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Über 1600 Krankenhäuser gibt es in Deutschland. Doch wie entscheide ich, welches Klinik die Richtige ist, wenn eine Operation geplant ist? Der Bundes-Klinik-Atlas soll dabei helfen, die verschiedenen Krankenhäuser miteinander zu vergleichen. Das Angebot, das kürzlich startete, soll dafür schrittweise ausgebaut werden. Kritikern geht das nicht weit genug, sie fordern, dass der Atlas wieder abgeschaltet wird.

Was soll der Bundes-Klinik-Atlas ändern?

Im Internet konkurrieren bereits verschiedene Listen und Vergleichsportale für Kliniken miteinander. Etwa seit 2002 das Deutsche Krankenhausverzeichnis, das von der Deutschen Krankenhausgesellschaft getragen wird. Aber auch Seiten mit dem Namen Krankenhaus-Atlas gibt es schon.

Übersichtlicher und eindeutiger will es Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit der Einführung des Bundes-Klinik-Atlas machen, der am Freitag (17. Mai 2024) online ging. Er ist eine Teilmaßnahme des im Oktober vergangenen Jahres beschlossenen Krankenhaustransparenzgesetzes. Die Daten für seinen Atlas bezieht das Bundesgesundheitsministerium vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Andernorts verfügbare Vergleiche basierten – so Lauterbach – inakzeptablerweise oft auch auf Selbstauskünften.

Was soll mit dem Bundes-Klinik-Atlas möglich sein?

Ab Veröffentlichung gibt der Atlas Auskunft über:

  • rund 1700 Krankenhäuser mit Standorten (Karte)
  • Bettenzahl
  • Ausweisung Sicherstellungshäuser
  • teilstationäre Behandlungsplätze
  • Fallzahlen insgesamt
  • Fallzahlen je Fachabteilung
  • Fallzahlen je Behandlungsanlass
  • Pflegekräfte für den gesamten Standort
  • Pflegepersonalquotienten
  • minimale Durchführungshäufigkeit bestimmter Leistungen
  • Notfallstufen
  • Ausgewählte Zertifikate

Sowohl am Desktop als auch auf dem Handy können verschiedene Kliniken anhand dieser Kriterien miteinander verglichen werden. „In zehn Minuten können so eine Million Patienten eine individuelle Antwort zur bestmöglichen Versorgung erhalten“, sagte Gesundheitsminister Lauterbach am Freitag vor der Bundespressekonferenz, wo er den Atlas vorstelle.

Für die Nutzung müsse man kein Fachmann sein. Auch umgangssprachliche Eingabe-Begriffe wie „Ziegenpeter“ statt „Mumps“ würden zu erfolgreichen Suchen führen.

Wie nutze ich den Bundes-Klinik-Atlas?

Den Bundes-Klinik-Atlas finden Sie unter bundes-klinik-atlas.de

In der Suchleiste, die oben erscheint, können Sie Ihre Erkrankung, eine nötige Behandlung oder eine Fachabteilung eingeben. In einem weiteren Suchfeld rechts daneben können Sie Ihre Postleitzahl angeben, um auf entsprechende Kliniken in Ihrer Nähe zu stoßen. Die infrage kommenden Krankenhäuser in Ihrer Nähe werden nun untereinander aufgelistet.

Kleine Tachometer-Symbole unter jeder gelisteten Klinik weisen mit ihrem Pfeil auf die Qualität der jeweiligen Einrichtungen hin. So können Sie zum Beispiel schauen, bei welcher Klinik der Tacho am höchsten ausschlägt (dann steht der Zeiger möglichst weit rechts, im grünen Bereich) und etwa davon Ihre Klinikwahl abhängig machen.

Was erfasst der Bundes-Klinik-Atlas nicht?

Verschiedene für den neuen Atlas relevante Qualitätskriterien werden stufenweise veröffentlicht.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind im Bundes-Klinik-Atlas keine Daten zu Komplikationsraten von Eingriffen sowie zu den Leistungsgruppen und Leveln der Krankenhäuser erfasst. Letztere sollen im vierten Quartal zugänglich sein. Um Komplikationsraten würde der Atlas in „wenigen Wochen“ ergänzt werden, so Lauterbach am Freitag.

Auch Befragungen von Patientinnen und Patienten spielten derzeit keine Rolle in den Bewertungen des Klinik-Atlas. Zukünftig sei dies laut Lauterbach aber „durchaus denkbar“.

Momentan beruhen die Auskünfte des Atlas auf Daten von 2022. Generell würde der Atlas aber stetig aktualisiert und – auch mithilfe von künstlicher Intelligenz – regelmäßig weiterentwickelt.

Welche Kritik gibt es am Bundes-Klinik-Atlas?

Schon vor beziehungsweise zur Veröffentlichung des Klinik-Atlas gab es reichlich Kritik an der Idee.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass dem Klinik-Atlas entscheidende Angaben fehlen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte das Portal gar als irreführend und überflüssig. Mit Verweis auf das Deutsche Krankenhausverzeichnis sagte DKG-Chef Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, der Bundes-Atlas bringe keine neuen Erkenntnisse, verursache bei den Krankenhäusern aber mehr Aufwand und Bürokratie.

Die Vorwürfe der Überflüssigkeit und der vermehrten Bürokratie wies Gesundheitsminister Lauterbach bei der offiziellen Vorstellung des Atlas vor der Bundespressekonferenz zurück. Für den Atlas müssten keine Zusatzdaten erhoben werden, es würden Routinedaten genutzt. Lediglich bei der Erfassung von Arztzahlen sei zusätzliche Dokumentation nötig.

Informationen zu Leistungsgruppen und Leveln sowie der Pflegequotient seien vor dem Bundes-Klinikatlas nirgendwo verfügbar gewesen. Als innovativ hob Lauterbach auch die Möglichkeit hervor, bis zu zehn Krankenhäuser in Tachonadel-ähnlicher Darstellung direkt miteinander vergleichen zu können.

Die DKG verschärfte ihre Kritik im Laufe der folgenden Tage immer weiter. Die Rede war von zahlreichen Fehlern und veralteten beziehungsweise falschen Zahlen. Diese seien der DKG immer wieder von Kliniken aus allen Bundesländern gemeldet worden. Sie beträfen vor allem Ausstattungen, Notfallstufen und Fallzahlen. Auch mit der fehlerhaften Suchfunktion gefährde man Patientinnen und Patienten[1]. Zwei Wochen nach Live-Schaltung des Klinik-Atlas bewertet die DKG diesen nun als „komplett untauglich“ und fordert Karl Lauterbach auf, diesen unverzüglich abzuschalten. [2]


Quellen:

  • [1] Deutsche Krankenhausgesellschaft: DKG zu den Problemen mit dem Bundes-Krankenhausatlas, Fehler in Lauterbachs Klinik-Atlas gefährden Patienten. Onlline: https://www.dkgev.de/... (Abgerufen am 31.05.2024)
  • [2] Deutsche Krankenhausgesellschaft: DKG zur gescheiterten Bund-Länder-Runde, Nur das Parlament kann Lauterbachs Blockade noch brechen. Online: https://www.dkgev.de/... (Abgerufen am 31.05.2024)
  • Statistisches Bundesamt: Krankenhäuser, Einrichtungen, Betten und Patientenbewegung. Online: https://www.destatis.de/... (Abgerufen am 17.05.2024)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Bundes-Klinikatlas. Online: https://bundes-klinik-atlas.de (Abgerufen am 17.05.2024)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Bundes-Klinik-Atlas, Fragen und Antworten. Online: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... (Abgerufen am 17.05.2024)