. ­"Eine große Rolle spielen zudem die Klima­ver­änderungen. Alles blüht immer früher und ungüns­tige Windverhältnisse können Pollen Hunderte von Kilometern verbreiten. Allergiker haben so immer kür­zere beschwerdefreie Verschnaufpausen", erklärt Klimek. Die steigende Feinstaubbelastung spielt zudem, neben den Genen, auch eine Rolle bei der Entstehung einer Pollenallergie.

Was hilft im Akutfall?

Nach der medizinischen Diagnose per Prick- oder Bluttest steht Eltern eine große Palette an Medikamenten zur Verfügung, die Symptome zumindest vorübergehend lindern können. "Für Kinder eignen sich lo­kale Antihistaminika in Form von Augen- und Nasen­tropfen gut, da sie leicht anzuwenden sind. Es gibt verschiedene Wirkstoffe wie Cetirizin, Loratadin, Azelastin und Levocabastin", so Klimek. Sie hemmen den Botenstoff Histamin, der die Allergiesymptome fördert. "Zum Teil und je nach Hersteller bekommt man sie schon rezeptfrei ab dem ersten Lebensjahr in der Apotheke. Tabletten haben eine längere Wirkzeit, dürfen aber erst später eingenommen werden", sagt der Allergologe. "Nasenspülungen mit Meersalz reinigen die Schleimhäute von Pollenrückständen und verschaffen oft Erleichterung", erklärt Ludger Klimek.

Pollenbelastung senken

Vor allem meiden Betroffene möglichst die Auslöser. Im Ideal­fall befinden sich an allen Fenstern Pollenschutzgitter, vor allem im Kinderzimmer. Seine Kleidung zieht es am besten abends im Bad aus, vor dem Zubettgehen die Haare waschen, um die Pollen abzuspülen. Lüften Sie zu Zeiten mit geringem Pollenflug (auf dem Land abends von 19 bis 24 Uhr, in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr).

Heuschnupfen vorbeugen

Und vorbeugend? Hier rät Experte Klimek:

  • Den Säugling, wenn möglich, vier bis sechs Monate lang voll stillen.
  • Auf eine rauchfreie Umgebung achten.
  • "Auch wenn es noch keine ausreichenden Beweise gibt, scheinen sich fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut und Joghurt positiv auf die Allergie­­neigung auszuwirken", sagt Klimek. 
  • Keine übertriebene Haushaltshygiene. Denn: Eine zu sterile Umgebung hat einen eher negativen Einfluss. So leiden Kinder, die auf Bauernhöfen mit Kuhstall aufwachsen, häufig weniger an Aller­gien

Spezifische Immuntherapie (SIT) ab dem fünften Lebensjahr möglich

Grundsätzlich sollten Eltern über eine langfristige Lösung nachdenken. Kinder hätten ihr ganzes Leben vor sich. Das sollte möglichst allergiefrei sein, meint Klimek. Auch im Hinblick auf eine Chronifizierung und einen möglichen Etagenwechsel. "Sonst kann sich ­eine Pollenallergie zu einem Asthma auswachsen. Ich rate, möglichst früh zu einer spezifischen Immuntherapie (SIT), die ab dem fünften Lebensjahr möglich ist", so Klimek. Bei der SIT wird Kindern ein bis drei Jahre lang monatlich das entsprechende Allergen unter die Haut gespritzt oder täglich in Tropfen- oder Tablettenform unter die Zunge gelegt. "Die Erfolgsaussichten sind gut, da das kindliche Immunsystem sehr gut auf ­eine Immunisierung anspricht", sagt der Experte. "Die Spritzentherapie ist sogar noch etwas wirksamer."

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