In der Orthopädie ist sie längst keine Besonderheit mehr: die sorgfältige Vorbereitung mit Kräftigungs- oder Ausdauerübungen auf eine Operation. Zum Beispiel, bevor eine künstliche Hüfte eingesetzt wird. Inzwischen kommt die sogenannte Prähabilitation aber auch bei größeren Bauch- oder Brustkorb-OPs häufiger zum Einsatz, wie bei Eingriffen an Magen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse oder Lunge.

„Prähabilitation“ ist eine Wortschöpfung aus Rehabilitation und „prä“, also „vor“. Man kann den Begriff mit „Vor-Wiederherstellung“ übersetzen. Und das beschreibt sehr gut, worum es dabei geht: Mit der bestmöglichen Vorbereitung auf einen Eingriff steigen die Chancen, dass der Körper die Strapazen, die eine große Operation mit sich bringt, gut und schnell übersteht.

Schon ein paar Minuten Atemtraining, eine Runde Spazierengehen und eine bessere Auswahl der Mahlzeiten können vor einer OP helfen

Schon ein paar Minuten Atemtraining, eine Runde Spazierengehen und eine bessere Auswahl der Mahlzeiten können vor einer OP helfen

Und je schneller sich der Körper von dem Eingriff erholt, desto eher kann man mit der Rehabilitation beginnen. Dabei sollen Fähigkeiten und Fitness, die man vor der OP hatte, wiederhergestellt werden.

Besonders wenn in einer aufwendigen Operation zum Beispiel größere Teile des Verdauungssystems oder der Lunge entfernt werden, ist das viel Arbeit für den Körper. Direkt vor der OP muss der Darm entleert sein, währenddessen wird der Kreislauf durch die Narkose und künstliche Beatmung stark gefordert. Danach kann die Patientin oder der Patient eventuell für einige Zeit nichts essen, da die neuen Verbindungen noch ein paar Tage heilen müssen. Das geht an die Substanz. Und oft haben Menschen, die am Magen-Darm-Trakt operiert werden, aufgrund ihrer Erkrankung ohnehin bestimmte Nährstoffdefizite. Mängel an Vitaminen oder Spurenelementen treten im Übrigen auch bei Personen auf, die etwas zu viel auf die Waage bringen – zum Beispiel, wenn jemand aufgrund der Krankheit akut deutlich weniger essen konnte.

Ähnlich fordernd ist ein Eingriff an der Lunge. Der Lungenflügel, der operiert wird, fällt während des Eingriffs in sich zusammen. Das ist für das Gewebe, das sonst immer mit Luft gefüllt ist, ungewohnt und eine Herausforderung. Flüssigkeit, Entzündungen und Narben können sich als Reaktion auf die OP in der Lunge oder im Brustkorb bilden. Das kann die Atmung erheblich einschränken.

Schneller raus aus der Klinik

In jüngeren Studien wurde jetzt gezeigt: Eine gute Vorbereitung wirkt sich auf den Verlauf nach der OP aus. So erholen sich Patientinnen und Patienten mit einer Prähabilitation oft schneller und verlassen das Krankenhaus früher als unvorbereitete. Das kann wiederum Einfluss auf die Lebensqualität nach dem Eingriff haben, wobei für einen echten Vergleich noch Untersuchungen fehlen.

Die Prähabilitation baut auf drei wichtigen Säulen auf: Atemtraining, leichtes Kreislauftraining und den Ausgleich von Nährstoffmängeln. Keine Angst: Optimale Vorbereitung bedeutet nicht, dass alle, denen eine größere Operation bevorsteht, für einen Marathon trainieren müssen. Häufig reichen auch schon leichte Atemübungen, regelmäßiges Spazierengehen und die tägliche Einnahme von Spezialdrinks oder -joghurts, die besonders kalorien- und nährstoffreich sind. All diese möglichen Maßnahmen müssen natürlich individuell auf die eigene Person und mit allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgestimmt sein.

Viele Menschen fühlen sich zum Beispiel nach der Diagnose Krebs oder mit einer chronisch entzündlichen Erkrankung wie Morbus Crohn hilflos und ausgeliefert. Die Prähabilitation kann auch dabei helfen, wieder das Gefühl zu haben, etwas selbst in die Hand zu nehmen und zur Heilung und einem guten Verlauf nach der Operation beitragen zu können.

Dass das gar nicht kompliziert sein muss, erklärt Professor Arved Weimann, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Bauch- und Onkologische Chirurgie im Klinikum St. Georg in Leipzig: „Wenn Sie etwas Gutes für sich tun wollen – und bis zur Operation ungefähr zehn Tage Zeit haben –, dann machen Sie regelmäßig Spaziergänge, dazu ein bisschen Atemtraining. Und nehmen Sie einmal am Tag Trinknahrung zu sich.“

Der Chirurg, der aktuell an einer Leitlinie zur perioperativen Medizin (so wird die Phase unmittelbar vor, während und nach der Operation bezeichnet) und Prähabilitation mitarbeitet, betont: „Wir motivieren alle Patienten, sich auf den Eingriff vorzubereiten – ähnlich wie ein Sportler auf einen Wettkampf. Schaden kann es kaum.“

„Wenn Sie etwas Gutes für sich tun wollen, dann bereiten Sie auch Ihren Körper auf die OP vor“: Professor Arved Weimann, Chef der Abteilung für onkologische Chirurgie der St. Georg Klinik Leipzig

„Wenn Sie etwas Gutes für sich tun wollen, dann bereiten Sie auch Ihren Körper auf die OP vor“: Professor Arved Weimann, Chef der Abteilung für onkologische Chirurgie der St. Georg Klinik Leipzig

Übungen und Bewegungstrainings sollten dabei mit Fachleuten abgesprochen sein, damit niemand sich überlastet. Auch der Ernährungszustand muss professionell beurteilt werden. Dabei arbeiten viele Parteien eng zusammen. „Wir rufen zum Beispiel die Hausärzte an und holen sie mit ins Boot. Diese können dann einen Effekt auf den Körper haben – und damit auf die Zeit nach einer OP unterstützen, zum Beispiel, wenn für Trinknahrung oder Physiotherapie Rezepte gebraucht werden“, erklärt Weimann.

Das bietet weitere Vorteile: In den Studien waren diejenigen Patientinnen und Patienten, die sich vor der Operation gut betreut und beraten fühlten und eine individuelle Vorbereitung auf den Eingriff erhielten, deutlich motivierter bei den Übungen – und blieben auch nach der OP besser bei der Rehabilitation oder weiterführenden Therapie dabei.

OP verschieben - geht das?

Doch wie viel Zeit ist für die Vorbereitung auf einen wichtigen Eingriff notwendig? Besonders Krebskranke profitieren von einer Prähabilitation. Ihnen fehlen häufig Nährstoffe, da der Tumor den Körper regelrecht auszehrt. Wenn vor der OP eine Chemotherapie nötig ist, braucht es danach ohnehin eine Pause von mehreren Wochen, damit die Heilung nach der OP gelingen kann. „Diese zu nutzen ist ideal. Am besten organisiert man das vorher schon“, rät Weimann.

Allerdings hängt auch viel davon ab, wie fit und bereit die Betroffenen sind. Eine eindeutige Empfehlung, wie viel Vorbereitungszeit man sich nehmen sollte, fehlt. Weimann schätzt den Gewinn durch eine gute Prähabilitation aber größer ein als das Risiko, dass sich der Tumor in den wenigen Wochen vergrößert

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