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Was ist Kehlkopfkrebs?

Symptome von Kehlkopfkrebs können anhaltende Heiserkeit, Hals- und Schluckprobleme sein. Die Hauptursachen sind – nach derzeitigem Wissensstand – Rauchen und Alkohol

aktualisiert am 27.05.2019
Kehlkopf (Schematische Darstellung)

Die Grafik zeigt schematisch, wo sich der Kehlkopf befindet


Larynxkarzinom - kurz zusammengefasst

Typische Symptome bei Kehlkopfkrebs sind Heiserkeit und Schluckbeschwerden. Treten diese länger als vier Wochen auf, ist daher spätestens ein Arztbesuch ratsam. Dies gilt insbesondere für Raucher und Menschen, die viel Alkohol trinken, da sie ein besonderes Risiko für Kehlkopfkrebs haben. Der Arzt kann den Kehlkopf spiegeln und bei verdächtigen Befunden Gewebeproben nehmen. Die Behandlung richtet sich danach, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Außer einer Operation kommt auch eine Strahlen- und/oder Chemotherapie oder aber der der Einsatz von speziellen Antikörpern oder das Immunsystem beeinflussenden Substanzen infrage.

Was ist Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)?

Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) ist der dritthäufigste Krebs im Kopf-Hals-Bereich. Der Altersgipfel liegt zwischen 50 und 70 Jahren. Männer erkranken durchschnittlich mit 66, Frauen mit 64 Jahren. Männer sind etwa siebenmal häufiger betroffen als Frauen. Ingesamt erkranken in Deutschland jährlich etwa 3600 Männer und 500 Frauen an einem Larynxkarzinom.

Illustration: Kehlkopf

Die meisten Kehlkopfkarzinome treten im Bereich der Glottis auf. Die Glottis ist der stimmbildende Teil des Kehlkopfes, in dem sich die Stimmlippen, umgangssprachlich auch als Stimmbänder bezeichnet, befinden. Der Kehlkopf wird in drei Regionen unterteilt. Oberhalb der Stimmlippen befindet sich die Supraglottis, auf der Höhe der Stimmlippen die Glottis, unterhalb von ihnen liegt die Subglottis.

Der Kehlkopf (Larynx) befindet sich am Übergang des Rachens in die Speise- und Luftröhre. Er besitzt drei Funktionen: Er ermöglicht durch Spannung und Entspannung der Stimmlippen, dass der Mensch sprechen und auch atmen kann. Zudem senkt sich beim Schlucken der Kehldeckel und die Stimmlippen verschließen sich. Dadurch wird verhindert, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Der Kehldeckel verschließt beim Schlucken die Luftröhre

Symptome: Wie fühlt sich Kehlkopfkrebs an?

In frühen Stadien muss der Tumor nicht unbedingt Symptome hervorrufen. Je nachdem welcher Teil des Kehlkopfes von der Tumorerkrankung betroffen ist, kann diese auch längere Zeit ohne Beschwerden fortschreiten. Der häufigste Kehlkopfkrebs – der Glottis-Tumor – zeigt allerdings meist schon frühzeitig bestimmte Anzeichen. Ein typisches Frühzeichen des Stimmlippenkrebses ist die Heiserkeit. Halsbeschwerden oder ein Fremdkörpergefühl – ähnlich einem Kloß im Hals – treten eher bei Kehlkopftumoren oberhalb der Stimmlippenebene auf. Oftmals sind diese Beschwerden jedoch schon Zeichen eines fortgeschrittenen Tumorwachstums. Auch Schluckbeschwerden treten meist erst in späteren Stadien auf. Die Atmung kann ebenfalls beeinträchtigt sein.

Meist liegt den Symptomen eine harmlose Ursache zugrunde – zum Beispiel eine Entzündung im Rachen- oder Kehlkopfbereich. Halten folgende Beschwerden jedoch länger als vier Wochen an, ist es in jedem Fall ratsam, einen Arzt (am besten einen HNO-Arzt) aufzusuchen:

  • Heiserkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Atemprobleme
  • Mundgeruch
  • Schwellung von Lymphknoten am Hals

Dies gilt besonders dann, wenn der Betroffene Raucher ist oder regelmäßig in größeren Mengen Alkohol trinkt.

Zahnarztspiegel

Wie kann der Arzt Kehlkopfkrebs diagnostizieren?

