Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)

Kehlkopfkrebs ist der häufigste Tumor im Kopf-Hals Bereich. Anzeichen können anhaltende Heiserkeit, Hals- und Schluckprobleme sein. Die Hauptursachen sind – nach derzeitigem Wissensstand – Rauchen und Alkohol

aktualisiert am 03.12.2015

Die Grafik zeigt schematisch, wo sich der Kehlkopf befindet


Was ist Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)?

Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) stellt die häufigste Tumorerkrankung im Kopf-Hals-Bereich dar. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 66 Jahre, bei Frauen bei 63 Jahre. Die meisten Kehlkopfkarzinome treten im Bereich der Glottis auf. Die Glottis ist der stimmbildende Teil des Kehlkopfes, in dem sich die Stimmlippen (umgangssprachlich Stimmbänder) befinden. Der Kehlkopf wird in drei Regionen unterteilt. Oberhalb der Stimmlippen befindet sich die Supraglottis, auf der Höhe der Stimmlippen die Glottis, unterhalb von ihnen liegt die Subglottis.

Der Kehlkopf (Larynx) befindet sich am Übergang des Rachens in die Speise- und Luftröhre. Er besitzt drei Funktionen: Er ermöglicht durch Spannung und Entspannung der Stimmlippen, dass der Mensch sprechen und auch atmen kann. Zudem senkt sich beim Schlucken der Kehldeckel und die Stimmlippen verschließen sich. Dadurch wird verhindert, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Ursachen und Risikofaktoren

Warum Kehlkopfkrebs entsteht, ist derzeit nicht genau bekannt. Experten gehen jedoch davon aus, dass an der Entstehung viele Faktoren beteiligt sind. 

Vor allem Raucher und Menschen, die über lange Zeit größere Mengen Alkohol konsumieren, haben ein deutlich höheres Risiko, an Kehlkopfkrebs zu erkranken. Männer leiden siebenmal häufiger an Kehlkopfkrebs als Frauen.

 

Sollten Menschen an ihrem Arbeitsplatz über Jahre hinweg bestimmten Schadstoffen ausgesetzt sein, kann sich die Wahrscheinlichkeit für Kehlkopfkrebs erhöhen. Dazu zählen unter anderem Asbest, Arsen, Nickel, Chrom und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, z.B. Benzpyrene. Gesetzlich vorgeschriebene Arbeitsschutzmaßnahmen haben dieses Risiko heutzutage jedoch deutlich vermindert. Ein Kehlkopfkarzinom, dass sich durch eine Asbestbelastung am Arbeitsplatz entwickelt hat, kann heute als Berufskrankheit anerkannt werden.

Ebenfalls als Risikofaktor für die Enstehung von Kehlkopfkrebs diskutiert werden humane Papillomaviren (HPV). Ihre tatsächliche Bedeutung für die Entstehung eines Larynxkarzinoms ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Symptome

In frühen Stadien muss der Tumor nicht unbedingt Symptome hervorrufen. Je nachdem welcher Teil des Kehlkopfes von der Tumorerkrankung betroffen ist, kann diese auch längere Zeit ohne Beschwerden fortschreiten. Der häufigste Kehlkopfkrebs – der Glottis-Tumor – zeigt allerdings meist schon frühzeitig bestimmte Anzeichen. Ein typisches Frühzeichen des Stimmlippenkrebses ist die Heiserkeit. Halsbeschwerden oder ein Fremdkörpergefühl – ähnlich einem Kloß im Hals – treten eher bei Kehlkopftumoren oberhalb der Stimmlippenebene auf. Oftmals sind diese Beschwerden jedoch schon Zeichen eines fortgeschrittenen Tumorwachstums. Auch Schluckbeschwerden treten meist erst in späteren Stadien auf. Die Atmung kann ebenfalls beeinträchtigt sein.

Meist liegt den Symptomen eine harmlose Ursache zugrunde – zum Beispiel eine Entzündung im Rachen- oder Kehlkopfbereich. Halten die Beschwerden jedoch länger als zwei Wochen an, ist es in jedem Fall ratsam, einen Arzt (am besten einen HNO-Arzt) aufzusuchen. Besonders dann, wenn der Betroffene Raucher ist oder regelmäßig in größeren Mengen Alkohol konsumiert.

Diagnose

Bei Verdacht auf Kehlkopfkrebs ist die Kehlkopfspiegelung ein wichtiges Diagnoseverfahren. Dabei untersucht ein Arzt den Kehlkopf mithilfe eines Spiegels beziehungsweise einer Lupenoptik (indirekte Kehlkopfspiegelung) oder unter Vollnarkose mit einem röhrenförmigen Instrument – dem Laryngoskop (direkte Kehlkopfspiegelung).

Um die Diagnose zu sichern, muss der Arzt Gewebeproben aus auffälligen Bereichen des Kehlkopfes entnehmen (Biopsie) und sie mikroskopisch untersuchen lassen. Dies geschieht normalerweise unter Vollnarkose während der direkten Kehlkopfspiegelung.

Um die weitere Therapie planen zu können, ist es wichtig, die Lage und Größe des Tumors zu ermitteln. Zudem muss der Arzt überprüfen, ob es bereits Absiedlungen von Tumorzellen in nahegelegene Lymphknoten gibt oder  sogar in andere Organe wie der Lunge. Dazu erfolgt eine genaue  HNO-ärztliche Untersuchung  und es werden bildgebende Verfahren wie ein Ultraschall des Halses, eine Computertomografie(CT) oder Kernspintomografie (MRT) eingesetzt.

Stadieneinteilung

Das Krankheitsstadium, also wie weit sich die Krebserkrankung im Körper ausgebreitet hat, wird durch ein international einheitliches System beschrieben (TNM-Klassifikation).  Bei diesem Klassifikationssystem steht der Buchstabe T für die Ausbreitung des Tumors, N für das Vorhandensein von Streuherden in den benachbarten Halslymphknoten und M für das Vorhandensein von Tumorabsiedlungen in anderen Organen (Fernmetastasen).

Bösartige Neubildungen im Bereich der Stimmritze (Glottis) haben folgende Klassifikation:

•    T1: Der Tumor ist auf eine Stimmlippe (T1a) oder beide Stimmlippen (T1b) begrenzt, mit normaler Beweglichkeit.

•    T2: Das Karzinom reicht bis in die benachbarte Kehlkopfebene (Supraglottis und/oder Subglottis) mit eingeschränkter Stimmlippenbeweglichkeit.

•    T3: Der Tumor ist auf den Kehlkopf begrenzt, die Stimmlippen sind jedoch unbeweglich.

•    T4: Der Krebs breitet sich auf andere Gewebe außerhalb des Kehlkopfs aus, zum Beispiel auf die Luftröhre, Schilddrüse oder Weichteile des Halses.

•    N1 bis N3: Krebszellen befinden sich in den nahegelegenen Lymphknoten (Metastasen).

•    M1: Der Krebs hat sich in weitere Organe abgesiedelt (Fernmetastasen).

Tumoren in anderen Bereichen des Kehlkopfes (subglottische und supraglottische Tumoren) haben eine davon abweichende T-Klassifikation.

Therapie

Die Behandlung von Kehlkopfkrebs hängt davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten ist und wo er auftritt. Befindet sich der Krebs in einem frühen Stadium, kann er meistens relativ schonend operiert werden. Das heißt, der Chirurg muss den Kehlkopf nicht vollständig entfernen, sondern oft nur teilweise. Die Lebensqualität des Patienten erhöht sich erheblich, da die Stimme erhalten bleibt. In vielen Fällen kann der Operateur den Tumor durch den Mund entfernen. Dabei führt er ein Laryngoskoprohr über den Mund ein und entfernt das erkrankte Gewebe. Wird dazu ein Laser eingesetzt, sprechen Mediziner von Laser-Mikrochirurgie. Mit diesem minimal-invasiven Verfahren lässt sich Kehlkopfkrebs in vielen Fällen effektiv behandeln, ohne dass die gesunde Rachen- und Kehlkopfstruktur in Mitleidenschaft gezogen wird.


Nicht jeder Tumor lässt sich jedoch über den Mund entfernen. Mitunter muss das bösartige Gewebe von außen über einen Schnitt am Hals entfernt werden. Der Kehlkopf wird dabei teilweise oder vollständig (Laryngektomie) herausgenommen – je nach Ausdehnung und Lage des Tumors. Ist letzteres der Fall, muss am Hals eine künstliche Atemöffnung geschaffen werden, da eine normale Atmung nicht mehr möglich ist. Ebenso kann der Operierte nicht mehr über die Stimmlippen sprechen. Nach einer kompletten Kehlkopfentfernung gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten eine Ersatzstimme auszubilden. Neben der Benutzung elektronischer Sprechhilfen kann versucht werden, eine sogenannte Ösophagus-Ersatzstimme zu erlernen. Es kommen auch chirurgische Techniken zum  Einsatz, zum Beispiel der Einsatz einer Stimmprothese.

Ob ergänzend oder alternativ zur Operation eine Strahlentherapie (auch Bestrahlung genannt) sinnvoll ist, hängt vom Krankheitsstadium sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Strahlen- und Chemotherapie zu kombinieren (Radiochemotherapie) .

Vorbeugen

Rauchen stellt den Hauptrisikofaktor für Kehlkopfkrebs dar, der derzeit bekannt ist. Zigarettenrauch schädigt nicht nur den Kehlkopf, sondern auch die Lunge. Der langjährige Konsum von Tabak erhöht die Gefahr an Lungenkrebs zu erkranken, erheblich. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, aufzuhören!

Auch wer regelmäßig größere Mengen Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit. Übermäßiger Alkoholkonsum, gerade in Verbindung mit Rauchen, erhöht die Wahrscheinlichkeit Kehlkopfkrebs zu bekommen. Zudem zieht Alkohol langfristig auch die Leber in Mitleidenschaft.

Bestimmte chemische Stoffe können Krebs auslösen. Dazu gehört unter anderem Asbest. Diese Substanz kann beispielsweise in alten Decken-Innenverkleidungen oder Heizkörpern vorkommen und bei Renovierungsarbeiten freigesetzt werden. Als besonders gefährlich gilt schwach gebundener Spritzasbest, wie er zur Isolierung und als Brandschutz eingesetzt wurde. Für die Sanierung und Entsorgung von mit Asbest belasteten Gebäuden, Anlagen oder Geräten gelten strenge Schutzmaßnahmen. Lassen sie sich deshalb insbesondere bei älteren Häusern von fachkundigen Handwerkern beraten.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des DKFZ.

Weitere Quellen:

- Informationen des Robert Koch Institutes (RKI), Stand 2012

- ECO 2012 (European Cancer Observatory-IARC)

- Leitlinie Diagnostik und Begutachtung asbestbedingter Berufskrankheiten (AWMF, Stand 2010)

- Wittekind C. et al. 2010: TNM-Klassifikation maligner Tumoren, 7. Auflage

- Strutz J. u. Mann W. 2010: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 2. Auflage, Thieme Verlag

Theissing J. et al. 2006: HNO-Operationslehre. 2.Auflage, Thieme Verlag

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.