Bei Verdacht auf Kehlkopfkrebs ist die Kehlkopfspiegelung ein wichtiges Diagnoseverfahren. Dabei untersucht ein Arzt den Kehlkopf mithilfe eines Spiegels beziehungsweise einer Lupenoptik (indirekte Kehlkopfspiegelung) oder unter Vollnarkose mit einem röhrenförmigen Instrument – dem Laryngoskop (direkte Kehlkopfspiegelung).

Um die Diagnose zu sichern, muss der Arzt Gewebeproben aus auffälligen Bereichen des Kehlkopfes entnehmen (Biopsie) und sie mikroskopisch untersuchen lassen. Dies geschieht normalerweise unter Vollnarkose während der direkten Kehlkopfspiegelung.

Um die weitere Therapie planen zu können, ist es wichtig, die Lage und Größe des Tumors zu ermitteln. Zudem muss der Arzt überprüfen, ob es bereits Absiedlungen von Tumorzellen in nahegelegene Lymphknoten gibt oder sogar in andere Organe wie der Lunge. Dazu erfolgt eine genaue HNO-ärztliche Untersuchung einschließlich der Untersuchung der Beweglichkeit der Stimmlippen (Phoniatrie). Außerdem werden bildgebende Verfahren wie ein Ultraschall des Halses, eine Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) eingesetzt. Da die beiden wichtigen Risikofaktoren starker Alkoholkonsum und Rauchen auch die Wahrscheinlichkeit für andere Tumorerkrankungen  (Zweitkarzinome) erhöhen, ist es sinnvoll, wenn auch Speiseröhre, Luftröhre und Bronchien auf Tumoren untersucht werden. Diese Untersuchung nennt man Panendoskopie.

Stadieneinteilung

Das Krankheitsstadium, also wie weit sich die Krebserkrankung im Körper ausgebreitet hat, wird durch ein international einheitliches System beschrieben (TNM-Klassifikation). Bei diesem Klassifikationssystem steht der Buchstabe T für die Ausbreitung des Tumors, N für das Vorhandensein von Tumorabsiedlungen in den benachbarten Halslymphknoten und M für das Vorhandensein von Tumorabsiedlungen in anderen Organen (Fernmetastasen).

Bösartige Neubildungen im Bereich der Stimmlippen (Glottis) haben folgende Klassifikation:

• T1: Der Tumor ist auf eine Stimmlippe (T1a) oder beide Stimmlippen (T1b) begrenzt, mit normaler Beweglichkeit.

• T2: Das Karzinom reicht bis in die benachbarte Kehlkopfebene (Supraglottis und/oder Subglottis) und/oder eingeschränkter Stimmlippenbeweglichkeit.

• T3: Der Tumor ist auf den Kehlkopf begrenzt, die Stimmlippen sind jedoch unbeweglich.

• T4: Der Krebs breitet sich auf andere Gewebe außerhalb des Kehlkopfs aus, zum Beispiel auf die Luftröhre, Schilddrüse oder Weichteile des Halses.

• N1 bis N3: Krebszellen befinden sich in den nahegelegenen Lymphknoten (Metastasen).

• M1: Der Krebs hat sich in weitere Organe abgesiedelt (Fernmetastasen).

Tumoren in anderen Bereichen des Kehlkopfes (subglottische und supraglottische Tumoren) haben eine davon abweichende T-Klassifikation.

Therapie

Die Behandlung von Kehlkopfkrebs hängt davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten ist und wo er auftritt. Befindet sich der Krebs in einem frühen Stadium, kann er meistens relativ schonend operiert oder bestrahlt werden. Das heißt, der Chirurg muss den Kehlkopf nicht vollständig entfernen, sondern oft nur teilweise. Die Lebensqualität des Patienten erhöht sich erheblich, da die Stimme erhalten bleibt. In vielen Fällen kann der Operateur den Tumor durch den Mund entfernen. Dabei führt er ein Laryngoskoprohr über den Mund ein und entfernt das erkrankte Gewebe. Wird dazu ein Laser eingesetzt, sprechen Mediziner von Laser-Mikrochirurgie. Mit diesem minimal-invasiven Verfahren lässt sich Kehlkopfkrebs in vielen Fällen effektiv behandeln, ohne dass die gesunde Rachen- und Kehlkopfstruktur in Mitleidenschaft gezogen wird.

Nicht jeder Tumor lässt sich jedoch über den Mund entfernen. Mitunter muss das bösartige Gewebe von außen über einen Schnitt am Hals entfernt werden. Der Kehlkopf wird dabei teilweise oder vollständig (Laryngektomie) herausgenommen – je nach Ausdehnung und Lage des Tumors. Ist letzteres der Fall, muss am Hals dauerhaft eine künstliche Atemöffnung geschaffen werden, ein sogenanntes Tracheostoma, da eine normale Atmung nicht mehr möglich ist. Ebenso kann der Operierte nicht mehr über die Stimmlippen sprechen. Nach einer kompletten Kehlkopfentfernung gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten eine Ersatzstimme auszubilden. Neben der Benutzung elektronischer Sprechhilfen kann versucht werden, eine sogenannte Ösophagus (Speiseröhren)-Ersatzstimme zu erlernen. Es kommen auch chirurgische Techniken zum  Einsatz, zum Beispiel der Einsatz einer Stimmprothese. Wird der Kehlkopf nur teilweise entnommen, wird das Tracheostome üblicherweise nur vorrübergehend benötigt.

Ob ergänzend oder alternativ zur Operation eine Strahlentherapie (auch Bestrahlung genannt) sinnvoll ist, hängt vom Krankheitsstadium sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Strahlen- und Chemotherapie zu kombinieren (Radiochemotherapie). Diese Therapievariante kommt manchmal auch anstelle der Operation infrage. Zum Einsatz kommen teilweise auch spezielle Antikörper oder Stoffe, welche die Arbeit des Immunsystems beeinflussen (Immunmodulatoren).

Ursachen und Risikofaktoren

Experten gehen davon aus, dass an der Entstehung eines Larynxkarzinoms viele Faktoren beteiligt sind. 

Vor allem Raucher und Menschen, die über lange Zeit größere Mengen Alkohol konsumieren, haben ein deutlich höheres Risiko, an Kehlkopfkrebs zu erkranken.

Sollten Menschen an ihrem Arbeitsplatz über Jahre hinweg bestimmten Schadstoffen ausgesetzt sein, kann sich die Wahrscheinlichkeit für Kehlkopfkrebs erhöhen. Bei Asbestbelastung am Arbeitsplatz, wenn Arbeiter über mehrere Jahre intensiv schwefelsäurehaltigen Luftgemischen oder Strahlung ausgesetzt sind, kann ein Larynxkarzinom als Berufskrankheit anerkannt werden.

Ebenfalls als Risikofaktor, wenn auch von geringerer Bedeutung für die Entstehung von Kehlkopfkrebs, gilt eine Infektion mit bestimmten Typen der humanen Papillomaviren (HPV). Dennoch ist Kehlkopfkrebs nicht ansteckend, denn damit bei einer Papillomaviren-Infektion ein Tumor entstehen kann, müssen zahlreiche Faktoren zusammenkommen.

Vorbeugen

Zigarettenrauch schädigt nicht nur den Kehlkopf, sondern auch die Lunge. Der langjährige Konsum von Tabak erhöht die Gefahr an Lungenkrebs zu erkranken, erheblich. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, aufzuhören!

Rauchen: Was passiert, wenn Sie es jetzt aufhören?

Auch wer regelmäßig größere Mengen Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit. Übermäßiger Alkoholkonsum, gerade in Verbindung mit Rauchen, erhöht die Wahrscheinlichkeit Kehlkopfkrebs zu bekommen. Zudem zieht Alkohol langfristig auch die Leber in Mitleidenschaft. Achten Sie also darauf, Alkohol nur selten und in Maßen zu trinken.

Bestimmte chemische Stoffe können Krebs auslösen. Dazu gehört unter anderem Asbest. Diese Substanz kann beispielsweise in alten Decken-Innenverkleidungen oder Heizkörpern vorkommen und bei Renovierungsarbeiten freigesetzt werden. Als besonders gefährlich gilt schwach gebundener Spritzasbest, wie er zur Isolierung und als Brandschutz eingesetzt wurde. Für die Sanierung und Entsorgung von mit Asbest belasteten Gebäuden, Anlagen oder Geräten gelten strenge Schutzmaßnahmen. Lassen sie sich deshalb insbesondere bei älteren Häusern von fachkundigen Handwerkern beraten.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des DKFZ.

Weitere Quellen:

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und Deutschen Krebshilfe: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Larynxkarzinoms, 01/2019. Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Larynxkarzinom/Version_1.0/LL_Larynxkarzinom_Langversion_1.0.pdf (Abgerufen am 27.05.2019)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.